{"id":57244,"date":"2020-07-24T12:36:31","date_gmt":"2020-07-24T10:36:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=57244"},"modified":"2020-08-12T13:48:37","modified_gmt":"2020-08-12T11:48:37","slug":"wie-sag-ichs-dem-kinde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/57244\/wie-sag-ichs-dem-kinde\/","title":{"rendered":"Wie sag ich\u2019s dem Kinde?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kinder f\u00fcr die Klimakrise und den Artenverlust sensibilisieren, ohne sie zu ver\u00e4ngstigen: Wie gelingt das? &nbsp;<\/strong><\/p>\n\n<p>\u00abIch war selbst ein Kind, das grosse Angst hatte\u00bb, sagt Jonas Hostettler und schweigt daraufhin einen Moment. So hat die Zuh\u00f6rende Zeit, sich vorzustellen, wie es damals wohl f\u00fcr ein f\u00fcnfj\u00e4hriges Kind war, zu h\u00f6ren, dass die W\u00e4lder sterben. Und wie sich ein Achtj\u00e4hriger die Explosion im Kernkraftwerk Tschernobyl vorstellte und die radioaktive Wolke, die anschliessend unterwegs war. Jonas Hostettler ist heute 42 Jahre alt und Mitinitiant der Schweizer \u00abEltern f\u00fcrs Klima\u00bb-Bewegung. Er erinnert sich: \u00abDie Zeitungen waren 1986 voll mit diesen Themen. \u00dcbers Waldsterben, das Ozonloch, ja auch schon die Klimaerhitzung sprachen mein Vater und meine Mutter in den 1980er Jahren h\u00e4ufig. Ich war vielleicht sensibler als andere Kinder, so richtig vorstellen konnte ich mir ja damals nicht, was die Klimaerhitzung bewirken w\u00fcrde, aber die Vorstellung, dass es viel heisser werden k\u00f6nnte, dass die W\u00e4lder in Gefahr sind, das machte mir Stress, ich f\u00fcrchtete mich.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n<p>Jonas Hostettler war nach seinem Chemiestudium als Wissenschaftler an der ETH t\u00e4tig, ist heute Chemielehrer an einer Kantonsschule in Winterthur und selbst Vater von zwei Kindern im Alter von f\u00fcnf und sieben Jahren. Er engagiere sich bei <a href=\"https:\/\/elternfuersklima.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abEltern f\u00fcrs Klima\u00bb<\/a> wegen seiner Kinder, weil er davon \u00fcberzeugt ist, dass es genauso wie f\u00fcr ihn selber f\u00fcr viele Eltern inakzeptabel sei, dass sie so viel Energie in das Wohlergehen der Kinder steckten, w\u00e4hrend die Wissenschaft eine erb\u00e4rmliche Zukunft f\u00fcr die Kinder voraussagt, wenn jetzt nicht ernsthaft gegen die Klimakrise vorgegangen werde. Der Aktivismus und die sichtbaren Ver\u00e4nderungen, welche die Klimabewegung innerhalb weniger Monate erreichte, sind f\u00fcr ihn ein Schutz vor Angst und Ohnmacht, wie er sagt: \u00abAls mit Trump jemand gew\u00e4hlt wurde, der den Klimawandel leugnet und den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen forcierte und auch umsetzte, verlor ich die Hoffnung, dass wir diese Herausforderung der Klimakrise noch schaffen k\u00f6nnten. Seit es die Klimabewegung gibt und diese die \u00f6ffentliche Wahrnehmung der Klimakrise massiv verbesserte, geht es mir deutlich besser. Mein eigenes Engagement fordert zwar viel Kraft, aber jetzt l\u00e4uft wenigstens etwas, es geht vorw\u00e4rts.\u00bb Hostettler erlebt ganz pers\u00f6nlich, was Psychologinnen und Therapeuten nicht m\u00fcde werden zu sagen: \u00dcber Belastendes reden, selbst handeln und sich als wirksam erleben \u2013 all das ist wohltuend; w\u00e4hrend das Wegschauen, Nicht-wahrhaben-Wollen und Verdr\u00e4ngen von Unangenehmem und Belastendem auf die Dauer nicht gut tut \u2013 denn was den Menschen bewegt, nimmt sich seinen Platz ohnehin, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter. &nbsp;<\/p>\n\n<p>Hostettler ist \u00fcberdurchschnittlich gut \u00fcber die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimaerhitzung informiert. Seine siebenj\u00e4hrige Tochter bekomme auch bereits einiges mit, vom Klimawandel und vom Engagement ihres Vaters: \u00abSie ist eine, die wissen und verstehen will.