{"id":72841,"date":"2021-09-01T00:30:00","date_gmt":"2021-08-31T22:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=72841"},"modified":"2021-09-01T09:49:27","modified_gmt":"2021-09-01T07:49:27","slug":"greenpeace-aktivistinnen-testen-banken-bezueglich-nachhaltigen-anlegens-finanzplatz-hat-seine-hausaufgaben-nicht-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/72841\/greenpeace-aktivistinnen-testen-banken-bezueglich-nachhaltigen-anlegens-finanzplatz-hat-seine-hausaufgaben-nicht-gemacht\/","title":{"rendered":"Greenpeace-Aktivist:innen testen Banken bez\u00fcglich nachhaltigen Anlegens: Finanzplatz hat seine Hausaufgaben nicht gemacht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie gut beraten Schweizer Banken ihre Kund:innen in Bezug auf nachhaltige Kapitalanlagen? Greenpeace Schweiz f\u00fchrte mithilfe von Greenpeace-Aktivist:innen ein Mystery Shopping durch. Das Fazit: Den Tester:innen wurden Anlageprodukte als klimavertr\u00e4glich empfohlen, die in keiner Weise mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibel sind. Insgesamt ist die Beratungsqualit\u00e4t zu nachhaltigen Kapitalanlagen mangelhaft. Diese Ergebnisse sind ein weiterer Beweis daf\u00fcr, dass der Schweizer Finanzplatz mit \u00abSustainable Finance\u00bb Greenwashing betreibt.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n<p>33 Greenpeace-Aktivist:innen zogen diesen Fr\u00fchling los, um Schweizer Banken und Verm\u00f6gensverwalter zu testen. Sie gaben sich als interessierte Anleger:innen aus und vereinbarten eine Beratung beim Finanzinstitut ihrer Wahl. Das Mystery Shopping verfolgte zwei Ziele: Erstens die Beratungsqualit\u00e4t zu nachhaltigen und insbesondere klimavertr\u00e4glichen Kapitalanlagen bei Banken zu erfassen und zweitens zu bewerten, ob die als klimavertr\u00e4glich beworbenen Anlageprodukte tats\u00e4chlich eine nachhaltige Wirtschaft f\u00f6rdern. Hintergrund der Aktion: J\u00fcngst zeigte eine Studie von Greenpeace Schweiz und Greenpeace Luxemburg, dass es sogenannt nachhaltigen Anlagefonds bislang nicht gelingt, wesentlich mehr Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft zu lenken als konventionellen Fonds. Die Umlenkung von Kapital durch nachhaltige Anlagen ist jedoch ein wichtiger Faktor im Kampf gegen die Klimakrise.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nachhaltigkeit ist in Beratungsgespr\u00e4chen kein Standard-Thema&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n<p>Die Tester:innen f\u00fchrten bei insgesamt 19 verschiedenen Banken (siehe Liste unten) 43 Gespr\u00e4che durch. \u00abDie Qualit\u00e4t der Beratungsgespr\u00e4che bez\u00fcglich nachhaltigen Anlegens ist bei den meisten Finanzinstituten mangelhaft\u00bb, bilanziert Larissa Marti, Expertin f\u00fcr Finanzwirtschaft bei Greenpeace Schweiz. In nur der H\u00e4lfte der Gespr\u00e4che haben die Berater:innen zu Beginn \u00fcberhaupt gefragt, ob Nachhaltigkeit bei der Kapitalanlage wichtig sei. In den anderen F\u00e4llen mussten die Tester:innen aktiv auf ihre Pr\u00e4ferenz hinweisen: Sie w\u00fcnschten alle explizit eine klimavertr\u00e4gliche, also eine mit dem Pariser Klimaabkommen kompatible Anlagel\u00f6sung. Insgesamt wurden den Tester:innen zehn Produkte angeboten, die diesem Wunsch entsprechen sollten. In einer sp\u00e4teren Analyse konnte die Klimavertr\u00e4glichkeit dieser Anlagen aber nicht nachgewiesen werden (siehe weiter unten).