{"id":64264,"date":"2021-02-17T15:55:13","date_gmt":"2021-02-17T14:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=64264"},"modified":"2022-07-26T09:45:39","modified_gmt":"2022-07-26T07:45:39","slug":"schneckentempo-bei-der-reform-der-zulassung-von-pestiziden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/64264\/schneckentempo-bei-der-reform-der-zulassung-von-pestiziden\/","title":{"rendered":"Schneckentempo bei der Reform der Zulassung von Pestiziden!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Weder unabh\u00e4ngig noch transparent: Schon seit l\u00e4ngerem steht das Pestizid-Zulassungsverfahren des Bundes in der Kritik. Nun reagiert der Bundesrat auf Handlungsempfehlungen aus einer externen Evaluation. Doch seine heute ver\u00f6ffentlichten Vorschl\u00e4ge beschr\u00e4nken sich darauf, die Kompetenzen der zust\u00e4ndigen Bundesstellen neu zu verteilen. Alle anderen Fragen werden weiter auf die lange Bank geschoben.<\/strong><\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Umweltverb\u00e4nde begr\u00fcssen, dass der Bundesrat das Zulassungsverfahren neu organisieren wird<\/li><li>Leider bleibt die Reform unvollst\u00e4ndig und sie geht trotz hoher Dringlichkeit unverst\u00e4ndlich langsam voran.<\/li><li>Wichtige Forderungen zur Transparenz des Zulassungsverfahrens und zur Erh\u00f6hung der Geb\u00fchren f\u00fcr Gesuchsteller werden um Jahre hinausgez\u00f6gert.<\/li><\/ul>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zitate:<\/h2>\n\n<p>Eva Wyss, Projektleiterin Landwirtschaft vom WWF Schweiz: <em>\u00abVor dem Hintergrund von Pestizid-Skandalen wie Chlorothalonil im Trinkwasser erwarten wir, dass der Bund die M\u00e4ngel bei der Pestizid-Zulassung rasch eliminiert und die Reform nicht weiter vor sich herschiebt.\u00bb<\/em><\/p>\n\n<p>Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft und Klima bei Greenpeace Schweiz: <em>\u00abDie Zulassung f\u00fcr Pestizide muss vollst\u00e4ndig transparent und unabh\u00e4ngig erfolgen. Nur so kann diese auch als wissenschaftlich haltbar und politisch legitim bezeichnet werden.\u00bb<\/em><\/p>\n\n<p>Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik bei Pro Natura: <em>\u00abDie antragstellenden Pestizidfirmen zahlen nur einen verschwindend kleinen Teil der f\u00fcr die Zulassung anfallenden Kosten. F\u00fcr den Rest kommt die Allgemeinheit auf. Der Bundesrat schuldet weiterhin Antworten, wie er dieses Problem beheben will.\u00bb<\/em><\/p>\n\n<p>Die Zulassung von Pestiziden ist aktuell weder unabh\u00e4ngig noch transparent \u2013 sie muss grundlegend \u00fcberarbeitet werden. Zu diesem Schluss kam die Evaluation des Pestizid-Zulassungsverfahrens des Bundes. Ver\u00f6ffentlicht wurde der Bericht des Wirtschaftspr\u00fcfers KPMG im November 2019. In zehn Handlungsempfehlungen hielt er fest, dass es grundlegende \u00c4nderungen und eine Reorganisation des Zulassungsverfahrens braucht. Alleine mit Kosmetik werden die gravierenden M\u00e4ngel nicht ausgemerzt. In der Folge liess sich der Bundesrat fast eineinhalb Jahre Zeit, bevor er heute offiziell auf die Empfehlungen reagiert hat. Trotz dieser langen Bedenkzeit st\u00f6sst der Bund nun lediglich eine Reorganisation des Zulassungsverfahrens an.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo bleiben Massnahmen zur Transparenz?<\/h2>\n\n<p>Neu wird etwa das Bundesamt f\u00fcr Lebensmittelsicherheit und Veterin\u00e4rwesen (BLV) zur Zulassungsstelle. Zugleich soll dem Bundesamt f\u00fcr Umwelt eine wichtigere Rolle bei der Risikobeurteilung von Pestiziden zukommen. Diese Vorschl\u00e4ge sind gut und richtig, stellen sie doch die Grundvoraussetzung f\u00fcr die geforderten Anpassungen bei der Organisation f\u00fcr ein unabh\u00e4ngigeres Verfahren dar. Die strukturellen Anpassungen gehen allerdings viel zu wenig weit. So fehlen zum Beispiel Massnahmen bez\u00fcglich Transparenz und Geb\u00fchren. Elementarer Bestandteil eines transparenten Zulassungsverfahrens ist f\u00fcr die Umweltverb\u00e4nde weiter auch die Ver\u00f6ffentlichung der Zulassungsberichte, und dass die Kantone Einblick in s\u00e4mtliche Zulassungsunterlagen erhalten.<\/p>\n\n<p>Leider bleiben weitere relevante Handlungsempfehlungen der KPMG unber\u00fccksichtigt: Es w\u00e4re etwa wichtig, gesetzlich die Option zu verankern, dass bei neuen Risikoerkenntnissen kurzfristig Pflanzenschutzmittel vom Markt genommen werden k\u00f6nnen. Schliesslich fehlt eine Strategie des Bundesrats, wie die Vollzugsprobleme in den Kantonen behoben werden k\u00f6nnen. Die zahlreichen Auflagen sind heute kaum kontrollierbar. Alle weiteren dringend n\u00f6tigen Optimierungsmassnahmen sollen dem Bundesrat erst Mitte 2023 vorgelegt werden. Aus Sicht der Umweltverb\u00e4nde ist diese lange Frist unverst\u00e4ndlich und wird dem dringenden Handlungsbedarf nicht gerecht.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kontakte:<\/h2>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft und Klima, Greenpeace Schweiz, <a href=\"mailto:alexandra.gavilano@greenpeace.org\">alexandra.gavilano@greenpeace.org<\/a>, +41 44 447 41 38<\/li><li>Eva Wyss, Projektleiterin Landwirtschaft, WWF Schweiz, <a href=\"mailto:eva.wyss@wwf.ch\">eva.wyss@wwf.ch<\/a>, 079 352 09 47<\/li><li>Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, Pro Natura, <a href=\"mailto:marcel.liner@pronatura.ch\">marcel.liner@pronatura.ch<\/a>, 061 317 92 40<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weder unabh\u00e4ngig noch transparent: Schon seit l\u00e4ngerem steht das Pestizid-Zulassungsverfahren des Bundes in der Kritik. Nun reagiert der Bundesrat auf Handlungsempfehlungen aus einer externen Evaluation. 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