{"id":5456,"date":"2016-11-16T00:00:00","date_gmt":"2016-11-15T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/5456\/versuchskaninchen-mensch-pestizid-grenzwerte-bieten-keine-sicherheit\/"},"modified":"2019-05-30T07:01:32","modified_gmt":"2019-05-30T05:01:32","slug":"versuchskaninchen-mensch-pestizid-grenzwerte-bieten-keine-sicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/5456\/versuchskaninchen-mensch-pestizid-grenzwerte-bieten-keine-sicherheit\/","title":{"rendered":"Versuchskaninchen Mensch: Pestizid-Grenzwerte bieten keine Sicherheit"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00abEs wurden keine Grenzwerte \u00fcberschritten.\u00bb So steht es in praktisch jeder Untersuchung zu Pestiziden in Lebensmitteln. Alles also kein Problem? Im Gegenteil, wie Greenpeace Schweiz mit einer Studie jetzt zeigt: Grenzwerte werden auf Wunsch der Industrie so festgelegt, dass diese kaum \u00fcberschritten werden k\u00f6nnen. Die Gesamtbelastung durch Giftstoffe, denen jeder Mensch t\u00e4glich ausgesetzt ist, wird dabei auf mehreren Ebenen v\u00f6llig ausgeblendet. Greenpeace fordert einen Paradigmenwechsel mit einem Summengrenzwert f\u00fcr alle Pestizide.<\/b><\/p>\n<div>\n<table cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"middle\" class=\"td1\">\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Parkinson, Autoimmunerkrankungen, Lymphdr\u00fcsenkrebs, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sind Beispiele von Krankheiten, die unter anderem mit Pestiziden in Verbindung gebracht werden<\/span><span class=\"s3\">[1]<\/span><span class=\"s1\">. Grenzwerte f\u00fcr Pestizide in Lebensmitteln sollten so gesetzt werden, dass die KonsumentInnen vor gesundheitlichen Sch\u00e4den gesch\u00fctzt werden. In der Praxis sieht es anders aus: In der Studie \u00abGesetzliche Grenzwerte f\u00fcr Pestizide im Essen. Alles sicher?\u00bb (<a href=\"http:\/\/1708.seu.cleverreach.com\/c\/24899238\/d9421824a6a-ogowe7\"><span class=\"s4\">bit.ly\/2g9YWdF<\/span><\/a>) zeigt Greenpeace Schweiz jetzt auf, dass die Grenzwert-Festlegung die Interessen der Agrochemie st\u00e4rker sch\u00fctzt als die Gesundheit der KonsumentInnen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><strong>Viel Unwissen beim Festlegen der duldbaren Aufnahmemenge<\/p>\n<p> <\/strong>Bereits die Ermittlung der duldbaren t\u00e4glichen Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake, ADI) ist ein Ratespiel: Dieser wird in der Regel \u00fcber Tierversuche mit M\u00e4usen und\/oder Ratten ermittelt. Zur Ermittlung des Schwellenwertes, ab welcher keine negativen Auswirkungen eines Wirkstoffes mehr gemessen wird, werden die Entwicklungsneurotoxizit\u00e4t und Entwicklungsimmuntoxizit\u00e4t zum Beispiel nicht standardm\u00e4ssig gemessen. Um die unterschiedlichen Empfindlichkeiten zwischen Tier und Mensch sowie innerhalb der Menschen abzubilden, wird der Wert in der Regel einfach durch 100 dividiert, um den ADI f\u00fcr den Menschen zu erhalten. Dabei wurden bereits zwischen verschiedenen Rattentypen Unterschiede in der Empfindlichkeit von \u00fcber Faktor 800 gemessen. Auch Menschen k\u00f6nnen sehr unterschiedlich reagieren und gerade empfindliche Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Kleinkinder werden deshalb nicht ausreichend gesch\u00fctzt. Dass Stoffe, die auf dasselbe Organsystem wirken, sich additiv oder gar potenzierend auswirken k\u00f6nnen, wird \u00fcberhaupt nicht ber\u00fccksichtigt. Auch die Wirkung von Zusatzstoffen ist nicht Gegenstand der Pr\u00fcfung.