{"id":6109,"date":"2013-04-16T00:00:00","date_gmt":"2013-04-15T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/6109\/kletteraktion-in-basel-syngenta-pestizide-toeten-bienen\/"},"modified":"2019-05-30T07:17:53","modified_gmt":"2019-05-30T05:17:53","slug":"kletteraktion-in-basel-syngenta-pestizide-toeten-bienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/6109\/kletteraktion-in-basel-syngenta-pestizide-toeten-bienen\/","title":{"rendered":"Kletteraktion in Basel: Syngenta-Pestizide t\u00f6ten Bienen"},"content":{"rendered":"<p><b>Basel, 17. April 2013. Heute beklettern Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten den Hauptsitz des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta. Dieser leugnet systematisch, dass seine Pestizide Bienen t\u00f6ten. Ein umfassendes Verbot bienensch\u00e4dlicher Pestizide, insbesondere von Syngentas Thiamethoxam, w\u00e4re ein wirksamer Schritt gegen das Bienensterben. Doch statt Bienen und die Umwelt zu schonen, macht der Konzern mit seinem Bienenkiller-Pestizid Ums\u00e4tze in Milliardenh\u00f6he. Es liegt nun am Bundesrat, unsere Bienen vor der Profitgier der Agrarkonzerne zu sch\u00fctzen.<\/b><\/p>\n<div>\n<p>Seit heute fr\u00fch beklettern Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten den Haupsitz des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta. Sie haben ein grosses Banner mit der Aufschrift \u00abSyngenta Pesticides Kill Bees!\u00bb am Geb\u00e4ude befestigt. Mit einem Jahresumsatz von 14,2 Milliarden USD ist Syngenta der weltweit gr\u00f6sste Pestizidkonzern. Die Umsatzzahlen f\u00fcr Thiamethoxam, das zur Gruppe der ber\u00fcchtigten Neonicotinoide geh\u00f6rt, h\u00e4lt der Agrarmulti unter Verschluss \u2013 doch das Blockbuster-Bienengift d\u00fcrfte gegen 10 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen (1). Die Syngenta-Produkte Actara und Cruiser basieren auf dem Wirkstoff Thiamethoxam, einem der bienensch\u00e4dlichsten Pestizide \u00fcberhaupt. Sie werden zur Saatgutbeizung eingesetzt oder direkt auf die Pflanze gespritzt. Umfassende Studien der Europ\u00e4ischen Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2) sowie eine Mitte April ver\u00f6ffentlichte Greenpeace-Studie (3) belegen neben akuten Vergiftungserscheinungen, dass schon eine geringe Dosis bei Bienen zu Flug- und Navigationsproblemen f\u00fchrt, die Fortpflanzungsf\u00e4higkeit und die F\u00e4higkeit f\u00fcr eine effiziente Nahrungssuche reduziert sowie Bienenv\u00f6lker krankheits- oder parasitenanf\u00e4lliger machen kann.<\/p>\n<p>Seit etwa 15 Jahren sterben Bienen in Europa und Nordamerika in besorgniserregendem Ausmass. Je nach Jahr und Region betr\u00e4gt die Sterblichkeit der Bienenv\u00f6lker bis zu 53 Prozent. Bienen sind f\u00fcr unser \u00dcberleben zentral: Mindestens ein Drittel der globalen Lebensmittelproduktion h\u00e4ngt von der Best\u00e4ubung durch Bienen und anderen Insekten ab. Der volkswirtschaftliche Wert der von Bienen erbrachten Best\u00e4uberleistung in der Schweiz wird auf j\u00e4hrlich mindestens 260 Millionen Franken gesch\u00e4tzt. Neben Parasiten und Krankheiten, Klimawandel und einem R\u00fcckgang nat\u00fcrlicher Lebensr\u00e4ume sind industrielle Landwirtschafts-Praktiken, insbesondere aber der Einsatz von Pestiziden mitverantwortlich f\u00fcr das verheerende Bienensterben. Die EU-Kommission will deshalb Produkte mit dem Wirkstoff Thiamethoxam von Syngenta sowie Clothianidin und Imidacloprid von Bayer verbieten. Gegen das Verbot dieser Bienenkiller-Pestizide