\u00bb Aber: \u00abIch bin vielleicht nicht das beste Beispiel, wenn es um die Frage geht, wie Eltern mit ihren Kindern \u00fcber den Klimawandel reden sollen, denn ich m\u00f6chte vermeiden, dass meine Kinder \u00e4hnlich reagieren wie ich damals und sich f\u00fcrchten.\u00bb So erz\u00e4hle er ihnen bis jetzt nicht viel von dem, was er wisse, sondern zeige ihnen viel mehr die Sch\u00f6nheiten der Natur: \u00abIch selber erfreue mich an vielem \u2013 das nehmen auch die Kinder auf. Sie mit Tatsachen belasten, die sie noch nicht einordnen k\u00f6nnen, f\u00e4nde ich unverantwortlich. Man muss die Kinder sch\u00fctzen.\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00abKinder brauchen die positiven Perspektiven\u00bb<\/h2>\n\n<p>Sabine Brunner ist Psychologin und Psychotherapeutin am Marie Meierhofer Institut f\u00fcr das Kind (MMI), das zu Themen rund um das Kind forscht, bildet und ber\u00e4t. Das MMI ermuntert Erwachsene dazu, mit Kindern auch \u00fcber schwierige Themen zu reden, und zeigt, wie das dem Alter entsprechend gut gelingt. Konfrontiert mit der Frage, wie man mit Kindern \u00fcber die Klimaerhitzung und das Artensterben sprechen k\u00f6nne, ohne sie zu ver\u00e4ngstigen, sagt Brunner, deren eigene erwachsene Kinder sich intensiv mit der Klimabewegung besch\u00e4ftigen: \u00abEs scheint mir wichtig, dass Kinder an die Klimathematik herangef\u00fchrt werden und sich damit auseinandersetzen k\u00f6nnen. Bereits bei Kindern ab etwa f\u00fcnf Jahren sieht man, dass sie sich gerne und sehr ernsthaft mit Umweltthemen besch\u00e4ftigen, sobald sie damit in Kontakt kommen.\u00bb Man m\u00fcsse sich allerdings gut \u00fcberlegen, welche Bilder man ihnen zeige: \u00abWenn darauf Menschen zu Schaden kommen oder starke negative Emotionen erkennbar sind \u2013&nbsp;beispielsweise Menschen zu sehen sind, die schreiend vor einem Tsunami davonrennen \u2013, kann das ein Kind sehr erschrecken oder sogar traumatisierend wirken.\u00bb Einen guten Umgang mit den Herausforderungen der Klimaerhitzung erlernen Kinder am besten, wenn die Eltern einen solchen vorleben, so die Psychologin: \u00abDie Erfahrung, dass die eigenen Taten f\u00fcr die Umwelt Sinn machen und erst noch wirken, ist besonders wertvoll.\u00bb<\/p>\n\n<p>Was immer das Kind bez\u00fcglich Umweltproblemen lerne, sagt Sabine Brunner, das Wichtigste sei: \u00abDass es seinen Lebensmut behalten kann. Die aktuelle Corona-Zeit hat zum Beispiel gezeigt, dass sich die Luft sehr schnell erholt \u2013 das macht Mut. Kinder brauchen diese positiven Perspektiven, diese Zuversicht, dass sich etwas zum Besseren ver\u00e4ndern kann, damit sie hoffnungsvoll in die Zukunft blicken k\u00f6nnen. Davon sollten die Eltern auch erz\u00e4hlen, unbedingt!\u00bb Als Letztes sagt die Expertin: \u00abWichtig ist auch, dass Kinder einfach abschalten und spielen k\u00f6nnen, freudig und fr\u00f6hlich.\u00bb Und das gelte eigentlich auch f\u00fcr die Erwachsenen: Pausen einzulegen und sich zu erholen sei wichtig. Auch, um wieder handeln zu k\u00f6nnen: \u00abWir Menschen brauchen das Denken und das Handeln: Ersteres erlaubt uns die Analyse einer Situation, aber wir k\u00f6nnen uns darin auch verlieren. Das Handeln gibt uns Kontrolle, wir erleben uns damit als wirksam und gewissermassen m\u00e4chtig. Das gemeinsame Handeln potenziert die eigene Wirksamkeit und auch die Freude am Handeln.