{"id":63645,"date":"2021-02-02T08:30:00","date_gmt":"2021-02-02T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=63645"},"modified":"2023-08-30T07:39:47","modified_gmt":"2023-08-30T05:39:47","slug":"zu-viel-die-schweizer-landwirtschaft-lebt-ueber-ihre-verhaeltnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/63645\/zu-viel-die-schweizer-landwirtschaft-lebt-ueber-ihre-verhaeltnisse\/","title":{"rendered":"Zu viel! Die Schweizer Landwirtschaft lebt \u00fcber ihre Verh\u00e4ltnisse"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>In Schweizer Fleisch steckt l\u00e4ngst nicht nur Schweiz. Unsere Landwirtschaft ist n\u00e4mlich stark abh\u00e4ngig von importiertem Futtermittel: \u00dcber die H\u00e4lfte des Kraftfutters wird im Ausland gekauft. Die von Greenpeace Schweiz soeben ver\u00f6ffentlichte Brosch\u00fcre <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/63781\/der-futtermittel-schwindel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abDer Futtermittel-Schwindel\u00bb<\/a> r\u00e4umt auf mit dem M\u00e4rchen der Fleischindustrie. Eine Reform ist \u00fcberf\u00e4llig!<\/strong><\/p>\n\n<p>Mehr als ein Viertel der Umweltbelastungen in unserem Land h\u00e4ngt mit der Ern\u00e4hrung zusammen. Die Produktion und der Verzehr tierischer Produkte ist zu einem grossen Teil daf\u00fcr verantwortlich, denn die Erzeugung von tierischen Lebensmitteln verursacht massenhaft Treibhausgase.&nbsp;<\/p>\n\n<p>In der Schweiz leben sehr viele Tiere. Der Tierbestand umfasste in den letzten Jahren immer etwa 15 Millionen Tiere. Die Zahl ist noch viel, viel h\u00f6her, wenn man die Anzahl der Tiere betrachtet, die w\u00e4hrend eines Jahres in unserem Land gelebt haben: 74 Millionen. Entsprechend hoch sind auch die Schlachtzahlen, die bei \u00fcber 75 Millionen pro Jahr liegen. Die Tiere werden gez\u00fcchtet, gehalten und geschlachtet, um unseren Hunger auf Fleisch, Milchprodukte und Eier zu stillen.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Die Futtermenge, welche diese Tiere ben\u00f6tigen, ist immens. Unser Fleisch- Eier- und Milchkonsum ist aber \u00fcberhaupt nicht an unsere lokalen Ressourcen angepasst. Die Schweiz hat schlicht zu wenig Ackerfl\u00e4chen, um die Tiere zu ern\u00e4hren. Deshalb ist unsere Landwirtschaft total abh\u00e4ngig von importiertem Futtermittel. Seit 1995 haben die Einfuhren stark zugenommen und sich auf hohem Niveau stabilisiert. J\u00e4hrlich werden rund 1,4 Millionen Tonnen Futtermittel in die Schweiz importiert, wovon rund 60 Prozent Kraftfutter mit hohem Energie- und Proteingehalt sind. Apropos Kraftfutter: \u00dcber die H\u00e4lfte davon wird im Ausland gekauft. In Schweizer Fleisch steckt also l\u00e4ngst nicht nur Schweiz.&nbsp;<\/p>\n\n<p>W\u00e4hrend Wiederk\u00e4uer wie Rinder sich mehrheitlich von sogenanntem Raufutter (Gr\u00e4ser, Kr\u00e4uter, Klee etc.) ern\u00e4hren, sind Schweine und Gefl\u00fcgel, aber auch die Hochleistungstiere in der Milchproduktion und in der Rindermast, auf Kraftfutter angewiesen. Letzteres wird meist auf Ackerland angebaut.&nbsp;<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium is-resized caption-style-medium caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2021\/02\/e512737f-gp0stqmwz_medium_res_with_credit_line-300x200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-63864\" width=\"661\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2021\/02\/e512737f-gp0stqmwz_medium_res_with_credit_line-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2021\/02\/e512737f-gp0stqmwz_medium_res_with_credit_line-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2021\/02\/e512737f-gp0stqmwz_medium_res_with_credit_line-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2021\/02\/e512737f-gp0stqmwz_medium_res_with_credit_line-510x340.jpg 510w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2021\/02\/e512737f-gp0stqmwz_medium_res_with_credit_line.