{"id":7568,"date":"1998-06-22T00:00:00","date_gmt":"1998-06-21T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/7568\/wiederaufarbeitung-von-atommuell-betroffene-aus-england-und-frankreich-reichen-klage-ein\/"},"modified":"2019-05-30T08:09:21","modified_gmt":"2019-05-30T06:09:21","slug":"wiederaufarbeitung-von-atommuell-betroffene-aus-england-und-frankreich-reichen-klage-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/7568\/wiederaufarbeitung-von-atommuell-betroffene-aus-england-und-frankreich-reichen-klage-ein\/","title":{"rendered":"Wiederaufarbeitung von Atomm\u00fcll: Betroffene aus England und Frankreich reichen Klage ein"},"content":{"rendered":"<p><b>Einwohner und Einwohnerinnen aus der Umgebung der Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague haben bei der Bundesanwaltschaft Sammelstrafanzeigen gegen die Verantwortlichen der Schweizer Atomindustrie einreichen lassen. Zu den Kl\u00e4gern geh\u00f6rt der B\u00fcrgermeister von Gr\u00e9ville-Hague, sowie ein berufsbedingt an Krebs erkrankter ehemaliger Mitarbeiter der Wiederaufarbeitungsfirma Cog\u00e9ma. Die Betroffenen und ihr Rechtsvertreter informierten heute an einer Pressekonferenz in Bern.<\/b><\/p>\n<div>\n<p class=\"bodytext\"><span class=\"text\">Bern. Acht Personen aus Frankreich und zwei Personen aus England, alle in der Umgebung der Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und Sellafield wohnend, haben bis am 22. Juni eine Strafklage gegen die Verantwortlichen der Schweizer Atomindustrie und des Bundesamtes f\u00fcr Energie (BfE) bei der Bundesanwaltschaft eingereicht. Den Angeschuldigten wird vorgeworfen die gesundheitsgef\u00e4hrdenden radioaktiven Abgaben bei der Wiederaufarbeitung und bei den daf\u00fcr notwendigen Transporten bewusst in Kauf genommen zu haben. Nach schweizerischem Recht ist die Sch\u00e4digung der Gesundheit durch ionisierende Strahlung strafbar, erl\u00e4uterte Rainer Weibel, F\u00fcrsprecher und rechtlicher Vertreter der Kl\u00e4gerInnen. &#171;Gem\u00e4ss Artikel 36 des Atomgesetzes sind Teilnahmehandlungen von Schweizern an einer strafbaren Auslandtat strafbar, selbst wenn dies in einem andern Land nicht geahndet wird&#187;, sagte Weibel weiter. Greenpeace hatte bereits im November vergangenen Jahres eine entsprechende Strafanzeige eingereicht. In einer Aussprache zwischen Greenpeace und der Bundesanwaltschaft hatte Bundesanw\u00e4ltin Carla del Ponte die Verf\u00fcgung eines strafprozessualen Transportverbots in Aussicht gestellt. Martin Forwood, Kl\u00e4ger aus Broughton bei Sellafield, informierte \u00fcber die Situation in Cumbrien. Neueste Messungen von Greenpeace zeigten, dass die Irische See in der Umgebung der Abflussrohre von Sellafield als atomare M\u00fcllhalde bezeichnet werden m\u00fcsse. Dadurch seien auch Mensch und Tier einer massiven Gesundheitsgef\u00e4hrdung ausgesetzt. &#171;In Seascale \u2013 direkt neben der Wiederaufarbeitungsanlage gelegen \u2013 erkranken vierzehn mal mehr Kinder an Leuk\u00e4mie, als im Landesdurchschnitt&#187;, f\u00fchrte Forwood aus und die Fauna sei massiv verstrahlt. &#171;Tauben und Seev\u00f6gel in der Umgebung zeigen Strahlenwerte wie radioaktiver Atomm\u00fcll, die Sellafield-Betreiberfirma BNFL hat deshalb den Abschuss von 1500 Tauben angeordnet und vor deren Verzehr gewarnt. Die Grenzwerte in Meerestieren sind ebenfalls massiv \u00fcberschritten&#187;, erkl\u00e4rte Forwood weiter. Nicht anders pr\u00e4sentiert sich die Situation um die Anlage in La Hague in der Normandie. In einer live zugeschalteten Video Pressekonferenz aus Cherbourg forderten die Kl\u00e4ger \u2013 unter ihnen der B\u00fcrgermeister von Gr\u00e9ville-Hague und ein berufsbedingt erkrankter, ehemaliger Arbeiter der Wiederaufarbeitungsfirma Cog\u00e9ma \u2013 dass sich die Schweiz selbst um ihren Atomm\u00fcll k\u00fcmmern solle. Die Bev\u00f6lkerung um La Hague lebe seit Jahren in der Ungewissheit, die Cog\u00e9ma informiere falsch oder gar nicht, wie der j\u00fcngste Skandal um die Atomtransporte beweise. &#171;Landwirtschaftliche Produkte mit der Herkunftsbezeichnung \u2018La Hague&#8216; k\u00f6nnen heute nicht mehr verkauft werden&#187;, sagte ein betroffener Landwirt. Stefan F\u00fcglister, Koordinator der Atomkampagne bei Greenpeace Schweiz, kritisierte Bundesrat Leuenbergers Position in der Wiederaufarbeitungsdebatte. Gem\u00e4ss seinem Votum in der Debatte zum Gesch\u00e4ftsbericht des Bundesrates vom 9. Juni dieses Jahres meinte er, der Bund w\u00fcrde bei einem beh\u00f6rdlichen Stopp der Wiederaufarbeitung schadenersatzpflichtig. Damit ignoriere Bundesrat Leuenberger den Grundsatz, dass das Recht auf Gesundheit und k\u00f6rperliche Unversehrtheit des Individuums klar \u00fcber finanziellen Aspekten stehe. Ausserdem sei ein beh\u00f6rdlich angeordnetes Verbot juristisch nie abgekl\u00e4rt worden. F\u00fcglister: &#171;Greenpeace wird weiter am sofortigen Ausstieg aus der Wiederaufarbeitung arbeiten und weitere Atomtransporte ins Ausland verhindern&#187;.<\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"text\"><strong>Kontakt:<\/strong><br \/> Stefan F\u00fcglister, Koordinator der Atomkampagne 044 447 41 41<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einwohner und Einwohnerinnen aus der Umgebung der Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague haben bei der Bundesanwaltschaft Sammelstrafanzeigen gegen die Verantwortlichen der Schweizer Atomindustrie einreichen lassen. 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