{"id":6229,"date":"2012-02-08T00:00:00","date_gmt":"2012-02-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/6229\/axpo-ist-mitverantwortlich-fuer-umweltverseuchung-in-majak\/"},"modified":"2019-05-30T07:21:26","modified_gmt":"2019-05-30T05:21:26","slug":"axpo-ist-mitverantwortlich-fuer-umweltverseuchung-in-majak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/6229\/axpo-ist-mitverantwortlich-fuer-umweltverseuchung-in-majak\/","title":{"rendered":"Axpo ist mitverantwortlich f\u00fcr Umweltverseuchung in Majak"},"content":{"rendered":"<p><b>Anfang Januar 2012 wurde russischen Umweltorganisationen eine Gerichtsakte zugespielt, die auch Greenpeace Schweiz vorliegt. Das Dokument aus dem Jahre 2006 belegt, wie der damalige Direktor der Atomanlage in Majak vors\u00e4tzlich Umweltrecht verletzte und Menschen radioaktiver Belastung aussetzte. Zu diesem Zeitpunkt bezogen Axpo und Alpiq bereits Brennmaterial aus der Anlage. F\u00fcr Greenpeace ist damit klar: Mit diesen Fakten konfrontiert, m\u00fcssen die Schweizer Stromkonzerne endlich einen Schlussstrich unter s\u00e4mtliche Gesch\u00e4ftsbeziehungen mit Rosatom ziehen und zu ihrer Mitverantwortung an der Verseuchung der Region um Majak stehen.<\/b><\/p>\n<div>\n<p>Seit Beginn der 2000-er Jahre setzen die Atomkraftwerke G\u00f6sgen (Alpiq; seit 2002) und Beznau (Axpo; seit 2003) in Russland produzierten Brennstoff aus Wiederaufarbeitungsuran ein. Greenpeace-Nachforschungen der vergangenen Jahre hatten belegt, dass die wichtigsten Bestandteile aus der Atomanlage in Majak (S\u00fcdural) stammen, wo grosse Gebiete radioaktiv verseucht sind. Nachdem vor allem die Axpo ins Kreuzfeuer der \u00f6ffentlichen Kritik geraten war, verzichtet sie seit vergangenem November auf Uran aus Majak, \u201ebis vollst\u00e4ndige Transparenz \u00fcber die dort herrschenden Verh\u00e4ltnisse hergestellt ist\u201c (Axpo-Medienmitteilung vom 12.11.2011). Aus den Liefervertr\u00e4gen auszusteigen, fand die Axpo aber bislang nicht n\u00f6tig. Die Verseuchung sei auf die Sowjetzeit zur\u00fcck zu f\u00fchren, die heutigen Produktionsbedingungen seien unproblematisch und w\u00fcrden im Rahmen nationaler und internationaler Umweltnormen funktionieren.<\/p>\n<p>Die gerichtliche Verf\u00fcgung des Bezirksgerichts Tscheljabinsk vom 11. Mai 2006 belegt nun das Gegenteil. Auch in j\u00fcngerer Vergangenheit, zwischen 2001 und 2004, wurden im vollen Wissen der Unternehmensleitung in Majak stark kontaminierte Abw\u00e4sser in den Fluss Tetscha geleitet. Dabei wurden sowohl die russische Umweltgesetzgebung wie auch nationale und internationale Grenzwerte verletzt. Die vorgefundenen Werte taxieren sogar gem\u00e4ss russischen Normen das Flusswasser als fl\u00fcssigen radioaktiven M\u00fcll. Die Bev\u00f6lkerung bezog zu diesem Zeitpunkt ihr Trinkwasser aus der Tetscha. Sie wurde nicht \u00fcber diese gef\u00e4hrliche radioaktive Belastung informiert. Der verantwortliche Direktor von Majak ging trotz Verurteilung straffrei aus. Folgen Axpo und Alpiq den eigenen Werthaltungen und Umweltvertr\u00e4glichkeitsanspr\u00fcchen, m\u00fcssen sie aus diesen neuen Erkenntnissen folgende Konsequenzen