{"id":80353,"date":"2022-01-31T15:29:47","date_gmt":"2022-01-31T14:29:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=80353"},"modified":"2022-01-31T15:30:44","modified_gmt":"2022-01-31T14:30:44","slug":"mit-kuenstlicher-intelligenz-zu-mehr-tierwohl-in-der-aquakultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/80353\/mit-kuenstlicher-intelligenz-zu-mehr-tierwohl-in-der-aquakultur\/","title":{"rendered":"Mit K\u00fcnstlicher Intelligenz zu mehr Tierwohl in der Aquakultur"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf der obersten der acht Etagen ist viel los. Manche der G\u00e4ste scheinen rastlos nach einem besseren Platz zu suchen. Andere beobachten das Geschehen, als w\u00e4re ihnen der Trubel egal. In den Stockwerken darunter finden sich die gem\u00fctlichen Gesellen ein. Jene, die weniger neugierig sind. Die nicht permanent gen Himmel streben.<\/p>\n\n<p>Plopp-plopp-plopp. Plopp-plopp-plopp. Als es pl\u00f6tzlich zu regnen beginnt, schwirren viele Hochhausbewohner nach oben. Wissend, was sie dort erwartet. Ihre Facettenaugen fixieren die herabsinkenden Futterhappen. Nicht alle kommen rechtzeitig. Wer zu sp\u00e4t ist, dreht wieder ab. Mit ihren zehn Vorderbeinen treten sie das Wasser, als g\u00e4be es kein Morgen.<\/p>\n\n<p>Willkommen im Milliardenbusiness Aquakultur. Sauberes Wasser, hochwertiges Futter und eine gute Haltung allein reichen l\u00e4ngst nicht mehr aus, um am Markt zu bestehen. Stattdessen geht es immer h\u00e4ufiger um Kamerasysteme mit K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI), um Weiterbildungen mit VR-Brille sowie Kooperationen mit f\u00fchrenden Forschungsunternehmen und ambitionierten Start-ups \u2013 zum Wohle der Tiere.  <\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/16f7fa26-210912__em_4156_hires-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80362\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/16f7fa26-210912__em_4156_hires-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/16f7fa26-210912__em_4156_hires-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/16f7fa26-210912__em_4156_hires-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/16f7fa26-210912__em_4156_hires-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/16f7fa26-210912__em_4156_hires-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/16f7fa26-210912__em_4156_hires-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Garnelen im Becken.<div class=\"credit icon-left\"> \u00a9 Evgeny Makarov<\/div><\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verw\u00f6hnte Tiere<\/h2>\n\n<p>Wenn Kilian Landsch an seinen Arbeitsplatz geht, ist Imagination gefragt, um hier eine der innovativsten Garnelenzuchtanlagen Deutschlands zu erkennen. Keine Geb\u00e4ude mit riesigen Glasfronten, keine Parkpl\u00e4tze mit E-Lades\u00e4ulen, keine Aneinanderreihung von hippen Caf\u00e9s f\u00fcr Elevator-Pitches in der Mittagspause. Auf dem schmucklosen Gel\u00e4nde des B\u00fclker Kl\u00e4rwerks n\u00f6rdlich von Kiel passiert Landsch einen Deich mit gut einem Dutzend Rauhwolliger Pommerscher Landschafe. Ein paar M\u00f6wen kreisen am Himmel und drehen Richtung Kieler F\u00f6rde ab. Landsch steuert auf eine flache, olivgr\u00fcne Halle zu. Das Moos am Ansatz der Regenrinnen l\u00e4sst erahnen, dass das Geb\u00e4ude hier schon eine Weile steht.