{"id":7522,"date":"1998-09-15T00:00:00","date_gmt":"1998-09-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/7522\/verbraucherverbaende-aerztevereinigungen-und-greenpeace-fordern-anbau-und-vermarktungsstop-fuer-gentechnisch-veraenderten-mais\/"},"modified":"2019-05-30T08:08:05","modified_gmt":"2019-05-30T06:08:05","slug":"verbraucherverbaende-aerztevereinigungen-und-greenpeace-fordern-anbau-und-vermarktungsstop-fuer-gentechnisch-veraenderten-mais","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/7522\/verbraucherverbaende-aerztevereinigungen-und-greenpeace-fordern-anbau-und-vermarktungsstop-fuer-gentechnisch-veraenderten-mais\/","title":{"rendered":"Verbraucherverb\u00e4nde, \u00c4rztevereinigungen und Greenpeace fordern Anbau- und Vermarktungsstop f\u00fcr gentechnisch ver\u00e4nderten Mais"},"content":{"rendered":"<p><b>Mit einem offenen Brief haben heute mehrere Verbraucher-, \u00c4rzte- und Umweltverb\u00e4nde das Schweizer Chemieunternehmen Novartis aufgefordert, die weitere Vermarktung von Genmais einzustellen. In dem offenen Brief hei\u00dft es: \u00abAntibiotika-Resistenzgene in gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen sind eine vermeidbare Gesundheitsgefahr. Deswegen fordern wir Novartis auf, freiwillig auf den Einsatz von Antibiotika-Resistenzgenen zu verzichten und den bereits in Europa angebauten gentechnisch ver\u00e4nderten Mais zur\u00fcckzuziehen.\u00bb<\/b><\/p>\n<div>\n<p class=\"bodytext\">Hamburg\/Mainz\/Bremen. Novartis hat in diesem<br \/>\nJahr gentechnisch ver\u00e4ndertes Saatgut f\u00fcr den Anbau von 350 Hektar<br \/>\nMais an deutsche Landwirte verteilt. F\u00fcr die Verwendung des Maises<br \/>\ngibt es keinerlei Beschr\u00e4nkungen. Die Bauern k\u00f6nnen selbst dar\u00fcber<br \/>\nentscheiden, ob sie ihre Ernte als K\u00f6rner- oder Futtermais<br \/>\nverkaufen oder auf dem eigenen Hof an ihr Vieh verf\u00fcttern. Ob zu<br \/>\nViehfutter, St\u00e4rke oder Gries verarbeitet: \u00fcber Fleisch- oder<br \/>\nMilchprodukte oder in Form von Cornflakes und Polenta gelangt der<br \/>\nGenmais in unser Essen. Dem Novartis-Mais wurde nur zu Laborzwecken<br \/>\nein Antibiotika-Resistenz-Gen eingebaut. Auf dem Acker oder im<br \/>\nMagen-Darm-Trakt von Menschen und Tieren kann dieses Gen von<br \/>\nBakterien aufgenommen werden. Gef\u00e4hrliche Krankheitserreger k\u00f6nnten<br \/>\ndann mit gebr\u00e4uchlichen Antibiotika nicht mehr wirksam bek\u00e4mpft<br \/>\nwerden. \u00abLandwirte und Lebensmittelproduzenten sollten darauf<br \/>\nverzichten, Genmais von Novartis einzusetzen, um m\u00f6gliche<br \/>\nGesundheitsrisiken zu vermeiden\u00bb, sagt die Sprecherin der<br \/>\nVerbraucherzentralen, Ulrike von der L\u00fche.\u00abDie Gesundheitsrisiken<br \/>\nsind nicht absch\u00e4tzbar. Die EU-Kommission sollte die Zulassung f\u00fcr<br \/>\ndiesen Genmais deshalb zur\u00fccknehmen\u00bb, fordert Ernst-Michael Epstein<br \/>\nvon der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverb\u00e4nde (AgV) in Bonn.