{"id":63709,"date":"2021-02-02T09:00:00","date_gmt":"2021-02-02T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=63709"},"modified":"2022-07-26T09:46:59","modified_gmt":"2022-07-26T07:46:59","slug":"klima-in-schweizer-fleisch-steckt-laengst-nicht-nur-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/63709\/klima-in-schweizer-fleisch-steckt-laengst-nicht-nur-schweiz\/","title":{"rendered":"Klima: In Schweizer Fleisch steckt l\u00e4ngst nicht nur Schweiz"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/63781\/der-futtermittel-schwindel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">neuer Bericht<\/a> von Greenpeace Schweiz zeigt: \u00dcber die H\u00e4lfte des Kraftfutters, das in der Schweiz an Nutztiere verf\u00fcttert wird, stammt aus dem Ausland. Die Schweizer Landwirtschaft ist somit stark abh\u00e4ngig von Futtermittelimporten. Das hat schwerwiegende Folgen f\u00fcr die Umwelt und das Klima \u2013 in der Schweiz und im Ausland. Kommt hinzu, dass dieses sch\u00e4dliche System mit \u00f6ffentlichen Geldern unterst\u00fctzt wird: Der Bund f\u00f6rdert den Absatz von landwirtschaftlichen Produkten. Greenpeace Schweiz fordert, dass die von Futtermittelimporten abh\u00e4ngige landwirtschaftliche Produktion nicht mehr subventioniert wird.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n<p>Rund 39 Millionen Franken \u00f6ffentliche Gelder fliessen j\u00e4hrlich in die Absatzf\u00f6rderung f\u00fcr Schweizer Fleisch-, Eier- und Milchprodukte. Das ist mehr als die H\u00e4lfte davon, was der Bund pro Jahr f\u00fcr die F\u00f6rderung der Qualit\u00e4t und des Absatzes von landwirtschaftlichen Produkten ausgibt. Dieses Geld wird von den Dachverb\u00e4nden der verschiedenen Branchen genutzt, um Marketingkampagnen wie die \u00abSchweizer Fleisch\u00bb-Kampagne von Proviande zu finanzieren. Begr\u00fcndet wird dies mit dem Thema Nachhaltigkeit: Der Konsum von lokalem Fleisch und lokalen Milchprodukten sei besser f\u00fcr Umwelt und Klima. Das stimmt aber nur, wenn die Nutztiere mit lokal erzeugtem Futter gef\u00fcttert werden. Die Recherche von Greenpeace Schweiz \u2013 <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/63781\/der-futtermittel-schwindel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abDer Futtermittel-Schwindel\u00bb<\/a> \u2013 zeigt aber, dass die Schweizer Landwirtschaft stark von Futtermittelimporten abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n\n<p>Seit den 1990er-Jahren steigt die Menge der importierten Futtermittel stetig an und liegt heute bei 1,4 Millionen Tonnen. Davon sind rund 80 Prozent Kraftfutter mit hohem Energie- und Proteingehalt. Apropos Kraftfutter: Die Statistik zeigt, dass mehr als die H\u00e4lfte des Kraftfutters, das in der Schweiz f\u00fcr die Nutztierhaltung verwendet wird, aus dem Ausland stammt. Soja ist die Hauptquelle f\u00fcr Eiweiss. Ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Ackerfl\u00e4che, die f\u00fcr die Futtermittelproduktion ben\u00f6tigt wird, liegt im Ausland: Dies entspricht etwa einer Fl\u00e4che von 200\u2019000 Hektar.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Diese Kulturen verursachen in den Anbaul\u00e4ndern erhebliche Treibhausgasemissionen. Und sie erm\u00f6glichen es, mehr Tiere in der Schweiz zu halten, wodurch die Umweltbelastungen auch hier h\u00f6her ausfallen. \u00abDie Futtermittelproduktion steht in Konkurrenz mit der Produktion von Nahrungsmitteln f\u00fcr den Menschen. Sie belastet zudem die B\u00f6den immer mehr und bedroht damit die W\u00e4lder, die Biodiversit\u00e4t und das Klima. Ohne Futtermittelimporte w\u00fcrde in der Schweiz die Fleischproduktion um 50 Prozent zur\u00fcckgehen\u00bb, erkl\u00e4rt Alexandra Gavilano, Expertin f\u00fcr Klima und Landwirtschaft bei Greenpeace Schweiz.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tiere mit Soja f\u00fcttern? Eine \u00f6kologische Katastrophe!<\/strong><\/h2>\n\n<p>Das Beispiel Soja illustriert das Problem gut. Rund 70 Prozent des Proteins im Kraftfutter, das von Schweizer Viehz\u00fcchtern verwendet wird, wird importiert. Dabei handelt es sich haupts\u00e4chlich um Soja. Obwohl die USA mengenm\u00e4ssig immer noch das wichtigste Produktionsland sind, boomt die Sojaproduktion vor allem in Brasilien und in Argentinien. Der \u00fcberwiegende Teil der globalen Sojaproduktion wird an Tiere verf\u00fcttert. Laut dem International Institute for Sustainable Development IISD sind 85 Prozent der globalen Sojaanbaufl\u00e4che f\u00fcr den Anbau von Tierfutter reserviert.<\/p>\n\n<p>Brasilien baut Soja f\u00fcr den Weltmarkt an, rund 90 Prozent der Produktion werden exportiert.