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n<p>Weiter verdeutlicht das Mystery Shopping, dass Berater:innen zu wenig \u00fcber nachhaltige Kapitalanlagen wissen, teilweise war ihnen nicht mal das Pariser Klimaabkommen ein Begriff \u2013 obwohl darin die Finanzbranche ganz explizit angesprochen wird. Nicht verwunderlich also, dass sich nach weniger als einem Drittel der Gespr\u00e4che die Tester:innen in der Lage f\u00fchlten, den eigenen Nachhaltigkeitspr\u00e4ferenzen entsprechend Geld anzulegen \u2013 trotz Beratung. Ferner war die Beratungsqualit\u00e4t in rund zwei Dritteln der Gespr\u00e4che nicht ausreichend, damit die Tester:innen nachvollziehen konnten, warum die empfohlenen Produkte nachhaltig, bzw. klimavertr\u00e4glich sein sollten.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sogenannt klimavertr\u00e4gliche Fonds sind nicht Paris-kompatibel&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n<p>Noch mehr Defizite offenbaren die Banken mit ihrem Angebot von sogenannt klimavertr\u00e4glichen Anlageprodukten. Das macht die vertiefte Analyse jener zehn Produkte deutlich, die gem\u00e4ss Aussagen der Tester:innen als klimavertr\u00e4glich empfohlen wurden (siehe Bericht). Um die tats\u00e4chliche Klimavertr\u00e4glichkeit dieser Produkte zu bewerten, wurden die ausgeh\u00e4ndigten Dokumente sowie die frei zug\u00e4nglichen Informationen auf den Websites der Finanzinstitute analysiert.<\/p>\n\n<p>Keines der als klimavertr\u00e4glich empfohlenen Anlageprodukte definiert tats\u00e4chlich die Einhaltung der Pariser Klimaziele f\u00fcr sich als Massstab. \u00abDas ist erschreckend\u00bb, sagt Larissa Marti. \u00abKlimavertr\u00e4glichkeit impliziert die Vereinbarkeit mit dem Pariser Klimaabkommen. Also m\u00fcssen Produkte, die als klimavertr\u00e4glich empfohlen werden, zwingend Paris-kompatibel sein. Ansonsten betreiben die Finanzinstitute Greenwashing.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n<p>Konkret sind die als klimavertr\u00e4glich angebotenen Finanzprodukte nur marginal klimafreundlicher als konventionelle Anlagen. Ferner herrscht eine grosse Intransparenz dar\u00fcber, wie die Portfoliomanager:innen die Anlagestrategien anwenden, um die Nachhaltigkeit der Produkte zu garantieren. Sehr problematisch ist \u00fcberdies, dass bei fast 60 Prozent der als klimavertr\u00e4glich empfohlenen analysierten Fonds die Nachhaltigkeitskriterien nur f\u00fcr einen Teil des Fondsportfolios angewandt werden. Das Risiko ist somit hoch, dass diese Fonds auch in klimasch\u00e4dliche Unternehmen investieren. Kommt hinzu: Gewisse Produktwerbung muss gar als irref\u00fchrend bezeichnet werden, wie die Untersuchung von zwei Produkten der UBS und der Credit Suisse ergab. Diese versprechen eine Klimawirkung, die sie effektiv nicht haben k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nachhaltigkeit: Banken m\u00fcssen Anleger:innen entsprechend beraten&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n<p>Das Mystery Shopping zeigt somit deutlich, dass Paris-kompatibles Anlegen heute kaum m\u00f6glich ist. \u00abDiese Erkenntnis steht im krassen Gegensatz zum Ziel des Schweizer Finanzplatzes, f\u00fchrend im Bereich Sustainable Finance sein zu wollen\u00bb, sagt Peter Haberstich, Projektleiter Klima und Finanzwirtschaft bei Greenpeace Schweiz. \u00abDie Finanzinstitute leisten derzeit mit ihren sogenannt nachhaltigen Kapitalanlagen kaum einen Beitrag, die Realwirtschaft klimavertr\u00e4glich auszugestalten, obwohl das Pariser Klimaabkommen l\u00e4ngst die klimafreundliche Ausrichtung aller Finanzfl\u00fcsse fordert.