{"id":61599,"date":"2020-12-02T17:02:02","date_gmt":"2020-12-02T16:02:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=61599"},"modified":"2020-12-02T17:02:04","modified_gmt":"2020-12-02T16:02:04","slug":"versicherungsindustrie-versaeumt-es-bei-oel-und-gas-zu-handeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/61599\/versicherungsindustrie-versaeumt-es-bei-oel-und-gas-zu-handeln\/","title":{"rendered":"Versicherungsindustrie vers\u00e4umt es, bei \u00d6l und Gas zu handeln"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kohleprojekte werden weniger versichert. Doch die grossen Versicherungsgesellschaften tun immer noch viel zu wenig, um die Pariser Klimaziele erreichen zu k\u00f6nnen. Das zeigt die NGO-Koalition Insure Our Future in ihrem vierten j\u00e4hrlichen Bericht zur Klimapolitik der Versicherungen auf. Swiss Re und Zurich werden von der Spitze gedr\u00e4ngt. Es braucht von beiden Unternehmen nun endlich grosse Schritte, um auch im Bereich \u00d6l und Gas neue Massst\u00e4be zu setzen.<\/strong>\u00a0<\/p>\n\n<p>Haben du dich schon einmal gefragt, wie der Versicherungssektor in einer zuk\u00fcnftigen Welt mit 4 bis6 Grad Erw\u00e4rmung funktionieren wird? Diese Erderw\u00e4rmung wird prognostiziert, falls das Investitions- und Finanzierungsverhalten des Schweizer Finanzsektors nicht bald klimafreundlicher wird.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Vieles wird dann schlichtweg nicht mehr versicherbar sein. Die Versicherungen \u2013 und vor allem die R\u00fcckversicherungen \u2013 verf\u00fcgen \u00fcber eine hohe Risikoabsch\u00e4tzungs- und Klimaexpertise. Gleichzeitig sind sie aber im gegebenen System auch weiterhin der kurzfristigen Gewinnoptimierung verpflichtet und handeln deshalb noch nicht gem\u00e4ss den&nbsp; selbst eingesch\u00e4tzten Klimarisiken.<\/p>\n\n<p>Wie meistern die Versicherungen den Spagat und wo steht der globale Versicherungssektor heute? Was sind die Trends? Wird der Versicherungssektor Teil der Klimal\u00f6sung oder verursacht er das Klimaproblem mit? Der inzwischen vierte<strong> <\/strong>Bericht <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/d1b64ed7-iof-report-2020.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00ab<em>Insuring Our Future: The 2020 Scorecard on Insurance, Fossil Fuels and Climate Change<\/em>\u00bb<\/a><strong> <\/strong>gibt einen Einblick. Der Bericht vergleicht auch dieses Jahr wieder die Aktivit\u00e4ten internationaler Versicherungen und wird von 19 Organisationen aus elf L\u00e4ndern, darunter Greenpeace, ver\u00f6ffentlicht.\u00a0<\/p>\n\n<p>Der Bericht untersucht 30 f\u00fchrende Versicherer und ihre Richtlinien zu Versicherungen und Investitionen bez\u00fcglich fossiler Energien. F\u00fcr die Bewertung wurden einerseits die Antworten von 20 Unternehmen und andererseits \u00f6ffentlich verf\u00fcgbare Informationen herangezogen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">AXA \u00fcberholt SwissRe und Zurich\u00a0<\/h2>\n\n<p>Bez\u00fcglich der beiden Schweizer Versicherungsgesellschaften zeichnet der Bericht folgendes Bild: Swiss Re und Zurich, die im vergangenen Jahr den 1. und 2. Platz in der Sparte \u00abVersicherungen\u00bb belegten, sind dieses Jahr vom franz\u00f6sischen Versicherer AXA \u00fcberholt worden. Swiss Re belegt neu den 2. Platz bei Versicherungst\u00e4tigkeiten und rutscht in der Sparte \u00abFossil Fuel Divestment\u00bb von Platz 1 auf Platz 3 ab. In der Sparte \u00abweitere Klima-Vorreiterrolle\u00bb belegt SwissRe lediglich Platz 10. Zurich belegt Platz 4 in der Sparte \u00abVersicherungen\u00bb und Platz 3 bei den Sparten \u00abFossil Fuel Divestment\u00bb sowie \u00abweitere Klima-Vorreiterrolle\u00bb.