{"id":6216,"date":"2011-10-31T00:00:00","date_gmt":"2011-10-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/6216\/untaugliche-revision-der-altlastenverordnung-bafu-hat-aus-schweizerhalle-nicht-gelernt\/"},"modified":"2019-05-30T07:21:08","modified_gmt":"2019-05-30T05:21:08","slug":"untaugliche-revision-der-altlastenverordnung-bafu-hat-aus-schweizerhalle-nicht-gelernt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/6216\/untaugliche-revision-der-altlastenverordnung-bafu-hat-aus-schweizerhalle-nicht-gelernt\/","title":{"rendered":"Untaugliche Revision der Altlastenverordnung: BAFU hat aus \u00abSchweizerhalle\u00bb nicht gelernt!"},"content":{"rendered":"<p><b>Z\u00fcrich, 1. November 2011. Das BAFU scheint aus dem Unfall- und Altlastenstandort Schweizerhalle nicht gelernt zu haben. Statt Chemiegefahren mittels geeigneter Untersuchungsmethoden zu erkennen und beseitigen, schaut das Bundesamt f\u00fcr Umwelt (BAFU) lieber weg. Deshalb lehnen Greenpeace sowie die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte f\u00fcr Umweltschutz die vom BAFU in die Vernehmlassung gegebene Revision der Altlastenverordnung ab und wehren sich gegen einen Abbau von Standards im Umgang mit belasteten Standorten wie Schweizerhalle &#038; Co.<\/b><\/p>\n<div>\n<p>Das Beispiel Schweizerhalle zeigt auf unsch\u00f6ne Weise, welche negativen Folgen unterlassene Sanierungs- und \u00dcberwachungsmassnahmen haben k\u00f6nnen. Am 1. November 1986 haben bei Schweizerhalle \u00fcber 1&#8217;300 Tonnen Chemikalien gebrannt. Die nachfolgenden Aufr\u00e4umarbeiten waren ungen\u00fcgend. Weil Beh\u00f6rden und Industrie sich nicht an die Sanierungsvereinbarungen gehalten und zudem nicht richtig hingeschaut haben, blieben viele Schadstoffe zur\u00fcck, die noch heute das Grundwasser verschmutzen.<\/p>\n<p>Der Revisionsentwurf der Altlastenverordnung macht die Problematik noch schlimmer \u2013 in der vorliegenden Form ist er ein unn\u00f6tiges Geschenk an die Verursacher komplexer Altlasten. Weil Untersuchungs- und \u00dcberwachungsstandards abgebaut werden, bleiben Verschmutzungen des Grund- und Trinkwassers durch giftige Industrie-Chemikalien nicht nur bei \u00abSchweizerhalle\u00bb unerkannt. Die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung in der Schweiz wird dadurch schlechter gesch\u00fctzt, und statt der Verursacher m\u00fcssen vermehrt die SteuerzahlerInnen bezahlen.<\/p>\n<p>Im Verh\u00e4ltnis zu den 50\u2019000 in der Schweiz bekannten Belastungsstandorte sind komplexe Altlasten mit einer grossen Schadstoffvielfalt selten. Darin enthaltene Chemikalien sind jedoch h\u00e4ufig persistent (bauen sich in der Umwelt nicht ab), bioakkumulierend (reichern sich in der Umwelt und im Menschen an), endokrin (greifen in Niedrigstkonzentrationen in den Hormonhaushalt ein) oder anderweitig sch\u00e4digend. Werden diese in der Regel von der Grossindustrie und der Basler Chemiekonzerne stammenden Schadstoffe nicht beseitigt, bleiben sie eine jahrzehntelange\u00a0 Gefahr f\u00fcr das Grund- und Trinkwasser und somit f\u00fcr die Gesundheit des Menschen. Mit der vorgeschlagenen Gesetzes\u00e4nderung will das BAFU neu hohe Grenzwerte und unpr\u00e4zise Prognosen f\u00fcr Schadstoffkonzentrationsverl\u00e4ufe einf\u00fchren, um eine \u00dcberwachung einer Altlast anordnen oder abbrechen zu k\u00f6nnen. Als Grundlage dienen lediglich die 68 Schadstoffe, die in der Altlastenverordnung aufgelistet werden und nach denen in der Praxis meist mit so genannten Einzelstoffanalysen gezielt gesucht wird \u2013 es z\u00e4hlt nicht mehr das generelle Vorhandensein einer gef\u00e4hrlichen Chemikalie im Schutzgut Wasser.