{"id":5483,"date":"2016-10-24T00:00:00","date_gmt":"2016-10-23T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/5483\/nationaler-aktionsplan-pestizide-es-braucht-ambitioniertere-ziele\/"},"modified":"2019-05-30T07:02:15","modified_gmt":"2019-05-30T05:02:15","slug":"nationaler-aktionsplan-pestizide-es-braucht-ambitioniertere-ziele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/5483\/nationaler-aktionsplan-pestizide-es-braucht-ambitioniertere-ziele\/","title":{"rendered":"Nationaler Aktionsplan Pestizide: Es braucht ambitioniertere Ziele"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Umweltverb\u00e4nde BirdLife Schweiz, Greenpeace, Pro Natura und WWF Schweiz begr\u00fcssen den Willen des Bundes, einen Nationalen Aktionsplan Pestizide umzusetzen. Doch f\u00fcr sie ist klar: Es braucht ambitioniertere Ziele und Massnahmen \u2013 sonst werden auch in Zukunft nicht einmal die gesetzlichen Vorgaben erf\u00fcllt. Sie fordern unter anderem eine Lenkungsabgabe auf Pestizide.<\/b><\/p>\n<div>\n<p>Der Einsatz von Pestiziden ist in der Schweiz besonders hoch. Dies ist zum einen ein Risiko f\u00fcr unsere Gesundheit, es sch\u00e4digt aber auch die Biodiversit\u00e4t massiv. Pestizide belasten unser Trinkwasser, unser t\u00e4gliches Essen, die B\u00f6den und die Fliessgew\u00e4sser.<\/p>\n<p>Nun soll der \u00abAktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln\u00bb des Bundes Abhilfe leisten, der noch bis zum 28. Oktober 2016 in Anh\u00f6rung ist. Die Umweltverb\u00e4nde BirdLife Schweiz, Greenpeace, Pro Natura und WWF Schweiz haben die Vorschl\u00e4ge des Bundes gepr\u00fcft und kommen zu einem klaren Schluss: Der Aktionsplan braucht ambitioniertere Ziele \u2013 f\u00fcr die Zukunft der Landwirtschaft, der Biodiversit\u00e4t und der Bev\u00f6lkerung der Schweiz. \u00abMit den jetzigen zaghaften Vorschl\u00e4gen werden nicht einmal die gesetzlichen Vorgaben wie etwa die Grenzwerte f\u00fcr Fliessgew\u00e4sser erf\u00fcllt\u00bb, sagt Pascal K\u00f6nig, Landwirtschaftsexperte bei BirdLife Schweiz. \u00abDarunter leidet nicht nur die Biodiversit\u00e4t, sondern auch der Ruf der Schweizer Landwirtschaft.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Die wichtigsten Punkte, die verbessert werden m\u00fcssen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Bis 2026 sollen laut Entwurf des Bundes die \u00dcberschreitungen der gesetzlich vorgegebenen Pestizidkonzentrationen in Fliessgew\u00e4ssern lediglich halbiert werden. Dasselbe gilt auch f\u00fcr die Emissionen in naturnahe Nichtzielfl\u00e4chen (zum Beispiel Naturschutzgebiete). Ein Nationaler Aktionsplan m\u00fcsste diese Gesetzesverst\u00f6sse jedoch innerhalb k\u00fcrzester Frist auf Null reduzieren.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Gem\u00e4ss dem Entwurf des Bundes soll der Einsatz besonders gef\u00e4hrlicher Pestizide bis 2026 um 30% reduziert werden. Die Umweltverb\u00e4nde fordern hingegen ein Verbot von Pestiziden mit besonders hohem Gefahrenpotenzial<sup>1<\/sup> bis 2020 und eine Reduktion von Pestiziden mit hohem Gefahrenpotenzial<sup>2<\/sup> um 50% bis 2026.