{"id":57891,"date":"2020-08-28T14:23:15","date_gmt":"2020-08-28T12:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=57891"},"modified":"2020-08-31T09:18:52","modified_gmt":"2020-08-31T07:18:52","slug":"ohne-uns-indigene-gaebe-es-keinen-amazonas-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/57891\/ohne-uns-indigene-gaebe-es-keinen-amazonas-mehr\/","title":{"rendered":"\u00abOhne uns Indigene g\u00e4be es keinen Amazonas-Regenwald mehr\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mitten in der Covid-19-Pandemie steht der Amazonas-Regenwald wieder in Flammen. Besonders betroffen: Brasiliens indigene V\u00f6lker.<\/strong><\/p>\n\n<p>\u00abEs gibt viele Feuer, es gibt viele Invasionen. Die Situation ist schlimm f\u00fcr uns.\u00bb Es sind die ersten Worte, die K\u00e1tia Silene sagt, als man sie per Whatsapp-Anruf erreicht. \u00abAber Brasiliens Umweltbeh\u00f6rde schaut zu und hilft uns nicht\u00bb, f\u00fcgt sie klagend hinzu. Die 52-j\u00e4hrige ist eine Ureinwohnerin des Volksstamms der Gavi\u00e3os. Sie leben im Reservat M\u00e3e Maria im S\u00fcdosten des brasilianischen Bundesstaats Par\u00e1. Es ist mit 620 Quadratkilometern etwas kleiner als der Kanton Glarus. Rund 1000 Menschen z\u00e4hlt das Volk der Gavi\u00e3os, sie unterteilen sich in die Untergruppen Akr\u00e3tikat\u00eaj\u00ea, Kykatej\u00ea und Parkat\u00eaj\u00ea. Auch der indigene Name von K\u00e1tia Silene mag f\u00fcr Mitteleurop\u00e4er erst einmal schwer auszusprechen erscheinen: Tonkyre Hompryre. Es ist eine Zusammensetzung verschiedener Begriffe: das Fest des G\u00fcrteltierweibchens und die Feier f\u00fcr den gr\u00fcnen Mais.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/1eb364eb-ka\u0301tia-silene-e1598616401668-666x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57899\" width=\"214\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/1eb364eb-ka\u0301tia-silene-e1598616401668-666x1024.jpg 666w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/1eb364eb-ka\u0301tia-silene-e1598616401668-195x300.jpg 195w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/1eb364eb-ka\u0301tia-silene-e1598616401668-221x340.jpg 221w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/1eb364eb-ka\u0301tia-silene-e1598616401668.jpg 719w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><figcaption>K\u00e1tia Silene. \u00a9 zVg<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p>K\u00e1tia Silene war die erste weibliche Anf\u00fchrerin der Gavi\u00e3os, die erste Kazikin ihres Volks. Sie sagt, sie habe die T\u00fcr f\u00fcr andere starke Frauen aufgesto\u00dfen. Heute gilt sie als eine der wichtigsten und lautesten Stimmen der indigenen V\u00f6lker Brasilien im Kampf gegen die zunehmende Zerst\u00f6rung ihres Lebensraums und des Amazonaswalds. Dieser ist derzeit vor allem durch die Feuer gef\u00e4hrdet, die an Tausenden verschiedenen Orten brennen. Es ist Trockenzeit im Amazonasbecken und damit Brandsaison. Die Br\u00e4nde k\u00f6nnen auf nat\u00fcrliche Weise ausbrechen \u2013 so wie die enormen Feuer, die derzeit im Feuchtgebiet des Pantanal brennen, das sich s\u00fcdlich an die Amazonasregion anschlie\u00dft. Sie k\u00f6nnen auch von Indigenen oder Kleinbauern stammen, die neue Fl\u00e4chen f\u00fcr den Anbau schaffen oder alte Felder f\u00fcr eine neue Aussaat vorbereiten. Die Gr\u00f6\u00dfe dieser Fl\u00e4chen ist jedoch gering. Viel h\u00e4ufiger werden die Br\u00e4nde dagegen von Kriminellen gelegt. Sie fackeln riesige Waldgebiete ab, aus denen sie zuvor die wertvollsten H\u00f6lzer geraubt haben. Die verbrannten Fl\u00e4chen werden dann zur Landspekulation, als Rinderweiden oder als Fl\u00e4chen f\u00fcr die Landwirtschaft genutzt.