<\/p>\n\n<p>Noch bevor Landsch seine schwarzen Arbeitsschuhe in einer Wanne mit durchsichtiger L\u00f6sung desinfiziert, kommentieren Fotograf und Reporter den dominanten Meeresgeruch (salzig, etwas fischig, irgendwie nach Hafen), der sofort in alle Poren kriecht. Kurz darauf steigen die anderen Sinne ein: Wo sind wir hier? Auf einem Rave in einem Berliner Keller, in dem die Klimaanlage verr\u00fccktspielt? Bei 27 Grad und 85 Prozent Luftfeuchtigkeit beschlagen dem Fotografen umgehend die Linsen seiner Kamera. Das Licht kommt vor allem von blauen LEDs. Das entspreche der nat\u00fcrlichen F\u00e4rbung des Ozeans und sei optimal f\u00fcr die Tiere, wird Landsch sp\u00e4ter sagen. Tats\u00e4chlich lie\u00df das dreik\u00f6pfige Team der \u00abF\u00f6rde Garnelen\u00bb, bestehend aus Kilian Landsch, Bert Wecker und Luba \u0160ov\u010d\u00edkov\u00e1, wissenschaftlich untersuchen, welche Farbtemperatur den Garnelen am besten passt.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80365\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/47653055-210912__em_4284_hires-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Kilian Landsch, Mitarbeiter bei F\u00f6rde Garnelen. \u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Bevor sie jedoch unter Blaulicht reifen, verbringen die Larven, die beim Einkauf aus Nordamerika zw\u00f6lf Tage alt sind, vier Wochen in speziellen Quarant\u00e4nebecken. Anschlie\u00dfend wachsen sie knapp vier Monate in verschiedenen Becken heran, ehe sie \u2013 im Schnitt 25 Gramm schwer \u2013 ausschlie\u00dflich auf Bestellung abgefischt werden. Innerhalb von 24 Stunden sind sie bei den K\u00e4ufer:innen. Einzelkund:innen, Restaurants, gro\u00dfe Handelsketten.<\/p>\n\n<p>Um den Abnehmer:innen die optimale Qualit\u00e4t zu liefern, werden die Tiere von vorn bis hinten verw\u00f6hnt. Als einzige in ganz Deutschland schwimmen sie in Ostseewasser statt k\u00fcnstlich hergestelltem Salzwasser. Die Becken haben Badewannentemperatur (29,5 Grad) und alle f\u00fcnf Minuten lassen Futterroboter eine speziell abgestimmte, in Deutschland produzierte Rezeptur \u00fcber die Hochh\u00e4user regnen. Sensoren messen permanent Sauerstoffgehalt, ph-Wert und Carbonath\u00e4rte. Weicht ein Wert au\u00dferordentlich stark ab, werden Wecker, Landsch und \u0160ov\u010d\u00edkov\u00e1 umgehend informiert. <meta charset=\"utf-8\">\u00abAll das ist im Grunde Standard in jeder guten Garnelenfarm<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Landsch, als er durch die Anlage f\u00fchrt.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00fcnstliche Intelligenz im Becken<\/h2>\n\n<p>Was diese Zucht einzigartig macht, sind einerseits die Hochh\u00e4user, eine Eigenentwicklung des Teams. Durch sie verteilen sich die Garnelen gleichm\u00e4\u00dfiger in allen Wasserschichten, statt sich unter der Oberfl\u00e4che zu dr\u00e4ngen. Mehr Raum gleich weniger Stress. Genauso unscheinbar wie die gesamte Anlage ist auch das Tool, von dem sich das Team der F\u00f6rde Garnelen einen Wettbewerbsvorteil gegen\u00fcber anderen Anbieter:innen erhofft: ein kleiner blauer Kasten, angebracht \u00fcber dem dritten der insgesamt acht Zuchtbecken. <meta charset=\"utf-8\">\u00abDamit bestimmen wir die Biomasse<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Landsch, dessen Stimme gegen das sonore Brummen und Blubbern im Geb\u00e4ude ank\u00e4mpfen muss. Mehrmals t\u00e4glich fotografiert die Kamera die Wasseroberfl\u00e4che. Die Bilder laufen automatisch zum Berliner Start-up MonitorFish, das einen auf KI beruhenden Algorithmus \u00fcber die Bilder laufen l\u00e4sst. Der setzt Markierungen auf Kopf und Schwanz jedes Tiers und z\u00e4hlt so die Individuen. <meta charset=\"utf-8\">\u00abDadurch wissen wir ziemlich genau, wie viel Tiere bei uns im Becken sind<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Landsch. Zwar g\u00e4be das nur Aufschluss \u00fcber die oberste Wasserschicht. Doch zus\u00e4tzliche Unterwasserlichtschranken zeigen an, ob sich besonders viele Garnelen in einem bestimmten Bereich des Beckens sammeln.