{"id":5710,"date":"2015-10-12T00:00:00","date_gmt":"2015-10-11T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/5710\/pestizide-bewilligungspraxis-eine-gefahr-fuer-mensch-und-umwelt\/"},"modified":"2019-05-30T07:07:55","modified_gmt":"2019-05-30T05:07:55","slug":"pestizide-bewilligungspraxis-eine-gefahr-fuer-mensch-und-umwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/5710\/pestizide-bewilligungspraxis-eine-gefahr-fuer-mensch-und-umwelt\/","title":{"rendered":"Pestizide: Bewilligungspraxis eine Gefahr f\u00fcr Mensch und Umwelt"},"content":{"rendered":"<p><b>Seit gut einem halben Jahrhundert setzt die Landwirtschaft weltweit systematisch auf die massenhafte Nutzung chemisch-synthetischer Pestizide. Die Schweiz ist kein Musterland. Nun zeigt sich immer mehr, dass diese Produkte Boden- und Wasserorganismen sch\u00e4digen sowie Tiere und Menschen krank machen k\u00f6nnen. Die Bewilligungspraxis muss dringend angepasst werden.<\/b><\/p>\n<div>\n<p>Der neue Greenpeace-Bericht <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/344350e7-344350e7-greenpeace_umweltreport_pestizide_summary.pdf\">\u00abEuropas Abh\u00e4ngigkeit von Pestiziden: So sch\u00e4digt die industrielle Landwirtschaft unsere Umwelt\u00bb<\/a> untersucht den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide in Europa und die daraus resultierenden weitreichenden und schwerwiegenden Auswirkungen auf die Umwelt. Der Bericht stellt fest, dass die Biodiversit\u00e4t in Europa in den letzten Jahrzehnten um fast 50 Prozent abgenommen hat und zeigt auf, dass der Pestizideinsatz f\u00fcr einen wesentlichen Teil dieses Verlustes verantwortlich ist. Er betont, wie dringend die Zulassungbestimmungen versch\u00e4rft werden m\u00fcssen, um die negativen Folgen f\u00fcr Mensch und Umwelt zu verringern.<\/p>\n<p><strong>Risiko wird nachtr\u00e4glich oft anders beurteilt<\/strong><\/p>\n<p>Pestizide k\u00f6nnen bei Tieren und Menschen eine Vielzahl von subtilen und komplexen Wirkungen sowie Sp\u00e4tfolgen hervorrufen<a title=\"\" name=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\">[i]<\/a>. Immuntoxizit\u00e4t und St\u00f6rungen des Hormonsystems sind zwei relativ bekannte Beispiele f\u00fcr solche Wirkungen. Risikobewertungen und Zulassungen von Pestiziden haben sich wiederholt als problematisch oder ungenau erwiesen. Zwei Beispiele gaben in j\u00fcngerer Zeit zu reden:<\/p>\n<p>Die Teilverbote der Neonicotinoide Thiamethoxam (Syngenta), Imidacloprid und Clothianidin (Bayer) erfolgten erst, nachdem sich in der wissenschaftlichen Literatur die Hinweise daf\u00fcr gemehrt hatten, dass diese systemischen Insektizide schwerwiegende negative Auswirkungen auf Honigbienen und andere Best\u00e4uber haben<a title=\"\" name=\"_ednref2\" href=\"#_edn2\">[ii]<\/a>. Die betroffenen Konzerne reagieren mit Einsch\u00fcchterungsversuchen, Klagen und Diskreditierung unabh\u00e4ngiger wissenschaftlicher Untersuchungen als \u00abunwissenschaftlich\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel: Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Glyphosat als \u00abwahrscheinlich krebserregend\u00bb eingestuft \u2013 Jahrzehnte nach der Bewilligung durch die Beh\u00f6rden. Untersuchungen der Universit\u00e4t Leipzig bringen das Totalherbizid mit weiteren schweren Erkrankungen beim Menschen und bei Tieren<a title=\"\" name=\"_ednref3\" href=\"#_edn3\">[iii]<\/a> in Verbindung, unter anderem mit Missbildungen bei Ferkeln<a title=\"\" name=\"_ednref4\" href=\"#_edn4\">[iv]<\/a>. In den n\u00e4chsten Monaten werden die Beh\u00f6rden sowohl in der Schweiz wie auch in der EU \u00fcber die weitere Zulassung von Glyphosat entscheiden.<\/p>\n<p><strong>Bewilligungspraxis eine Farce<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der bekannten m\u00f6glichen Gefahren von Pestiziden, die in offenen Systemen angewendet werden, m\u00fcssen alle Pestizide ein Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie eingesetzt werden d\u00fcrfen. Dieses setzt sich zusammen aus einer Effektbewertung (basierend auf Toxizit\u00e4tspr\u00fcfungen) sowie einer Expositionsbewertung (basierend auf der Modellierung verschiedener Szenarien). Da f\u00fcr die Bewertungen normalerweise keine Felddaten zur Verf\u00fcgung stehen, wird auf eine mathematische Modellierung zur\u00fcckgegriffen. Die Bewilligungsentscheide der Beh\u00f6rden basieren nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern auf den Daten der Hersteller.