{"id":60843,"date":"2020-11-16T17:05:37","date_gmt":"2020-11-16T16:05:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=60843"},"modified":"2025-08-04T11:03:58","modified_gmt":"2025-08-04T09:03:58","slug":"konzern-heisst-concern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/60843\/konzern-heisst-concern\/","title":{"rendered":"Konzern heisst: Concern!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Konzernverantwortungsinitiative verpflichtet Schweizer Unternehmen, Mensch und Umwelt zu respektieren. Auch im Ausland, inklusive ihrer Tochtergesellschaften. Eigentlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Weshalb streiten wir dann?<\/strong><\/p>\n\n<p>Der Atlantik vor der galicischen K\u00fcste riecht nach \u00d6l, er ist schwarz, so weit das Auge reicht. Papageientaucher versuchen ihre verklebten Fl\u00fcgel zu bewegen, vergeblich. Ab und an \u00f6ffnen sie ihre orangefarbenen Schn\u00e4bel. Bis auch das nicht mehr geht. Neben mir eine lange Reihe von Fischern, in den H\u00e4nden nichts als Gartenrechen, mit denen sie den z\u00e4hen Schlick in K\u00fcbel zu hieven versuchen. Eine Sisyphusarbeit; denn jede Welle bringt noch mehr \u00d6l. Sie arbeiten ohne Handschuhe und ohne Atemschutz. Einige fluchen, einige weinen, einige \u00fcbergeben sich. Irgendwo hinter dem Horizont l\u00f6st sich derweil der Tanker \u00abPrestige\u00bb in seine Teile auf. Eine einzelne \u00fcbergrosse Welle gen\u00fcgte, um das altersschwache Schiff zu zerbrechen.<\/p>\n\n<p>Es ist November 2002. Ich bin hier, um aus n\u00e4chster N\u00e4he dar\u00fcber zu berichten, wie Verantwortungslosigkeit aussieht. Die \u00abPrestige\u00bb hatte 77\u2019000 Tonnen Very Heavy Fuel Oil vom Typ IFO 650 an Bord. Anders gesagt: 77\u2019000 Tonnen Raffinerieabf\u00e4lle und damit die \u00fcbelste Br\u00fche, die man sich vorstellen kann.<\/p>\n\n<p>Am Abend im Hotelzimmer, die Luft penetrant nach Benzol riechend, schreibe ich die Chronik einer angek\u00fcndigten Katastrophe. Von draussen sind Stimmen zu h\u00f6ren. \u00abNunca m\u00e1is!\u00bb, schreien sie. Nie mehr wieder! Es sind Tausende von K\u00fcstenbewohner*innen, die sich in den Strassen der Hafenstadt Mux\u00eda versammelt haben.<\/p>\n\n<p>Und wieder einmal steht die Schweiz im Mittelpunkt.<\/p>\n\n<p>Das \u00d6l geh\u00f6rt der Firma Crown Resources AG, registriert an der Gotthardstrasse 2 in Zug. Kein Konzern, aber ein KMU, das in einem Hochrisikobereich t\u00e4tig ist und deshalb aus heutiger Sicht unter die Bestimmungen der Konzernverantwortungsinitiative f\u00e4llt. Der Chef der Crown Resources AG ist gleichzeitig Pr\u00e4sident der Luzerner Zunft zu Safran. F\u00fcr den Transport des \u00d6ls hat der \u00absympathische Mann\u00bb, wie es in der Zunftchronik heisst, das billigste Schiff auf dem Markt gechartert, im Besitz einer windigen Briefkastenfirma mit Sitz in Monrovia und von einer griechischen Reederei verwaltet, deren Eigner sich nach dem Untergang der \u00abPrestige\u00bb mit einem \u2013 m\u00f6glicherweise gef\u00e4lschten \u2013 Totenschein aus der Verantwortung stiehlt. Resultat ist eine der gr\u00f6ssten Umweltkatastrophen Europas.<\/p>\n\n<p>Nach dem Untergang der \u00abPrestige\u00bb bricht an der Gotthardstrasse 2 Hektik aus. Nicht nur, weil Greenpeace mehrere F\u00e4sser \u00d6l in den Hauseingang kippt. Die Verantwortlichen der Crown Resources AG lassen auf dem Handelsregisteramt den Namen ihres Unternehmens \u00e4ndern. Adresse und Verwaltungsrat bleiben. Die Firma heisst nun ERC Trading. Dann gehen sie wieder zur Tagesordnung \u00fcber. Als 2004 klar wird, dass der Fall in Spanien vor Gericht kommt, bricht erneut Hektik aus. Die Firma rettet sich 2007 in den Konkurs. Was mit ihren 91 Millionen Aktienkapital geschieht, wird nie \u00f6ffentlich. Die Kosten der Katastrophe von 4,3 Milliarden Euro bleiben zum gr\u00f6ssten Teil am Staat, also an den Steuerzahlern, h\u00e4ngen.