{"id":7402,"date":"1999-10-06T00:00:00","date_gmt":"1999-10-05T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/7402\/tokaimura-mehr-menschen-verstrahlt-als-von-regierung-angegeben\/"},"modified":"2019-05-30T08:04:48","modified_gmt":"2019-05-30T06:04:48","slug":"tokaimura-mehr-menschen-verstrahlt-als-von-regierung-angegeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/7402\/tokaimura-mehr-menschen-verstrahlt-als-von-regierung-angegeben\/","title":{"rendered":"Tokaimura: Mehr Menschen verstrahlt als von Regierung angegeben"},"content":{"rendered":"<p><b>Bei dem Atomunfall im japanischen Tokaimura waren wesentlich mehr Menschen gef\u00e4hrlicher Strahlung ausgesetzt, als die offiziell genannten 49 Personen, die sich w\u00e4hrend des Ungl\u00fccks innerhalb der Atomanlage aufhielten. Ursachen sind eine sehr hohe Neutronenstrahlung auch ausserhalb der Anlage und die nur schleppend angelaufene Evakuierung der Bev\u00f6lkerung. Das ist das Ergebnis von Untersuchungen, die Greenpeace nach dem Ungl\u00fcck vor Ort durchgef\u00fchrt hat. W\u00e4hrend der unkontrollierten Kettenreaktion betrug die Strahlendosis im Umkreis von 175 Metern, also deutlich \u00fcber das Gel\u00e4nde der Atomanlage hinaus, noch durchschnittlich ein Millisievert pro Stunde. Ein Vielfaches des in Deutschland g\u00fcltigen Grenzwertes: Hier zu Lande darf die Strahlungsbelastung durch Atomanlagen f\u00fcr ein ganzes Jahr bei maximal 0,3 Millisievert liegen.<\/b><\/p>\n<div>\n<p class=\"bodytext\">Tokio\/Hamburg. Obwohl schon nach den ersten zehn Minuten des Unfalls klar war, dass eine unkontrollierte Kettenreaktion stattfindet, bei der grosse Mengen Neutronenstrahlung frei werden, warteten die Beh\u00f6rden noch fast f\u00fcnf Stunden mit der Evakuierung, sagt Greenpeace-Energieexperte Jan Rispens in Tokio. &#171;Schwer zu verstehen, warum dabei nur Personen innerhalb der Anlage Strahlung abbekommen haben sollen, da die Atomfabrik direkt an ein Wohngebiet grenzt. M\u00f6glicherweise wurden ausserhalb der Anlage noch \u00fcber 100 Menschen viel zu hohen Strahlendosen ausgesetzt.&#187;Weder der Betreiber der Anlage, die Firma JCO, noch die japanischen Beh\u00f6rden haben in den ersten sechseinhalb Stunden nach dem Unfall \u00fcberhaupt Neutronenmessger\u00e4te eingesetzt. Um die volle Strahlendosis unmittelbar nach dem Unfall festzustellen, untersuchte das Greenpeace-Team Kochsalz aus den H\u00e4usern der Anwohner. Wenn normales Salz von Neutronen bombardiert wird, entsteht Natrium 24. Die Menge dieses Stoffes im Kochsalz gab Aufschluss \u00fcber die Strahlenintensit\u00e4t direkt nach den Unfall.Neutronenstrahlung ist eine der gef\u00e4hrlichsten Strahlungsarten \u00fcberhaupt, vor der auch H\u00e4user keinen Schutz bieten. Die Menschen, die vom Zeitpunkt des Ungl\u00fccks bis zur Evakuierung in der n\u00e4heren Umgebung der Atomfabrik waren, m\u00fcssen einer Strahlendosis von etwa f\u00fcnf Millisievert ausgesetzt gewesen sein. Prof. Dr. Wolfgang Koehnlein, Mitglied der deutschen Strahlenschutzkommission: &#171;F\u00fcnf Millisievert ist eine erhebliche Dosis. Dabei ist noch zu ber\u00fccksichtigen, dass nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen besonders die biologische Wirkung der Neutronenstrahlung bisher untersch\u00e4tzt wurde und die tats\u00e4chlich wirksame Neutronendosis in Tokaimura zweifellos noch h\u00f6her lag. Es ist daher zu bef\u00fcrchten, dass der Unfall bei den Menschen Langzeitschaeden zur Folge hat&#187;.Neben der Neutronenstrahlung fand das Greenpeace-Team auch die radioaktiven Stoffe Jod-131 und Jod-133 auf Pflanzen in unmittelbarer Umgebung der Anlage. Das zeigt, dass bei dem Unfall nicht nur Strahlung frei wurde, sondern auch radioaktive Stoffe, die sich im Boden und an Pflanzen abgelagert haben. Weitere Stoffe konnten bislang nicht nachgewiesen werden.&#187;Die Betroffenen m\u00fcssen wie Strahlenarbeiter von Atomanlagen behandelt werden&#187;, fordert Rispens. &#171;Die Menschen brauchen eine langfristige medizinische Aufsicht und m\u00fcssen betreut werden.&#187; Rispens weiter: &#171;Der Unfall in Japan zeigt, dass die Atomtechnik auch in hochtechnisierten L\u00e4ndern unkontrollierbar ist. Die Realit\u00e4t hat die Ausstiegsdiskussion in Deutschland eingeholt. Das Schachern und Gefeilsche um Restlaufzeiten muss ein Ende haben und der Einstieg in eine umweltfreundliche Energieversorgung endlich beginnen&#187;.<\/p>\n<p><strong>Kontakt:<\/strong><\/p>\n<p>Greenpeace Atomkampagne<\/p>\n<p>Stefan F\u00fcglister 01\/ 447 41 24<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dem Atomunfall im japanischen Tokaimura waren wesentlich mehr Menschen gef\u00e4hrlicher Strahlung ausgesetzt, als die offiziell genannten 49 Personen, die sich w\u00e4hrend des Ungl\u00fccks innerhalb der Atomanlage aufhielten. 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