ziehen:<\/p>\n<ul>\n<li>Schnellstm\u00f6gliche Aufl\u00f6sung der Vertr\u00e4ge mit Areva und dem russischen Atomkonzern Rosatom sowie Firmen in dessen Besitz und keinerlei Brennmaterialbezug mehr aus deren Anlagen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Anerkennung der Mitverantwortung f\u00fcr die Verseuchung der Gebiete in der Region Tscheljabinsk durch die Atomanlage Majak. Damit verbunden direkte Beitr\u00e4ge zur Wiedergutmachung, in Zusammenarbeit mit den Betroffenen-Organisationen vor Ort.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der bereits zitierten Medienmitteilung schreibt Axpo: \u201eSollten sich andere als die zum heutigen Zeitpunkt feststellbaren Erkenntnisse ergeben, beh\u00e4lt sich Axpo vor, die Lage neu zu beurteilen und neue Entscheide zu treffen.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt daf\u00fcr ist jetzt da, f\u00fcr Axpo wie auch Alpiq.<\/p>\n<p>Kontakt: Kaspar Schuler, Bereichsleiter Klima &amp; Energie, Greenpeace: 044 447 41 80<\/p>\n<p><a title=\"zum rundschau beitrag\" href=\"http:\/\/www.videoportal.sf.tv\/video?id=27a9c0e4-1eb1-4cdc-a28c-61861d5f1df5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rundschau-Beitrag vom 8. Februar 2012<\/a><\/p>\n<p><a href=\"\/switzerland\/de\/Themen\/Energiewende-Punkt\/Atom\/Mayak\/\">Weiterf\u00fchrende Informationen inklusive Gerichtsakte<\/a><br \/>\u00a0<br \/>\u00a0<br \/>\u00a0<\/p>\n<hr>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<br \/><strong>Vertiefung und Interpretation:<\/strong><br \/>\u00a0<br \/>Diese Verletzungen der Umweltnormen fallen mit 2001 \u2013 2004 in einen Zeitraum, als sowohl G\u00f6sgen wie Beznau bereits Brennstoffe aus Russland einsetzten. Die AKW-Betreiber haben sich in ihrer Einsch\u00e4tzung auf Informationen aus Gespr\u00e4chen mit dem Staatskonzern Rosatom verlassen, der s\u00e4mtliche nuklearen Gesch\u00e4ftszweige in Russland kontrolliert. Gem\u00e4ss Aussagen der Schweizer Betreiber hat Rosatom wiederholt versichert \u201ekein Umweltrecht zu brechen.\u201c<\/p>\n<p>Sowohl die neu zug\u00e4nglichen Untersuchungen der gerichtlichen Beh\u00f6rde wie auch die Stichprobe, die Greenpeace im November 2010 dem Fluss Tetscha entnommen hatte, zeigen einen abnormalen Wert. Im Fall der vom unabh\u00e4ngigen Labor Criirad in Lyon\/F untersuchten Greenpeaceprobe waren es 22 Bq Strontium-90\/Liter, die russischen Untersuchungen f\u00f6rderten im August 2004 Werte bis zu 50 Bq\/Liter zutage.<br \/>Die gerichtliche Verf\u00fcgung stellt amtlich fest, dass die \u00dcberschreitung des \u201eGrenzwerts f\u00fcr Strontium von 5 Bq\/l die Einleitung von Schutzma\u00dfnahmen vorsieht, die eine Senkung der Wahrscheinlichkeit einer Verstrahlung, der Dosis oder unerw\u00fcnschter Strahlenfolgen zum Ziel haben\u201c.<br \/>Aus der Gerichtsakte geht klar hervor, dass vom damaligen Majak-Direktor W.I. Sadownikow, Gelder zweckentfremdet wurden, statt sie in die Sanierung der weitl\u00e4ufig in der Landschaft verstreuten, maroden Systeme f\u00fcr die Aufbewahrung der radioaktiven Abw\u00e4sser zu investieren.