{"id":69264,"date":"2021-06-21T09:55:00","date_gmt":"2021-06-21T07:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=69264"},"modified":"2025-06-25T15:31:15","modified_gmt":"2025-06-25T13:31:15","slug":"greenwashing-nachhaltige-anlagefonds-lenken-kaum-kapital-in-eine-nachhaltige-wirtschaft-greenpeace-fordert-verbindlichen-standard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/69264\/greenwashing-nachhaltige-anlagefonds-lenken-kaum-kapital-in-eine-nachhaltige-wirtschaft-greenpeace-fordert-verbindlichen-standard\/","title":{"rendered":"Greenwashing: Nachhaltige Anlagefonds lenken kaum Kapital in eine nachhaltige Wirtschaft \u2013 Greenpeace fordert verbindlichen Standard"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Sogenannt nachhaltigen Anlagefonds gelingt es bislang nicht, wesentlich mehr Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft zu lenken als konventionellen Fonds. Das zeigt eine Studie im Auftrag von Greenpeace Schweiz und Greenpeace Luxemburg. Greenpeace Schweiz spricht von Greenwashing und fordert klare Mindestanforderungen f\u00fcr sogenannt nachhaltige Anlagefonds: Nachhaltige Anlagefonds m\u00fcssen sich mindestens an den Pariser Klimazielen und dem Ziel einer maximalen globalen Erderw\u00e4rmung von 1.5 Grad ausrichten. <\/strong><strong>Es ist an der Politik, dringend den Finanzplatz \u2013 als unser gr\u00f6sster Hebel zur weltweiten Reduktion von Emissionen \u2013 auf Paris-Kurs zu bringen.<\/strong><\/p>\n\n<p>Immer mehr Menschen wollen ihr Geld nachhaltig anlegen, das Gesch\u00e4ft mit sogenannt nachhaltigen Anlagefonds boomt. Der Grossteil dieser Produkte tr\u00e4gt aber nicht zur L\u00f6sung der Klimakrise bei. Das zeigt eine Studie der Schweizer Nachhaltigkeits-Ratingagentur Inrate im Auftrag von Greenpeace Schweiz und Greenpeace Luxemburg. Die Studie untersuchte, ob es Anlagefonds, die von Banken und Verm\u00f6gensverwaltern als nachhaltig bezeichnet werden, tats\u00e4chlich gelingt, mehr Kapital in eine nachhaltige und klimafreundliche Wirtschaft zu lenken, und ob g\u00e4ngige nachhaltige Anlagestrategien zu einer solchen Lenkungswirkung beitragen. Dazu wurden 51 Fonds aus dem Retail-Segment analysiert, die sowohl in der Schweiz als auch in Luxemburg zum Vertrieb zugelassen sind.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nachhaltige Fonds wirken nur minimal besser auf ESG-Bereiche ein<\/strong><\/h2>\n\n<p>Die Studie zeigt: Die untersuchten Fonds schaffen es bislang kaum, mehr Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft zu lenken als konventionelle Fonds. Die sogenannt nachhaltigen Anlagefonds haben einen minimal besseren ESG-Impact-Score. Das heisst, die betreffenden Fonds wirken nur minimal besser auf die Bereiche \u00abEnvironmental\u00bb, \u00abSocial\u00bb und \u00abGovernance\u00bb (ESG), also Umwelt, Gesellschaft und gute Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung ein. Der Unterschied ist so klein, dass die sogenannt nachhaltigen Anlagefonds im ESG-Impact-Rating von Inrate kaum merklich besser bewertet werden als konventionelle Fonds. Im Klartext heisst das: Die sogenannt nachhaltigen Anlagen, welche im Moment angeboten werden, sind nicht nur kaum nachhaltig, sie schaden sogar dem Klima. Die Analyse kann zudem nicht nachweisen, dass die untersuchten Fonds die CO2-Emissionen investierter Unternehmen statistisch signifikant reduzieren.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Warum? \u00abNachhaltigkeit wird nicht umfassend genug betrachtet. Zudem setzen Asset Manager kaum spezifische und messbare Ziele f\u00fcr die Fonds bez\u00fcglich deren Wirkung auf Umwelt und Klima\u00bb, sagt Larissa Marti, Expertin f\u00fcr Finanzwirtschaft bei Greenpeace Schweiz. So werden zum Beispiel Ausschlusskriterien f\u00fcr Kohleunternehmen zu lasch formuliert und Schlupfl\u00f6cher bleiben. Es mangelt auch an der n\u00f6tigen Konsequenz: Bez\u00fcglich Nachhaltigkeit fokussieren die Anlagerichtlinien teilweise nur auf wenige Branchen wie die R\u00fcstungs- oder die Zementindustrie und schliessen diese aus. Andere \u2013 komplexere \u2013 Bereiche wie zum Beispiel die Landwirtschaft werden kaum genauer analysiert und in die Nachhaltigkeits\u00fcberlegungen miteinbezogen. Nicht \u00fcberraschend kommt die Studie zudem zum Schluss, dass die g\u00e4ngigen nachhaltigen Anlagestrategien kaum wirksam sind, um mehr Geld f\u00fcr eine nachhaltige Wirtschaft bereitzustellen. Nur umweltbezogene Themenfonds konnten den ESG-Impact-Score erh\u00f6hen, wenn auch minim.&nbsp;<\/p>\n\n<p>\u00abDie Resultate sind besorgniserregend. Kundinnen und Kunden werden Anlageprodukte angeboten, die aufgrund ihrer Bezeichnung einen positiven Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft implizieren, die aber diese Wirkung in den allerwenigsten F\u00e4llen erzielen. Banken und Verm\u00f6gensverwalter betreiben aus unserer Sicht Greenwashing\u00bb, sagt Larissa Marti.