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80368\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/29d4642e-210912__em_4208_hires-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Die Kamera-Anlage \u00fcber dem Becken. Mithilfe der Kamera und der KI wird das automatisierte Garnelen-Monitoring betrieben. \u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/73240d01-210912__em_4709_hires-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80374\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/73240d01-210912__em_4709_hires-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/73240d01-210912__em_4709_hires-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/73240d01-210912__em_4709_hires-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/73240d01-210912__em_4709_hires-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/73240d01-210912__em_4709_hires-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/73240d01-210912__em_4709_hires-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Bert demonstriert auf seinem Laptop ein Video, wie die KI die Garnelen erkennt und misst. <meta charset=\"utf-8\">\u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Anfangs f\u00fchrte das Team kein Monitoring dieser Art durch. <meta charset=\"utf-8\">\u00abWir fanden hier und da mal eine tote Garnele. Aber was macht das schon, wenn insgesamt 75 000 Tiere in der Anlage schwimmen<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Firmenchef Bert Wecker. Als am Jahresende die Ertr\u00e4ge gepr\u00fcft wurden, kam der Schock: 85 Prozent der Tiere waren verschwunden. Aufgefressen durch Artgenossen. Bei Garnelen nichts Besonderes, wenn schwache oder tote Tiere verspeist werden. Aber derart viele? Um einen besseren \u00dcberblick zu bekommen, fotografierte Landsch die Wasseroberfl\u00e4che einmal pro Monat mit dem Handy, markierte die Garnelen anschlie\u00dfend h\u00e4ndisch am Rechner, z\u00e4hlte aus. Zeitaufwand und Fehlerquote waren gro\u00df, der Ansatz jedoch immerhin ein Anfang.<\/p>\n\n<p>Seit knapp einem Jahr arbeiten sie nun mit dem KI-gest\u00fctzten Kamerasystem. <meta charset=\"utf-8\">\u00abWir sind noch in der Testphase, aber wenn sich das System als zuverl\u00e4ssig herausstellt, kann das nicht nur f\u00fcr uns, sondern die gesamte Branche ein Durchbruch sein<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Wecker. Echtzeitdaten \u00fcber die Entwicklung der Tiere zu haben, erm\u00f6glicht noch mehr Pr\u00e4zision und Optimierung in Zucht und F\u00fctterung. Da Garnelenk\u00f6rper transparent sind, kann das System auch beim Gesundheitsmanagement helfen. Probleme im Darmtrakt, Katarakte auf den Augen, angeknabberte F\u00fchler- und Schwanzpartien. All das zeichnet die Kamera auf.<\/p>\n\n<p>F\u00fcnf Tonnen produzieren die F\u00f6rde Garnelen in ihrer Halle pro Jahr. Zu wenig, um schwarze Zahlen zu schreiben. Wecker konzipiert, baut und betreut weltweit andere Zuchtanlagen, finanziert so das Zuschussgesch\u00e4ft der Garnelen mit. In wenigen Monaten aber beginnen hier am B\u00fclker Kl\u00e4rwerk die Bauarbeiten f\u00fcr eine neue, gr\u00f6\u00dfere Anlage. Jahresproduktion: 50 Tonnen. <meta charset=\"utf-8\">\u00abObwohl wir die ersten Ertr\u00e4ge nicht vor Ende 2023 erwarten, ist diese komplette Produktion bereits verkauft<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Wecker, als er erkl\u00e4rt, wo welcher Teil der neuen Halle stehen wird. Neben noch sensibleren Sensoren zur \u00dcberwachung des Wasser- und N\u00e4hrstoffkreislaufs wird es auch fahrende Futterroboter geben. Und Kr\u00e4ne, die die Unterwasserhochh\u00e4user automatisiert herausheben, wenn die Garnelen alle paar Wochen ein Becken weiter wandern m\u00fcssen. Weniger knochenharte Arbeit f\u00fcr das Team, weniger Stress f\u00fcr die Tiere. <meta charset=\"utf-8\">\u00abWir wollen, dass die Garnelen m\u00f6glichst ungest\u00f6rt bleiben. Das steigert sowohl die Qualit\u00e4t der Ware als auch das Tierwohl der Garnele<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Wecker.