<\/p>\n\n<p>Seither verfolge ich akribisch alle Versuche von Regierungen und internationalen Organisationen, gegen das orchestrierte Versagen anzugehen.<\/p>\n\n<p>Bereits 1976 erl\u00e4sst die OECD Leits\u00e4tze f\u00fcr Multis bez\u00fcglich Corporate Social Responsibility, nicht zuletzt unter dem Eindruck der Katastrophe von Seveso. Damals entweichen aus einer Fabrik in der Lombardei mehrere Kilo hochgiftiges Dioxin. Die Fabrik geh\u00f6rt einer Tochter der schweizerischen Givaudan, die wiederum eine Tochter von Hoffmann-La Roche ist. Als die Verantwortlichen aus der Schweiz anreisen, geben sie gem\u00e4ss WOZ folgende Direktive bekannt: \u00abDie Sache wird im engsten Kreise gehalten; Givaudan und Roche werden nicht erw\u00e4hnt. Dass TCDD [Dioxin] gebildet wurde, wird nicht erw\u00e4hnt. Alles klar?\u00bb<\/p>\n\n<p>2000 erfolgt der n\u00e4chste Versuch, die Konzerne zu einem verantwortungsbewussteren Verhalten zu bewegen. Die Uno geht mit den Unternehmen im Interesse einer sozialeren und \u00f6kologischeren Globalisierung weltweit einen Pakt ein, nicht zuletzt unter dem Eindruck von Bhopal. 1984 explodiert in der indischen Stadt eine Chemiefabrik; sie geh\u00f6rt dem US-Konzern Union Carbide. Mindestens Zehntausende Menschen sterben, Hunderttausende erkranken. Union Carbide, inzwischen im Besitz von Dow, weigert sich bis heute, die in der Giftgaswolke freigesetzten Reaktionsprodukte zu benennen, weshalb die erkrankten Menschen nicht ad\u00e4quat medizinisch behandelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<p>Elf Jahre sp\u00e4ter notiere ich einen dritten Anlauf in Sachen Konzernverantwortung. Die Vereinten Nationen setzen die \u00abLeitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte\u00bb in Kraft. Nicht zuletzt wegen LafargeHolcim, dem weltweit gr\u00f6ssten Zementkonzern mit Sitz in der Schweiz. <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/59924\/umweltverschmutzung-und-kranke-menschen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Greenpeace hat in 34 L\u00e4ndern mit Niederlassungen des Konzerns 122 F\u00e4lle von unternehmerischem Fehlverhalten gefunden<\/a>, f\u00fcr die LafargeHolcim direkt verantwortlich ist oder Verantwortung \u00fcbernehmen m\u00fcsste. Dabei geht es um Luft-, Boden-, Gew\u00e4sser- und Trinkwasserverschmutzung, illegalen Abbau, illegale Sonderm\u00fcllverbrennung, \u00dcberschreitung der Emissionsgrenzwerte, schlechte \u00dcberwachungsstandards, L\u00e4rmbel\u00e4stigung, Gesundheitsgef\u00e4hrdung, Verstoss gegen Arbeits- und Gewerkschaftsrechte, Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen, regulatorische Verst\u00f6sse, Steuerhinterziehung, Kartellabsprachen, Korruption bis hin zu Terrorismus-Unterst\u00fctzung \u2026<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large  caption-style-medium caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"804\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-804x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-60846\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-804x1024.jpg 804w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-235x300.jpg 235w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-768x979.