{"id":80499,"date":"2022-02-02T19:00:00","date_gmt":"2022-02-02T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=80499"},"modified":"2022-02-03T21:52:21","modified_gmt":"2022-02-03T20:52:21","slug":"oktopus-zuchten-ein-verantwortungsloses-vorhaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/80499\/oktopus-zuchten-ein-verantwortungsloses-vorhaben\/","title":{"rendered":"Oktopus-Zuchten: Ein verantwortungsloses Vorhaben"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der weltweite Appetit auf Meerestiere w\u00e4chst und damit auch der Bau und Betrieb von Aquakulturen, die in 190 L\u00e4ndern etwa 550 aquatische Arten z\u00fcchten. Nun sollen auch Oktopusse industriell f\u00fcr unseren Konsum gez\u00fcchtet werden &#8211; Tiere, die \u00fcber ein ausgekl\u00fcgeltes Nervensystem und eine hohe Empfindsamkeit gegen\u00fcber ihrer Umwelt verf\u00fcgen. Die Massentierhaltung von Oktopussen ist eine zus\u00e4tzliche immense Bedrohung f\u00fcr das nat\u00fcrliche Gleichgewicht in unseren Ozeanen.<\/strong><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aquakulturen sch\u00e4digen die Umwelt<\/h2>\n\n<p>Seit Jahrzehnten haben es die Ozeane mit zahlreichen Bedrohungen zu tun, eine davon ist die \u00dcberfischung. Grosse Industrieflotten dezimieren unsere Meere und obwohl die St\u00e4nde unserer Fischh\u00e4ndler immer noch voll sind, erkennt man bei genauerem Hinsehen, dass der Fisch von immer weiter entfernten Orten kommt. Wir haben unsere n\u00e4chstgelegenen Fanggr\u00fcnde ersch\u00f6pft und sind in andere Fanggebiete ausgewichen. Aber die Fischgr\u00fcnde sind \u00fcberfischt und die Fischerei an immer entlegeneren Orten kann unsere Nachfrage nicht decken; deshalb geben wir Millionen von Euro f\u00fcr den Bau von Aquakulturanlagen aus. Doch auch die Aquakultur ist nicht die L\u00f6sung f\u00fcr die \u00dcberfischung oder den Hunger in der Welt.<\/p>\n\n<p>Aquakulturen wirken sich in mehrfacher Hinsicht auf die Umwelt aus: Stickstoff- und Phosphorverunreinigung durch F\u00e4kalien und Nahrungszersetzung wie in Makrofarmen an Land; Verunreinigung durch D\u00fcngemittel, Algizide (Herbizide) und Desinfektionsmittel; \u00fcberm\u00e4ssiger Einsatz von Antibiotika; Kreuzung und Krankheits\u00fcbertragung zwischen Wildfischen und Fischen, die aus K\u00e4figen entkommen sind; Verlust von Lebensraum und Auswirkungen auf nahe gelegene Meeresgebiete; Aquakultur kann Posidonia-Wiesen und Mangroven beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist die F\u00fctterung eines der Hauptprobleme der Aquakultur. Die meisten der gez\u00fcchteten Meerestiere sind Fleischfresser (Seebrassen, Seebarsche, Forellen, Lachse und Garnelen) und sind auf Fischeiweiss und Fisch\u00f6l angewiesen. Mit anderen Worten: Die F\u00fctterung gez\u00fcchteter Wassertiere erh\u00f6ht den Druck auf wild lebende Fische und Wirbellose, da sie als Fischmehl dienen. Etwa ein Drittel des weltweiten Fischfangs wird als Tierfutter verwendet, etwa die H\u00e4lfte davon in der Aquakultur. Um das Problem der \u00dcberfischung zu l\u00f6sen, z\u00fcchten wir diese Arten, aber wir m\u00fcssen weiter fischen, um sie zu f\u00fcttern. Das Problem l\u00f6sen wir so nicht. So werden beispielsweise 4 bis 5 kg Fisch ben\u00f6tigt, um ein Kilo Lachs zu m\u00e4sten und 20 kg f\u00fcr jedes Kilo Roten Thunfisch, der in Gefangenschaft gem\u00e4stet wird.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Oktopusse im Visier der Aquakultur<\/h2>\n\n<p>Gegenw\u00e4rtig werden in rund 190 L\u00e4ndern etwa 550 aquatische Arten gez\u00fcchtet und gem\u00e4stet, von Austern bis zu Lachsen. Aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Tintenfischen und deren Ausbeutung sollen sie nun auch in Gefangenschaft gez\u00fcchtet werden.