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80371\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8245aac3-210912__em_4457_hires-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Bert Wecker, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der F\u00f6rde Garnelen. <meta charset=\"utf-8\">\u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mit der VR-Brille zu mehr Tierwohl<\/h2>\n\n<p>Tierschutz und Tierwohl. Immer h\u00e4ufiger schwappen diese Aspekte von der landgest\u00fctzten Tierhaltung auch in die Aquakultur. Vor allem dann, wenn mal wieder Bilder von katastrophalen Bedingungen in gigantischen Lachs-, Thunfisch- oder Forellenfarmen um die Welt gehen. Kaufe ich halt nur regional oder achte auf Qualit\u00e4tssiegel wie ASC oder MSC, m\u00f6gen manche nun sagen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn der Bedarf der Bundesrepublik \u00fcbersteigt das heimische Angebot \u2013 um 97 Prozent. Deutsche Aquakulturbetriebe produzierten im vergangenen Jahr 32 200 Tonnen Fisch, Muscheln und anderes Seafood. Verzehrt wurden hierzulande allerdings 1,1 Millionen Tonnen. Ohne Import geht es also nicht.<\/p>\n\n<p>W\u00e4hrend Haltungs- und Produktionsstandards in Deutschland oft vergleichsweise hoch seien, k\u00f6nne man davon im Ausland nicht immer ausgehen, sagt Stefan Johnigk, Diplombiologe und langj\u00e4hriger Berater f\u00fcr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Mit seiner Firma 4DimBlick will er helfen, branchenweiten Qualit\u00e4tsstandards zu etablieren. Sein Werkzeug: die VR-Brille.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80380\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/452b7ad1-210914__em_6459_hires-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Stefan-Andreas Johnigk im Hafen vor seinem B\u00fcro. <meta charset=\"utf-8\">\u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Ihren Ursprung nahm die Idee 2019, damals noch ganz analog. Die Mitglieder des Initiativkreises Tierschutzstandards Aquakultur, Johnigk ist einer von ihnen, wollten international Vor-Ort-Schulungen in Aquakulturbetrieben anbieten. Als Corona das Reisen unm\u00f6glich machte, schlug Johnigk vor, interaktive Lernmodule zu entwickeln, VR-Brillen an die Betriebe zu schicken und die Fortbildungen remote zu betreuen. Es geht um artgerechte Haltung, Krankheitserreger erkennen, effektive Bet\u00e4ubung, professionelle Verarbeitung der Tiere \u2013 sollten diese Inhalte und Techniken nicht l\u00e4ngst Standard sein in zertifizierten Betrieben? Im Grunde schon, beteuert Johnigk, doch in der Praxis w\u00fcrden sie oft nicht konsequent genug umgesetzt oder es fehle tats\u00e4chlich das Knowhow. Helfen soll dabei die virtuelle Realit\u00e4t. Studien belegen tats\u00e4chlich, dass immersives Lernen \u2013 also das Lernen durch VR-vermittelte Inhalte \u2013 schneller, effektiver und nachhaltiger ist als traditionelle Methoden.<\/p>\n\n<p>F\u00fcr die Erstellung der virtuellen Inhalte besuchen Johnigk und seine Kollegin Melissa Behrendt derzeit einzelne Betriebe, filmen Zuchtanlagen, Ernteprozesse, Schlachtungs- und Transportabwicklung mit einer speziellen Kamera. Mithilfe einer Software, die auch bei virtuellen Museumsf\u00fchrungen zum Einsatz kommt, werden daraus am Computer multimediale, interaktive Module. Wer die VR-Brille tr\u00e4gt und sich durch die Einheiten klickt, bekommt tats\u00e4chlich das Gef\u00fchl, die Ernte in einer Karpfenzucht mitzuerleben, im Freigehege der Kieler Lachsforelle zu schwimmen oder inmitten eines Fischereibetriebs zu