{"id":64962,"date":"2021-03-12T06:00:00","date_gmt":"2021-03-12T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=64962"},"modified":"2021-03-12T08:36:30","modified_gmt":"2021-03-12T07:36:30","slug":"nachhaltig-irrefuehrend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/64962\/nachhaltig-irrefuehrend\/","title":{"rendered":"Nachhaltig irref\u00fchrend"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie Unternehmen durch vermeintliche Nachhaltigkeitslabel Konsument*innen mit angeblich \u00f6kologischer Waldbewirtschaftung in die Irre f\u00fchren, zeigt eine neuen Studie von Greenpeace International auf.<\/strong><\/p>\n\n<p>Das FSC-Label (Forest Stewardship Council) &nbsp;kennen viele, vom Schulheft bis zur Gartenbank verspricht es Nachhaltigkeit f\u00fcr holz- und zellstoff-basierte Produkte. RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil),&nbsp; das meist verbreitete Label f\u00fcr Palm\u00f6l,&nbsp; war j\u00fcngst in der Abstimmungsdebatte zum Freihandelsabkommen mit Indonesien in den Schlagzeilen.&nbsp; Etliche weitere Label haben mittlerweile die Produktpaletten der Super- oder Drogeriem\u00e4rkte erobert. Sie stehen f\u00fcr Umweltschutz und soziales Engagement bei der Herstellung der Produkte. Ein wachsender Markt, denn Konsument*innen ist der Schutz unserer Ressourcen zunehmend wichtig.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Der neue Greenpeace Report \u00ab<a href=\"https:\/\/drive.google.com\/file\/d\/13F-p1ocitDfK16FfdFTCZiZJ1x9Zc9TR\/view?usp=sharing\">Destruction: Certified &#8211; Zertifizierte Zerst\u00f6rung<\/a>\u00bb zeigt nun: Diese Nachhaltigkeit ist nur vorgegaukelt. In Wirklichkeit tragen multinationale, global agierende G\u00fctezeichen wie RSPO und FSC massgeblich zur weltweiten Waldzerst\u00f6rung und zu Menschenrechtsverletzungen bei. Mit ihren schwachen Standards, unzureichenden Kontrollen, Intransparenz und wirtschaftlichen Eigeninteressen k\u00f6nnen Zertifikate keinerlei Waldschutz garantieren.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zertifizierte Firmen roden Regenwald<\/strong><\/h2>\n\n<p>So haben sich zum Beispiel Mitglieder des RSPO dazu verpflichtet, keine Rodung von Prim\u00e4rw\u00e4ldern und \u00f6kologisch wertvollen Waldfl\u00e4chen f\u00fcr \u00d6lpalm-Plantagen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n\n<p>Trotzdem hat etwa das seit 2013 RSPO zertifizierte Unternehmen Bumitami zwischen 2005 und 2018 rund 11\u2019100 Hektare Wald gerodet &#8211; davon fast 2300 Hektare ab 2014 &#8211; offenbar ohne einer Bewertung, ob dies sch\u00fctzenswerte Gebiete mit einer sehr hohen biologischen Vielfalt sind.<\/p>\n\n<p>Auch der FSC schreibt, dass er sich daf\u00fcr einsetzt, dass unsere W\u00e4lder auch k\u00fcnftigen Generationen erhalten bleiben. Trotzdem sind FSC-zertifizierte Betriebe in Regenwaldrodungen involviert: Zwischen 2013 und 2017 rodete eine FSC-zertifizierte Firma \u00fcber 30\u2019000 Hektare Regenwald in Indonesien &#8211; eine Fl\u00e4che so gross wie der Kanton Schaffhausen.<\/p>\n\n<p>Gleichzeitig wird durch die vorgegaukelte Nachhaltigkeit auch noch die Nachfrage nach wald- und naturgef\u00e4hrdenden Rohstoffen angekurbelt, da ja der Eindruck erweckt wird, dass zertifizierte Produkte \u00abgr\u00fcn\u00bb, \u00abnachhaltig\u00bb und \u00abfair\u00bb seien, ganz gleich, wie viel davon produziert und konsumiert wird. Konsument*innen werden so dreist in die Irre gef\u00fchrt und geblendet. Vor lauter B\u00e4umen k\u00f6nnen sie den Wald nicht mehr sehen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie funktionieren Zertifizierungssysteme?<\/strong><\/h2>\n\n<p>Zertifizierungssysteme sind zumeist in einer Vereinsstruktur aufgebaut, oft werden diese von Unternehmen selbst oder auch gemeinsam mit NGO gegr\u00fcndet. Die Erstellung des Standards ist den Gr\u00fcndern, dem Vorstand oder der Generalversammlung \u00fcberlassen und damit komplett willk\u00fcrlich. Will ein Unternehmen Teile seiner Produkte zertifizieren, muss es meistens bei dem jeweiligen Verein Mitglied werden. Das ist mit einer Mitgliedsgeb\u00fchr, meist gestaffelt nach Konzernumsatz, verbunden. Um die Rohstoffe zertifizieren zu lassen, muss der jeweilige Betrieb eine Geb\u00fchr oder Lizenz zahlen, dies ist beispielsweise beim FSC die Haupteinnahmequelle: die Annual Administration Fee.<\/p>\n\n<p>Kontrolliert werden die Standards von Kontrollagenturen, das heisst Zertifizierungsfirmen, die mit den Vereinen dazu eine Kooperation abschliessen. Bezahlt werden diese jedoch direkt von dem zu zertifizierenden Betrieb oder Unternehmen. Besonders schockierend ist auch die Inkonsequenz in der Zertifikatsvergabe: Auch Unternehmen, die in Umweltzerst\u00f6rung involviert sind, k\u00f6nnen zertifizierte Rohstoffe produzieren und handeln. Zudem werden beispielsweise Unternehmen mit RSPO und FSC zertifiziert, die von Subfirmen beliefert werden, die nachweislich W\u00e4lder zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was also tun?