{"id":45701,"date":"2020-03-14T07:00:00","date_gmt":"2020-03-14T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45701"},"modified":"2020-06-04T14:51:42","modified_gmt":"2020-06-04T12:51:42","slug":"welche-wirtschaft-braucht-das-klima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45701\/welche-wirtschaft-braucht-das-klima\/","title":{"rendered":"Welche Wirtschaft braucht das Klima?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das \u00f6konomische System m\u00fcsse sich grundlegend \u00e4ndern, fordert ein Teil der Klimademonstranten. Andere halten das f\u00fcr einen gef\u00e4hrlichen Irrtum. Auch Schweizer Klimajugendliche sind sich nicht einig, ob sich Klimaschutz und Kapitalismus miteinander vertragen. Zwei Interviews.<\/strong><\/p>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mitra Tavakoli, Geografiestudentin<\/h4>\n\n<p><em>Mitra, die Parole \u00abSystem Change, not Climate Change\u00bb greift um sich. Was f\u00fcr ein Systemwechsel ist damit gemeint?<\/em><\/p>\n\n<p>Ich kann nicht f\u00fcr die ganze Bewegung sprechen. Aber vielen geht es wie mir um eine andere Wirtschaftsform, die mehr R\u00fccksicht auf Umwelt und Menschen nimmt. Denn unendliches Wachstum funktioniert nicht auf einer endlichen Erde. Der \u00fcberbordende Ressourcenverbrauch muss unterbrochen werden. Abgesehen von der Natur schadet der Kapitalismus auch Menschen, da er Egoismus f\u00f6rdert und einen Konsum zelebriert, der nie befriedigt werden soll.<\/p>\n\n<p><em>Was hat diese Erkenntnis mit dir gemacht?<\/em><\/p>\n\n<p>Es hat in mir eine grosse Unzufriedenheit ausgel\u00f6st und mich zur Umweltaktivistin gemacht: F\u00fcr mich stehen eine gen\u00fcgsame Haltung und ein sozialeres Miteinander im Zentrum. Seit anderthalb Jahren kaufe ich konsequent keine neuen technologischen Produkte oder Kleider. Das ist inzwischen ganz normal f\u00fcr mich. Und die innere Zufriedenheit, die ich seither sp\u00fcre, die ist mein gr\u00f6sster Antrieb.<\/p>\n\n<p><em>Welches \u00f6konomische System ist die L\u00f6sung?<\/em><\/p>\n\n<p>Ein einzelnes perfektes System gibt es nicht. Die L\u00f6sung liegt in verschiedenen \u00f6konomischen Ans\u00e4tzen, die man ausprobiert und kombiniert. Zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen oder die Regionalisierung der Wirtschaft, was k\u00fcrzere Arbeitswege und Materialtransporte zur Folge hat. Den Begriff Systemwechsel vermeide ich aber.<\/p>\n\n<p><em>Warum?<\/em><\/p>\n\n<p>Du giltst dann schnell als Kommunist, noch bevor du dich erkl\u00e4ren kannst. Ich nenne es lieber gesunden Menschenverstand. Und der Austritt aus der Leistungs- und Konsumgesellschaft f\u00f6rdert eine gemeinschaftliche und umweltfreundliche Lebensweise. Wir h\u00e4tten mehr Zeit und k\u00f6nnten uns daher um die wichtigen Dinge k\u00fcmmern, also mehr aufeinander achtzugeben und das Umfeld zu st\u00fctzen.<strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n<p><em>Denkst du, dass du diesen Wechsel miterleben wirst?<\/em><\/p>\n\n<p><em>(Lacht herzlich) <\/em>Ich weiss, die aktuelle politische Lage l\u00e4sst einen nicht tr\u00e4umen. Realistisch betrachtet, erfolgt der Wandel, der weltweit geschehen muss, eher nicht w\u00e4hrend meines Lebens. Im Moment ist aber einiges im Gange. Die Klimabewegung gibt mir Mut und Schwung. Ich hoffe, dass wir in der Schweiz genug Druck aufbauen, dass der Wandel hier in Bewegung kommt. Und er sich von hier aus auf ganz Europa ausweitet.<\/p>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Oscar Kl\u00e4si, Gymnasiast<\/h4>\n\n<p><em>Oscar, du nimmst an den nationalen Treffen der Klimajugend teil. Ist da der Systemwechsel ein Thema?<\/em><\/p>\n\n<p>Und wie! Nach zahlreichen Diskussionen mussten wir uns darauf einigen, keine Zeit mehr daf\u00fcr herzugeben. Unsere Zusatzklausel ist eine Art Kompromiss: Sollten unsere Ziele im aktuellen System nicht m\u00f6glich sein, dann muss ein Systemwandel her. Die meisten bef\u00fcrworten den \u00abSystem Change\u00bb, weil die Jungsozialisten national sehr aktiv sind. Ich halte nichts davon, im Gegenteil: Die linksextreme Forderung k\u00f6nnte Andersgesinnte davon abhalten, sich der Bewegung anzuschliessen.<\/p>\n\n<p><em>Also keine Systemkritik?<\/em><\/p>\n\n<p>Wir sollten immer ein wenig systemkritisch sein. Aber ein einzelnes Modell, das alle Probleme weltweit l\u00f6st, das gibt es nicht. Und dieses umzusetzen, w\u00fcrde eh zu viel Zeit beanspruchen. Der Klimawandel ben\u00f6tigt jetzt Handlungen.<\/p>\n\n<p><em>Wie l\u00e4sst sich denn grenzenloses Wachstum mit Klimaschutz vereinbaren?<\/em><\/p>\n\n<p>Wir m\u00fcssen das System nutzen, um den Klimawandel zu verhindern: Jeder, der dem Klima schadet, zahlt entsprechend. Das ist mein Hauptanliegen. Es kann nicht sein, dass Benzin so billig ist, wenn es so viel zerst\u00f6rt! Der CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss muss besteuert werden.<\/p>\n\n<p><em>Wo m\u00fcsste man aus deiner Sicht noch ansetzen?<\/em><\/p>\n\n<p>Der Kapitalismus hat die technologischen Fortschritte stark gef\u00f6rdert. Damit diese die Umwelt weniger belasten, muss mehr Geld in die Forschung fliessen. Wir m\u00fcssen mehr in Bildungswachstum investieren und weniger in materielles Wachstum. Und damit die Schweiz dennoch wettbewerbsf\u00e4hig bleibt, verb\u00fcnden sich mehrere L\u00e4nder, die nur noch auf umweltfreundliche Energien setzen.<\/p>\n\n<p><em>Schon seit Jahrzehnten weiss man um die Klimakrise \u2013 warum sind denn diese Massnahmen nicht l\u00e4ngst erfolgt?<\/em><\/p>\n\n<p>Ich glaube, vielen Menschen ist einfach nicht bewusst, wie schlimm die Klimakrise wirklich ist. Oder sie verdr\u00e4ngen es, weil man zu Spottpreisen in der Welt herumfliegen kann. Mir ging es ja fr\u00fcher ebenso, bis mich die Klimajugend aufger\u00fcttelt hat. Sobald du aber vom Notstand weisst, bleibt bloss noch die Frage, was du unternimmst. Aber dass du etwas tun musst, das ist klar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u00f6konomische System m\u00fcsse sich grundlegend \u00e4ndern, fordert ein Teil der Klimademonstranten. Andere halten das f\u00fcr einen gef\u00e4hrlichen Irrtum. 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