<br \/>\nDie Antibiotika, gegen die der Novartis-Mais resistent gemacht<br \/>\nwurde, werden bei h\u00e4ufig auftretenden Infektionskrankheiten wie<br \/>\nLungen- und Gehirnhautentz\u00fcndungen, Keuchhusten, Scharlach oder<br \/>\nTyphus verordnet. Allein 1996 wurden in Deutschland zw\u00f6lf Millionen<br \/>\nVerschreibungen ausgestellt. Mediziner warnen schon heute vor der<br \/>\nzunehmenden Verbreitung resistenter Krankheitserreger, bei denen<br \/>\n\u00fcbliche Antibiotika versagen. \u00abEs grenzt an Zynismus und zeugt von<br \/>\nbeispielloser Arroganz, wenn die gleichen Firmen, die Antibiotika<br \/>\nherstellen und vor unkontrollierter Anwendung warnen, Resistenzgene<br \/>\nals Marker in Saatgut einsetzen\u00bb, sagt Dr. Alexander Mauckner vom<br \/>\n\u00d6kologischen \u00c4rztebund in Bremen. \u00abAngesichts der bisher schon kaum<br \/>\nabsch\u00e4tzbaren Risiken der gentechnischen Nahrung birgt die<br \/>\nAntibiotikaresistenz zus\u00e4tzlich nicht tolerierbare<br \/>\nGefahrenpotentiale.\u00bb Bereits vor einer Woche hatte sich der<br \/>\nPr\u00e4sident der Berliner \u00c4rztekammer, Dr. Ellis Huber, f\u00fcr ein Verbot<br \/>\nvon gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen ausgesprochen, die<br \/>\nAntibiotika-Resistenzgene enthalten. \u00d6sterreich und Luxemburg haben<br \/>\nein Importverbot f\u00fcr den Novartis-Mais verh\u00e4ngt. Auch andere<br \/>\nEU-Mitgliedsstaaten wie das eher gentechnikfreundliche England<br \/>\nhatten sich gegen die Zulassung gesperrt. \u00abDer<br \/>\ngesundheitsgef\u00e4hrdende Genmais geh\u00f6rt weder auf den Acker noch auf<br \/>\nden Teller\u00bb sagt Jan van Aken, Gentechnik-Experte bei Greenpeace.<br \/>\nOffener Brief an die Novartis AG Wir &#8211; die unterzeichnenden<br \/>\nOrganisationen &#8211; fordern die Novartis AG auf, die Vermarktung und<br \/>\nVermehrung der bereits in Europa angebauten gentechnisch<br \/>\nver\u00e4nderten Maislinie zu stoppen. Mit diesem Mais bringt Novartis<br \/>\nResistenzgene f\u00fcr therapeutisch wirksame Antibiotika in Umlauf. Die<br \/>\nVerbreitung dieser Resistenzgene erh\u00f6ht das Gesundheitsrisiko durch<br \/>\nKrankheitserreger, die nicht mehr mit diesen Antibiotika bek\u00e4mpft<br \/>\nwerden k\u00f6nnen. Das Vorsorgeprinzip verlangt, jedwede m\u00f6gliche<br \/>\nGefahr f\u00fcr die Gesundheit zu vermeiden. Krankheitserreger, die<br \/>\ngegen Antibiotika resistent sind, bereiten schon heute gro\u00dfe<br \/>\nProbleme bei der Bek\u00e4mpfung von Infektionskrankheiten. Eigentlich<br \/>\nharmlose Infektionen k\u00f6nnen zur Lebensgefahr f\u00fcr Mensch und Tier<br \/>\nwerden, wenn Antibiotika nicht mehr wirken. Die Ursachen f\u00fcr die<br \/>\nstarke Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien sind zum einem<br \/>\nder z.T. unsachgem\u00e4\u00dfe Einsatz von Antibiotika als Medikament in der<br \/>\nHuman- und Tiermedizin. Antibiotika werden zu h\u00e4ufig verschrieben<br \/>\nund oftmals vom Patienten nicht \u00fcber einen ausreichend langen<br \/>\nZeitraum eingenommen. Zum anderen werden Antibiotika in der<br \/>\nTierzucht als Leistungsf\u00f6rderer verf\u00fcttert. Der st\u00e4ndige Kontakt<br \/>\nvon Bakterien mit diesen Antibiotika im Darm der Tiere f\u00fchrt zu<br \/>\neiner Selektion derjenigen Bakterien, die gegen das Antibiotikum<br \/>\nresistent sind. Beides sind Gr\u00fcnde f\u00fcr die z.T. brisante Situation<br \/>\nin Krankenh\u00e4usern. Angesichts