\u00bb<\/p>\n\n<p>Asti Roesle nickt nachdenklich und sagt: \u00abVoll.\u00bb Die langj\u00e4hrige Greenpeace-Campaignerin aus Z\u00fcrich erlebt es immer wieder: \u00abAktivismus ist das beste Mittel gegen Ohnmacht und Depression.\u00bb Die Klimabewegung habe als Massenbewegung nicht nur eine Wirkung auf politischer Ebene, sondern auch f\u00fcr die jungen Menschen. \u00abJede Demonstration, jedes Zusammenstehen macht einem bewusst: Ich bin nicht alleine, wir sind viele! Man kann uns nicht ignorieren! Wir haben Botschaften und sind laut!\u00bb Sie erz\u00e4hlt von Kindern, die k\u00fcrzlich auf einem Feuer Kr\u00e4utertee kochten und verkauften \u2013 die Einnahmen spendeten sie der Klimabewegung. Roesle: \u00abWenn Erwachsene das h\u00f6ren, denken sie vielleicht: \u2039J\u00f6h, herzig. Zum Gl\u00fcck wissen diese Kinder nicht, dass das kaum einen Unterschied macht.\u203a Aber das ist falsch: Erstens macht jede noch so kleine Aktivit\u00e4t einen Unterschied, und zweitens ist die Klimaerhitzung doch f\u00fcr diejenigen viel schlimmer, die darum wissen, aber nichts machen.\u00bb<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/07\/24ef99a6-f3a2250-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57249\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/07\/24ef99a6-f3a2250-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/07\/24ef99a6-f3a2250-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/07\/24ef99a6-f3a2250-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/07\/24ef99a6-f3a2250-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/07\/24ef99a6-f3a2250-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/07\/24ef99a6-f3a2250-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>\u00a9 Eltern f\u00fcrs Klima<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Jedes f\u00fcnfte Kind hat Angst<\/h2>\n\n<p>Im englischsprachigen Raum wird schon l\u00e4nger zu \u00abclimate anxiety\u00bb respektive \u00abeco anxiety\u00bb (Klimaangst oder \u00d6koangst) geschrieben, auch im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen. Gem\u00e4ss einer repr\u00e4sentativen Umfrage unter Acht- bis Sechzehnj\u00e4hrigen f\u00fcrchtet sich in England jedes f\u00fcnfte Kind vor der Klimakrise, und zwei von f\u00fcnf glauben nicht, dass die Erwachsenen die \u00f6kologische Katastrophe noch abwenden k\u00f6nnen. Dies <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/shortcuts\/2020\/mar\/03\/climate-nightmares-how-to-reassure-a-child-who-is-anxious-about-the-planet\">berichtete die englische Zeitung \u00abGuardian\u00bb,<\/a> die diesem Thema Anfang des Jahres eine Reihe von Artikeln widmete. Die j\u00fcngsten Buschbr\u00e4nde in Australien mit Bildern von verkohlten K\u00e4ngurus und der Nachricht, dass eine halbe Milliarde Tiere die Br\u00e4nde nicht \u00fcberlebt h\u00e4tten, d\u00fcrfte die Angst noch verst\u00e4rkt haben. Patrick Kennedy-Williams, klinischer Psychologe in Oxford, hatte bereits Erfahrung mit Klimaangst, die bei Klimaforschenden auftreten kann, als er realisierte, dass auch viele Kinder davon betroffen waren. Zahlreiche Eltern h\u00e4tten sich ratsuchend an Psychologinnen und Psychologen gewandt, weil ihre Kinder Angst vor einem \u00f6kologischen Zusammenbruch h\u00e4tten, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2020\/feb\/10\/overwhelming-and-terrifying-impact-of-climate-crisis-on-mental-health\">berichtete der britische Psychologe dem \u00abGuardian\u00bb.<\/a> Den betroffenen Eltern r\u00e4t er: \u00abSprecht mit euren Kindern \u00fcber die Klimakrise und die \u00c4ngste, die sie verursacht. Und unterst\u00fctzt sie darin, sich f\u00fcr Ver\u00e4nderungen einzusetzen, egal wie klein ihr Beitrag auch scheinen mag!