{"id":66037,"date":"2021-04-08T11:01:14","date_gmt":"2021-04-08T09:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=66037"},"modified":"2021-04-15T12:39:55","modified_gmt":"2021-04-15T10:39:55","slug":"pestizide-gefaehrden-unsere-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/66037\/pestizide-gefaehrden-unsere-gesundheit\/","title":{"rendered":"Pestizide gef\u00e4hrden unsere Gesundheit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Immer mehr Studien kommen zum Schluss, dass der Kontakt mit chemisch-synthetischen Pestiziden \u00fcber Luft, Wasser und Lebensmittel negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat<\/strong>.<strong> M\u00f6gliche Folgen: Krebs oder neurodegenerative Krankheiten wie Morbus Parkinson.<\/strong><\/p>\n\n<p>Am Sonntag, 11. April, ist Weltparkinsontag. Morbus Parkinson, umgangssprachlich auch \u00abSch\u00fcttell\u00e4hmung\u00bb genannt, ist nach der Alzheimer-Demenz die zweith\u00e4ufigste neurodegenerative Erkrankung. In der Schweiz sind rund 15&#8217;000 Menschen davon betroffen. Die Krankheit nimmt in allen Alterskategorien und ebenso alterskorrigiert zu. Bis 2040 wird weltweit mit einer Verdoppelung der Patientenzahlen gerechnet. Neben dem Alter spielen <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/23713084\/\">Pestizide eine bedeutende Rolle<\/a>, also Insektizide, Fungizide und Herbizide.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Pestizide und Morbus Parkinson<\/strong><\/h2>\n\n<p>Ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Morbus Parkinson und dem Kontakt zu Pestiziden wurde seit langem vermutet. Dies insbesondere bei Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Sie sind dort dem Einfluss von Pestiziden direkt und intensiv ausgesetzt. Im Auftrag des Schweizer Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (SECO) hat das Institut f\u00fcr Arbeitsmedizin der Uni Lausanne diese Effekte zusammengefasst. Es schlussfolgert, dass Besch\u00e4ftigte in der Landwirtschaft mit Kontakt zu Pestiziden ein um \u00fcber 50% erh\u00f6htes Risiko haben, an einem Morbus Parkinson zu erkranken.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In der Schweiz wenig Forschung und Wissen<\/strong><\/h2>\n\n<p>Andere L\u00e4nder zogen daraus Konsequenzen: In Frankreich ist Morbus Parkinson seit 2012 als Berufskrankheit bei Besch\u00e4ftigen anerkannt, die professionell mit Pestiziden in Kontakt kommen. Zudem gibt es in zahlreichen L\u00e4ndern Melderegister und Datenbanken zur Erfassung der gesundheitlichen Nebenwirkungen von Pestiziden. <a href=\"http:\/\/www.aefu.ch\/fileadmin\/user_upload\/aefu-data\/b_documents\/oekoskop\/Oekoskop_19_4.pdf#page=6\">In der Schweiz aber sind diese Zusammenh\u00e4nge kaum erforscht<\/a>.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Via Geruchorgan oder Darmgehirn ins Kopfgehirn<\/strong><\/h2>\n\n<p>Im Gehirn produzieren Nervenzellen das wichtige Dopamin. Nur dank diesem Botenstoff k\u00f6nnen sie \u00fcberhaupt miteinander kommunizieren und Signale an andere Hirnregionen \u00fcbertragen. Im Laufe des Lebens sterben die Zellen nat\u00fcrlicherweise peu \u00e0 peu ab. Bei der weitaus h\u00e4ufigsten Form von Morbus Parkinson, dem idiopathischen Parkinson-Syndrom, ist dieser Prozess stark beschleunigt. Da bei Untersuchungen die Anreicherung eines <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC7509446\/\">fehlgefalteten Proteins (Alpha-Synuclein) auch im Darm gefunden wurde<\/a>, wird davon ausgegangen, dass Umweltfaktoren bei der Entstehung eine Rolle spielen. So haben Pestizide bei M\u00e4usen zu einer Aggregation von Alpha-Synuclein gef\u00fchrt. Das Protein gelangt vom Darm in das Nervensystem des Darms und von da \u00fcber Nervenverbindungen ins Gehirn oder via Geruchsorgan direkt ins Gehirn. Dazu passen neuere Erkenntnisse, dass die <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0045653519307416#:~:text=We%20concluded%20that%20pesticides%20could,and%20SCFAs%20or%20other%20metabolites.&amp;text=Pesticides%20can%20act%20on%20gut,et%20al.%2C%202018\">toxische Wirkung von chemisch-synthetischen Pestiziden auf das Mikrobiom<\/a> lange untersch\u00e4tzt wurde. Die Forschung der letzten Dekade verdeutlicht, dass das von vielen Wissenschaftlern als neues Organ bezeichnete \u00ab\u00d6kosystem\u00bb im Darm einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit hat.