{"id":60268,"date":"2020-11-11T09:15:00","date_gmt":"2020-11-11T07:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=60268"},"modified":"2020-11-18T14:30:12","modified_gmt":"2020-11-18T13:30:12","slug":"pestizide-vom-winde-verweht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/60268\/pestizide-vom-winde-verweht\/","title":{"rendered":"Pestizide: vom Winde verweht!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eine neue <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/59501\/pestizide-in-der-schweizer-luft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Greenpeace<\/a><\/strong><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/59501\/pestizide-in-der-schweizer-luft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>-Untersuchung<\/strong><\/a><strong> bringt besorgniserregende Informationen ans Licht. Sie zeigt: Pestizide verbreiten sich st\u00e4rker via Luft als gedacht. Die Abdrift von teils hochbedenklichen chemisch-synthetischen Substanzen ist f\u00fcr Bio-Bauern ein grosses Problem und stellt f\u00fcr Landwirt*innen sowie f\u00fcr Anwohner*innen und Natur ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.&nbsp;Denn der Kontakt mit Pestiziden in der Luft ist wie unfreiwilliges Passivrauchen.<\/strong><\/p>\n\n<p>\u00abPestizide verbleiben nicht an ihrem Einsatzort, sondern werden via Luft zum Teil mehrere Kilometer weit getragen. Doch es wird einfach ignoriert: Weder gibt es ein nationales Monitoring zur Abdrift von Pestiziden noch weitreichende Untersuchungen zu den gesundheitlichen Auswirkungen solch fl\u00fcchtiger Pestizide f\u00fcr Landwirt*innen und Anwohner*innen.\u00bb Alexandra Gavilano, Leiterin Landwirtschaft und Klima bei Greenpeace Schweiz, sorgt sich. Anlass ist eine von Greenpeace Schweiz in Auftrag gegebene Untersuchung des Umweltinstituts M\u00fcnchen: Wissenschaftler*innen haben von Mai bis November 2019 auf vier Bio-Betrieben in der Schweiz mit so genannten Passivsammlern die Abdrift von Pestiziden in der Luft untersucht; ein Weinbaubetrieb im Wallis, je ein Ackerbaubetrieb in der Nordwestschweiz und im Mittelland sowie ein Obstbaubetrieb in der Ostschweiz. An allen Standorten wurde eine Mehrfach-Belastung festgestellt: Insgesamt wurden 25 verschiedene Pestizide nachgewiesen, die teilweise als sehr giftig f\u00fcr den Menschen gelten und hochproblematisch sind f\u00fcr die Umwelt. Die h\u00f6chste Belastung wurde in den Walliser Reben gemessen, in deren Umfeld Nicht-Bio-Winzer Pestizide statt mit Helikoptern zum Teil mit Drohnen ausbringen.&nbsp;<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium is-resized  caption-style-medium caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/b25eedc4-emi65bpxeay4bdm-300x194.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-60652\" width=\"431\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/b25eedc4-emi65bpxeay4bdm-300x194.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/b25eedc4-emi65bpxeay4bdm-1024x663.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/b25eedc4-emi65bpxeay4bdm-768x497.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/b25eedc4-emi65bpxeay4bdm-510x330.jpg 510w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/b25eedc4-emi65bpxeay4bdm.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 431px) 100vw, 431px\" \/><figcaption>Passivsammler, mit denen die Luftverfrachtung von Pestiziden gemessen werden.<br>Foto: <div class=\"credit icon-left\"> \u00a9Christof Stache<\/div><\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kilometerweite Verbreitung von problematischen Pestiziden<\/h2>\n\n<p>Die Messungen best\u00e4tigen k\u00fcrzlich <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.umweltinstitut.org\/aktuelle-meldungen\/meldungen\/2020\/pestizide\/pestizidrueckstaende-in-der-luft-wir-haben-nachgemessen.html\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlichte Recherchen<\/a> aus Deutschland. Auch bei korrekter Anwendung&nbsp; kommt es zum Ferntransport von Pestiziden. Selbst Stoffe, die kaum fl\u00fcchtig sind, wie zum Beispiel das Herbizid Glyphosat, verbreiten sich, an Staubpartikeln haftend, mit dem Wind. Sie kontaminieren \u00d6kosysteme und andere landwirtschaftliche Kulturen und stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko f\u00fcr Landwirt*innen und Anwohner*innen dar. \u00abDie Luftverfrachtung von Pestiziden ist auch in der Schweiz ein gr\u00f6sseres Problem als bisher angenommen\u00bb, sagt Alexandra Gavilano.