dieser Situation ist es<br \/>\nunverantwortlich, jetzt auch noch die Gene f\u00fcr eine<br \/>\nAntibiotikaresistenz bewu\u00dft und massenhaft in die Natur<br \/>\nauszubringen. Die gentechnisch ver\u00e4nderte Maislinie CG 00256-176<br \/>\naus Ihrem Hause enth\u00e4lt ein Resistenzgen gegen das Antibiotikum<br \/>\nAmpicillin. Das Resistenzgen bewirkt zus\u00e4tzlich Resistenzen<br \/>\ngegen\u00fcber einer Reihe verwandter Penicilline wie Amoxicillin,<br \/>\nPropicillin, Penicillin V und Penicillin G. In vielen<br \/>\nKrankheitsf\u00e4llen sind diese Antibiotika die Mittel der Wahl. Viele<br \/>\nGentechnikbef\u00fcrworter argumentieren, die Ampicillin-Resistenzgene<br \/>\nim genver\u00e4nderten Mais von Novartis w\u00e4ren kein Problem, weil<br \/>\nsowieso schon so viele Bakterien gegen Ampicillin resistent sind.<br \/>\nRichtig ist aber, da\u00df viele Krankheitserreger nicht resistent sind<br \/>\nund auch heute noch sehr effektiv mit Ampicillin und verwandten<br \/>\nAntibiotika bek\u00e4mpft werden k\u00f6nnen. Das zeigt allein die Tatsache,<br \/>\nda\u00df noch 1996 in Deutschland Ampicillin, Amoxicillin, Propicillin,<br \/>\nPenicillin V und Penicillin G. fast 12 Mio. mal verschrieben<br \/>\nwurden. Mit dem Anbau und der Verarbeitung Ihrer gentechnisch<br \/>\nver\u00e4nderten Maislinie zu Futter- und Lebensmitteln werden<br \/>\nMilliarden Resistenzgene in die Umwelt freigesetzt. Das Risiko<br \/>\neiner \u00dcbertragung der Gene auf krankheitserregende Bakterien kann<br \/>\nniemand ausschlie\u00dfen. Vielmehr zeigen wissenschaftliche<br \/>\nUntersuchun-gen, da\u00df ein Gentransfer von Pflanzenmaterial auf<br \/>\nBakterien im Tier- oder Menschendarm sowie im Boden prinzipiell<br \/>\nm\u00f6glich ist. Die von Novartis gemachte Aussage, da\u00df ein Gentransfer<br \/>\nextrem unwahrscheinlich sei, l\u00e4\u00dft sich nicht wissenschaftlich<br \/>\nbelegen. Antibiotika-Resistenzgene in gentechnisch ver\u00e4nderten<br \/>\nPflanzen sind eine vermeidbare Gesundheitsgefahr. Deswegen fordern<br \/>\nwir Novartis auf, freiwillig auf den Einsatz von<br \/>\nAntibiotika-Resistenzgenen zu verzichten und den bereits in Europa<br \/>\nangebauten gentechnisch ver\u00e4nderten Mais zur\u00fcckzuziehen.<br \/>\nUnterzeichnende Organisationen AgV &#8211; Arbeitsgemeinschaft der<br \/>\nVerbraucherverb\u00e4nde; IGUMED &#8211; Interdisziplin\u00e4re Gesellschaft f\u00fcr<br \/>\nUmweltmedizin e.V.; \u00d6kologischer \u00c4rztebund<br \/>\ne.V.;Verbraucherzentralen Baden-W\u00fcrttemberg, Berlin, Brandenburg,<br \/>\nBremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen,<br \/>\nNordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen,<br \/>\nSachsen-Anhalt und Th\u00fcringen; Greenpeace.<\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/\" title=\"\u00d6ffnet einen externen Link in einem neuen Fenster\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.greenpeace.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem offenen Brief haben heute mehrere Verbraucher-, \u00c4rzte- und Umweltverb\u00e4nde das Schweizer Chemieunternehmen Novartis aufgefordert, die weitere Vermarktung von Genmais einzustellen. 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