{"id":64187,"date":"2021-02-12T18:07:30","date_gmt":"2021-02-12T17:07:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=64187"},"modified":"2022-02-28T13:43:49","modified_gmt":"2022-02-28T12:43:49","slug":"was-ist-schweizer-fleisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/64187\/was-ist-schweizer-fleisch\/","title":{"rendered":"Was ist Schweizer Fleisch?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Trend, auf lokal produzierte Lebensmittel zu setzen, hat sich in den letzten drei Jahrzehnten im Schweizer Detailhandel durchgesetzt. Der CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss beim Transport und die wiederkehrenden Skandale in der Fleischproduktion motivieren Konsumentinnen und Konsumenten, vermehrt einheimische Produkte zu kaufen. Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, erh\u00e4lt denn auch Subventionsgelder zur Absatzf\u00f6rderung von \u00abSchweizer Fleisch\u00bb. Im vergangenen Jahr verschlang diese Werbekampagne 6 Millionen Schweizer Franken. Aber was bekommen Konsumentinnen und Konsument eigentlich, wenn sie sich f\u00fcr Schweizer Fleisch entscheiden?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n<p>Es ist nicht einfach, sich zwischen den vielen Fleischlabels zurechtzufinden. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/essenmitherz.ch\/labels-alle-fleischsorten\/\" target=\"_blank\">In der Schweiz gibt es knapp 150 <\/a>davon, mit sehr unterschiedlichen Auflagen. Um da etwas Ordnung zu schaffen, wurde 2004 die Marke \u00abSuisse Garantie\u00bb geschaffen. Diese Bezeichnung ist kein Label an sich, sondern ein \u00abGarantiemarke\u00bb. Die Marke geh\u00f6rt also nicht einem bestimmten Unternehmen, sondern kann von allen Herstellern verwendet werden, \u00absofern sie die Bedingungen der vorhandenen Reglemente erf\u00fcllen.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n<p>Die Bezeichnung \u00abSuisse Garantie\u00bb kann f\u00fcr eine breite Palette von pflanzlichen und tierischen Produkten verwendet werden. Auf der Webseite von Suisse Garantie wird erkl\u00e4rt, dass als Vorgabe \u00abf\u00fcr nicht zusammengesetzte Produkte 100% Schweizer Herkunft\u00bb gilt, \u00abf\u00fcr zusammengesetzte Produkte mindestens 90%\u00bb. Wenn man also ein Schweinspl\u00e4tzli mit der Aufschrift \u00abSuisse Garantie\u00bb kauft, muss es in der Schweiz produziert worden sein. Bei einem Cordon Bleu d\u00fcrfen hingegen 10% der Zutaten aus dem Ausland stammen.<\/p>\n\n<p>Zur\u00fcck zum Schweinspl\u00e4tzli: Damit es die \u00abSuisse Garantie\u00bb-Marke tragen darf, muss das entsprechende Schwein aus einem Schweizer Betrieb stammen. Aber was ist mit dem Futter, mit dem dieses Schwein gem\u00e4stet wurde? Der Internetauftritt von \u00abSuisse Garantie\u00bb erw\u00e4hnt die geografische Herkunft von Futtermitteln nicht. Es wird lediglich gesagt, dass weder Nutztiere noch Futtermittel gentechnisch ver\u00e4ndert werden d\u00fcrfen. Faktisch k\u00f6nnte besagtes Schwein ausschliesslich importiertes Futter gefressen haben und trotzdem die Marke \u00abSuisse Garantie\u00bb tragen.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Beilage ist top!&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n<p>Werbeslogans wie \u00abSchweizer Fleisch \u2014 Alles andere ist Beilage\u00bb oder \u00abSchweizer Fleisch \u2014 Der feine Unterschied\u00bb haben die meisten Menschen in den letzten Jahren immer wieder geh\u00f6rt und gelesen. Die entsprechenden Werbekampagnen haben sie \u00fcbrigens selber mit ihren Steuergeldern finanziert, und zwar \u00fcber die Qualit\u00e4ts- und Absatzf\u00f6rderung des Bundesamtes f\u00fcr Landwirtschaft (BLW). Mit diesem Anreizsystem wird den Konsumentinnen und Konsumenten jedoch suggeriert, dass das Produkt zu 100% aus Schweizer Produktion stammt, obwohl dies nicht garantiert ist. \u00abSchweizer Fleisch\u00bb ist sicherlich eine sinnvolle Bezeichnung f\u00fcr Produkte, die wirklich zu 100% einheimisch produziert werden. Dies ist aber bei Fleisch von Tieren, die mit importierten Futtermitteln ern\u00e4hrt wurden, nicht der Fall. Damit werden Konsumentinnen und Konsumenten get\u00e4uscht, Landwirte zur Fleischproduktion gedr\u00e4ngt und der Fleischverzehr angekurbelt, auf Kosten der Gesundheit und der Umwelt.<\/p>\n\n<p>Regionale Tierprodukte sind nur dann nachhaltig, wenn die Nutztiere mit lokal erzeugtem Futter gef\u00fcttert werden. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil des Versprechens an K\u00e4uferinnen und K\u00e4ufer: Wer regionale Produkte kauft, vermeidet Lebensmittelrohstoffe, die eine halbe Weltreise hinter sich haben, wenn sie bei uns auf dem Teller landen. Wird hier mit Bezeichnungen geschummelt?