\u00a0<\/p>\n<p>Ein weiteres grosses Defizit im Regulierungssystem der EU und der Schweiz ist, dass die \u00dcberwachung neuer Pestizide oft deutlich hinter deren Einf\u00fchrung herhinkt. Probleme k\u00f6nnen deshalb nicht \u2028immer rechtzeitig erkannt werden. Das toxikologische Verhalten von Wirkstoffgemischen wird zum Beispiel kaum erforscht. Die Bewilligungsentscheidung ist gr\u00fcndlich zu \u00fcberdenken. Philippe Schenkel, Agrarexperte bei Greenpeace Schweiz, sagt: \u00abDie Beh\u00f6rden \u2013 nicht selten Mitarbeitende mit einer Vergangenheit in der Agrochemie \u2013 erstellen Bewilligungen von Pestiziden lediglich auf Basis von Hersteller-Angaben, nicken de facto einfach Industrie-Resultate ab, ohne diese selbst \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen. Das heutige Zulassungsverfahren gewichtet Wirtschaftsinteressen st\u00e4rker als den Schutz der Umwelt und unserer Gesundheit. Das ist unverantwortlich.\u00bb<\/p>\n<p>Der einzig sichere Weg, die Exposition gegen\u00fcber giftigen Pestiziden zu verringern, ist die Umstellung auf einen langfristigen und nachhaltigen Ansatz in der Nahrungsmittelproduktion. Statt weiter in eine Intensiv-Landwirtschaft zu investieren, braucht es die F\u00f6rderung und Weiterentwicklung (Erforschung) \u00f6kologischer Anbaumethoden, die ohne synthetische Pestizide auskommen. Beh\u00f6rden und Politik m\u00fcssen die Lebensgrundlagen sowie die Menschen und Tiere vor den Risiken durch Pestizide sch\u00fctzen.\u00a0Es braucht einen griffigen nationalen Pestizidreduktionsplan.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen und die Pestizid-Studie finden Sie unter<\/strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.ch\/\"><strong>www.greenpeace.ch<\/strong><\/a> <strong>oder bei:<\/strong><\/p>\n<p>Philippe Schenkel, Agrarexperte Greenpeace Schweiz, +41 78 790 52 84<\/p>\n<p>Yves Zenger, Mediensprecher Greenpeace Schweiz, +41 78 682 00 91<\/p>\n<p>Zusammenfassung des aktuellen Reports (den englischsprachigen Ganzen stellen wir Ihnen auf Wunsch gerne zu):<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/344350e7-344350e7-greenpeace_umweltreport_pestizide_summary.pdf\">www.greenpeace.org\/https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/344350e7-344350e7-greenpeace_umweltreport_pestizide_summary.pdf<\/a><\/p>\n<div><br clear=\"all\"><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n<div id=\"edn1\">\n<p><a title=\"\" name=\"_edn1\" href=\"#_ednref1\">[i]<\/a><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d33d9382-d33d9382-gzd_greenpeace_de_pesticides-health-06.pdf\">http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/Global\/switzerland\/de\/publication\/Agricultures\/GzD_Greenpeace_de_Pesticides health-06.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"edn2\">\n<p><a title=\"\" name=\"_edn2\" href=\"#_ednref2\">[ii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/syngentas-bienenkiller-kassenschlager-in-der-\/blog\/53907\/\">http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/syngentas-bienenkiller-kassenschlager-in-der-\/blog\/53907\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"edn3\">\n<p><a title=\"\" name=\"_edn3\" href=\"#_ednref3\">[iii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.ichnfm.org\/library\/GMOglyphosate-residues-in-animals-and-humans.pdf\">http:\/\/www.ichnfm.org\/library\/GMOglyphosate-residues-in-animals-and-humans.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"edn4\">\n<p><a title=\"\" name=\"_edn4\" href=\"#_ednref4\">[iv]<\/a>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.omicsonline.org\/open-access\/detection-of-glyphosate-in-malformed-piglets-2161-0525.1000230.pdf\">http:\/\/www.omicsonline.org\/open-access\/detection-of-glyphosate-in-malformed-piglets-2161-0525.1000230.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit gut einem halben Jahrhundert setzt die Landwirtschaft weltweit systematisch auf die massenhafte Nutzung chemisch-synthetischer Pestizide. 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