\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Der Einsatz chemisch-synthetischer und besonders gef\u00e4hrlicher biologischer Pestizide f\u00fcr HobbyanwenderInnen ist zu verbieten \u2013 hier besteht kein \u00f6konomisches oder \u00f6ffentliches Interesse am uneingeschr\u00e4nkten Zugang. In Frankreich wurde ein solches Verbot bereits beschlossen. Die weiterhin zugelassenen Produkte reichen aus f\u00fcr die Anwendungen im Hobbybereich.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ohne die Berechnungsgrundlagen offen zu legen, geht der Bund von einem Reduktionspotenzial der Anwendungen von Pestiziden von nur 12% in den n\u00e4chsten zehn Jahren aus. Der Pestizidreduktionsplan<sup>3<\/sup> von Vision Landwirtschaft hingegen kommt zum Schluss, dass das Reduktionspotenzial bei Anwendung eines griffigen Aktionsplanes bei 50% in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren liegt.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Das Leitziel des Aktionsplans \u2013 eine Halbierung der Risiken des Pestizideinsatzes \u2013 ist nutzlos, solange nicht klar ist, bis wann die Halbierung erfolgen soll und wie das Risiko effektiv gemessen und bewertet wird.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Auch im Zulassungssystem f\u00fcr Pestizide in der Schweiz gibt es Schwachstellen. Diese sind zu beheben. Eine Studie<sup>4<\/sup> des Forschungsinstituts Interfaceschl\u00e4gt f\u00fcnf Massnahmen vor, die im Aktionsplan zu ber\u00fccksichtigen sind.\u00a0\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Umweltverb\u00e4nde BirdLife Schweiz, Greenpeace, Pro Natura und WWF Schweiz steht fest: Die Vorschl\u00e4ge im Aktionsplan sind lediglich ein kleiner, zaghafter Schritt in die richtige Richtung. \u00abF\u00fcr einen griffigen Aktionsplan, der zu einer notwendigen Reduktion der Belastung und des Risikos von Pestiziden f\u00fchrt, muss das Ambitionsniveau deutlich erh\u00f6ht werden\u00bb, sagt Pascal K\u00f6nig.<\/p>\n<p>Dass sich der Pestizideinsatz schon bis 2020 um \u00fcber 50% reduzieren liesse, geht aus einem in diesem Jahr ver\u00f6ffentlichten Pestizid-Reduktionsplan<sup>3<\/sup> von Vision Landwirtschaft hervor, dessen Forderungen von einem breiten B\u00fcndnis aus Landwirtschafts-, Trinkwasserversorger-, Gew\u00e4sserschutz-, Umwelt-, Gesundheits- und Konsumentenkreisen mitgetragen werden. Der Pestizid-Reduktionsplan <a href=\"http:\/\/www.pestizidreduktionsplan.ch\/\">(www.pestizidreduktionsplan.ch<\/a>) zeigt konkret machbare Alternativen zur heutigen Verwendung von Pestiziden auf.<\/p>\n<p><strong>Keine Steuersubventionierung von Pestiziden<\/strong><\/p>\n<p>Eine k\u00fcrzlich publizierte Studie der ETH Z\u00fcrich und der Universit\u00e4t Bonn<sup>5<\/sup> zu Lenkungsabgaben auf Pestizide in der Schweiz kam zum Schluss, dass eine richtig ausgestaltete Lenkungsabgabe, eingebettet in ein koh\u00e4rentes Massnahmenpaket, einen Beitrag zu den Zielen des Aktionsplanes leisten k\u00f6nnte. Dieselbe Studie kommt zudem zum Schluss, dass die Steuersubventionierung von Pestiziden aufgehoben werden sollte. Pestizide werden zurzeit mit einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 2.5% (Normalsteuersatz 8%) steuerlich bevorzugt. Die Umweltverb\u00e4nde fordern deshalb, eine Lenkungsabgabe im Sinn dieser Studie in den Aktionsplan aufzunehmen.