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Sowohl SwissRe wie auch Zurich haben ein umfassendes Expertenwissen \u00fcber die stetig&nbsp; wachsenden Klimarisiken und -auswirkungen und haben sich verpflichtet, ihre Investitionen und ihr Versicherungsgesch\u00e4ft mit einer 1,5-Grad-Welt in Einklang zu bringen. Obwohl sie im globalen Ranking gut abschneiden, reichen ihre bisherigen Massnahmen daf\u00fcr bei weitem nicht. Nun braucht es dringend von beiden Versicherungen progressivere Schritte, um die Transition weg vom \u00d6l- und Gassektor zu erreichen. Insbesondere Zurich ist nun als eine der drei gr\u00f6ssten Versicherungen im globalen \u00d6l- und Gasmarkt stark gefordert, ihr Gesch\u00e4ft anzupassen, da die Erschliessung und Nutzung jeglicher neuer fossiler Projekte nicht in Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel steht, zu welchem sich die Versicherung verpflichtet hat.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Pariser Klimaziele in weiter Ferne<\/strong>&nbsp;<\/h2>\n\n<p>Allgemein macht die Analyse der NGO-Koalition deutlich, dass sich der Trend fortsetzt, Kohleprojekte nicht mehr zu versichern.. Dies f\u00fchrt wiederum dazu, dass die Versicherungspr\u00e4mien f\u00fcr Kohleprojekte teurer werden. Der Trend verst\u00e4rkt sich zwar, zur Erreichung der Pariser Klimaziele reicht er jedoch noch lange nicht. Sowohl versichern bedeutende Versicherer nach wie vor Kohle, und die gesamte Industrie hat noch keine umfassenden Richtlinien zu \u00d6l und Gas erlassen.<\/p>\n\n<p>Hauptergebnisse sind:<\/p>\n\n<p><strong>Versicherung<\/strong>: AXA und Swiss Re schneiden am besten ab bei der Beendigung von Versicherungen f\u00fcr fossile Energien. Ihnen folgen Hannover Re, Zurich und Munich Re. Die meisten Richtlinien gelten f\u00fcr Kohle und \u00d6lsande. Am unteren Ende der Rangliste finden sich AIG, Berkshire Hathaway, Lloyd\u2019s Sinosure, Travelers und W.R. Berkley, die Kohle weiter ohne Einschr\u00e4nkungen versichern.<\/p>\n\n<p><strong>Divestment<\/strong>: Scor und AXA f\u00fchren beim Divestment, gefolgt von Swiss Re, Allianz und Zurich. Ausser der Allianz schliessen alle neben Kohle auch \u00d6lsande aus, und einige schliessen Investitionen in Unternehmen aus, die neue Kohleprojekte planen. 16 weitere Versicherer, die im Bericht untersucht wurden, haben weniger umfassende Kohle-Divestment-Richtlinien, neun Versicherer investieren weiter in den Kohlesektor.<\/p>\n\n<p><strong>Klima-Leadership<\/strong>: Legal &amp; General haben die beste Bewertung f\u00fcr Klima-Leadership, wobei es darum geht, die Gesch\u00e4fte auf einen 1,5-Grad kompatiblen Pfad zu bringen. Aviva, Zurich, Munich Re, QBE und AXA schneiden ebenfalls gut ab. 13 Versicherer, darunter alle US-Unternehmen, erhielten schlechte Bewertung, weil sie weiterhin Organisationen unterst\u00fctzen, die gegen Klimaschutz agieren.