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-1206x1536.jpg 1206w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-1607x2048.jpg 1607w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-1072x1366.jpg 1072w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-267x340.jpg 267w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/933466a0-3_markt_kamerun_-scaled.jpg 2009w\" sizes=\"auto, (max-width: 804px) 100vw, 804px\" \/><figcaption>Das LafargeHolcim-Werk der Cimencam S.A. direkt hinter einem Wochenmarkt im Norden Kameruns verschmutzt die Umwelt mit Staub. \u00a9 Christoph Fischer<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Fakten sind klar, die Ziele der diversen Vereinbarungen ebenso, doch die Wirkung bleibt bescheiden. Eine k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Studie von Brot f\u00fcr alle weist nach, dass in der Schweiz gerade mal jedes zehnte Unternehmen begonnen hat, die Uno-Leitprinzipien umzusetzen. Entsprechend verf\u00fcgen fast zwei Drittel der gr\u00f6ssten Unternehmen hierzulande weder \u00fcber einen Verhaltenskodex noch \u00fcber eine Menschenrechtspolitik. Umso besser verstehen sich die Konzerne darin, wohlt\u00f6nende Beteuerungen zu verbreiten. \u00abBis 2030 streben wir Null\u2011Umweltbelastung in unseren Betrieben an\u00bb, schreibt etwa Nestl\u00e9. Oder Syngenta: \u00abWir m\u00f6chten an all unseren Standorten die Auswirkungen unserer T\u00e4tigkeit auf die Umwelt minimieren.\u00bb Und der umstrittene Rohstoffh\u00e4ndler Glencore sagt fast identisch: \u00abWir minimieren unsere Auswirkungen auf die Umwelt, wo immer wir t\u00e4tig sind.\u00bb<\/p>\n\n<p>Weshalb diese Diskrepanz zwischen Wort und Tat? Weshalb ist es so schwierig, Konzerne zu einem korrekten Umgang mit Menschen und Umwelt zu bewegen?<\/p>\n\n<p>Als Kinder lernten wir alle, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Das kleine Geschwister h\u00fcten. Die Katze f\u00fcttern. Die Pflanzen giessen. Wir verstanden Verantwortung als Ehre, wir reiften mit und an der Verantwortung. Und wenn wir etwas verbockt hatten, lernten wir, daf\u00fcr einzustehen. Eine Frage des Anstands. Vorbilder waren unsere Eltern. Indem sie uns grosszogen, bewiesen sie uns, was die \u00dcbernahme von Verantwortung erm\u00f6glicht. Wir erkannten: Wenn alle f\u00fcreinander Verantwortung tragen, dann entsteht ein tragf\u00e4higes Netz. Dann funktioniert die Gesellschaft.<\/p>\n\n<p>Aber Verantwortung war auch eine B\u00fcrde, m\u00fchsam und anstrengend. Und so suchten wir nach Wegen, um den auferlegten Verpflichtungen zu entgehen. Darunter mussten jene leiden, die sich nicht wehren konnten. Die Katze fand ja keine M\u00f6glichkeit, sich zu beklagen, wenn wir sie vergassen. Die Pflanze hielt \u2013 meistens \u2013 durch. Die Rechnung war simpel: Wenn es gelang, sich der Verantwortung zu entziehen, ohne dass die Sache schiefging, gab es keinen Grund, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Das Bewusstsein daf\u00fcr geriet mehr und mehr in den Hintergrund, so wie die Demenz mehr und mehr den Verstand verdr\u00e4ngt. Wir begannen die Grundidee des Prinzips Verantwortung zu vergessen: stark sch\u00fctzt schwach.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large  caption-style-medium caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"950\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/ee4e9c51-1b_blumengiesserkind_klein-1024x950.