{"id":62770,"date":"2020-12-21T14:42:08","date_gmt":"2020-12-21T13:42:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=62770"},"modified":"2020-12-21T20:31:29","modified_gmt":"2020-12-21T19:31:29","slug":"man-sollte-genugend-energie-einplanen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/62770\/man-sollte-genugend-energie-einplanen\/","title":{"rendered":"\u00abMan sollte gen\u00fcgend Energie einplanen\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eine Initiative zu lancieren scheint eine schier unm\u00f6gliche Aufgabe zu sein. Im Gespr\u00e4ch mit dem Greenpeace-Magazin erz\u00e4hlt Sophie F\u00fcrst, Mitorganisatorin der Gletscher-Initiative, vom komplexen Politsystem Schweiz und weshalb es sich trotzdem lohnt, f\u00fcr die eigene Idee auf politischem Weg zu k\u00e4mpfen.&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Sophie F\u00fcrst, am 27. November 2019 wurde die Gletscher-Initiative eingereicht. Wie viel Zeit habt ihr in die Erarbeitung investiert?<\/strong><\/p>\n\n<p>Mehrere Jahre. Die Idee f\u00fcr die Gletscher-Initiative hatte Marcel H\u00e4nggi. Er ging 2015 als Journalist an die Klimakonferenz in Paris und stellte fest, dass die Schweiz zu wenig f\u00fcrs Klima macht. Also hat er sich an die Arbeit gemacht. Schon alleine zwischen der Idee von Marcel H\u00e4nggi und der Einreichung des Initiativtextes bei der Bundeskanzlei liegen rund 2 Jahre.<\/p>\n\n<p><strong>Marcel H\u00e4nggi hat diese Aufgabe aber nicht alleine gemeistert?<\/strong><\/p>\n\n<p>Nein, er hat sich vor allem auf den Initiativtext konzentriert und Verb\u00fcndete gesucht. Nachdem der Text vollendet war, fing die Organisation rundherum an. Der Tr\u00e4gerverein der Initiative, der Verein Klimaschutz Schweiz, wurde gegr\u00fcndet und Personen f\u00fcr das Initiativkomitee gesucht.<\/p>\n\n<p><strong>Worauf sollte man bei der Zusammensetzung des Initiativkomitees achten?<\/strong><\/p>\n\n<p>Diese Aufgabe ist eine wahre Herausforderung. Wir wollten bei der Gletscher-Initiative eine gewisse Diversit\u00e4t abbilden, sei das aufgrund der politischen Gesinnung, der Landessprache oder der Geschlechterzugeh\u00f6rigkeit. Schlussendlich haben wir im Komitee Mitglieder von den Gr\u00fcnen bis zur FDP. Und nicht nur Politiker*innen, sondern auch B\u00fcrger*innen und Organisationen sind vertreten.<\/p>\n\n<p><strong>Und wenn man das Initiativkomitee zusammen hat?<\/strong><\/p>\n\n<p>Dann reicht man den Initiativtext bei der Bundeskanzlei zur Pr\u00fcfung ein. Diese kann zwei bis vier Monate dauern.<\/p>\n\n<p><strong>Nach positivem Bescheid durch die Bundeskanzlei hattet ihr 18 Monate Zeit, um 100&#8217;000 Unterschriften zu sammeln. Ist das grossz\u00fcgig oder eher zu knapp?<\/strong><\/p>\n\n<p>F\u00fcr die Gletscher-Initiative hat es \u00abf\u00f6rig\u00bb gereicht (lacht). Aber das ist auch den Umst\u00e4nden zu verdanken, da das Thema Klima zum Zeitpunkt der Lancierung sehr pr\u00e4sent war, vor allem wegen der Klimastreiks. F\u00fcr andere Themen braucht es wahrscheinlich einen l\u00e4ngeren Schnauf.<\/p>\n\n<p><strong>Wie schwierig ist es, 100&#8217;000 Menschen zu finden, die die eigene Idee begr\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n\n<p>Das kommt ganz auf das Netzwerk an. Es ist sehr sinnvoll, bereits vor der Einreichung der Initiative bei der Bundeskanzlei Allianzen mit beispielsweise Organisationen zu bilden, so kann man auf eine grosse Unterst\u00fctzung in der Sammelphase z\u00e4hlen.<\/p>\n\n<p><strong>Und wenn man die 100&#8217;000 Unterschriften hat?<\/strong><\/p>\n\n<p>Die Unterschriften m\u00fcssen jeweils von der Gemeinde beglaubigt werden. Da im Durchschnitt 5 Prozent der Unterschriften gem\u00e4ss Bundeskanzlei nicht g\u00fcltig sind, ist es ratsam, nicht bei 100&#8217;000 aufzuh\u00f6ren, sondern sicherheitshalber 120&#8217;000 Unterschriften zu sammeln und einzureichen.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image  caption-style-medium caption-alignment-center\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"268\" height=\"395\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/65117391-bildschirmfoto-2020-12-21-um-14.23.08.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-62775\"\/><figcaption>Sophie F\u00fcrst \u00a9 Isabel Truniger<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p><strong>Gab es Momente, in denen du gedacht hast, ihr schafft das nicht?