<\/p>\n<p>Die Gerichtsverf\u00fcgung h\u00e4lt zu seinen Vergehen unmissverst\u00e4ndlich fest: \u201e Obwohl Sadownikow wusste, dass eine Verletzung der oben genannten normativen Vorschriften des Umweltschutzes und der Lagerung von radioaktivem M\u00fcll\u00a0 beim Betrieb der Tetscha-Kaskade f\u00fcr die Gesellschaft gef\u00e4hrliche Folgen hat, n\u00e4mlich einen betr\u00e4chtlichen Schaden f\u00fcr die Gesundheit der Menschen und f\u00fcr die Umwelt, und er vorausgesehen hat, dass dies eintreten w\u00fcrde, hat er diese Vorschriften verletzt, weil er seine Pflichten zur Einhaltung der Umweltvorschriften und der Lagerung von radioaktivem M\u00fcll nicht nachkommen wollte. (..) Eine weitere Folge war die Ausl\u00f6sung von betr\u00e4chtlichem Schaden f\u00fcr die Gesundheit von Menschen und f\u00fcr die Natur.\u201c<br \/>Ausgerechnet Rosatom zeichnet daf\u00fcr verantwortlich, dass Sadownikow die ihm zustehende Strafe nicht absitzen musste, sondern von einem Amnestiedekret f\u00fcr bestimmte Personengruppen profitierte. Der Leiter von Rosatom, Sergei Kiriyenko, setzte sich offensichtlich pers\u00f6nlich f\u00fcr die Freilassung von Sadownikow ein. Die Gerichtsakte h\u00e4lt immerhin fest, dass die \u201eAnwendung der Amnestie nicht als Rehabilitation betrachtet werden d\u00fcrfe\u201c. Den abstrusen Sachverhalt ausgedeutscht: Sadownikow wird zwar nicht belangt, seine Schuld ist aber erwiesen.<\/p>\n<p>Folgende Schl\u00fcsse m\u00fcssen heute gezogen werden:<br \/>&#8211; Eine konzerneigene Projektgruppe hat sich bei Axpo ein ganzes Jahr lang mit dem Fall Majak befasst und am Ende ein umweltrechtliches G\u00fctesiegel unter die Produktionsbedingungen gesetzt. Dass nun eine dem Gesch\u00e4ftspartner Rosatom bestens bekannte Gerichtsakte diese ausf\u00fchrliche Pr\u00fcfung aus den Angeln hebt, setzt ein riesiges Fragezeichen hinter die Glaubw\u00fcrdigkeit der Bem\u00fchungen der Axpo.<br \/>&#8211; Rosatom hat im letzten Jahrzehnt Rechtsverletzungen zumindest zugelassen. Entweder haben Areva und Rosatom die Axpo hinters Licht gef\u00fchrt, indem sie \u00fcber den Inhalt dieser Gerichtsverf\u00fcgung und die damit belegten j\u00fcngeren Missst\u00e4nde in der Anlage in Majak nicht informierten; oder Axpo hat diese Informationen verdr\u00e4ngt und verschwiegen. So oder so w\u00e4re es nicht nachvollziehbar, wenn Axpo und Alpiq die Gesch\u00e4fsbeziehungen mit einem solchen Partner weiterf\u00fchrten.<br \/>&#8211; Unbestritten ist die weitere Einleitung von radioaktiven Abw\u00e4ssern in die Industriebecken. Gem\u00e4ss verschiedenen Gutachten leckt dieses System zur Lagerung der radioaktiven Abw\u00e4sser weiterhin in das Flusssystem der Tetscha. . Die durchsickernden radioaktiven Stoffe k\u00f6nnen sowohl langj\u00e4hrig deponierten wie auch aktuellen Abfallstr\u00f6men entspringen.<\/p>\n<p>Es besteht also kein Anlass zur Hoffnung, dass die Produktion heute sauber ist. In Anbetracht der vorliegenden Tatsachen ist Rosatom v\u00f6llig ungeeignet dar\u00fcber jemals glaubw\u00fcrdig\u00a0 Aufschluss geben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Januar 2012 wurde russischen Umweltorganisationen eine Gerichtsakte zugespielt, die auch Greenpeace Schweiz vorliegt. 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