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bund und Kantone sind gefordert &#8211; und die Konsument*innen<\/h2>\n\n<p>F\u00fcr Bio-Bauern ist die Kontamination mit Pestiziden durch Luftverfrachtung existenziell. David Herrmann, Verantwortlicher Medienstelle bei Bio Suisse, dem Dachverband der Schweizer Bio-Produzenten, stellt klar: \u00abBio Suisse war nicht an der Erstellung der Studie beteiligt. Abdrift ist f\u00fcr Bio-Bauern ein Problem. Sie bringen vollen Einsatz f\u00fcr eine Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Pestizide und trotzdem belastet die Abdrift ihre Kulturen. Im schlimmsten Fall m\u00fcssen sie ihre Produkte deklassieren, mit dramatischen finanziellen Konsequenzen. Das wollen wir so nicht hinnehmen.\u00bb Die Konsument*innen, die nur biologisch produzierte Lebensmittel einkaufen wollen, verlieren so ihre Wahlfreiheit. Gleichzeitig ist der Bio-Konsum der richtige Weg, denn dieser unterst\u00fctzt den dringend n\u00f6tigen Wandel unseres Ern\u00e4hrungssystems.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Die Agrarlobby hat bereits in der Kommission des St\u00e4nderates verhindert, dass die Agrarpolitik AP22+ beraten wird. Sie hat sich damit f\u00fcr eine Sistierung der bundesr\u00e4tlichen Vorlage ausgesprochen und ein weiteres Mal gezeigt, dass sie kein Interesse hat an einer zukunftsf\u00e4higen, \u00f6kologischen Reform der Schweizer Landwirtschaft hat. Sie ignoriert damit auch das Recht von k\u00f6rperlicher Unversehrtheit von Landwirt*innen und Anwohner*innen. Denn <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/10410\/krebs-als-parkinson-faktor-pestizide\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Liste m\u00f6glicher gesundheitlicher Auswirkungen<\/a> des t\u00e4glichen Kontakts mit Pestizid-Cocktails ist lang. Die Politik muss nun endlich aus ihrem agrarpolitischen Lockdown erwachen.<\/p>\n\n<p>Greenpeace fordert von Bund und Parlament ein <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/luftverfrachtung-forderungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Massnahmenpaket<\/a>: Die im Rahmen der AP22+ diskutierte \u00d6kologisierung der Landwirtschaft ist trotz Widerstands der Agrarlobby und von Economiesuisse schleunigst anzugehen. Das Ausbringen von Pestiziden mit Helikoptern soll verboten, der Drohnen-Einsatz st\u00e4rker reglementiert werden. Die Politik muss sicherstellen, dass der Biolandbau vor Pestizid-Drift gesch\u00fctzt wird. Studien, die untersuchen, ob bestimmte, immer wieder mit Pestiziden in Verbindung gebrachte Erkrankungen wie Parkinson, ALS und NH-Lymphome in Regionen mit hohem Pestizid-Einsatz \u00fcberdurchschnittlich oft vorkommen, sind \u00fcberf\u00e4llig \u2014 ebenso wie ein stetiges, landesweites digitales Monitoring der Verwendung von Pestiziden, um die Verbreitung von Pestiziden verstehen und entsprechend dem Vorsorgeprinzip die Bev\u00f6lkerung besser sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Der Kontakt mit Pestiziden in der Luft ist wie unfreiwilliges Passivrauchen. Wir von Greenpeace haben unsere Forderungen den Parlamentarier*innen brieflich mitgeteilt. Mach deinem \u00c4rger Luft und unterst\u00fctze unser Anliegen f\u00fcr eine \u00f6kologische Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Pestizide: Unterschreibe den Appell <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.agrarlobby-stoppen.ch\/#signup\" target=\"_blank\">\u00abAgrarlobby stoppen\u00bb<\/a> und schreib den Beh\u00f6rden <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/gefahrliche-pestizidabdrift-stoppen\/\" target=\"_blank\">hier ein E-Mail<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Greenpeace-Untersuchung bringt besorgniserregende Informationen ans Licht. Sie zeigt: Pestizide verbreiten sich st\u00e4rker via Luft als gedacht. 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