{"id":5562,"date":"2016-08-13T00:00:00","date_gmt":"2016-08-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/5562\/studie-identifiziert-schwachstellen-in-der-zulassung-von-pestiziden\/"},"modified":"2019-05-30T07:04:07","modified_gmt":"2019-05-30T05:04:07","slug":"studie-identifiziert-schwachstellen-in-der-zulassung-von-pestiziden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/5562\/studie-identifiziert-schwachstellen-in-der-zulassung-von-pestiziden\/","title":{"rendered":"Studie identifiziert Schwachstellen in der Zulassung von Pestiziden"},"content":{"rendered":"<p><b>Das Schweizer Zulassungssystem f\u00fcr Pestizide weist Schw\u00e4chen auf, die f\u00fcr den Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung Risiken mit sich bringen k\u00f6nnten. Eine Studie dazu wurde von den Umweltverb\u00e4nden BirdLife Schweiz, Greenpeace Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz beim Forschungsinstitut Interface in Auftrag gegeben und liegt heute vor.<\/b><\/p>\n<div>\n<p>Pestizide werden von den Schweizer Beh\u00f6rden auf ihre Gesundheits- und Umweltrisiken gepr\u00fcft bevor sie in der Schweiz eingesetzt werden d\u00fcrfen. Ziel der Zulassung ist es, den Einsatz von Pestiziden so zu reglementieren, dass Umwelt und Gesundheit nicht gef\u00e4hrdet werden. Eine <a href=\"http:\/\/assets.wwf.ch\/downloads\/bericht_zulassungsverfahren_pflanzenschutzmittel_wwf_2016_06_30_interface.pdf\">Studie des Forschungsinstituts Interface <\/a>im Auftrag der Umweltverb\u00e4nde Greenpeace Schweiz, Pro Natura, BirdLife Schweiz und WWF Schweiz weist auf M\u00e4ngel im Schweizer Zulassungsverfahren hin.<\/p>\n<p>In der Studie wird der Schweizer Zulassungsprozess mit \u00e4hnlichen Zulassungsverfahren (der Zulassung von Bioziden) und dem Vorgehen in Deutschland und Neuseeland verglichen. Auf Basis der Studie identifizieren die Umweltverb\u00e4nde f\u00fcnf relevante Schwachstellen:<\/p>\n<p>(1)\u00a0\u00a0 Fehlende Transparenz: Die Begr\u00fcndungen f\u00fcr eine Ablehnung respektive Zulassung eines Pestizids sind nicht \u00f6ffentlich einsehbar.<\/p>\n<p>(2)\u00a0\u00a0 Doppelrolle des Bundesamts f\u00fcr Landwirtschaft (BLW): Das BLW ist zugleich die Anlaufstelle der Antragsteller (d.h. Pestizidfirmen) und entscheidende Beh\u00f6rde. Das administrative Zulassungsverfahren und der abschliessende Entscheid sollten (wie im Falle von Bioziden oder in der Pestizidzulassung in Deutschland) von voneinander unabh\u00e4ngigen Instanzen durchgef\u00fchrt respektive gef\u00e4llt werden.<\/p>\n<p>(3)\u00a0\u00a0 Zu schwache Rolle des Bundesamts f\u00fcr Umwelt (BAFU) im Prozess: Das BAFU hat kaum Kompetenzen, Pestiziden die Zulassung zu verwehren oder die Zulassung einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>(4)\u00a0\u00a0 Der eingeschr\u00e4nkte Zugang zu Daten aus dem EU-Raum: Viele Erkenntnisse aus der EU werden \u00fcbernommen, jedoch haben Schweizer Beh\u00f6rden nur eingeschr\u00e4nkt Zugang zu Grundlagen-Daten, die den Europ\u00e4ischen Beh\u00f6rden zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>(5)\u00a0\u00a0 Keine kostendeckenden Geb\u00fchren: Die antragstellenden Pestizidfirmen zahlen nur einen verschwindend kleinen Anteil der f\u00fcr die Allgemeinheit anfallenden Kosten f\u00fcr die Zulassung.<\/p>\n<p>Im Juni hat die Bundesverwaltung die Anh\u00f6rung zum <em>Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln <\/em>gestartet<em>. <\/em>\u00abDer Anh\u00f6rungsvorlage fehlen Vorschl\u00e4ge zur Verbesserung des Schweizer Zulassungssystems. Um Pestizidrisiken f\u00fcr Mensch und Umwelt zu reduzieren braucht es aber auch hier Massnahmen\u00bb, betont Daniela Hoffman, Landwirtschaftsexpertin des WWF Schweiz.