l\u00e4uft die Agrar-Industrie derzeit Sturm (4). In Frankreich, Deutschland, Slowenien und Italien sind diese Gifte teilweise bereits seit Jahren verboten \u2013 mit sich erholenden Bienenpopulationen und ohne Ernteeinbussen, wie verf\u00fcgbare Zahlen aus Italien belegen (5). W\u00e4hrend die EU-Kommission offenbar gewillt ist, trotz massivem Widerstand seitens der Industrie weitreichende Restriktionen zu erlassen, verharrt die Schweizer Regierung in Passivit\u00e4t. Landwirtschaftsminister Schneider-Amman scheint sich von den Drohgeb\u00e4rden Syngentas einsch\u00fcchtern zu lassen:<\/p>\n<p>So erdreistet sich Syngenta unter anderem zu behaupten (6):<\/p>\n<p><em>1. Haupts\u00e4chlich Schuld am Bienensterben sei die Varroamilbe \u2013 der Einsatz von Pestiziden habe damit nichts zu tun. <\/em>Doch die Wissenschaft ist sich weitgehend einig: Varroa ist einer von verschiedenen Faktoren; und Pestizide k\u00f6nnen einen direkten negativen Einfluss auf Wild- und Honigbienen haben. Zudem k\u00f6nnen subletal wirkende Neonicotinoide Bienen krankheits- und parasitenanf\u00e4lliger machen.<\/p>\n<p><em>2. Der EU-Vorschlag f\u00fcr ein Verbot basiere auf l\u00fcckenhafter Datengrundlage und sei \u00fcberst\u00fcrzt erstellt worden. <\/em>Die EFSA, eine als eher industrienah bekannte Institution, hat alle aktuell verf\u00fcgbaren Feld- und Laborstudien ber\u00fccksichtigt, insbesondere auch diejenigen der Industrie, soweit diese zug\u00e4nglich gemacht wurden. Die Beh\u00f6rde kam dabei zum Schluss, dass hohe Risiken nicht ausgeschlossen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>3. Neonicotinoide seien sicher, da sich der Beizwirkstoff nur in der Pflanze verteile und nur ganz gezielt Sch\u00e4dlinge t\u00f6te.<\/em> Zahlreiche Studien zeigen auf, dass bereits geringste Konzentrationen Bienen sch\u00e4digen k\u00f6nnen. So konnten Honigbienen, die mit Thiamethoxam kontaminierten Pollen aufnahmen, selbst bei geringen Dosen den R\u00fcckweg zum Bienenstock nicht immer finden, die Wahrscheinlichkeit zur Schw\u00e4chung eines Volkes stieg massiv (3).<\/p>\n<p><em>4. Wenn Neonicotinoide verboten w\u00fcrden, drohten der europ\u00e4ischen Landwirtschaft Ernteeinbussen von 40 Prozent und das w\u00fcrde die EU in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren 17 Milliarden Euro kosten.<\/em> Syngenta verschweigt den volkswirtschaftlichen Nutzen, den Bienen nur schon mit ihrer Best\u00e4uberarbeit an Kultur- und Wildpflanzen leisten: n\u00e4mlich pro Jahr ganze 15-22 Milliarden Euro. Der Nutzen ist also etwa f\u00fcnfmal mehr als der von Syngenta prophezeite Schaden. Bei den Ernteeinbussen ebenso: Syngenta l\u00e4sst ausser Acht, dass es pestizidfreie Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung gibt und ber\u00fccksichtigt auch nicht, dass L\u00e4nder wie Italien schon Neonicotinoid-Verbote ohne Ernteeinbussen haben.<\/p>\n<p>Marianne K\u00fcnzle, Landwirtschafts-Expertin bei Greenpeace Schweiz sagt: \u00abSyngenta soll aufh\u00f6ren, Unwahrheiten zu verbreiten. Syngenta geht es um den Profit statt um den Bienenschutz. Das dramatische Sterben von Wild- und Honigbienen ist ein Symptom einer fehlgeleiteten industriellen Landwirtschaft, die haupts\u00e4chlich den Interessen m\u00e4chtiger Konzerne wie Syngenta dient. Damit muss jetzt Schluss sein.\u00bb An Landwirtschaftsminister Schneider-Ammann richtet sie die Forderung: \u00abSch\u00fctzen Sie unsere Bienen und die Landwirtschaft &#8211; verbieten Sie diese Bienenkiller-Pestizide!