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n<p>Die Zeit dr\u00e4ngt. Die Klimaerw\u00e4rmung schreitet schneller voran als bislang angenommen und die Treibhausgasemissionen m\u00fcssen sofort und sehr deutlich sinken, das legte vor Kurzem der Weltklimarat dar. \u00abDie Banken m\u00fcssen daher rasch Produkte entwickeln und anbieten, die tats\u00e4chlich Kapital in eine klimavertr\u00e4gliche Wirtschaft umlenken und zur L\u00f6sung der Klimakrise beitragen. Zudem ist es in der Verantwortung der Banken, ihre Berater:innen so zu schulen, dass diese ihre Kund:innen auf die Nachhaltigkeit ihrer Kapitalanlagen ansprechen und daf\u00fcr sorgen k\u00f6nnen, dass immer mehr Geld in eine Paris-kompatible Wirtschaft fliesst\u00bb, sagt Haberstich.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Greenpeace fordert \u00fcberdies, dass Bundesrat und Parlament Mindestanforderungen f\u00fcr sogenannt nachhaltige Kapitalanlagen definieren: Als nachhaltig ausgewiesene Anlagefonds m\u00fcssen in Wirtschaftsaktivit\u00e4ten investiert sein, deren Emissionsabsenkpfad mit den Pariser Klimazielen und einer maximalen Erderw\u00e4rmung von 1,5 Grad vereinbar ist.&nbsp;<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weitere Informationen<\/strong><\/h2>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Bericht \u00abKlima-Mystery-Shopping bei Schweizer Banken\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/72935\/klima-mystery-shopping-bei-schweizer-banken\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutsch und Franz\u00f6sisch<\/a>)<\/li><li>Download der Studie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/68943\/sustainability-funds-hardly-direct-capital-towards-sustainability\/\" target=\"_blank\">\u00abSustainability Funds Hardly Direct Capital Towards Sustainability\u00bb<\/a> sowie der Zusammenfassungen der Studie auf Deutsch, Franz\u00f6sisch und Englisch<\/li><\/ul>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kontakte<\/strong><\/h2>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Larissa Marti, Expertin Klima und Finanzwirtschaft bei Greenpeace Schweiz: +41 44 447 41 15, <a href=\"mailto:larissa.marti@greenpeace.org\">larissa.marti@greenpeace.org<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/li><li>Peter Haberstich, Projektleiter Klima und Finanzwirtschaft Greenpeace Schweiz: +41 76 337 44 49, <a href=\"mailto:peter.haberstich@greenpeace.org\">peter.haberstich@greenpeace.org<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/li><li>Medienstelle Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 11, <a href=\"mailto:pressestelle.ch@greenpeace.org\">pressestelle.ch@greenpeace.org<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Diese 19 Finanzinstitute wurden getestet (alphabetisch geordnet):&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Aargauische Kantonalbank<\/li><li>Alternative Bank Schweiz (ABS)&nbsp;<\/li><li>Bank Avera&nbsp;<\/li><li>Bank BSU<\/li><li>Bank Cler&nbsp;<\/li><li>Basellandschaftliche Kantonalbank&nbsp;<\/li><li>Basler Kantonalbank<\/li><li>Berner Kantonalbank&nbsp;<\/li><li>Credit Suisse&nbsp;<\/li><li>Graub\u00fcndner Kantonalbank<\/li><li>Migros Bank&nbsp;<\/li><li>PostFinance&nbsp;<\/li><li>Raiffeisen&nbsp;<\/li><li>Thurgauer Kantonalbank&nbsp;<\/li><li>UBS&nbsp;<\/li><li>Urner Kantonalbank<\/li><li>Valiant Bank&nbsp;<\/li><li>VZ Verm\u00f6genszentrum<\/li><li>Z\u00fcrcher Kantonalbank&nbsp;<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gut beraten Schweizer Banken ihre Kund:innen in Bezug auf nachhaltige Kapitalanlagen? 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