&nbsp;Die Anbaufl\u00e4che hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht und macht Brasilien damit zum zweitgr\u00f6ssten Produzenten und gr\u00f6ssten Exporteur der Welt. Diese Entwicklung geht auf Kosten von \u00d6kosystemen, die f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t, die Menschen und das Klima essentiell sind. Dabei bauen nur f\u00fcnf Prozent der brasilianischen Landwirtschaftsbetriebe Soja an, die meisten davon sind aber industrielle Grossunternehmen. \u00abMehr als 50 Prozent des in die Schweiz importierten Sojas zur Tierf\u00fctterung stammen aus dem Amazonas- und dem Cerrado-Biom, den Lungen des Planeten und dem Wasserturm Brasiliens\u00bb, so Alexandra Gavilano.&nbsp;<\/p>\n\n<p>In der Schweiz haben sich die Sojaimporte seit 1995 verf\u00fcnf- bis versechsfacht. 2019 wurden 265&#8217;000 Tonnen Sojaextraktionsschrot und 9&#8217;000 Tonnen ganze oder geschrotete Bohnen importiert. W\u00e4hrend der \u00fcberwiegende Teil des Soja weltweit in der Pouletmast verf\u00fcttert wird, werden in der Schweiz gem\u00e4ss eigenen Berechnungen 40 Prozent des Sojaeiweissfutters an Rindvieh, 30 Prozent an Gefl\u00fcgel, 28 Prozent an Schweine und 2 Prozent an andere Tiere verf\u00fcttert. Grund daf\u00fcr sind die Hochleistungstiere in der Milchproduktion und in der Rindermast, die sich nicht von Raufutter ern\u00e4hren k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Die Dachverb\u00e4nde der entsprechenden Branchen, insbesondere Proviande, behaupten unter anderem, dass 85 Prozent des in der Schweiz verwendeten Tierfutters aus einheimischer Produktion stammen. Die 85 Prozent beziehen sich aber auf das gesamte Trockengewicht des Tierfutters. Die Zahl ber\u00fccksichtigt nicht die Bedeutung des Kraftfutters, auf das viele Tiere in ihrem Futter nicht verzichten k\u00f6nnen. Der gr\u00f6ssere Teil dieses Futters wird importiert. Auch die Bezeichnung von Sojaimporten als \u00abNebenerzeugnisse der \u00d6lherstellung (\u00d6lkuchen)\u00bb ist verwirrend. Solche Aussagen verzerren die Tatsachen massiv. Sie dienen dazu, die Abh\u00e4ngigkeit der Schweizer Landwirtschaft von Futtermittelimporten zu verschleiern, und sie lassen unber\u00fccksichtigt, dass die Tiermast in der Schweiz auf Kosten der menschlichen Nahrungsmittelproduktion und der Artenvielfalt in Drittl\u00e4ndern geht.<\/p>\n\n<p>\u00abEs ist selbstverst\u00e4ndlich, dass \u00f6ffentliche Gelder zur Unterst\u00fctzung der Schweizer Landwirt*innen eingesetzt werden. Aber es ist inakzeptabel, dass diese Subventionen die Umweltzerst\u00f6rung in anderen L\u00e4ndern f\u00f6rdern\u00bb, argumentiert Alexandra Gavilano. Greenpeace Schweiz fordert, dass der Bund seine Subventionen in eine \u00f6kologische und tierfreundliche Landwirtschaft fliessen l\u00e4sst und sein Absatzf\u00f6rderungssystem gr\u00fcndlich \u00fcberarbeitet. Dabei m\u00fcssen die Bauern und B\u00e4uerinnen, die bis anhin vom Staat in eine falsche Richtung gelenkt wurden, unterst\u00fctzt werden, um ihre Produktionssysteme nachhaltig und an den Standort Schweiz angepasst zu gestalten.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Der neue Report von Greenpeace Schweiz: <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/63781\/der-futtermittel-schwindel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abDer Futtermittel-Schwindel\u00bb<\/a><\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Forderungen von Greenpeace Schweiz an Bundesrat und Parlament:&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>keine Steuergelder f\u00fcr Werbem\u00e4rchen, also keine finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Marketing der umweltzerst\u00f6renden Fleisch- , Eier- und Milchindustrie,<\/li><li>realistische Deklaration von \u00abSchweizer\u00bb Fleisch-, Eier- und Milchprodukten,<\/li><li>die F\u00f6rderung einer alternativen \u00f6kologischen und an den Standort Schweiz angepassten Landwirtschaft, die erheblich mehr wertvollen Ackerboden direkt f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung zur Verf\u00fcgung stellt, weil der grossfl\u00e4chige Futtermittelanbau f\u00fcr Tiere entf\u00e4llt,&nbsp;<\/li><li>keine weitere Verz\u00f6gerung der politischen Diskussion zur Agrarreform, wir brauchen schnellstm\u00f6glich eine Transition zu einer zukunftsf\u00e4higen Landwirtschaft.<\/li><\/ul>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kontakte<\/strong><\/h2>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft und Klima, Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 38, <a href=\"mailto:alexandra.gavilano@greenpeace.org\">alexandra.gavilano@greenpeace.org<\/a>\u00a0<\/li><li>Medienstelle Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 11, <a href=\"mailto:pressestelle.ch@greenpeace.org\">pressestelle.ch@greenpeace.org<\/a>\u00a0<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neuer Bericht von Greenpeace Schweiz zeigt: \u00dcber die H\u00e4lfte des Kraftfutters, das in der Schweiz an Nutztiere verf\u00fcttert wird, stammt aus dem Ausland. 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