<\/p>\n\n<p>\u00abWir haben in unserem Reservat seit zwei Jahren immer st\u00e4rker mit Holzf\u00e4llern und Brandstiftern zu k\u00e4mpfen\u00bb, erz\u00e4hlt K\u00e1tia Silene. \u00abSie agieren an den R\u00e4ndern unseres Reservats.\u00bb Eins der Feuer erreichte sogar ein Dorf der Gavi\u00e3o, eine Schule und ein Kulturhaus sind dabei abgebrannt. Fr\u00fcher, so berichtet K\u00e1tia Silene weiter, h\u00e4tten die Indigenen bei der Bek\u00e4mpfung der Feuer und der illegalen Holzf\u00e4ller auf die Unterst\u00fctzung durch Brasiliens Umweltbeh\u00f6rde IBAMA und die Indio-Schutzbeh\u00f6rde Funai z\u00e4hlen k\u00f6nnen. Doch seit der Rechtsextremist Jair Bolsonaro 2019 das Pr\u00e4sidentenamt angetreten hat, wurden beide Beh\u00f6rden systematisch entmachtet. Es wurden ihnen Mittel, Personal und Kompetenzen gestrichen und F\u00fchrungsposten mit Milit\u00e4rs besetzt, die h\u00e4ufig wider den eigentlichen Auftrag der Institutionen handeln. \u00abDas IBAMA ist komplett abwesend\u00bb, klagt Silene. Tats\u00e4chlich gab es fr\u00fcher sogar eine indigene Feuerbrigade im Reservat der Gavi\u00e3os. Sie wurde vom IBAMA finanziert und ausgebildet. Nun wurde sie einfach aufgel\u00f6st. \u00abWir werden alleine gelassen\u00bb, sagt K\u00e1tia Silene ersch\u00fcttert, \u00abund das inmitten der Covid-19-Pandemie. Wir m\u00fcssen zur selben Zeit an zwei Fronten k\u00e4mpfen.\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im Schatten des Corona-Virus<\/h2>\n\n<p>Vergangenes Jahr loderten zehntausende Feuer im Amazonasbecken und die Welt blickte \u2013 sensibilisiert von der Klimafrage und der Fridays-for-Future-Bewegung \u2013 erschrocken nach Brasilien. Nun haben die Br\u00e4nde dieses Jahr noch einmal zugenommen, werden von den internationalen Medien allerdings im Schatten der Covid-19-Pandemie eher nebens\u00e4chlich behandelt. Dabei bricht die Zahl der Feuer 2020 zum dritten Mal in Folge einen neuen, traurigen Rekord. Brasiliens nationales Weltraumforschungsinstitut (INPE) hat zwischen dem 1. Januar und dem 16. August bereits rund 8000 Br\u00e4nde im Amazonasbecken registriert. Um sie aufzusp\u00fcren, benutzt das INPE Satelliten, es gilt in der Technik weltweit als f\u00fchrend. 2019 hatte das Institut im gleichen Zeitraum 6315 Feuer erkannt; 2018 waren es \u00abnur\u00bb 2660. Die Zunahme um ganze 300 Prozent innerhalb von nur 24 Monaten deutet auf die intensive Aktivit\u00e4t illegaler Holzf\u00e4ller, Landspekulanten und Viehz\u00fcchter hin.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/47cc7ab0-gp1su5ae_high_res-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57909\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/47cc7ab0-gp1su5ae_high_res-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/47cc7ab0-gp1su5ae_high_res-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/47cc7ab0-gp1su5ae_high_res-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/47cc7ab0-gp1su5ae_high_res-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/47cc7ab0-gp1su5ae_high_res-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/47cc7ab0-gp1su5ae_high_res-2046x1366.jpg 2046w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/47cc7ab0-gp1su5ae_high_res-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>\u00dcberreste des Waldes nach