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 661px) 100vw, 661px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Schweine k\u00f6nnen kein Raufutter verdauen und fressen darum viel Kraftfutter aus dem Ausland.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Rund die H\u00e4lfte der Fl\u00e4che, welche f\u00fcr die Futtermittelproduktion f\u00fcr in der Schweiz lebende Tiere gebraucht wird, liegt im Ausland (ca. 200\u2019000 Hektar). Auf diesen Ackerfl\u00e4chen wachsen Sojabohnen, Bruchreis, Futterweizen u.a. Durch die Importe wird das Klima gleich doppelt belastet: Einerseits verursacht der Futtermittelanbau selbst Treibhausgasemissionen im Herstellungsland. Andererseits erlaubt er es, in der Schweiz mehr Tiere zu halten, wodurch die Umweltbelastungen auch hier h\u00f6her ausfallen.<\/p>\n\n<p>Auch im Inland wird viel Ackerland f\u00fcr Futtermittel besetzt. Zieht man Kunstwiesen und \u00fcbriges offenes Ackerland ab, stehen in der Schweiz noch rund 266&#8217;000 Hektar fruchtbarer Boden zur Verf\u00fcgung. Fast die H\u00e4lfte dieser wertvollen Fl\u00e4che, 43 Prozent, dient dem Anbau von Tierfutter wie Futtergetreide, Silo- und Gr\u00fcnmais sowie eiweissreiche Erbsen, Sojabohnen und Ackerbohnen. Es werden insgesamt also viel mehr Fl\u00e4che und Energie f\u00fcr die Produktion von tierischen Lebensmitteln ben\u00f6tigt, als f\u00fcr die Produktion von Getreide oder Gem\u00fcse.\u00a0<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Soja aus Brasilien f\u00fcr Tierfutter<\/strong><\/h2>\n\n<p>Anhand von Soja l\u00e4sst sich das Problem noch besser illustrieren: 70 Prozent des Proteins im Kraftfutter, das von Schweizer Viehz\u00fcchtern verwendet wird, wird importiert. Dabei handelt es sich haupts\u00e4chlich um Soja aus Brasilien. Eines der wenigen L\u00e4nder Amerikas, das gentechfreien Soja produziert, auch wenn nur zu einem geringen Anteil (4 Prozent). Obwohl die USA immer noch das wichtigste Produktionsland sind, boomt die Sojaproduktion vor allem in Brasilien. Die Sojaproduktion hat sich dort in den letzten zwei Jahrzehnten vervierfacht. Rund drei Viertel der globalen Sojaernte wird an Tiere verf\u00fcttert. In Brasilien wird sogar mehr als 90 Prozent als Tierfutter exportiert, Hauptimporteure sind neben den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern auch China.<\/p>\n\n<p>Die Zunahme der Anbaufl\u00e4che in Brasilien geht auf Kosten von fragilen \u00d6kosystemen, die f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t, den Menschen und das Klima essentiell sind. Das in die Schweiz importierte Soja f\u00fcr die Tierf\u00fctterung stammt haupts\u00e4chlich aus dem Mato Grosso, das sich \u00fcber die einzigartigen Amazonas- und Cerrado-Biome erstreckt, der Lunge des Planeten und dem Wasserturm Brasiliens. Mit anderen Worten: Wir f\u00f6rdern durch unseren Konsum tierischer Produkte h\u00f6here Tierzahlen in der Schweiz. So sind wir auch mitverantwortlich f\u00fcr immer h\u00f6here Futtermittelimporte und die damit verbundene Katastrophe f\u00fcr unser Klima und die weltweite Biodiversit\u00e4t!<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sch\u00f6nf\u00e4rberei auf unsere Kosten<\/strong><\/h2>\n\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft betreibt sogenannte Absatzf\u00f6rderung f\u00fcr verschiedene Schweizer Nahrungsmittel. Weitaus am meisten Geld fliesst in die Bewerbung von tierischen Produkten: Letztes Jahr waren es 39 Millionen Schweizer Franken. Im Vergleich dazu wirken die 8 Millionen Franken zur F\u00f6rderung pflanzlicher Nahrungsmittel \u00e4usserst d\u00fcrftig. Statt darauf hinzuarbeiten, dass in der Schweiz weniger Fleisch, Eier und Milchprodukte verzehrt werden, wird die Lust darauf weiter gesch\u00fcrt. Als Steuerzahlende unterst\u00fctzen wir dies indirekt und werden so zu Mitt\u00e4ter*innen.