<br>Eine Anlage in der N\u00e4he der Kanarischen Inseln, in der Kraken f\u00fcr den Verzehr gez\u00fcchtet und gem\u00e4stet werden sollen, hat eine heftige Kontroverse ausgel\u00f6st. Dies liegt daran, dass der Krake aufgrund seines Nervensystems als biologisch \u00fcberlegen gegen\u00fcber anderen gez\u00fcchteten Arten gilt. Gerade als die wissenschaftliche Welt begann, das Wesen der Kraken zu verstehen, scheint ihre Zukunft d\u00fcster.<\/p>\n\n<p>Kraken sind unter den wirbellosen Tieren f\u00fcr ihr komplexes Verhalten bekannt. Sie sind in der Lage, Probleme zu l\u00f6sen, ihre Umgebung zu imitieren, indem sie ihre Farbe in Sekundenschnelle an ihre Umgebung anpassen, Haie zu \u00fcberlisten, sich spielerisch zu verhalten und mit Fischen bei der Jagd zusammenzuarbeiten. Wie diese Verhaltensweisen vermuten lassen, verf\u00fcgen Kraken \u00fcber ein ausgekl\u00fcgeltes Nervensystem und grosse Gehirne.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"649\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/02\/462a4a15-gp1sufl3_medium_res_with_credit_line-1024x649.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80483\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/02\/462a4a15-gp1sufl3_medium_res_with_credit_line-1024x649.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/02\/462a4a15-gp1sufl3_medium_res_with_credit_line-300x190.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/02\/462a4a15-gp1sufl3_medium_res_with_credit_line-768x486.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/02\/462a4a15-gp1sufl3_medium_res_with_credit_line-510x323.jpg 510w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/02\/462a4a15-gp1sufl3_medium_res_with_credit_line.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>\u00a9Greenpeace\/ Lorenzo Moscia<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Un\u00f6kologische und unethische Praxis<\/h2>\n\n<p>Einige Unternehmen sind der Meinung, dass es der richtige Zeitpunkt sei, Kraken zu z\u00fcchten, da es immer mehr Spezialm\u00e4rkte gibt, die Preise f\u00fcr Kraken steigen und Kraken ein schnelles Wachstum aufweisen, obwohl der Markt aufgrund von COVID instabil ist. Allerdings scheint niemand die \u00f6kologischen Folgen der Zucht fleischfressender Meerestiere zu ber\u00fccksichtigen, die den Druck auf die Fischbest\u00e4nde erh\u00f6hen. Um beispielsweise einen Tintenfisch von 1 Kilo zu m\u00e4sten, werden 3 Kilo Futtermittel ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist diese Praxis unethisch. Kraken haben ein komplexes Verhaltenssystem und sind offenbar in der Lage, Schmerzen und Leiden zu empfinden. Es ist erwiesen, dass die Aquakultur mit einer hohen Sterblichkeitsrate, erh\u00f6hter Aggressivit\u00e4t, parasit\u00e4ren Infektionen und verschiedenen Problemen des Verdauungstrakts bei Kraken einhergeht. Ausserdem bietet die Aquakultur den Kraken nicht den Raum, den sie brauchen, um sich angemessen zu bewegen und zu entwickeln. Die Zucht fleischfressender Arten bedeutet, dass die Tiere in kleinen Beh\u00e4ltern isoliert werden m\u00fcssen, ohne die M\u00f6glichkeit, mit ihrer Umwelt zu interagieren und unter extremer Einbussen ihres Wohlbefindes.<\/p>\n\n<p>Genau wie die Massentierhaltung ist die Aquakultur Teil eines hochindustrialisierten Lebensmittelsystems, das \u00f6kologisch nicht nachhaltig und tierqu\u00e4lerisch ist. Als Verbraucher:innen m\u00fcssen wir unsere Werte mit unseren Lebensmittelentscheidungen in Einklang bringen und so verantwortungsvoll wie m\u00f6glich handeln. Deshalb empfehlen wir, den Fischkonsum zu verringern und sich f\u00fcr saisonalen Fisch zu entscheiden, wenn es denn Fisch sein muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der weltweite Appetit auf Meerestiere w\u00e4chst und damit auch der Bau und Betrieb von Aquakulturen, die in 190 L\u00e4ndern etwa 550 aquatische Arten z\u00fcchten. 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