stehen. Selbst das Get\u00fcmmel in den Unterwasserhochh\u00e4usern der F\u00f6rde Garnelen hat Johnigk gefilmt. Je nach Schwerpunktthema gibt es in den Modulen beispielsweise Fragen zur Anatomie des Karpfens, zu dessen fachgerechter Bet\u00e4ubung oder zum korrekten Umgang mit Hightech-Equipment in Kreislaufanlagen. <meta charset=\"utf-8\">\u00abAnhand von Unterwasserbildern k\u00f6nnen wir die Teilnehmer sogar auffordern, die Gesundheit der Tiere zu kontrollieren. Das ist viel wirksamer, als w\u00fcrde man sich ein paar Grafiken in Lehrb\u00fcchern oder auf Power-Point-Folien anschauen<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Behrendt.<\/p>\n\n<p>Noch steckt das mit einem sechsstelligen Betrag von der Berliner Albert-Schweitzer-Stiftung finanzierte VR-Projekt in seinen Anf\u00e4ngen. Ende 2021 sind vier Module fertig. 2022 folgen zw\u00f6lf weitere. Im Februar stellen Johnigk und Behrendt ihr Konzept auf der Fish International Messe in Bremen vor. Momentan konzentrieren sich Johnigk und Behrendt auf gut ein Dutzend Arten, die auch in deutschen Aquakulturbetrieben produziert werden. Etwa Garnelen, Karpfen oder Lachsforellen. Sobald es Corona wieder zul\u00e4sst, sollen Farmen in Indonesien, Honduras oder Mexiko hinzukommen. Dort wird der in Deutschland beliebte Fisch Tilapia produziert. <meta charset=\"utf-8\">\u00abDiese Module werden wir gar nicht erst auf Deutsch, sondern direkt auf Indonesisch, Spanisch und Englisch vertonen<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Johnigk, der seine fast schon kindhafte Begeisterung f\u00fcr die Symbiose aus Technologie und Natur nicht zu verbergen versucht. Geht es nach ihm und Behrendt, wird ihre Innovation bald um die Welt gehen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8751623f-210914__em_6271_hires-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80377\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8751623f-210914__em_6271_hires-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8751623f-210914__em_6271_hires-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8751623f-210914__em_6271_hires-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8751623f-210914__em_6271_hires-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8751623f-210914__em_6271_hires-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/8751623f-210914__em_6271_hires-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Stefan-Andreas Johnigk und Melissa Behrendt demonstrieren die 360-Grad-Brille und -Technik. <meta charset=\"utf-8\">\u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80383\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/9ebff6b4-210914__em_6775_hires-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Am Laptop gehen die beiden das 360-Grad-Material f\u00fcr eine Schulung im B\u00fcro durch. <meta charset=\"utf-8\">\u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von der Tradition zur Innovation<\/h2>\n\n<p>Bis nach Indonesien schaut Tim Staufenberger nicht. Sein Blick konzentriert sich ganz auf die Kieler F\u00f6rde. Konkret: Auf zwei mit gelben Tonnen&nbsp;markierte Rechtecke. Insgesamt 100 mal 400 Meter gro\u00df. V\u00f6llig unscheinbar d\u00fcmpeln sie dort, wo einst die Wasserflugzeuge der deutschen Marine abhoben und landeten. Heute z\u00fcchten Tim Staufenberger, Kristina Hartwig und Nikolai Nissen dort biozertifizierte Miesmuscheln.<\/p>\n\n<p>W\u00e4hrend Staufenberger, bei Nieselwetter im knallgelben Friesenerz verpackt am Ufer stehend, von Entstehung, Umsetzung und Vision der Kieler Meeresfarm erz\u00e4hlt, sind Hartwig und Nissen zwischen den beiden Anbaufeldern unterwegs. Auf einem motorbetriebenen Arbeitsponton, mit Kran an Deck und einem Unterstand daneben, der mehr an eine Telefonzelle denn ein Fahrerhaus erinnert. Sie setzen neue Bojen, denn die Muschelfarm wird wachsen. <meta charset=\"utf-8\">\u00abDoch bevor wir Ankersteine und Leinen im Wasser installieren, m\u00fcssen wir den Ostseeboden sondieren lassen. Um auszuschlie\u00dfen, dass unter dem neuen Anbaugebiet Blindg\u00e4nger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Staufenberger.