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-60849\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/ee4e9c51-1b_blumengiesserkind_klein-1024x950.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/ee4e9c51-1b_blumengiesserkind_klein-300x278.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/ee4e9c51-1b_blumengiesserkind_klein-768x712.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/ee4e9c51-1b_blumengiesserkind_klein-1536x1425.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/ee4e9c51-1b_blumengiesserkind_klein-2048x1900.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/ee4e9c51-1b_blumengiesserkind_klein-1473x1366.jpg 1473w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/11\/ee4e9c51-1b_blumengiesserkind_klein-367x340.jpg 367w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Wir alle lernen in unserem Leben einmal, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. \u00a9 Christoph Fischer<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Was wir aber nicht vergassen: dass fehlendes Verantwortungsbewusstsein seinen Preis haben kann. Weshalb wir uns gegen die Folgen abzusichern begannen. Das heisst, wir fanden Wege, uns der Gefahren zu entledigen, die wir selbst provozierten. Wir erfanden die Versicherungen und delegierten unser Verantwortungsbewusstsein an sie, damit gleichzeitig auch unsere Verpflichtung zu R\u00fccksichtnahme und Sorgfalt. Die Versicherungen erfanden die R\u00fcckversicherungen. Daraus entstand schliesslich jenes kaskadenartige System von k\u00e4uflicher Verantwortung, das immer gr\u00f6ssere Risiken tragbar macht. Diese Risiken werden zur Basis f\u00fcr Verletzungen von Menschenrechten wie auch f\u00fcr Verst\u00f6sse gegen Umweltschutzstandards, und sie sind die Basis f\u00fcr Katastrophen von der Gr\u00f6ssenordnung Bhopals.<\/p>\n\n<p>Deshalb kommt nun am 29. November die Konzernverantwortungsinitiative zur Abstimmung. Sie hat das Potenzial, endlich ein paar Dinge zurechtzur\u00fccken. Konzerne mit Sitz in der Schweiz sollen auch im Ausland daf\u00fcr haften, wenn sie oder ihre Tochterfirmen die Sorgfaltspflicht nicht wahren und dadurch Menschenrechte und internationale Umweltstandards verletzen. Konkret: Wird die Initiative angenommen, kann ein peruanischer Bauer k\u00fcnftig gegen einen Konzern mit Sitz in der Schweiz klagen, wenn der Konzern mit seinen Abw\u00e4ssern die Felder des Bauern vergiftet. Die H\u00fcrden daf\u00fcr sind zwar hoch \u2013 der Kl\u00e4ger muss nicht nur einen ihm widerrechtlich zugef\u00fcgten Schaden nachweisen, sondern auch einen Zusammenhang mit den T\u00e4tigkeiten eines Schweizer Konzerns oder dessen Tochterfirmen \u2013, doch allein die Klagem\u00f6glichkeit hat zur Folge, dass die Unternehmen k\u00fcnftig Sorgfaltspr\u00fcfungen durchf\u00fchren und ihre Projekte auf Risiken durchleuchten werden, bevor sie loslegen. Mit anderen Worten: Die Konzerne k\u00f6nnen nun endlich zeigen, dass sie \u00abconcerned\u00bb sind \u2013 dass sie sich sorgen und besorgt sind.<\/p>\n\n<p>Das ist gut so; denn f\u00fcr Menschen im Ausland gelten die gleichen Massst\u00e4be wie f\u00fcr die Menschen in der Schweiz. Ihre Gesundheit ist ebenso wichtig wie unsere Gesundheit. Verseuchtes Wasser und vergiftete Luft richten ausserhalb unseres Landes die gleichen Sch\u00e4den an. Alles andere macht keinen Sinn. Oder anders gesagt: Alles andere ist f\u00fcr Menschen mit auch nur einem Funken Ethik unvorstellbar.