<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><strong>\u00abWorst practice\u00bb als Massstab<\/p>\n<p> <\/strong>Noch fragw\u00fcrdiger ist der Prozess zur Festlegung eines Pestizid-Grenzwertes in einem Lebensmittel. Hierzu f\u00fchrt der Antragsteller (meist der Hersteller eines Pestizids) acht bis zw\u00f6lf Feldtests in verschiedenen Anbauregionen mit dem jeweiligen Pestizid in einer bestimmten Kultur durch. Der h\u00f6chste gemessene R\u00fcckstand wird danach als Basis f\u00fcr die Festlegung des Grenzwertes genommen. Die Pr\u00fcfung, ob dadurch m\u00f6glicherweise der ADI \u00fcberschritten werden kann, erfolgt aber nicht mit dem Grenzwert, sondern mit dem Median der gemessenen R\u00fcckst\u00e4nde aus den Feldversuchen. Dieser blendet die H\u00e4lfte der Messwerte aus und ist im Mittel sieben mal tiefer als der Grenzwert. Dies kann dazu f\u00fchren, dass die duldbare Aufnahmemenge f\u00fcr gewisse Bev\u00f6lkerungsgruppen deutlich \u00fcberschritten wird.<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><strong>Anpassungen nach Wunsch der Industrie<\/p>\n<p> <\/strong>Erstaunlich ist auch, wie oft Grenzwerte angepasst werden. Seit dem Juni 2014 hat die EU 42 mal \u00c4nderungen an Grenzwerten vorgenommen. Teilweise wurden Werte nach unten angepasst, weil die t\u00e4gliche Aufnahmemenge \u00fcberschritten wurde \u2013 wie beispielsweise k\u00fcrzlich bei Chlorpyrifos. In den meisten F\u00e4llen werden Grenzwerte jedoch auf Antrag der Hersteller nach oben angepasst, u.a. weil geltende Werte wegen schlechter landwirtschaftlicher Praxis zu oft \u00fcberschritten wurden. Dies zeigt, dass nicht die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung im Mittelpunkt steht, sondern die W\u00fcnsche der Industrie und der Landwirtschaft. Greenpeace-Agrarexperte Philippe Schenkel sagt dazu: \u00abBei der Risikobewertung sowie der Festlegung von Grenzwerten wird die Hintergrundbelastung der Bev\u00f6lkerung ausser Acht gelassen. Dabei ist diese neben Pestiziden einer Vielzahl weiterer Chemikalien ausgesetzt, die auf die gleichen Organe wirken k\u00f6nnen.\u00bb So nimmt beispielsweise der gr\u00f6sste Teil der Bev\u00f6lkerung bereits mehr neurotoxisch wirkendes Blei auf als empfohlen. Die Risikobewertung geht aber davon aus, dass es neben der zu bewertenden Substanz keine weiteren Belastungen gibt. Ein Paradigmenwechsel ist notwendig: An erster Stelle muss die Reduktion der Gesamtbelastung stehen. Generell muss sich die Landwirtschaftspolitik an der besten Praxis orientieren und nicht an den Schadstoffmengen, die eine Mehrzahl der Produzenten erreichen kann beziehungsweise will. F\u00fcr Pestizide sollte ein Summengrenzwert von 0.01mg\/kg eingef\u00fchrt werden, da es durchaus m\u00f6glich ist, Lebensmittel ohne Pestizidr\u00fcckst\u00e4nde zu produzieren.<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><strong>Weitere Informationen unter\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"p4\"><span class=\"s5\"><a href=\"http:\/\/1708.seu.cleverreach.com\/c\/24899238\/d9421824a6a-ogowe7\">bit.ly\/2g9YWdF<\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><strong><br \/> Kontakt:<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\">Philippe Schenkel, Leiter Landwirtschaftskampagne Greenpeace Schweiz,<br \/> +41 78 790 52 84<\/span><\/p>\n<p class=\"p4\"><span class=\"s5\">[1]<\/span><span class=\"s6\">\u00a0<a href=\"http:\/\/1708.seu.cleverreach.com\/c\/24899239\/d9421824a6a-ogowe7\"><span class=\"s7\">www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Publikationen\/Landwirtschaft\/Pestizide-und-unsere-Gesundheit\/<\/span><\/a><\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abEs wurden keine Grenzwerte \u00fcberschritten.\u00bb So steht es in praktisch jeder Untersuchung zu Pestiziden in Lebensmitteln. 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