{"id":45644,"date":"2019-10-19T00:00:00","date_gmt":"2019-10-18T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45644"},"modified":"2025-06-25T15:34:00","modified_gmt":"2025-06-25T13:34:00","slug":"wir-haben-noch-fuenf-bis-zehn-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45644\/wir-haben-noch-fuenf-bis-zehn-jahre\/","title":{"rendered":"\u00abWir haben noch f\u00fcnf bis zehn Jahre\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vaca Muerta (deutsch: \u00abTote Kuh\u00bb) gilt als eine der gr\u00f6ssten \u00d6lschiefer-Lagerst\u00e4tten der Welt, weshalb internationale Konzerne dort das umstrittene Fracking betreiben. F\u00fcr die Menschen und die Umwelt Argentiniens hat dies schwerwiegende Folgen. Wir haben Paul Horsman, Kampagnen-Leiter bei Greenpeace Argentinien, zur bedrohlichen Situation befragt.<\/strong><\/p>\n\n<p><em>Paul Horsman, wie sieht die momentane Situation in Patagonien aus?<\/em><\/p>\n\n<p>Das Ganze l\u00e4sst sich gut mit dem Goldrausch im Wilden Westen vergleichen: Das Schwarze Gold zieht viele Arbeitsmigrantinnen und -migranten an. Prostitution, Gewalt, Drogen- und Alkoholkonsum steigen stetig an, das Wohnungswesen, das Gesundheitssystem und die Schulen sind mit der Bev\u00f6lkerungszunahme \u00fcberfordert. Hinzu kommt, dass \u00d6lkonzerne Fracking unter anderem auf Land von indigenen V\u00f6lkern betreiben und damit deren Rechte auf Leben und ihre Kultur bedrohen und ihren Lebensraum zerst\u00f6ren. Aktuell werden in Patagonien ungef\u00e4hr 1500 Bohrl\u00f6cher betrieben. Pl\u00e4nen der Regierung zufolge soll die Anzahl aber auf \u00fcber 50&nbsp;000 steigen.<\/p>\n\n<p><em>Wer ist verantwortlich f\u00fcr das Fracking vor Ort?<\/em><\/p>\n\n<p>Die Gr\u00f6sse des Rohstoff-Vorkommens zieht alle internationalen \u00d6lkonzerne an. Dazu geh\u00f6ren unter anderem Shell, BP, ExxonMobil, Equinor (ehemals Statoil) und Total. Erst k\u00fcrzlich hat Shell sogar angek\u00fcndigt, die \u00d6lproduktion bis 2025 von 4500 F\u00e4ssern t\u00e4glich auf 70&nbsp;000 F\u00e4sser erh\u00f6hen zu wollen. Das allein w\u00fcrde 300 neue Bohrl\u00f6cher bedeuten.<\/p>\n\n<p><em>Welche Auswirkungen hat die Rohstofff\u00f6rderung auf die Umwelt?<\/em><\/p>\n\n<p>Beim Fracking wird eine giftige Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien in den geologischen Untergrund gepresst, um Br\u00fcche im Gestein zu verursachen, aus denen \u00d6l und Gas gef\u00f6rdert werden kann. Dieser Prozess hinterl\u00e4sst eine Unmenge an hochgiftigem M\u00fcll und verschmutztem Wasser \u2013 pro Bohrloch 20 Tonnen t\u00e4glich. Den Giftm\u00fcll laden die \u00d6lfirmen in mangelhaften und teilweise illegalen Anlagen ab, wo er ins Grundwasser dringt und es verunreinigt. Aber auch das Land, die Luft und folglich die Gesundheit der BewohnerInnen werden durch Fracking massiv bedroht. Hinzu kommen \u00d6lkatastrophen wie Explosionen, durch die Menschen sterben und die Umwelt zus\u00e4tzlich verschmutzt wird.<\/p>\n\n<p><em>Was unternimmt Greenpeace Argentinien gegen diese Umweltverschmutzung?<\/em><\/p>\n\n<p>Wir arbeiten eng mit den lokal ans\u00e4ssigen Mapuche und anderen indigenen V\u00f6lkern zusammen. Momentan sind wir daran, eine Beschwerde gegen Shell einzureichen, die eine \u00e4hnliche Klage der Mapuche unterst\u00fctzt. Wir haben ausserdem Nachforschungen betrieben, die den von \u00d6lkonzernen verursachten Schaden am Menschen und der Umwelt a\ufdecken, unter anderem die illegale Entsorgung des Giftm\u00fclls durch die Unternehmen.<\/p>\n\n<p><em>Was hofft ihr, mit eurer Arbeit zu erreichen?<\/em><\/p>\n\n<p>Wir m\u00f6chten die extreme Ausbreitung der \u00d6l- und Gasindustrie stoppen. Nicht nur, um das Leben der lokalen Gemeinschaften und die Umwelt zu sch\u00fctzen, sondern auch das globale Klima. Denn die Rohstoffreserven in Patagonien entsprechen 50 Gigatonnen CO<sub>2-<\/sub>Emissionen, die verursacht w\u00fcrden, wenn die gesamten Vorkommen gef\u00f6rdert und verbrannt w\u00fcrden. Dadurch h\u00e4tten wir keine Chance, das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 1,5 bis maximal 2 Grad Erw\u00e4rmung einzuhalten.<\/p>\n\n<p><em>Was denkst du: Wie lange braucht die Menschheit, um sich von fossilen Brennstoffen zu l\u00f6sen?<\/em><\/p>\n\n<p>Der aktuelle Report des Weltklimarats IPCC warnt, dass der globale \u00d6lkonsum bis 2030 um 37 und der von Erdgas um 13 Prozent sinken muss, um die Erw\u00e4rmungsschwelle von 1,5 bis 2 Grad nicht zu \u00fcberschreiten \u2013 er empfiehlt keinesfalls, die F\u00f6rderung fossiler Energietr\u00e4ger wie in Vaca Muerta weiter voranzutreiben. In anderen Worten: Wir haben noch f\u00fcnf bis zehn Jahre, um etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n<p><em>Was k\u00f6nnen wir in der Schweiz tun, um Patagonien zu helfen?<\/em><\/p>\n\n<p>Sicherstellen, dass der Finanzplatz der Schweiz nicht die F\u00f6rderung von fossilen Brennstoffen und somit die Zerst\u00f6rung von Patagonien und der Lebensgrundlage der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt, so wie es beispielsweise die Credit Suisse tut.<\/p>\n\n<p><em>Was motiviert dich, gegen Fracking in Patagonien weiterzuk\u00e4mpfen?<\/em><\/p>\n\n<p>Ganz einfach: weil wir es m\u00fcssen. Nur alleine schon, um gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen, die den indigenen V\u00f6lkern widerf\u00e4hrt, die bereits seit Tausenden von Jahren dort leben. Denn auch wenn sich die \u00d6l- und Gasindustrie auf dem R\u00fcckzug befindet \u2013 es passiert nicht schnell genug.<\/p>\n\n<p><em>Mehr Infos dar\u00fcber, wie der Schweizer Finanzplatz die F\u00f6rderung von fossilen Brennstoffen unterst\u00fctzt, findest du <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/tag\/finanzplatz-schweiz\/\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vaca Muerta (deutsch: \u00abTote Kuh\u00bb) gilt als eine der gr\u00f6ssten \u00d6lschiefer-Lagerst\u00e4tten der Welt, weshalb internationale Konzerne dort das umstrittene Fracking betreiben. 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