\u00a0<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> Gem\u00e4ss KEMI 2008: <a href=\"http:\/\/www3.kemi.se\/Documents\/Bekampningsmedel\/Docs_eng\/SE_positionpapper_annenII_sep08.pdf\">http:\/\/www3.kemi.se\/Documents\/Bekampningsmedel\/Docs_eng\/SE_positionpapper_annenII_sep08.pdf<\/a><\/p>\n<p><sup>2<\/sup> Kriterien (Pesticide Action Network HHP 2015): <a href=\"http:\/\/pan-international.org\/wp-content\/uploads\/PAN_HHP_List.pdf\">http:\/\/pan-international.org\/wp-content\/uploads\/PAN_HHP_List.pdf<\/a><\/p>\n<p><sup>3 <\/sup>Pestizid-Reduktionsplan Schweiz: Aktuelle Situation, Reduktionsm\u00f6glichkeiten, Zielsetzungen und Massnahmen. <a href=\"http:\/\/www.pestizidreduktionsplan.ch\/\">www.pestizidreduktionsplan.ch<\/a><\/p>\n<p><sup>4<\/sup> Landis, Flurina; Bucher, Noelle; Walker, David (2016): Schweizer Zulassungsverfahren f\u00fcr Pflanzenschutzmittel. Kurzstudie zuhanden von BirdLife Schweiz, Greenpeace, Pro Natura und WWF Schweiz, Interface Politikstudien Forschung Beratung, Luzern. <a href=\"http:\/\/www.umweltallianz.ch\/fileadmin\/user_upload\/_beispielDokumente\/dokumente\/bericht_zulassungsverfahren_pflanzenschutzmittel_wwf_2016_06_30_interface.pdf\">Link<\/a><\/p>\n<p><sup>5<\/sup> Finger, R., B\u00f6cker, T., M\u00f6hring, N., Dalhaus, T. (2016). \u00d6konomische Analyse des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln \u2013 Risikoaspekte und Lenkungsabgaben. Bericht zu H\u00e4nden des Bundesamts f\u00fcr Landwirtschaft. ETH Z\u00fcrich und Universit\u00e4t Bonn, Oktober 2016. <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Robert_Finger\/publication\/309118923_Okonomische_Analyse_des_Einsatzes_von_Pflanzenschutzmitteln_-_Risikoaspekte_und_Lenkungsabgaben\/links\/57ffaca608ae6fc7fc650a5e.pdf?origin=publication_detail\">Link<\/a>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Was sind Pestizide?<\/strong><\/p>\n<div>\n<p>Pestizide (hier Synonym f\u00fcr Pflanzenschutzmittel) sind Substanzen, die Pflanzen im Garten oder auf dem Feld vor Insekten, Pilzen, Schnecken usw. sch\u00fctzen sollen. Hunderte verschiedenster Chemikalien und Mischungen werden als Pestizide in der Landwirtschaft, auf \u00f6ffentlichen Fl\u00e4chen und privat eingesetzt. Oft unterscheidet man sie nach ihrem Zielorganismus; beispielsweise werden Fungizide gegen Pilze, Insektizide gegen Insekten und Herbizide gegen unerw\u00fcnschte Pflanzen eingesetzt. Je nachdem, wie die aktiven Inhaltsstoffe der Pestizide gewonnen wurden, unterscheidet man zwischen chemisch-synthetischen Pestiziden, Pestiziden aus Grundstoffen (z.B. Kupfer und Schwefel) und Wirkstoffen aus biologischen Prozessen. Im Biolandbau werden keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt.<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Weitere Ausk\u00fcnfte:<\/strong><\/p>\n<p>Pascal K\u00f6nig, Landwirtschaftsexperte, BirdLife Schweiz, Tel. 079 515 34 57<\/p>\n<p>Philippe Schenkel, Landwirtschaftscampaigner, Greenpeace, Tel. 078 790 52 84<\/p>\n<p>Roland Schuler, Medienverantwortlicher, Pro Natura, Tel. 079 826 69 47<\/p>\n<p>Dr. Daniela Hoffmann, Landwirtschaftsexpertin, WWF Schweiz, Tel. 076 552 18 01<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Umweltverb\u00e4nde BirdLife Schweiz, Greenpeace, Pro Natura und WWF Schweiz begr\u00fcssen den Willen des Bundes, einen Nationalen Aktionsplan Pestizide umzusetzen. 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