{"id":72833,"date":"2021-08-30T16:28:28","date_gmt":"2021-08-30T14:28:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=72833"},"modified":"2022-03-31T17:44:17","modified_gmt":"2022-03-31T15:44:17","slug":"synthetische-pestizide-worum-geht-es-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/72833\/synthetische-pestizide-worum-geht-es-eigentlich\/","title":{"rendered":"Synthetische Pestizide \u2013 worum geht es eigentlich?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><strong>Die Giftstoffe wirken in unserem K\u00f6rper wie Hormone und sind zum Beispiel f\u00fcr ungeborene Kinder sch\u00e4dlich. Warum es also falsch war, die Volksinitiative abzulehnen, erkl\u00e4rt Dr.med. J\u00e9r\u00f4me Tschudi.<\/strong><\/strong><\/p>\n\n<p>Am 13. Juni haben wir dar\u00fcber abgestimmt, ob wir synthetische Pestizide verbieten wollten. Weil es uns gut geht, weil die meisten 90-j\u00e4hrig werden, weil die Beh\u00f6rden immer wiederholen, wie sicher sie sind, haben wir das Verbot abgelehnt. Ja warum nicht? Oder hast du jemals ein Pestizid auf deinem Teller gesehen? Ich auch nicht.<\/p>\n\n<p>Pestizide sieht man im Essen nicht, aber das gilt auch f\u00fcr Covid-19. Das Coronavirus macht krank und kann t\u00f6dlich sein. Also folgen wir den Anweisungen der Beh\u00f6rden. Pestizide t\u00f6ten nicht, wenn man nicht davon trinkt, um sich umzubringen&#8230; Und genau das wurde untersucht, bevor die Gifte auf dem Markt gebracht wurden. Wieviel man maximal davon einnehmen darf, ohne akut schwer krank zu werden. Das Ziel wurde erreicht: niemand wird nach dem Essen sofort krank, und wenn ja, dann waren Bakterien oder Viren im Spiel und nicht Pestizide. Ist unser Essen also sicher?<\/p>\n\n<p>So einfach ist es nicht. Wenn ich mich verliebe, dann wird mein K\u00f6rper mit Hormonen \u00fcberschwemmt. Hormone sind Botenstoffe, die das Zusammenspiel der verschiedenen Organe koordinieren. In unserem Beispiel f\u00fchrt das zu Herzklopfen, Schmetterlingen im Bauch und dem typischen Verhalten von Verliebten. Das kann Folgen haben, wie ein Kind ein Kind. Hormone wirken in kleinsten Dosen von millionstel Gramm.<\/p>\n\n<p>Hier kommen die synthetischen Pestizide ins Spiel. Es gibt sie in der Natur nicht, sie wurden von uns Menschen entwickelt, um sogenannte Sch\u00e4dlinge zu t\u00f6ten. Mehr als die H\u00e4lfte wurden so konstruiert, dass sie wie Hormone wirken. Sie st\u00f6ren damit unsere k\u00f6rpereigenen Hormonsignale und bringen die Steuerung durcheinander.<\/p>\n\n<p>Das kann dazu f\u00fchren, dass die Entwicklung des kindlichen Gehirns gest\u00f6rt wird mit Intelligenzverlust oder Verhaltensst\u00f6rungen wie Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivit\u00e4t (ADHS), Autismus oder psychischen Erkrankungen. Beim ungeborenen Kind kommt es zu Missbildungen.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<p><strong>M\u00f6chtest du dich klimafreundlich ern\u00e4hren? Unser \u00abAll you can eat\u00bb-Poster illustriert den CO2-Score von 500 Lebensmitteln und passt perfekt an deinen K\u00fchlschrank.<\/strong><\/p>\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-secondary\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/all-you-can-eat-poster\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jetzt kostenlos bestellen<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<p>Ganz besonders schlimm sind die Ver\u00e4nderungen des Erbguts und seiner Funktionen, denn diese sind vererbbar und f\u00fchren zu Krankheiten, die nicht nur das Kind selbst betreffen, dessen Mutter die Pestizide eingenommen hat, sondern auch die n\u00e4chsten Generationen. Damit h\u00e4ngt die Zunahme der Zivilisationskrankheiten zusammen wie \u00dcbergewicht, Zuckerkrankheit, Unfruchtbarkeit und nicht zuletzt Krebs. Diese Folgesch\u00e4den treten erst Jahrzehnte sp\u00e4ter auf, wenn der Zusammenhang mit der Einnahme von Pestiziden nicht mehr offensichtlich ist.