<\/p>\n\n<p>Die Initiative zielt dabei nur auf die schwarzen Schafe unter den Schweizer Unternehmen. Dass es nur wenige sind, sagen nicht nur die Initianten. \u00ab99 Prozent\u00bb der schweizerischen Konzerne w\u00fcrden keinen Anlass zu Kritik geben, erkl\u00e4rt CVP-Pr\u00e4sident Gerhard Pfister als einer der vehementesten Kritiker der Vorlage. Wenn das so ist, weshalb dann der grosse Widerstand? Weshalb bek\u00e4mpfen die Gegner dann die Vorlage mit so viel Geld, dass ihre Argumente bei der Google-Suche \u00abKonzernverantwortungsinitiative\u00bb an erster Stelle kommen, noch vor den Voten der Initianten? In den Augen von Pfister &amp; Co. ist doch alles gut.<\/p>\n\n<p>Wie auch immer. Die Initiative kommt nun zur Abstimmung, und sie \u00fcberzeugt so sehr, dass sie eine breite Koalition hinter sich vereinigt. Die Hilfswerke stehen daf\u00fcr ein. Die Kirchen. \u00dcber 300 besorgte Unternehmer und Unternehmerinnen. Politikerinnen und Politiker von SP, Gr\u00fcnen, GLP, CVP, EVP, BDP, FDP und EDU. Sogar in meinem als erzkonservativ geltenden Wohnort, Meilen an der Z\u00fcrcher Goldk\u00fcste, flattern von vielen Balkonen Fahnen mit dem \u00abJa!\u00bb.<\/p>\n\n<p>Und sogar vonseiten der SVP wird es Ja-Stimmen geben. \u00abMir ist es scheissegal, was Christoph Blocher sagt\u00bb, gibt J\u00e9r\u00f4me Desmeules als Generalsekret\u00e4r der SVP Unterwallis gegen\u00fcber dem katholischen Mediendienst zu Protokoll. Wenn man den Initiativtext lese, so Desmeules, dann kapiere man: \u00abEs geht um Ethik. Es geht um Menschenrechte. Es geht um die Frage: Welche Werte sind uns in der Schweiz wichtig? Ich habe klargemacht: Wir k\u00f6nnen es nicht hinnehmen, dass Unternehmen im Ausland Sachen machen d\u00fcrfen, die in der Schweiz verboten sind.\u00bb<\/p>\n\n<p>Genau. So einfach ist es.<\/p>\n\n<p>Christian Schmidt<\/p>\n\n<p>PS. Die Konzernverantwortungsinitiative kann Katastrophen verhindern \u2013 und damit auch ihre Sp\u00e4tfolgen. Die galicischen Fischer standen \u00fcber Monate in den Raffinerieabf\u00e4llen des Tankers \u00abPrestige\u00bb. Das Schwer\u00f6l gilt als krebserregend. Krebs zeigt sich oft erst 20 Jahre sp\u00e4ter, also jetzt.<\/p>\n\n<p>PPS. Bis die Katastrophe von Bhopal juristisch aufgearbeitet war, dauerte es 25 Jahre. Die sieben Verantwortlichen wurden zu zwei Jahren Haft auf Bew\u00e4hrung und einer Geldstrafe von 2100 Dollar verurteilt. Ein groteskes Urteil. Es macht klar, dass es nicht gen\u00fcgt, Unternehmen nur am Ort des Geschehens gerichtlich zu verfolgen, sondern auch am Ort ihres Sitzes. Genau das will die Konzernverantwortungsinitiative.<\/p>\n\n<p><strong>Text<\/strong>: Christian Schmidt ist freischaffender Journalist mit Schwergewicht auf \u00f6kologischen Themen. Verschiedene Auszeichnungen.<\/p>\n\n<p><strong>Illustrationen<\/strong>: Christoph Fischer ist seit 2002 selbst\u00e4ndiger Zeichner und Illustrator mit Atelier am Kreuzstutz in Luzern. Er arbeitet unter anderem f\u00fcr die NZZ, WOZ und DIE ZEIT.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<lite-youtube style=\"background-image: url('https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/g1pEAVbS5tw\/hqdefault.jpg');\" videoid=\"g1pEAVbS5tw\" params=\"rel=0&#038;enablejsapi=1&#038;origin=https%3A%2F%2Fwww.greenpeace.ch&#038;cc_load_policy=1\"><\/lite-youtube>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Konzernverantwortungsinitiative verpflichtet Schweizer Unternehmen, Mensch und Umwelt zu respektieren. Auch im Ausland, inklusive ihrer Tochtergesellschaften. Eigentlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. 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