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kohlemarkt auf dem absteigenden Ast<\/strong><\/h2>\n\n<p>Die meisten europ\u00e4ischen und australischen Versicherer decken keine neuen Kohleprojekte mehr ab, die anderen werden vorsichtiger und schr\u00e4nken die Versicherung ein. Kohleunternehmen sehen sich deshalb mit Pr\u00e4mienerh\u00f6hungen bis zu 40 Prozent konfrontiert, berichtet der Versicherungsbroker Willis Tower Watson. Umstrittene Projekte wie die von Adani geplante Carmichael Mine finden nur noch schwer Versicherungen.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wachsende Aufmerksamkeit auf \u00d6l und Gas<\/strong><\/h2>\n\n<p>Kohleverbrennung ist f\u00fcr 40 Prozent der Kohledioxidemissionen (ohne landnutzungsbezogene Emissionen) verantwortlich, \u00d6l und Gas zusammen f\u00fcr 55 Prozent.<\/p>\n\n<p>Zehn Versicherer decken etwa 70 Prozent des globalen \u00d6l- und Gasmarktes, die gr\u00f6ssten sind AIG, Travelers, Zurich und Lloyd\u2019s. Versicherer, die 45 Prozent dieses Marktes kontrollieren, haben Kohle bereits ausgeschlossen, und ein Viertel des Marktes vertreten Unternehmen, die das 1,5-GradLimit einhalten wollen. Europ\u00e4ische Versicherungen haben den R\u00fcckzug aus der Kohle angef\u00fchrt. Nun m\u00fcssen sie bei \u00d6l und Gas aktiv werden.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vorreiter und Nachz\u00fcgler<\/strong><\/h2>\n\n<p>Der diesj\u00e4hrige Bericht zeigt, dass die Dynamik weltweit st\u00e4rker wird, aber mit grossen regionalen Unterschieden. US-Versicherer bleiben weiter hinter ihrer globalen Konkurrenz zur\u00fcck. Alle zehn US-Versicherer, die in der Scorecard untersucht wurden, unterst\u00fctzen nach wie vor Interessenverb\u00e4nde, die gegen Klimaschutz lobbyieren.<\/p>\n\n<p>Der ostasiatische Markt bewegt sich endlich. Im vergangenen Monat hat Samsung Fire &amp; Marine angek\u00fcndigt, dass Kohleversicherung beendet werden soll, als erster asiatischer Versicherer. Die Details dieser Ank\u00fcndigung sind jedoch noch nicht klar. Die drei grossen japanischen Versicherer, Tokio Marine, Sompo und MS&amp;AD, sowie der chinesische Ping An haben Einschr\u00e4nkungen in der Kohleversicherung angek\u00fcndigt, bleiben aber weiterhin wichtige Kohleversicherer.<\/p>\n\n<p>In Europa bleibt Lloyd\u2019s of London die letzte grosse Kohleversicherung. Ihre eigenen Anlagen enthalten keine Kohle mehr. Lloyd\u2019s of London macht aber keine Vorgaben f\u00fcr die \u00fcber 90 Syndikate, die 97 Prozent des Marktes ausmachen, und bleibt weiter eine wichtige Quelle f\u00fcr Kohleversicherungen.<\/p>\n\n<p>Der Bericht&nbsp; findet sich auf <a href=\"http:\/\/www.insurance-scorecard.com\/\">insurance-scorecard.com<\/a><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image  caption-style-medium caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh5.googleusercontent.com\/s-WAPUvK1pDf9c2AIK0OwwEfHLdqzTL1xJ3jPHdGN_2oSW-LJPvJNNrAIXk4rS5ZPRRx1efNOmh8VJ2BxW2UofCekI-TLNlTzWaCEQHiFT2oPcv3uslISoVbZALMnddG_ukU45-a\" alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kohleprojekte werden weniger versichert. 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