{"id":7292,"date":"2000-10-02T00:00:00","date_gmt":"2000-10-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/7292\/ein-jahr-danach-jugendliche-erinnern-an-tokaimura\/"},"modified":"2019-05-30T08:01:45","modified_gmt":"2019-05-30T06:01:45","slug":"ein-jahr-danach-jugendliche-erinnern-an-tokaimura","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/7292\/ein-jahr-danach-jugendliche-erinnern-an-tokaimura\/","title":{"rendered":"Ein Jahr danach: Jugendliche erinnern an Tokaimura"},"content":{"rendered":"<p><b>Mit Theaterst\u00fccken, dem Nachspielen von realit\u00e4tsnahen Gau-Szenen, Infost\u00e4nden und der Ausgabe von Jodtabletten an Passanten erinnerten am Samstag Greenpeace-Jugendliche in 13 deutschen St\u00e4dten an den ersten Jahrestag des Atomunfalls in der japanischen Stadt Tokaimura. Unsere Korrespondenten berichten aus Berlin, Schwerin, Hamburg und N\u00fcrnberg.<\/b><\/p>\n<div>\n<p class=\"bodytext\">Hamburg. Berlin-Alexanderplatz. 12 Uhr: 15 Jugendliche von Greenpeace entrollen ein Banner mit der Aufschrift: &#171;Atomunfall in Tokaimura\/Japan &#8211; Wir erinnern uns. Sie sich auch?&#187; Am Infostand sind kleine Atomkraftwerke aus Schokok\u00fcssen und Waffelr\u00f6llchen zur Vernichtung freigegeben.Pl\u00f6tzlich ert\u00f6nt eine Sirene. In der Menschenmenge beginnen einige, sich zu kr\u00fcmmen, zu husten und zu r\u00f6cheln. Schlie\u00dflich liegen sie regungslos auf dem Boden. Viele Menschen beugen sich besorgt \u00fcber die &#171;Toten&#187; und wollen Erste Hilfe leisten. Da erscheinen Gestalten in wei\u00dfen Schutzanz\u00fcgen, mit Schutzhelmen und Gasmasken. Sie sperren das Gebiet ab, umranden die Opfer mit Kreide, bedecken sie mit Planen und tragen sie weg.Die Sirene verstummt, aus einem Megaphon ert\u00f6nt folgende Durchsage: &#171;Heute vor einem Jahr, am 30. 9. 1999,ereignete sich in der japanischen Atomanlage in Tokaimura ein Unfall. Es war der drittschwerste Atomunfall nach Harrisburg und Tschernobyl. Die zwei Arbeiter, die den Unfall ausl\u00f6sten, sind inzwischen an den Folgen der enormen Verstrahlung gestorben. Der Unfall in Tokaimura hat gezeigt, dass es auch in sogenannten westlichen Atomanlagen jederzeit zu einem Unfall kommen kann. Also auch bei uns! Wir fordern deshalb den sofortigen Ausstieg aus der risikoreichen Atomenergie. Weltweit.&#187; Die Jugendlichen verteilen Katastrophenschutz-Merkbl\u00e4tter und Jod-Tabletten gegen Krebs. Die Absperrung wird wieder aufgel\u00f6st. Die Menschen gehen weiter &#8211; erheitert, beeindruckt oder nachdenklich. Der &#171;Unfall&#187; wiederholt sich an diesem Nachmittag noch zweimal&#8230;Schwerin. &#171;Ich weiss nicht, ob wir soviel erreicht haben: Ich hatte mehr Interesse und Fragen erwartet&#187;. Tanja Buchheister (15) aus Schwerin steht mit einem gro\u00dfen Banner in der Schweriner Innenstadt. Zwei der acht jugendlichen Greenpeacer liegen vor dem Banner auf dem Boden: Sie symbolisieren die beiden japanischen Arbeiter der Brennelementefabrik in Tokaimura, die nach wochenlangen Leiden an den Folgen der Verstrahlung starben. Wer auf dem aufgestellten Traueraltar Kerzen f\u00fcr die beiden Toten aufstellte, bekam eine schwarze Rose \u00fcberreicht. &#171;Auf dem Boden zu liegen und Atomtote zu spielen, ist ziemlich unheimlich&#187;, sagt Sophie Kirschke (14), &#171;und dann haben mich die trotzigen Reaktionen der Leute \u00fcberrascht. Die dachten wohl, das sind blo\u00df Jugendliche, die m\u00fcssen wir nicht ernst nehmen&#187;.Hamburg. 10:45 Uhr: Der Trauermarsch in Altona besteht aus etwa 30 Jugendlichen, jeder mit einem Atomzeichen auf der schwarzen Kleidung. Zwei Trommler geben den Takt vor. Auf dem 3-Meter-Banner \u00fcber ihren K\u00f6pfen steht &#171;30.9.99 &#8211; Atomunfall in Tokaimura &#8211; und was bringt die Zunkunft?&#187; &#171;Ich finde , dass man immer wieder an solch Unf\u00e4lle erinnern sollte, weil so etwas viel zu schnell vergessen wird,&#187; findet die 15-J\u00e4hrige Jana Westermann, &#171;manche Leute machen sich noch nicht mal jetzt die M\u00fche, zu gucken, gegen was wir demonstrieren&#187;. Einige Passanten bringt es sogar in Rage, dass der Trauerzug die Stra\u00dfe verstopft. Nur die wenigsten fragen nach einem Flugblatt. Trotzdem sind die 300 Flugbl\u00e4tter nach der H\u00e4lfte des Weges alle, was f\u00fcr die gro\u00dfe Motivation der jugendlichen Greenpeacer spricht. &#171;Die Demo war f\u00fcr uns ein Erfolg &#8211; etwas nachdenklich sind die Leute schon geworden. Beim n\u00e4chsten Mal h\u00e4tten wir nur noch gerne die Presse dabei&#187;, sind sich die Demonstranten einig.N\u00fcrnberg. Der gro\u00dfe Blickfang in N\u00fcrnbergs Innenstadt ist ein zwei Tonnen schwerer Dinosaurier aus rostigem Metall-Schrott: Als Symbol f\u00fcr die Tr\u00e4gheit der deutschen Atompolitik illustriert er die Greenpeace-Forderung nach Verschrottung aller Atomanlagen. \u00dcber 20 Jugendliche aus N\u00fcrnberg und Augsburg zogen mit dem Dinosaurier durch die Innenstadt, rollten Eisenf\u00e4sser vor sich her und spielten &#8211; maskiert mit Gasmasken &#8211; Theaterszenen mit Tanzeinlagen. Auf diese Weise konfrontierten sie die verbl\u00fcfften Passanten, die sich auf dem N\u00fcrnberger Stadtfest vergn\u00fcgten, mit den Gefahren von Atomanlagen und zeigten: Jugendliche nehmen Anteil am politischen Geschehen und Meinungs\u00e4u\u00dferung kann auch bei ernsten Themen Spass machen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Theaterst\u00fccken, dem Nachspielen von realit\u00e4tsnahen Gau-Szenen, Infost\u00e4nden und der Ausgabe von Jodtabletten an Passanten erinnerten am Samstag Greenpeace-Jugendliche in 13 deutschen St\u00e4dten an den ersten Jahrestag des Atomunfalls in&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[42],"p4-page-type":[71],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-7292","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unkategorisiert","tag-energie","p4-page-type-medienmitteilung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7292","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7292"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7292\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7292"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7292"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7292"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=7292"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=7292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}