\u00bb<br><br>Genau zu der Zeit, als in Australien die j\u00fcngsten Buschfeuer anfingen, apokalyptische Ausmasse anzunehmen, ver\u00f6ffentlichten australische Forscherinnen eine <a href=\"https:\/\/srcd.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1111\/cdep.12342\">Studie<\/a>, in der sie aufzeigen, wie klimabedingte Ereignisse bei Kindern und Jugendlichen zu posttraumatischen St\u00f6rungen \u2013 und im Fall extremer Ereignisse \u2013 zu h\u00f6heren Selbstmordraten f\u00fchren kann. Noch wenig wisse man dazu, wie der Klimawandel auch in den &nbsp;Industriel\u00e4ndern das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen beeintr\u00e4chtigt, es gebe dazu kaum Forschung und wenig unterst\u00fctzenden Rat f\u00fcr Eltern, die Autorinnen schreiben: \u00abAngesichts der Anzeichen daf\u00fcr, dass viele Kinder sich macht- und hoffnungslos f\u00fchlen, wenn es darum geht, einen katastrophalen Klimawandel zu verhindern, ist es wichtig, ihr Gef\u00fchl der Selbstwirksamkeit und kollektiven Wirksamkeit zu st\u00e4rken.\u00bb Man wisse von Gespr\u00e4chen mit Schulstreikenden, dass der Aktivismus \u00abihnen geholfen hat, mit ihrer Angst vor der Zukunft umzugehen und sie in Entschlossenheit, Mut und Optimismus zu kanalisieren. Diese Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler scheinen durch ihre Beteiligung an den Streiks viele wertvolle positive Entwicklungsf\u00e4higkeiten und -eigenschaften gelernt zu haben, und diese F\u00e4higkeiten werden ihnen ihr ganzes Leben lang zugute kommen.\u00bb<\/p>\n\n<p>Auch die \u00abAmerican Psychological Association\u00bb (APA) hat sich eingehend mit Klimaangst befasst. Die USA sind \u2013&nbsp;wie auch viele L\u00e4nder im globalen S\u00fcden \u2013&nbsp;regelm\u00e4ssig von extremen Wetterereignissen betroffen, und diese hinterlassen nicht nur verw\u00fcstete Landstriche, sondern auch ver\u00e4ngstigte und traumatisierte Menschen. Der 2017 erschienene <a href=\"https:\/\/www.apa.org\/news\/press\/releases\/2017\/03\/mental-health-climate.pdf\">APA-Bericht<\/a> zu Klimawandel und psychischer Gesundheit enth\u00e4lt auch Ratschl\u00e4ge f\u00fcr Individuen und Gemeinschaften. Nebst dem Appell, sich f\u00fcr klimafreundliche Massnahmen einzusetzen, empfiehlt der Bericht, die eigene Belastbarkeit zu st\u00e4rken und widerstandsf\u00e4hige Gemeinschaften aufzubauen. Kinder sind nicht explizit erw\u00e4hnt, aber es versteht sich von selbst, dass sie in tragenden, solidarischen Gemeinschaften mehr Schutz und Sicherheit erfahren als in sich konkurrierenden Einzelk\u00e4mpfer-Strukturen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und die Schule?<\/h2>\n\n<p>Zur\u00fcck in die Schweiz, an die Schulen. Neben den Eltern sind Lehrpersonen diejenigen Erwachsenen, von denen Kinder erwarten d\u00fcrfen, dass sie sich ernsthaft und umsichtig ihren Fragen und \u00c4ngsten widmen, auch jenen im Zusammenhang mit dem Klima und dem Artensterben. Das finde auch statt, sagen Stefan Baumann und Anita Schneider, beide Beauftragte f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.education21.ch\/de\/bne\">Bildung f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung (BNE)<\/a> an der P\u00e4dagogischen Hochschule in Z\u00fcrich. Schweizweit lernen angehende Lehrpersonen im Rahmen von BNE Unterrichtsprinzipien, Kompetenzen und Themen der \u00abNachhaltigen Entwicklung\u00bb kennen \u2013 unter anderem mit dem Ziel, dass sie die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler besser auf die k\u00fcnftigen Herausforderungen der Klimaerw\u00e4rmung vorbereiten k\u00f6nnen. Baumann: \u00abDer Lehrplan l\u00e4sst Spielraum offen, welche Schwerpunkte eine Lehrperson beim Klimawandel setzt.