<\/p>\n\n<p>Emp\u00f6rt dich das auch? Unterzeichne jetzt unsere Petition<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/keine-steuergelder-fuer-werbemaerchen\/\">:<\/a><\/p>\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-default\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/keine-steuergelder-fuer-werbemaerchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Keine Steuergelder f\u00fcr Werbem\u00e4rchen<\/strong><\/a><\/div>\n<\/div>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ja, es geht anders<\/strong><\/h2>\n\n<p>Dabei ist eine \u00f6kologische Landwirtschaft ohne Futtermittelimporte nicht einfach Tr\u00e4umerei. Berechnungen zeigen: Hierzulande k\u00f6nnten noch immer 94 Prozent der Schafe und Ziegen sowie 85 Prozent der K\u00fche und Rinder gehalten werden. Deutlich anders s\u00e4he es allerdings bei den \u00fcbrigen Nutztieren aus: Der Bestand der Schweine ginge auf 39 Prozent und jener des Gefl\u00fcgels auf 17 Prozent zur\u00fcck. Denn diese Tierhaltungen sind stark vom ausl\u00e4ndischen Kraftfutter abh\u00e4ngig.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Wenn man sich ausschliesslich auf die heimische Produktion von Futtermitteln st\u00fctzt, kann die Schweiz j\u00e4hrlich weiterhin 349 Kilogramm Milch und Milchprodukte sowie 21 Kilogramm Fleisch pro Person produzieren.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Damit erreichen wir aber unsere Klimaziele nicht. Deshalb setzen wir auf eine tiergerechte und \u00f6kologische Landwirtschaft (<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/34671\/landwirtschaft-mit-zukunft\/\">TOP Vision von Greenpeace<\/a>). So k\u00f6nnten wir Schweizer*innen immer noch zirka&nbsp; 10 Kilogramm Fleisch, 48 St\u00fcck Eier und 273 Kilogramm Milch pro Jahr pro Kopf konsumieren.<\/p>\n\n<p>Nat\u00fcrlich ben\u00f6tigt es daf\u00fcr auch eine Ver\u00e4nderung im Speiseplan von uns allen: Wir essen zu viele tierische Produkte. Wir schaden damit nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit. Es gibt mittlerweile unz\u00e4hlige tolle Hilfen, um die Umstellung auf eine mehrheitlich pflanzenbasierte Ern\u00e4hrung zu erleichtern. St\u00f6bere doch z.B. mal durch <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/rezepte-fuer-das-klima\/\">diese leckeren Rezepte<\/a>.<\/p>\n\n<p>Damit B\u00e4uerinnen und Bauern auf ihren Betrieben wahre Alternativen zur Nutztierhaltung realisieren k\u00f6nnen (z.B. Kr\u00e4uter- oder Haferanbau), ist eine umfassende politische Agrarreform notwendig. Hilf mit, den Druck auf die Politik zu verst\u00e4rken, und fordere mit uns Ver\u00e4nderung ein: Unterschreibe unsere <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/keine-steuergelder-fuer-werbemaerchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Petition<\/a> und teile unsere Inhalte in deinem Netzwerk.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>So sieht eine \u00f6kologische und tiergerechte Landwirtschaft aus<\/strong><\/h2>\n\n<ul class=\"is-style-default wp-block-list\">\n<li>Vielf\u00e4ltige, gesunde Nahrungsmittel werden standortgerecht und \u00f6kologisch produziert.<\/li>\n\n\n\n<li>Betriebe verzichten auf Minerald\u00fcnger, und die N\u00e4hrstoffkreisl\u00e4ufe sind weitgehend geschlossen.<\/li>\n\n\n\n<li>Auf Ackerland wird kein Futtergetreide angebaut, und es werden auch keine Futtermittel oder tierische Produkte importiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Alle Nutztiere werden artgerecht gez\u00fcchtet, gehalten und ern\u00e4hrt.<\/li>\n\n\n\n<li>Es werden keine chemisch-synthetischen Pestizide und m\u00f6glichst wenig Tierarzneimittel eingesetzt.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"EmptyMessage\">Block content is empty. 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