<\/p>\n<p>Ausser im Fall von spektakul\u00e4ren Einzelbeispielen, wie den bienengef\u00e4hrdenden Neonikotinoiden oder dem wahrscheinlich krebserregenden Glyphosat, geschieht die Zulassung von Pestiziden im \u00abstillen K\u00e4mmerchen\u00bb. Diese Beispiele machen deutlich, dass die hohe Komplexit\u00e4t des Verfahrens und die restriktive Informationspolitik des Bundes Misstrauen verursachen und zu einer Verunsicherung der Bev\u00f6lkerung beitragen k\u00f6nnen. Mit der Studie wollen die Umweltverb\u00e4nde gr\u00f6ssere Transparenz schaffen und auf Schw\u00e4chen im System hinweisen. Die Umweltverb\u00e4nde fordern den Bund auf, die genannten Schwachstellen in der Zulassung auszur\u00e4umen, um die Umwelt und Gesundheit der Bev\u00f6lkerung in Zukunft ad\u00e4quat vor sch\u00e4dlichen Auswirkungen des Pestizideinsatzes in der Schweiz zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass die Pr\u00fcfung von Chemikalien schon fr\u00fcher immer wieder gravierende Schlupfl\u00f6cher aufwies. Galt beispielsweise das offiziell zugelassene DDT vor Jahrzehnten noch als unbedenklich, wissen wir heute, welche fatalen Folgen der fl\u00e4chendeckende Einsatz von damals noch heute hat. Um solchen Fehltritten in Zukunft vorzubeugen, braucht es ein durch und durch sicheres Zulassungsverfahren.<\/p>\n<p>Begriffe:<\/p>\n<p><strong>Pestizide<\/strong> (hier Synonym f\u00fcr Pflanzenschutzmittel) sind Substanzen, die Pflanzen im Garten oder auf dem Feld vor sch\u00e4dlichen Insekten, Pilzen, Schnecken usw. sch\u00fctzen sollen. Hunderte verschiedenster Chemikalien und Mischungen werden als Pestizide in der Landwirtschaft, auf \u00f6ffentlichen Fl\u00e4chen und privat eingesetzt. Oft unterscheidet man sie nach ihrem Zielorganismus; beispielsweise werden <strong>Fungizide<\/strong> gegen Pilze, <strong>Insektizide<\/strong> gegen Insekten und <strong>Herbizide<\/strong> gegen unerw\u00fcnschte Pflanzen eingesetzt. Je nachdem, wie die aktiven Inhaltsstoffe der Pestizide gewonnen wurden, unterscheidet man zwischen chemisch-synthetischen Pestiziden, Pestiziden aus Grundstoffen (z.B. Kupfer und Schwefel) und Wirkstoffen aus biologischen Prozessen. Im Biolandbau werden keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt.<\/p>\n<p><strong>Biozide<\/strong> geh\u00f6ren zu den Pestiziden und dienen ebenfalls dazu Schadorganismen zu bek\u00e4mpfen, werden aber nicht zum Schutz von Kultur- und Zierpflanzen eingesetzt. Als Biozide gelten beispielsweise Desinfektionsmittel, Holzschutzmittel, Insektenrepellents usw. Viele Pflanzenschutzmittel sind auch als Biozide zugelassen, die Unterscheidung zwischen Pflanzenschutzmittel und Bioziden beruht auf dem vorgeblichen Verwendungszweck.<\/p>\n<p>\u00a0Link zur Studie: <a href=\"http:\/\/assets.wwf.ch\/downloads\/bericht_zulassungsverfahren_pflanzenschutzmittel_wwf_2016_06_30_interface.pdf\"><span class=\"s1\">http:\/\/assets.wwf.ch\/downloads\/bericht_zulassungsverfahren_pflanzenschutzmittel_wwf_2016_06_30_interface.pdf<\/span><\/a><\/p>\n<p>Weitere Ausk\u00fcnfte:<\/p>\n<p><strong>Umweltverb\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Daniela Hoffmann, Landwirtschaftsexpertin, WWF Schweiz, Tel. 076 552 18 01<\/p>\n<p>Philippe Schenkel, Landwirtschaftscampaigner, Greenpeace Schweiz, Tel. 078 790 52 84<\/p>\n<p>Pascal K\u00f6nig, Landwirtschaftsexperte BirdLife Schweiz, Tel. 079 515 34 57<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr Fragen zur Studie:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Interface: <\/strong>Flurina Landis, Projektleiterin, Tel. 041 226 04 28<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schweizer Zulassungssystem f\u00fcr Pestizide weist Schw\u00e4chen auf, die f\u00fcr den Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung Risiken mit sich bringen k\u00f6nnten. 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