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80386\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/dfa31ec8-210913__em_4854_hires-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Das Boot der Kieler Meeresfarm auf Muschelernte. <meta charset=\"utf-8\">\u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80389\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/6a74458c-210913__em_4949_hires-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Tim Staufenberger, Betreiber der Kieler Meeresfarm. <meta charset=\"utf-8\">\u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die meisten deutschen Miesmuscheln kommen aus der Nordsee. Zehn der elf deutschen Farmen liegen dort. Staufenberger und sein Team sind die einzigen, die kommerziell in der Ostsee z\u00fcchten. Und damit nach 130 Jahren eine Tradition wiederbeleben. Denn einst wurden auch in der Kieler F\u00f6rde industriell Miesmuscheln angebaut. Doch als Kaiser Wilhelm I. zun\u00e4chst den Nord-Ostsee-Kanal bauen lie\u00df und Kiel anschlie\u00dfend zum Marinestandort machte, verloren die Muschelfarmer:innen erst ihre Anbaugebiete, dann ihre Jobs. Sie arbeiteten dann bei Bauunternehmen, in Werften oder direkt bei der Marine. Drei bis sieben Jahre dauerte es damals bis zur ersten Muschelernte. Durch den niedrigen Salzgehalt in der Ostsee wachsen sie langsamer und werden nicht so gro\u00df wie in der Nordsee. <meta charset=\"utf-8\">\u00abDiesen Job aus Traditionsbewusstsein nebenbei zu machen, das tat sich irgendwann niemand mehr an<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Staufenberger.<\/p>\n\n<p>Doch Kiel ist nicht nur Marinestandort, sondern auch Wissenschaftshotspot. Seit dem 19. Jahrhundert laufen hier Forschungsschiffe aus, die Christian-Albrechts-Universit\u00e4t z\u00e4hlt weltweit zu den f\u00fchrenden Adressen in der Meeresforschung, die Vernetzung mit dem Alfred-Wegener-Institut und dem Geomar Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung ist hervorragend. Ideale Voraussetzungen f\u00fcr Ideen, die es sp\u00e4ter in die freie Wirtschaft schaffen. Der Vorg\u00e4ngerbetrieb der F\u00f6rde Garnelen etwa gr\u00fcndete sich aus einem Wissenschaftsprojekt zur Z\u00fcchtung von Steinbutt.<\/p>\n\n<p>Auch die Kieler Meeresfarm entsprang 2014 der Forschung. Diese enge Verzahnung mit der Wissenschaft ist noch immer tragendes Element der Firma. Allerdings anders, als dem Trio lieb ist. 80 Prozent ihrer Zeit und Energie stecken sie in die Arbeit mit den Muscheln. Leinen setzen, kontrollieren, einholen, Muscheln sortieren, die gro\u00dfen verkaufen, die restlichen wieder ins Wasser setzen. Drei Tonnen Muscheln ernten sie pro Jahr, liefern vor allem an Endkund:innen und Gastronom:innen aus der Region.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80392\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/01\/c5e6134e-210913__em_5171_hires-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Kristina Hartwig und Nikolai Nissen reinigen und sortieren die Muscheln in der Maschine. <meta charset=\"utf-8\">\u00a9 Evgeny Makarov<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Firma trage sich zwar selbst, so Staufenberger, doch vom wirtschaftlichen Standpunkt her sei es <meta charset=\"utf-8\">\u00abtotaler Quatsch, was wir hier machen<meta charset=\"utf-8\">\u00bb. Noch kommen lediglich zehn Prozent der Firmenertr\u00e4ge aus dem