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wind und Wasser verbreiten die Pestizide<\/strong><\/h2>\n\n<p>Chemisch-synthetische Pestizide bleiben nicht dort, wo sie gespritzt werden. Sie sind heute fast \u00fcberall in den B\u00f6den, in Gew\u00e4ssern und in der Luft sowie in Lebensmitteln zu finden. Greenpeace Schweiz und das Umweltinstitut M\u00fcnchen zeigten in Untersuchungen mit Luftpassivsammlern, <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/60268\/pestizide-vom-winde-verweht\/\">dass sich Pestizide st\u00e4rker und weiter verbreiten als gedacht<\/a>. Selbst Jahrzehnte nach deren Einsatz: Zum Beispiel konnte das seit 1972 verbotene DDT aktuell immer noch nachgewiesen werden \u2013 f\u00fcr B\u00e4uerinnen und Bauern sowie f\u00fcr Anwohnerinnen und Anwohner ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Yves Zenger, Mediensprecher bei Greenpeace Schweiz, sagt: \u00abInsbesondere die orale Aufnahme und das Einatmen der Pestizide d\u00fcrften bei der Entstehung von Parkinson eine Rolle spielen. Der Kontakt mit den Giften in der Luft ist wie Passivrauchen. Leider kann sich dem niemand entziehen, selbst mit konsequentem Bio-Konsum nicht. Die Pestizide sind einfach da, und wir nehmen sie auf, ohne uns davor sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Biologisch&nbsp;vs.&nbsp;\u00adsynthetisch<\/strong><\/h2>\n\n<p>Die in der biologischen Landwirtschaft eingesetzten nat\u00fcrlichen Pestizide sind in kurzer Zeit biologisch abbaubar und kumulieren nicht \u2013 mit der Ausnahme von Kupfer, das allerdings auch im konventionellen Landbau eingesetzt wird. Synthetisch-chemische Pestizide dagegen basieren auf Molek\u00fclen, die von Chemiker*innen entwickelt wurden und nicht oder nur sehr langsam biologisch abbaubar sind. Dazu geh\u00f6ren Organochlor- und Organophosphatpestizide sowie die Neonikotinoide (Bienengift!).<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Auch Krebs<\/strong><\/h2>\n\n<p>Selbst bei niedrigen Konzentrationen haben chemisch-synthetische Pestizide negative gesundheitliche Auswirkungen. Auf Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, aber auch auf Menschen, die in Landwirtschaftszonen leben. Sie stehen nicht \u00abnur\u00bb mit Parkinson in Verbindung, sondern vermutlich auch mit verschiedenen Krebsarten: unter anderem Non-Hodgkin-Lymphomen, Prostatakrebs und Brustkrebs.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gesamtschadstoffmengen werden nicht ber\u00fccksichtigt<\/strong><\/h2>\n\n<p>Die Zulassungsstellen, die den Einsatz dieser Pestizide bewilligt haben, haben die langfristigen Auswirkungen bei sehr niedrigen Konzentrationen nicht ber\u00fccksichtigt. Sie sind oft gezwungen, ihre Entscheide zu revidieren und Pestizide vom Markt zu nehmen, die sie zun\u00e4chst bewilligt hatten. Manchmal geschieht dies erst nach vielen Jahren. Einige dieser synthetischen Pestizide werden jedoch nicht abgebaut und verschmutzen Wasser, Nahrungsmittel und die Luft auch Jahrzehnte nach ihrem Verbot. Zudem: Wirklich relevant sind nicht die einzelnen Grenzwerte, sondern die Gesamtschadstoffmengen, die Pestizidcocktails, denen wir tagt\u00e4glich \u00fcber Luft, Wasser und Lebensmittel ausgesetzt sind.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00abOne Health\u00bb<\/strong><\/h2>\n\n<p>Nicht erst seit Covid ist klar: Die Gesundheit von \u00d6kosystemen, Menschen und Tieren h\u00e4ngt eng zusammen. Sch\u00e4digen wir die Umwelt, sch\u00e4digen wir auch uns selbst. Unser Umgang mit der Natur f\u00e4llt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf uns zur\u00fcck \u2014 im Guten wie im Schlechten. Chemisch-synthetische Pestizide und Antibiotika vergiften B\u00f6den, Luft und Gew\u00e4sser \u2013 auf Jahrzehnte. Am 13. Juni haben wir die einmalige Chance f\u00fcr einen agrarpolitischen Wandel, der den Begriff \u00abGesundheit\u00bb ganzheitlich denkt. Sowohl die Initiative f\u00fcr sauberes Trinkwasser als auch die Initiative f\u00fcr eine Schweiz ohne Pestizide verlangen einen gesunden Umgang mit der Natur, insbesondere in der Landwirtschaft. Wir stimmen daher 2xJa.<\/p>\n\n<p class=\"is-style-accent-1\"><strong>\u00abSch\u00fctze Wasser, Boden und Gesundheit\u00bb: <\/strong><a href=\"https:\/\/2xja.ch\/\"><strong>2xja.ch\/<\/strong><\/a><\/p>\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Studien kommen zum Schluss, dass der Kontakt mit chemisch-synthetischen Pestiziden \u00fcber Luft, Wasser und Lebensmittel negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. 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