\u00bb Wichtig sei sicher, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler lernen, genau hinzuschauen \u2013 an einen spezifischen Ort und auch an die Orte daneben. So lasse sich auch vermeiden, \u00abdass sie demoralisiert werden und alles nur noch negativ sehen.\u00bb Am Beispiel der bedrohten Regenw\u00e4lder erl\u00e4utert Baumann genauer, wie er das meint: \u00abEs ist wichtig, dass Rodungen thematisiert werden. Aber gleichzeitig soll man auch die Faszination f\u00fcr den noch bestehenden Regenwald wecken und aufzeigen, wie Menschen darin leben und ihn auch nachhaltig nutzen.\u00bb&nbsp;Auch er weiss: \u00abAngst kann mobilisieren, aber zu viel Angst l\u00e4hmt. Kinder brauchen zwingend Perspektiven\u00bb. Anita Schneider sagt: \u00abEs ist wichtig, dass sich Kinder als selbstwirksam und die Zukunft als etwas Gestaltbares erfahren. Was wir aber nicht tun d\u00fcrfen, ist ihnen Verantwortung f\u00fcr die Vers\u00e4umnisse der Erwachsenen aufb\u00fcrden. Da m\u00fcssen wir \u2013 gerade bei idealistischen Bildungsanliegen \u2013 vorsichtig sein.\u00bb Schliesslich solle die psychische Gesundheit der Kinder in der Schule gest\u00e4rkt werden, \u00abdas ist ein grosses Anliegen der schulischen Gesundheitsf\u00f6rderung\u00bb, also m\u00fcsse man die Kinder zuallererst sch\u00fctzen vor katastrophenbeladenen Zukunftsvorstellungen und Vereinnahmung. Zudem, sagt sie, sollten unbedingt altersgerechte Handlungsspielr\u00e4ume aufgezeigt werden.<\/p>\n\n<p>Jonas Hostettler, \u00abEltern f\u00fcrs Klima\u00bb-Aktivist der ersten Stunde, hat den Eindruck, dass viele Lehrpersonen zu wenig erkennen w\u00fcrden, wie dringend die Lage sei. Er m\u00f6chte ihnen deswegen aber keinen Vorwurf machen. \u00abWie sollen sie es wissen \u2013 wenn die Aussagen der Klimawissenschaftler auch in renommierten Zeitungen mit grosser Regelm\u00e4ssigkeit von zwar fachfremden, aber lautstarken \u00abSkeptikern\u00bb oder Verharmlosern relativiert oder l\u00e4cherlich gemacht werden d\u00fcrfen?&nbsp; Dass die Klimaerhitzung auch unsere Leben stark betreffen wird, unsere Zivilisation mittelfristig in Gefahr ist, dieser Link \u2013 was die Klimaforschenden wissen und was das ganz konkret f\u00fcr uns bedeutet \u2013 der wird h\u00e4ufig nicht gemacht. Ein Bewusstsein f\u00fcr die Dimension und die Dringlichkeit fehlt entsprechend.\u00bb Dabei sei die Klimakrise jetzt noch l\u00f6sbar: \u00abDaran zweifle ich keine Sekunde.\u00bb<\/p>\n\n<p><strong>Autorin<\/strong>: Esther Banz begann als Teenager in Z\u00fcrich und London zu schreiben, machte Radiosendungen in Toronto, war danach als Zeitungsredaktorin (Toaster, WOZ, Beobachter u.a.) t\u00e4tig und stets kulturaktiv. Heute recherchiert, schreibt und konzeptet sie freischaffend.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literaturtipps<\/strong><\/h3>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/www.oetinger.de\/buch\/paulas-reise\/9783789109652\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abPaulas Reise \u2013 oder Wie ein Huhn uns zu Klimasch\u00fctzern machte\u00bb. Von Jana Steing\u00e4sser. Verlag Friedrich Oetinger 2019<\/a>.&nbsp;<\/li><li><a href=\"https:\/\/newsociety.com\/?sitedomain=row&amp;sitedomain=row\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">How to Talk to Your Kids about Climate Change\u00bb. Harriet Shugarman. New Society Publishers 2020.