der Brandrodung. \u00a9 Christian Braga \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>\u00abF\u00fcr den Anstieg ist die fehlende Umweltpolitik der Regierung verantwortlich\u00bb, erkl\u00e4rt R\u00f4mulo Batista, der bei Greenpeace Brasilien f\u00fcr die Waldkampagne zust\u00e4ndig ist. Er bef\u00fcrchtet, dass 2020 zum schlimmsten Jahr f\u00fcr den Amazonaswald seit langer Zeit werden k\u00f6nnte. Seine Bef\u00fcrchtung ist begr\u00fcndet: Die entwaldete Fl\u00e4che stieg zwischen August 2019 und Juli 2020 um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch diese Daten stammen von Auswertungen der Satellitenbilder des INPE. In zw\u00f6lf Monaten wurde somit eine Fl\u00e4che von 9205 Quadratkilometern abgeholzt. Das entspricht der gemeinsamen Gr\u00f6\u00dfe der Kantone Graub\u00fcnden und St. Gallen.<\/p>\n\n<p>\u00dcberfliegt man die Brandherde, dann sieht man, wie riesige Kastanien und Kautschukb\u00e4ume brennen. So berichten es Journalisten der Agentur Amaz\u00f4nia Real. Die verkohlten Kadaver von Tieren bedeckten den Boden: Schlangen, Ameisenb\u00e4ren, Affen und G\u00fcrteltiere, die noch vergeblich versuchten, den Flammen zu entkommen. Die Waldzerst\u00f6rer st\u00f6rt das nicht. Sie f\u00fchlen sich offenbar von der Rhetorik des brasilianischen Pr\u00e4sidenten ermutigt. Jair Bolsonaro betont immer wieder, dass die Amazonasregion endlich zur wirtschaftlichen Ausbeutung ge\u00f6ffnet werden sollte. Das gef\u00e4llt den Viehz\u00fcchtern und Sojabauern, den Minenkonzernen, den zehntausenden illegalen Goldsuchern, der Holzmafia und den Landspekulanten. Sie alle z\u00e4hlen zu den treuesten W\u00e4hlern Bolsonaros. \u00abSie wollen uns den Wald stehlen\u00bb, beteuert K\u00e1tia Silene.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leere Versprechen<\/h2>\n\n<p>Bei allem muss man auch erw\u00e4hnen, dass die Bolsonaro-Regierung in diesem Jahr versprochen hatte, endlich etwas gegen die Waldvernichtung zu unternehmen. Sie war aufgeschreckt worden von den Warnungen ausl\u00e4ndischer Unternehmer und Investoren. Im Mai hatte eine Gruppe von 40 internationalen Gro\u00dfh\u00e4ndlern eine Verpflichtung Brasiliens zum Schutz der Umwelt und der indigenen V\u00f6lker verlangt. Die Drohung eines Boykotts brasilianischer Produkte stand im Raum. Im Juni folgte eine Gruppe internationaler Investmenth\u00e4user, die gemeinsam rund vier Milliarden Dollar verwalten. In einem Brief \u00e4u\u00dferten sie ihre \u00abgro\u00dfe Besorgnis\u00bb \u00fcber die Abholzung. Sie sei negativ f\u00fcr Kunden, die mit der Abholzung in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/cc31b0e8-gp1su7yg_high_res-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57898\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/cc31b0e8-gp1su7yg_high_res-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/cc31b0e8-gp1su7yg_high_res-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/cc31b0e8-gp1su7yg_high_res-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/cc31b0e8-gp1su7yg_high_res-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/cc31b0e8-gp1su7yg_high_res-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/cc31b0e8-gp1su7yg_high_res-2046x1366.jpg 2046w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/cc31b0e8-gp1su7yg_high_res-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Was \u00fcbrig bleibt sind karge Landschaften f\u00fcr die Viehzucht. <strong>\u00a9 Christian Braga \/ Greenpeace<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Im Juli erhielt Vizepr\u00e4sident Hamilton Mour\u00e3o schlie\u00dflich ein Schreiben von 38 brasilianischen und internationalen Konzernchefs mit \u00e4hnlichem Tenor. Der Text warnte nicht nur vor einem Ansehensverlust Brasiliens, sondern sagt konkrete Sch\u00e4den f\u00fcr Brasiliens Volkswirtschaft voraus, sollte sich nicht etwas \u00e4ndern. Es wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Kriterium in Teilen der Wirtschaft geworden ist und Verbraucherdruck etwas bewirken kann.