<\/p>\n\n<p>Diesen Vorwurf erhebt Greenpeace Schweiz auch deshalb, weil die Erwartungen der Anlegerinnen und Anleger an nachhaltige Anlagefonds klar sind: Eine repr\u00e4sentative <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/story\/69496\/bevolkerung-will-klimavertragliche-geldanlagen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Umfrage vom Forschungsinstitut GFS-Z\u00fcrich im Auftrag von Greenpeace Schweiz<\/a> zeigt n\u00e4mlich, dass 36 Prozent der Befragten von nachhaltigen Anlagefonds mindestens einen Umverteilungseffekt erwarten, also mehr Investitionen in nachhaltigere Unternehmen. 53 Prozent der Befragten sind \u00fcberdies der Meinung, dass eine nachhaltige Geldanlage mindestens klimavertr\u00e4glich und somit im Einklang mit den Pariser Klimazielen sein soll.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Standard muss eine klimafreundliche Wirtschaft bef\u00f6rdern <\/strong>&nbsp;<\/h2>\n\n<p>Um die Klimakrise zu l\u00f6sen, muss weltweit die Wirtschaft klimafreundlich werden. Damit diese Transformation gelingt \u2013 und beschleunigt wird \u2013 ist es unabdingbar, dass Investorinnen und Investoren mit ihrem Kapital eine nachhaltige Zukunft finanzieren und nicht den Sta\u00adtus quo zementieren. Dazu braucht es Finanzinstrumente, die x Milliarden Franken an Investitionen in nachhaltige und zukunftsf\u00e4hige Unternehmen und Projekte leiten. Darum verlangt das Pariser Klimaabkommen die klimafreundliche Ausrichtung der Finanzfl\u00fcsse.&nbsp;<\/p>\n\n<p>\u00abDer Etikettenschwindel bei nachhaltigen Anlagefonds schadet Klima und Umwelt. Und er l\u00e4uft dem Ziel der Schweiz zuwider, ein f\u00fchrender Standort f\u00fcr Sustainable Finance zu werden\u00bb, sagt Peter Haberstich, Projektleiter Klima und Finanzwirtschaft bei Greenpeace Schweiz. \u00abBundesrat und Parlament m\u00fcssen verhindern, dass der Schweizer Finanzplatz zu einem Discounter f\u00fcr Greenwashing wird.\u00bb<\/p>\n\n<p>Die Umweltorganisation fordert Mindestanforderungen f\u00fcr sogenannt nachhaltige Anlagefonds: Als nachhaltig ausgewiesene Anlagefonds m\u00fcssen in Wirtschaftsaktivit\u00e4ten investiert sein, deren Emissionsabsenkpfad mit den Pariser Klimazielen und einer maximalen Erderw\u00e4rmung von 1.5 Grad vereinbar ist. Nachhaltige Anlageprodukte m\u00fcssen also dazu f\u00fchren, dass in der Realwirtschaft die Emissionen sinken. Die Rahmenbedingungen f\u00fcr einen solchen Standard sind von der Politik zu schaffen, nicht von der Branche selber, weil die Finanzwirtschaft mit Selbstregulierung bislang keine wirkungsvollen L\u00f6sungen erarbeitet hat.&nbsp;<\/p>\n\n<p>\u00abUnser Finanzplatz ist unser gr\u00f6sster Hebel zur weltweiten Reduktion von Emissionen\u00bb, sagt Peter Haberstich. Die Politik muss deshalb schnellstm\u00f6glich daf\u00fcr sorgen, dass der Finanzplatz alle seine Aktivit\u00e4ten auf die Erreichung der Pariser Klimaziele und den Schutz der Biodiversit\u00e4t ausrichtet.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/h2>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/drive.google.com\/drive\/folders\/1m5s2XzmDaiWDEr5NqrOgp4\u3d38oCMmN?usp=sharing\">Dossier zur Medienkonferenz<\/a> vom 21. Juni 2021<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/68943\/sustainability-funds-hardly-direct-capital-towards-sustainability\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/68943\/sustainability-funds-hardly-direct-capital-towards-sustainability\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Download der Studie<\/a> \u00abSustainability Funds Hardly Direct Capital Towards Sustainability\u00bb sowie <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/68943\/sustainability-funds-hardly-direct-capital-towards-sustainability\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Zusammenfassung der Studie auf Deutsch, Franz\u00f6sisch und Englisch<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/so-wird-der-schweizer-finanzplatz-klimafreundlich\/\">So wird der Schweizer Finanzplatz klimafreundlich<\/a> \u2013 Empfehlungen von Greenpeace Schweiz<\/li><\/ul>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kontakte<\/strong>:&nbsp;<\/h2>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Larissa Marti, Expertin Klima und Finanzwirtschaft bei Greenpeace Schweiz: +41 44 447 41 15, <a href=\"mailto:larissa.marti@greenpeace.org\">larissa.marti@greenpeace.org<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/li><li>Peter Haberstich, Projektleiter Klima und Finanzwirtschaft Greenpeace Schweiz: +41 76 337 44 49, <a href=\"mailto:peter.haberstich@greenpeace.org\">peter.haberstich@greenpeace.org<\/a>&nbsp;<\/li><li>Medienstelle Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 11, <a href=\"mailto:pressestelle.ch@greenpeace.org\">pressestelle.ch@greenpeace.org<\/a>&nbsp;<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sogenannt nachhaltigen Anlagefonds gelingt es bislang nicht, wesentlich mehr Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft zu lenken als konventionellen Fonds. 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