&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n<p>Klima- und Artenschutz d\u00fcrfen bei der Herstellung von Alltagsprodukten nicht privaten Zertifizierern \u00fcberlassen werden. Anstatt freiwillige Zertifizierungsmechanismen braucht es jetzt dringend gesetzliche Massnahmen, um den Ausschluss von Produkten aus Waldzerst\u00f6rung sicherzustellen &#8211; auf nationalen und internationalen Ebenen. Dabei m\u00fcssten Unternehmen zu transparenten R\u00fcckverfolgungssystemen und der Einhaltung sozialer Standards f\u00fcr alle Waren verpflichtet werden. \u00abAuch wir Konsument*innen haben Einfluss. Wir entscheiden mit unserer Produktewahl, welche Art der Landwirtschaft und welche Produktion wir f\u00f6rdern wollen\u00bb, sagt Asti Roesle, Waldexpertin bei Greenpeace Schweiz. \u00abVor dem Kauf von Waren wie M\u00f6beln oder B\u00fcchern ist zu \u00fcberlegen, ob sie neu sein m\u00fcssen. Und viele Wegwerfprodukte lassen sich durch Mehrwegprodukte ersetzen. Wir d\u00fcrfen uns nicht mit falschen L\u00f6sungen zufrieden geben.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir engagieren uns f\u00fcr mehr Transparenz und Qualit\u00e4t von Zertifizierungen.<\/h2>\n\n<p>Engagiere dich mit uns. Mit deiner Spende k\u00f6nnen wir hartn\u00e4ckig bleiben!<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-background\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/spenden\/patenschaft\/patenschaft-urwald\/\" style=\"background-color:#f36d3a\" target=\"_blank\" rel=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/spenden\/ noopener noreferrer\"><strong>Jetzt Waldpatenschaft abschliessen<\/strong><\/a><\/div>\n<\/div>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was du beim Einkaufen beachten kannst:<\/h2>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sollte man aufh\u00f6ren, zertifizierte Produkte zu kaufen?<\/strong><\/h3>\n\n<p>Nein. Einige Label k\u00f6nnen durchaus als Entscheidungshilfe oder zumindest gewisse soziale Aspekte verbessern. Bei Lebensmitteln ist grunds\u00e4tzlich empfehlenswert, m\u00f6glichst auf frische und saisonale Produkte aus der Region zu achten, am besten in Demeter- oder Bio-Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie kann ich m\u00f6glichst waldfreundlich einkaufen?<\/strong><\/h3>\n\n<p>In unz\u00e4hligen Produkten, bei denen man es nicht vermuten w\u00fcrde, kann Waldzerst\u00f6rung stecken. F\u00fcr Konsument*innen ist das oft schwierig nachzuvollziehen oder gar nicht zu erkennen. Wie Sie im Alltag Produkte vermeiden k\u00f6nnen, die mit Waldzerst\u00f6rung in Verbindung stehen k\u00f6nnen, <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/waelder\/10-tipps-zum-schutz-der-waelder\">erf\u00e4hrst du hier.<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gibt es Alternativen zum FSC-Siegel?<\/strong><\/h3>\n\n<p>International gibt es noch keine Alternativen. Von dem weit verbreiteten PEFC-Siegel raten alle grossen Umweltverb\u00e4nde ab: Hier hat sich die Wirtschaft im Wesentlichen selbst ein G\u00fctesiegel verpasst, unabh\u00e4ngige Kontrollen zum Waldschutz gibt es nicht. Solche Industriezertifikate garantieren keine nachhaltige Waldwirtschaft. In der Schweiz f\u00e4hrt man grunds\u00e4tzlich am besten mit regionalem Holz. Da kann man auch einen Augenschein nehmen, wie der Wald bewirtschaftet und wie geholzt wird.&nbsp;<\/p>\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Unternehmen durch vermeintliche Nachhaltigkeitslabel Konsument*innen mit angeblich \u00f6kologischer Waldbewirtschaftung in die Irre f\u00fchren, zeigt eine neuen Studie von Greenpeace International auf.<\/p>\n","protected":false},"author":89,"featured_media":64964,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[40],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-64962","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-wald","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64962","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/89"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64962"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64962\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/64964"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64962"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=64962"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=64962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}