<\/p>\n\n<p>Wie kann man diese Zusammenh\u00e4nge \u00fcberhaupt nachweisen? In der Kriminalistik sucht man nach DNA-Spuren von T\u00e4ter:innen am Tatort. Die Wirkung von Pestiziden l\u00e4sst sich im Labor am Erbgut menschlicher Zellen untersuchen. Oder man misst im Blut und im Urin von Schwangeren, wieviel Pestizide darin vorhanden sind. Bei tausenden von Schwangeren l\u00e4sst sich so nachweisen, dass diejenigen, die die h\u00f6chsten Konzentrationen aufweisen, auch die Kinder mit den gr\u00f6ssten Gesundheitssch\u00e4den zur Welt bringen. Pestizide werden im Zulassungsverfahren nicht auf ihre Hormonwirkung untersucht.<\/p>\n\n<p>Konventionell mit Pestiziden hergestellte Nahrung enth\u00e4lt immer Spuren davon. \u00dcber die Jahre kommen so bedeutende Mengen in unseren K\u00f6rper, wo sie sich anreichern, weil nicht das ganze Gift wieder ausgeschieden wird. Sie sind an der Zunahme von vorzeitigen Demenzen wie Alzheimer beteiligt.<\/p>\n\n<p>Problematisch ist ausserdem die Langlebigkeit dieser Stoffe. Einmal ausgebracht, werden sie nicht oder nur sehr langsam \u00fcber Jahrzehnte oder l\u00e4nger abgebaut. Man findet sie \u00fcberall: in den B\u00f6den, in der Luft, in Gew\u00e4ssern und auch im Trinkwasser. Je genauer man danach sucht, umso mehr lassen sich davon nachweisen. Schlafmittel und Alkohol verst\u00e4rken sich gegenseitig. Das k\u00f6nnen Pestizide auch. Das nennt sich dann Cocktail-Effekt.<\/p>\n\n<p>Die EU hat erkannt, dass das heutige System zur Zulassung von Pestiziden nicht gen\u00fcgt und strebt eine Totalrevision an. Innert 15 Jahren ist es ihr bisher gelungen, eine Leitlinie zur Identifikation von hormonwirksamen Pestiziden herauszugeben, die noch nicht umgesetzt ist. Die Schweizer Beh\u00f6rden haben eine Studie zum Cocktail-Effekt erstellen lassen. Die Aufgabe ist kolossal und die Totalrevision wird aller Wahrscheinlichkeit nach versanden oder nicht umsetzbar sein.<\/p>\n\n<p>Bis dann werden unsere Beh\u00f6rden weiterhin behaupten, dass die Pestizide vor ihrer Zulassung sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft werden und sicher sind. Zur Bek\u00e4mpfung der beiden Pestizidinitiativen wurden enorme Geldbetr\u00e4ge eingesetzt, weil sich mit Pestiziden auch sehr viel Geld verdienen l\u00e4sst.<\/p>\n\n<p>War die Ablehnung der Pestizidinitiativen also falsch? Aus \u00e4rztlicher Sicht ja. Und dasselbe gilt f\u00fcr den Schutz der Biodiversit\u00e4t und des Klimas. Die Schlacht ist verloren, der Krieg damit noch lange nicht. 40 Prozent der Bev\u00f6lkerung haben die Initiativen unterst\u00fctzt und es werden immer mehr. Bleiben Sie dran.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00e9r\u00f4me Tschudi \u00fcber die Folgen von synthetischen Pestiziden und warum es ein Fehler war, die Volksinitiative abzulehnen. <\/p>\n","protected":false},"author":99,"featured_media":72838,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[33],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-72833","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-ernaehrung","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72833","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/99"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72833"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72833\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72833"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72833"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=72833"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=72833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}