<\/strong><\/p>\n\n<p>Nein, ehrlich gesagt, hatte ich das nie. Weil wir gl\u00fccklicherweise zu einer Zeit lanciert haben, in der die Initiative so perfekt gepasst hat. Und wir dadurch riesengrosse Unterst\u00fctzung erhalten haben.<\/p>\n\n<p><strong>Und jetzt?<\/strong><\/p>\n\n<p>Der Bundesrat hat Anfang September nun einen direkten Gegenentwurf pr\u00e4sentiert. Alle Interessierten d\u00fcrfen dazu Stellung nehmen, auch wir machen das. Im n\u00e4chsten Sommer startet dann der parlamentarische Prozess. Wir werden sehen, ob es noch einen indirekten Gegenvorschlag geben wird oder der direkte Gegenentwurf des Bundesrats vom Parlament unterst\u00fctzt wird. Und dann entscheiden wir je nach Gegenvorschlag, ob wir diesen unterst\u00fctzen und die Initiative zur\u00fcckziehen, oder ob dies keine tragbare Option ist und wir die bestehende Initiative zur Abstimmung bringen.<\/p>\n\n<p><strong>Initiativkomitee, Initiativtext, Unterschriftenbeglaubigung, Gegenentwurf, Gegenvorschlag \u2013 ist es b\u00fcrokratisch gesehen in der Schweiz zu kompliziert, eine Volksinitiative zu lancieren?<\/strong><\/p>\n\n<p>(Lacht) In der Schweiz ist alles kompliziert, was politisch ist. Man darf den Aufwand niemals untersch\u00e4tzen. Es ist vor allem auch aufw\u00e4ndig, weil digitale M\u00f6glichkeiten wie z.B. E-Collecting nicht genutzt werden k\u00f6nnen. Online Unterschriften zu sammeln ist nicht m\u00f6glich, was in Zeiten von Corona beispielsweise sehr wichtig w\u00e4re. Auch der ganze Papieraufwand mit den Unterschriftenb\u00f6gen. Schon nur aus Sicht der Umwelt braucht es langsam aber sicher eine direkte Demokratie 2.0. Nichtsdestotrotz haben wir in der Schweiz grosses Gl\u00fcck, dass wir \u00fcberhaupt Volksinitiativen lancieren d\u00fcrfen.<\/p>\n\n<p><strong>W\u00fcrdest du also sagen, es ist den Aufwand wert?<\/strong><\/p>\n\n<p>Mit einer Volksinitiative hast du die M\u00f6glichkeit, ein Thema zu beleuchten, das sonst vielleicht nie gross diskutiert werden w\u00fcrde. Als Beispiel die Initiative zum Grundeinkommen: Vor der Lancierung der Initiative genoss das Thema keine grosse Aufmerksamkeit, danach war es aber in aller Munde. Deswegen ist eine Initiative nie f\u00fcr die Katz, egal wie sie herauskommt.<\/p>\n\n<p><strong>Was empfiehlst du Menschen, die eine Initiative lancieren wollen?<\/strong><\/p>\n\n<p>Immer genug Schlaf und Energiereserven einzuplanen (lacht). Und es einfach zu tun. Die Unterschriftensammlung gibt einem ein grossartiges Gef\u00fchl, man erh\u00e4lt so viel Unterst\u00fctzung und Best\u00e4tigung von Menschen. Deshalb w\u00fcrde ich es jedem empfehlen, der eine Idee hat und zu 100 Prozent dahinter steht.<\/p>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.ch.ch\/de\/demokratie\/politische-rechte\/volksinitiative\/wie-lanciert-man-eine-eidgenossische-volksinitiative\/\"><em>Hier<\/em><\/a><em> findest du alle Schritte zur Lancierung einer Volksinitiative.<\/em><\/p>\n\n<p><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/62804\/greenpeace-magazin-04-20\/\" target=\"_blank\">Hier<\/a> geht es zur neuen Ausgabe des Greenpeace-Magazins. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Initiative zu lancieren scheint eine schwierige Aufgabe zu sein. Sophie F\u00fcrst, Mitorganisatorin der Gletscher-Initiative, erz\u00e4hlt von ihren Erfahrungen und macht zuk\u00fcnftigen Initiant*innen Mut.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":62773,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[36],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[198],"class_list":["post-62770","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-gletscher-initiative","p4-page-type-hintergrund","gpch-article-type-interview"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62770","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62770"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62770\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/62773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62770"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62770"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62770"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=62770"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=62770"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}