<\/a><\/li><\/ul>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tipps f\u00fcr Eltern<\/strong>:<\/h3>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vermitteln von Wissen, Werten und Haltungen<\/h4>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Mit Kindern \u00fcber die Themen sprechen, die sie interessieren \u2013 altersgerecht und anhand aktueller Erlebnisse und Situationen (z.B. beim Einkaufen, Kochen, Entsorgen).<\/li><li>Sp\u00fcren, wenn das Kind Informationen m\u00f6chte, wie viel, in welcher Form \u2013 und diese dem Kind gut \u00abdosiert\u00bb geben. Das ist anspruchsvoll. Hier k\u00f6nnen z.B. auch gut gemachte Kindersendungen helfen.<\/li><li>Ausserdem und noch wichtiger: Das, was man sagt und von den andern erwartet, auch selbst vorleben.<\/li><li>Besprechen und Planen, was man als Familie im Alltag tun kann, um \u00d6kologie und Nachhaltigkeit zu f\u00f6rdern \u2013 und danach handeln (nicht \u00abnur\u00bb reden). Kinder lernen so, was sie und die ganze Familie beitragen k\u00f6nnen. Nachhaltig zu leben wird so bis zu einem gewissen Grad selbstverst\u00e4ndlich.<\/li><li>Mit Kindern die Sch\u00f6nheit der Natur erleben.<\/li><\/ul>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gef\u00fchle, Offenheit, Empathie<\/strong><\/h4>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Offen \u00fcber eigene schwierige Gef\u00fchle sprechen, z.B. indem man eigene Unsicherheiten benennt und auch sagt, dass es manchmal schwierig ist, Ungewissheit auszuhalten.<\/li><li>Dabei auf die \u00abDosierung\u00bb achten und die eigene Gef\u00fchlswelt gut \u00abmanagen\u00bb: Das Kind ist nicht dazu da, als Abladeplatz f\u00fcr eigene negativen Gef\u00fchle zu dienen.>br> > Genauso wichtig: positive Gef\u00fchle mitgeben! Man kann offen sagen, dass man nicht weiss, ob alles gut kommt. Aber es ist wichtig, dem Kind trotzdem zu vermitteln: Es macht Sinn, dass wir daran glauben, dass wir etwas bewirken k\u00f6nnen und es einen Weg geben wird.<\/li><li>\u00dcben, mit den vielen Unsicherheiten im Leben umzugehen. In einer Welt, die gesellschaftlich so kontrolliert scheint, es aber nur sehr beschr\u00e4nkt ist, sind wir gefordert, mit unseren Kindern das Leben mit Unsicherheiten zu \u00fcben: sich ihrer bewusst sein und einen guten Umgang mit ihnen finden.<\/li><li>Dem Kind Sinnhaftigkeit und Selbstwirksamkeit mitgeben: Zeigen, warum es sich lohnt, nachhaltig zu leben und den Alltag entsprechend zu gestalten.<\/li><\/ul>\n\n<p><em>Quelle:<br>Gabriela Leuthard, Leiterin Gesch\u00e4ftsstelle Elternbildung Amt f\u00fcr Jugend und Berufsberatung, Bildungsdirektion Kanton Z\u00fcrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder f\u00fcr die Klimakrise und den Artenverlust sensibilisieren, ohne sie zu ver\u00e4ngstigen: Wie gelingt das? \u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":57245,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[2],"tags":[50],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-57244","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-klima","tag-klima","p4-page-type-hintergrund"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57244","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57244"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57244\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/57245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57244"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57244"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57244"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=57244"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=57244"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}