Muschelverkauf. Den Rest sp\u00fclen Forschungsauftr\u00e4ge in die Kassen. <meta charset=\"utf-8\">\u00abSo ist das eben, wenn man mit nachhaltigen Modellen Geld verdienen will<meta charset=\"utf-8\">\u00bb, sagt Staufenberger, der am Wochenende regelm\u00e4\u00dfig bei Ikea arbeitet, um \u00fcber die Runden zu kommen. In sechs wissenschaftliche Projekte ist das Team derzeit involviert. Versuche zum Bewuchs von Naturmaterialien unter Wasser oder zur Anreicherung der Miesmuschel mit bestimmten Proteinen, um daraus sp\u00e4ter Backtriebmittel oder Salz zu gewinnen.<\/p>\n\n<p>In diesem Bereich der sogenannten blauen Bio\u00f6konomie stecke noch gigantisches Innovationspotenzial, meint Stefan Meyer, Meeresbiologe an die Kieler Universit\u00e4t und Projektkoordinator des <meta charset=\"utf-8\">\u00abInnovationsraums Bio\u00f6konomie auf Marinen Standorten<meta charset=\"utf-8\">\u00bb. Fast alle marinen Ressourcen landen heute bei uns 1:1 als Nahrungsmittel auf dem Teller, statt sie auch f\u00fcr andere Wirtschaftsanwendungen zu verwenden. <meta charset=\"utf-8\">\u00abHolz nutzen wir doch auch nicht nur zum Heizen, sondern in unz\u00e4hligen verschiedenen Varianten. Dieses Verst\u00e4ndnis haben wir f\u00fcr das Meer noch nicht, obwohl das Potenzial vermutlich um ein Vielfaches h\u00f6her ist als auf dem Land.<meta charset=\"utf-8\">\u00bb Erste Ans\u00e4tze g\u00e4be es bereits. Etwa Bio-Nylon f\u00fcr Kleidung aus Fischabf\u00e4llen, Verbandsmaterialien oder Gew\u00fcrzmischungen aus den Schalen der Garnelen. Doch bislang sind die Gewinnmargen zu gering f\u00fcr gro\u00dfe Investitionen. Dennoch, sagt Meyer, sei es wichtig, diese Pionier:innen zu unterst\u00fctzen: <meta charset=\"utf-8\">\u00abManchmal m\u00fcssen wir einfach Dinge ausprobieren um bestimmte Vorg\u00e4nge und Systeme besser zu verstehen. Diese Empfehlungen helfen dann Politik und Unternehmen, um bessere, nachhaltigere Ideen zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen.<meta charset=\"utf-8\">\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pionierarbeit ist das A und O<\/h2>\n\n<p>Ideen hat auch Tim Staufenberger viele. Die neuesten erkl\u00e4rt er anhand zwei kleiner Gew\u00e4chsh\u00e4user, in denen er mit dem Anbau von alten Gem\u00fcsesorten experimentiert: Queller, Dreizack Meerkohl, Strandaster und Melde. In ein paar Jahren sollen diese Gew\u00e4chsh\u00e4user nicht mehr am Ufer stehen, sondern auf Pontons \u00fcber den Muscheln schwimmen. Die Ernte wird an lokale Gastronom:innen verkauft. Die Vision: ein mehrdimensionales Multi-use-Konzept. Neben Muscheln auch Algen anbauen und so nicht nur N\u00e4hrstoffe aus der Ostsee entnehmen, sondern zugleich ein \u00d6kosystem und Habitat f\u00fcr Meeresbewohner:innen schaffen. Als erster n\u00e4hrstoffneutraler Aquakulturbetrieb in der Ostsee darf die Kieler Meeresfarm zudem stromaufw\u00e4rts in der F\u00f6rde eine Fischzucht installieren. Bis daf\u00fcr Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird es wohl noch mindestens f\u00fcnf Jahre dauern, sch\u00e4tzt Staufenberger. Sein Blick l\u00e4sst erahnen, was er von der deutschen B\u00fcrokratie h\u00e4lt. Schwierig sei es, gerade beim Umstieg von der Wissenschaft in die freie Wirtschaft. Pl\u00f6tzlich werde alles unendlich komplizierter, langwieriger, aufw\u00e4ndiger.<\/p>\n\n<p>Pionier:innen haben es eben selten einfach. Auch in der Aquakultur. Abschrecken lassen sich die Macher:innen der drei Projekte davon nicht. Zum Gl\u00fcck. Denn wenn alles nach Plan l\u00e4uft, dann profitieren nicht nur Kiel und Deutschland, sondern eine ganze Branche.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n<div class=\"EmptyMessage\">Block content is empty. 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