<\/p>\n\n<p>Proviande weist gerne darauf hin, dass der Grossteil der hierzulande verwendeten Futtermittel aus der Schweiz stammt, und hebt speziell jene Landwirte hervor, die ihre Tiere mit ihrer eigenen Ernte f\u00fcttern. Wer die Marke \u00abSchweizer Fleisch\u00bb nutzt, ist jedoch nicht verpflichtet, Schweizer Futter zu verwenden.&nbsp;Das Versprechen liegt also ganz in der Eigenverantwortung der Produzenten. Ein Verbot von Futtermittelimporten w\u00fcrde zwar zu einer geringeren Produktion in der Schweiz f\u00fchren. Hochwertiges Schweizer Fleisch und entsprechende Milchprodukte w\u00e4ren aber weiterhin verf\u00fcgbar. W\u00fcrde ein solches Verbot in Kraft treten, so m\u00fcsste das Thema \u00abweniger Fleisch essen\u00bb zeitnah angepackt werden. Den Produktionsr\u00fcckgang durch importierte Fleischprodukte zu kompensieren, w\u00e4re f\u00fcr die Umwelt noch sch\u00e4dlicher als die jetzige Situation, und w\u00fcrde zudem die Schweizer Landwirtschaft schw\u00e4chen.<\/p>\n\n<p>Schlimmer noch: Wer die Marke \u00abSchweizer Fleisch\u00bb verwendet, muss nicht einmal das Label \u00abSuisse Garantie\u00bb besitzen. Die Bezeichnung \u00abSchweizer Fleisch\u00bb bietet also kaum Gew\u00e4hr, dass das Fleisch aus wirklich nachhaltiger Produktion stammt.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Die vom Bund finanzierte Absatzf\u00f6rderung bietet keine Garantie f\u00fcr Nachhaltigkeit. Steuergelder, die zur Unterst\u00fctzung der Landwirtschaft eingesetzt werden, m\u00fcssten eigentlich den \u00f6kologischen Wandel in der Landwirtschaft f\u00f6rdern. Nicht umsonst hat der Bund im Jahr 2008 Umweltziele f\u00fcr die Landwirtschaft festgelegt. Rund 13 Jahre sp\u00e4ter ist die Bilanz jedoch kl\u00e4glich: Keines der Ziele wurde erreicht, und die Debatte um eine neue Agrarpolitik ist im Parlament blockiert.&nbsp;<\/p>\n\n<p>W\u00e4hrenddessen steigen die <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/63645\/zu-viel-die-schweizer-landwirtschaft-lebt-ueber-ihre-verhaeltnisse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Futtermittelimporte<\/a> in den letzten Jahren deutlich. Die Schweiz verbraucht zur Futtermittelproduktion f\u00fcr ihre Nutztiere im Ausland nochmal so viel Agrarfl\u00e4che wie im Inland. Damit erh\u00f6ht sich der Druck, weltweit Fl\u00e4chen landwirtschaftlich zu nutzen. Dieser Nutzungsdruck ist massgeblich f\u00fcr den Zusammenbruch der globalen Biodiversit\u00e4t und die Abholzung der W\u00e4lder verantwortlich.<\/p>\n\n<p>Aber wie k\u00f6nnen wir dann eine nachhaltige Produktion f\u00f6rdern? Als erstes muss der Fleischverbrauch in der Schweiz reduziert werden. So k\u00f6nnen Futtermittelimporte gestoppt werden. Und Fl\u00e4chen werden frei zur Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln f\u00fcr Menschen. Dies reduziert die Umweltbelastung durch die Schweizer Landwirtschaft und st\u00e4rkt die Ern\u00e4hrungssicherheit.<\/p>\n\n<p>Es ist ein erster Schritt hin zu einem neuen Agrarsystem, das im Einklang mit der Artenvielfalt und dem Klimaschutz steht.&nbsp;F\u00fcr eine solche Agrarreform muss zuallererst die landwirtschaftspolitische Diskussion wieder in Gang kommen. Und der Wandel muss eine neue, \u00f6kologische und tiergerechte Produktion hervorbringen. Ein m\u00f6gliches Modell daf\u00fcr hat Greenpeace im Jahr 2018 entwickelt:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20884\/die-landwirtschaft-die-wir-wollen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abLandwirtschaft mit Zukunft\u00bb<\/a>.<\/p>\n\n<p><strong>Am 13. Juni 2021 stimmt die Schweiz \u00fcber die \u00abInitiative f\u00fcr sauberes Trinkwasser\u00bb ab. Greenpeace unterst\u00fctzt diese Initiative, denn sie stoppt Futtermittelimporte und f\u00fchrt rasch zu einer nachhaltigeren F\u00fctterung von Schweizer Nutztieren.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Menschen suchen in Suchmaschinen nach Fleisch verzollen Schweiz, Fleisch online bestellen Schweiz, barf Schweizer Fleisch &#8211; doch was ist das \u00fcberhaupt, Schweizer Fleisch? <\/p>\n","protected":false},"author":48,"featured_media":64194,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[50,33],"p4-page-type":[75],"class_list":["post-64187","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-klima","tag-ernaehrung","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64187","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64187"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64187\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/64194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64187"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64187"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64187"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=64187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}