<\/p>\n\n<p>Allerdings l\u00e4sst die aktuelle Entwicklung an der Ernsthaftigkeit des Versprechens der brasilianischen Regierung zweifeln, etwas f\u00fcr den Waldschutz zu tun. Pr\u00e4sident Bolsonaro hat zwar den Nationalen Amazonasrat ins Leben gerufen, der von seinem Vize Mour\u00e3o geleitet wird. Das offizielle Ziel ist, die Region \u00abzu bewahren und Brasilien zu entwickeln\u00bb. Allerdings ist schon die Zusammensetzung des Gremiums fragw\u00fcrdig. Mour\u00e3o, ein Vier-Sterne-General, hat weder Umweltsch\u00fctzerinnen noch Vertreter der Umweltbeh\u00f6rde IBAMA oder der Indio-Schutzbeh\u00f6rde Funai in den Rat geholt. Stattdessen wurden neben einigen Ministern gleich 19 Milit\u00e4rs berufen. Fast folgerichtig erscheint es, dass auch die \u00dcberwachung des Amazonasbeckens der darauf spezialisierten Umweltbeh\u00f6rde IBAMA entzogen und der brasilianischen Armee \u00fcbertragen wurde. <\/p>\n\n<p>Die entmachteten Umweltpolizisten des IBAMA spotten nun dar\u00fcber, dass die Soldaten Umweltkriminelle bek\u00e4mpfen sollen, obwohl sie daf\u00fcr weder das n\u00f6tige Knowhow noch die n\u00f6tige Erfahrung haben. Einer der Beamten, der anonym bleiben m\u00f6chte, sagte gegen\u00fcber dem Greenpeace-Magazin, dass der Armeeeinsatz eine Show f\u00fcrs Ausland sei. Es bestehe kein ernsthaftes Interesse daran, gegen die Holzmafia, Landtitelf\u00e4lscherinnen und Viehz\u00fcchter vorzugehen. Die Regierung stecke mit ihnen unter einer Decke.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Widerspr\u00fcchlichkeit folgt der n\u00e4chsten<\/h2>\n\n<p>Im Widerspruch zum Versprechen der Regierung stehen auch die drastischen Budgetk\u00fcrzungen des Weltrauminstituts INPE. Das INPE ist eins der wichtigsten Werkzeuge im Kampf gegen die Abholzung, weil dessen Satellitenbilder die n\u00f6tigen Informationen \u00fcber Orte und Ausma\u00df der Amazonaszerst\u00f6rung liefern. Die K\u00fcrzungen machten eine effiziente Arbeit nun so gut wie unm\u00f6glich, sagt Alice Thuault vom Institut Centro de Vida, das seit fast 30 Jahren gegen die Br\u00e4nde im Amazonas-Regenwald k\u00e4mpft. Die Regierung will durch die K\u00fcrzungen offenbar den \u00dcberbringer der schlechten Nachrichten zum Verstummen bringen. Wenn es keine Informationen mehr \u00fcber Br\u00e4nde und Abholzung gibt, so offenbar das Kalk\u00fcl \u2013 dann verschwinden sie aus dem Blickfeld der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/68160d33-gp1su5ab_high_res-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57897\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/68160d33-gp1su5ab_high_res-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/68160d33-gp1su5ab_high_res-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/68160d33-gp1su5ab_high_res-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/68160d33-gp1su5ab_high_res-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/68160d33-gp1su5ab_high_res-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/08\/68160d33-gp1su5ab_high_res-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Obwohl