\u00bb<\/p>\n<p>Ein Verbot bienensch\u00e4dlicher Pestizide ist ein erster wichtiger Schritt, um Best\u00e4uberinsekten vor dem Massensterben zu bewahren. Die von Greenpeace identifizierten sieben schlimmsten Bienenkiller-Pestizide, die sofort verboten werden m\u00fcssen sind Thiamethoxam (Syngenta), Clothianidin, Imidacloprid (Bayer), Fipronil (BASF), Chlorpyriphos, Cypermethrin und Deltamethrin (verschiedene Hersteller). Zudem fordert Greenpeace eine klar definierte nationale Strategie zur Reduktion des Einsatzes von Pestiziden in der Schweizer Landwirtschaft sowie eine konsequente F\u00f6rderung des biologischen Anbaus und einer optimierten integrierten Produktion.<\/p>\n<p>Weitere Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.ch\/\">www.greenpeace.ch<\/a><\/p>\n<p>Medienbilder ab 12 Uhr zum Download unter <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Uber-uns\/Medienstelle\/Aktuelle-Medienbilder\/Syngenta-pesticides-Kill-Bees\/\">http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Uber-uns\/Medienstelle\/Aktuelle-Medienbilder\/Syngenta-pesticides-Kill-Bees\/<\/a><\/p>\n<p>Ausk\u00fcnfte bei<\/p>\n<p>Marianne K\u00fcnzle, Landwirtschafts-Expertin Greenpeace Schweiz, +41 79 410 76 48<\/p>\n<p>Yves Zenger, Mediensprecher Biodiversit\u00e4t Greenpeace Schweiz, +41 78 682 00 91<\/p>\n<p>(1) Thiamethoxam-Produkte waren im Jahresbericht 2011 mit mehr als einer Milliarde Umsatz angegeben, was mehr als 7,5 Prozent des Konzernumsatzes entsprach. 2012 deklariert Syngenta den genauen Umsatz von Thiamethoxam-Produkten nicht mehr. Hingegen hat das Gesch\u00e4ft mit Saatgutbeizungen 2012 um 10 Prozent zugenommen, das gr\u00f6sste Wachstum verzeichnete dabei ein Thiamethoxam-Produkt (Cruiser). Der Verkauf von Insektiziden stieg 2012 um 4 Prozent, auch hier sorgte das Thiamethoxam-Produkt Actara f\u00fcr den gr\u00f6ssten Wachstumsschub.<\/p>\n<p>(2)<a href=\"http:\/\/www.efsa.europa.eu\/de\/Press\/news\/130116.htm?utm_medium=infocus&amp;utm_source=homepag\"> http:\/\/www.efsa.europa.eu\/de\/Press\/news\/130116.htm?utm_medium=infocus&amp;utm_source=homepag<\/a><\/p>\n<p>(3) Bye Bye Biene \u2013 das Bienensterben und die Risiken f\u00fcr die Landwirtschaft in Europa, Greenpeace Research Laboratories, University of Exeter, 2013.<\/p>\n<p>(4) <a href=\"http:\/\/corporateeurope.org\/pressreleases\/2013\/private-letters-reveal-syngenta-and-bayers-furious-lobbying-against-bee-pesticide\">http:\/\/corporateeurope.org\/pressreleases\/2013\/private-letters-reveal-syngenta-and-bayers-furious-lobbying-against-bee-pesticide<\/a><\/p>\n<p>(5) APENET 2011. Effects of coated maize seed on honey bees. Report based on results obtained from the third year (2011) activity oft he APENET project.<\/p>\n<p>(6) <a href=\"http:\/\/www.neonicreport.com\/\">www.neonicreport.com<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kNyJ3qaebgg\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kNyJ3qaebgg<\/a><br \/>\nSeite 7 auf <a href=\"http:\/\/issuu.com\/kanabiz\/docs\/le_monde_du_dimanche_3_et_lundi_4_f_vrier_2013?mode=window&amp;pageNumber=1\">http:\/\/issuu.com\/kanabiz\/docs\/le_monde_du_dimanche_3_et_lundi_4_f_vrier_2013?mode=window&amp;pageNumber=1<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Basel, 17. April 2013. Heute beklettern Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten den Hauptsitz des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta. Dieser leugnet systematisch, dass seine Pestizide Bienen t\u00f6ten. 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