<\/p>\n<p>Matthias W\u00fcthrich, Chemieexperte von Greenpeace, sagt: \u00abGreenpeace setzt sich seit Jahren f\u00fcr die L\u00f6sung des Altlastenproblems auf Kosten der Verursacher ein \u2013 auch beim Unfall- und Altlastenstandort Schweizerhalle. Um Verschmutzungen durch Giftstoffe \u00fcberhaupt zu erfassen und die Schadstoff-Vielfalt bei komplexen Altlasten in den Griff zu bekommen, sind Screening-Analysen zwingend notwendig. Dies zeigen auch die Erfahrungen von Greenpeace bei Chemiem\u00fclldeponien in Monthey (VS), Bonfol (JU), Elsass (F) oder S\u00fcdbaden (D). In Muttenz (BL) wurde die Belastung des Trinkwassers von \u00fcber 200&#8217;000 Menschen in und um Basel nur dank Screenings entdeckt. Indem das BAFU aber Grenzwerte erh\u00f6ht und Analysemethoden weiter einschr\u00e4nkt, statt sie mit Screenings zu erweitern, bleiben in der Schweiz zuk\u00fcnftig weitr\u00e4umige Verschmutzungen von Grund- und Trinkwasser unerkannt \u2013 dies ist ein unhaltbares Geschenk an die Industrie mit kostspieligen Folgen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung und die Umwelt.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abDie vorliegende Verordnungs\u00e4nderung bedeutet zudem eine Abkehr von der bisherigen BAFU-Politik, so genannt persistente Altlasten auf Kosten der Verursacher zu beseitigen. Diese Revision widerspricht auch dem Vorsorgeprinzip des Umweltschutzgesetzes und dem Verursacherprinzip. Das komplexe Altlasten-Problem kann nicht mit einer Erh\u00f6hung von Grenzwerten und einem zunehmend beschr\u00e4nkten Fokus auf ein paar wenige gelistete Schadstoffe gel\u00f6st werden. Dadurch ignoriert das BAFU, dass im Untergrund \u00fcber die Jahrzehnte neue Gifte entstehen k\u00f6nnen \u2013 diese k\u00f6nnen weitaus gef\u00e4hrlicher sein als der urspr\u00fcngliche Schadstoff\u00bb, f\u00fchrt W\u00fcthrich weiter aus.<\/p>\n<p>Dr. med. Peter K\u00e4lin, Pr\u00e4sident der \u00c4rztinnen und \u00c4rzte f\u00fcr Umweltschutz (Aefu): \u00abDurch den in der Revision verpackten Abbau von Standards zur Untersuchung und Bewertung von komplexen Altlasten drohen Langzeitrisiken f\u00fcr die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung und wesentlich h\u00f6heren Kosten bei der versp\u00e4teten Behebung des Umweltschadens. Da die Verursacher je l\u00e4nger desto weniger fassbar werden, erfolgen die Sp\u00e4tsanierungen wohl oft auf Kosten der SteuerzahlerInnen\u00bb.<\/p>\n<p>Aus den oben genannten Gr\u00fcnden lehnen Greenpeace und \u00c4rztInnen f\u00fcr Umweltschutz den BAFU-Vorschlag ab und fordern mit Nachdruck eine Revision, die f\u00fcr komplexe Altlasten folgendes vorsieht:<\/p>\n<ul>\n<li>Untersuchungen und Erfassen aller Schadstoffe mittels Screening (GC\/MS und LC\/MS).<\/li>\n<li>Beurteilung eines Standorts aufgrund des gesamten vorhandenen Schadstoffspektrums.<\/li>\n<li>Eine klare Regelung zur Bewertung von Chemikalien, die nicht in der Altlastenverordnung aufgelistet sind oder zu denen keine oder nur unvollst\u00e4ndige Toxizit\u00e4ts-Daten angegeben sind.<\/li>\n<li>Die definitive und vollst\u00e4ndige Beseitigung von gef\u00e4hrlichen Altlasten auf Kosten der Verursacher zum Schutz der Umwelt, des Trinkwassers und der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Forderungen gelten insbesondere auch f\u00fcr den Unfall- und Altlastenstandort Schweizerhalle \u2013 25 Jahre nach der Katastrophe sollen Beh\u00f6rden und Industrie einen Schlussstrich ziehen und endlich sauber machen.\u00a0<\/p>\n<div>\n<p class=\"Fusszeiletitel\"><strong>Matthias W\u00fcthrich, Leiter Chemiekampagne Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 31<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/74e7c05d-74e7c05d-111018_vernehmlgp-altlv.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die vollst\u00e4ndige Stellungnahme<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Z\u00fcrich, 1. 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