die Br\u00e4nde im Amazonas von Weitem zu sehen sind, verleugnet Bolsonaro sie. <strong>\u00a9 Christian Braga \/ Greenpeace<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Dieser Logik folgt auch die Behauptung von Pr\u00e4sident Jair Bolsonaro, der in einem Online-Treffen mit anderen Staatschefs der Amazonasregion behauptete, dass es eine L\u00fcge sei, dass der Amazonas brenne. Ausl\u00e4ndische M\u00e4chte h\u00e4tten ein Interesse daran, Brasiliens Image zu schaden, sagte er. F\u00fcr K\u00e1tia Silene von den Gavi\u00e3os klingt das wie blanker Hohn. Sie erlebt jeden Tag, wie Feuer im Reservat ihres Stammes brennen. \u00abBolsonaro betrachtet uns Indigene nicht als Menschen\u00bb, sagt sie. \u00abEr will uns das Land und unsere Rechte nehmen.\u00bb<\/p>\n\n<p>Die Kazikin berichtet, dass ihr Volk von der Jagd, vom Fischen, dem Anbau von Mais und Bananen, der H\u00fchnerzucht sowie dem Sammeln von Amazonasfr\u00fcchten wie A\u00e7a\u00ed und Cupua\u00e7u lebe. Au\u00dferdem erhalten die Gavi\u00e3os eine Pacht f\u00fcr eine Frachtzugstrecke des Minenkonzerns Vale, die durch ihr Reservat f\u00fchrt. Vale will die Strecke nun ausbauen und die Gavi\u00e3os k\u00e4mpfen um eine Erh\u00f6hung der Zahlungen. \u00abOhne uns Indigene g\u00e4be es gar keinen Amazons-Regenwald mehr\u00bb, sagt Silene. \u00abWir sind die W\u00e4chter des Waldes.\u00bb Tats\u00e4chlich sind die Reservate der Ureinwohner die letzten Bollwerke gegen die Waldvernichtung, wie eine Studie des World Resources Institut ergeben hat. Nirgends ist die Natur noch so intakt wie hier. W\u00e4hrend in den vergangenen 40 Jahren rund 20 Prozent des Amazonaswalds vernichtet wurde, verloren die indigenen Reservate lediglich zwei Prozent ihre Waldfl\u00e4chen.<\/p>\n\n<p>Doch ausgerechnet die indigenen V\u00f6lker Brasiliens wurden nun von der Covid-19-Pandemie besonders hart getroffen. Laut dem Ureinwohnerverband Coiab starben im Amazonasbecken bislang 579 Ureinwohnerinnen von 90 verschiedenen Ethnien. Ihre Mortalit\u00e4t (Covid-19-Tote pro 1000 Menschen) liegt damit weitaus h\u00f6her als in der restlichen Bev\u00f6lkerung. Besonders alte Indios starben, was f\u00fcr die Indigenen besonders tragisch ist, weil diese h\u00e4ufig Schamanen, Ratgeber und wichtige Anf\u00fchrer waren, die \u00fcber traditionelles Wissen und Fertigkeiten verf\u00fcgten, die mit ihnen ins Grab gegangen sind. <\/p>\n\n<p>Dramatisch ist die Situation auch f\u00fcr die rund zwei Dutzend immer noch isoliert lebenden V\u00f6lker, also Indio-Gruppen, die so gut wie keinen Kontakt mit der Au\u00dfenwelt pflegen. Sollte das Virus sie erreichen, w\u00e4ren sie vom Aussterben bedroht, weil ihre Gemeinschaften oft sehr klein sind und ihr Immunsystem nicht auf Viren vorbereitet ist.<\/p>\n\n<p>In K\u00e1tia Silenes Gemeinde starb eine alte Frau. \u00abWir haben uns relativ fr\u00fch in unsere D\u00f6rfer entlang der Fl\u00fcsse zur\u00fcckgezogen und isoliert\u00bb, erl\u00e4utert sie, \u00abdeswegen verlief die Pandemie bei uns relativ glimpflich.\u00bb Sobald die Pandemie vorbei ist, will sie den Kampf f\u00fcr die Rechte ihres Volkes wieder voll aufnehmen. \u00abWir haben einen m\u00e4chtigen Gegner, aber wir geben nicht auf.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitten in der Covid-19-Pandemie steht der Amazonas-Regenwald wieder in Flammen. 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