{"id":82555,"date":"2022-03-14T10:37:22","date_gmt":"2022-03-14T09:37:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=82555"},"modified":"2022-03-14T10:37:25","modified_gmt":"2022-03-14T09:37:25","slug":"tiefere-einfuhrzolle-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/82555\/tiefere-einfuhrzolle-landwirtschaft\/","title":{"rendered":"Tiefere Einfuhrz\u00f6lle, globale Ungerechtigkeit und zukunftstr\u00e4chtige Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Krieg in der Ukraine beschleunigt den Preisanstieg f\u00fcr Nahrungsmittel und andere Rohstoffe. Die Schweiz reagiert darauf, indem sie die Einfuhrz\u00f6lle f\u00fcr Futtermittel senkt. Das ist ungerecht gegen\u00fcber L\u00e4ndern, die sich solche Massnahmen nicht leisten k\u00f6nnen. Mit einer standortangepassten Landwirtschaft, die nicht von Futtermittelimporten abh\u00e4ngig ist, kann und muss die Schweiz diese Ungerechtigkeit bek\u00e4mpfen.<\/strong><\/p>\n\n<p>Russland und die Ukraine geh\u00f6ren zu den f\u00fcnf gr\u00f6ssten Getreideexporteuren weltweit. Nebst Weizen, Mais und anderen Getreiden produzieren und exportieren sie grosse Mengen an H\u00fclsenfr\u00fcchten wie Soja und Sonnenblumen\u00f6l. Ein grosser Teil davon liefern sie in L\u00e4nder in Zentralasien und Afrika. Aber auch die Schweiz importiert Getreide und Sojaerzeugnisse.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Bereits seit einiger Zeit f\u00fchren Lieferkettenschwierigkeiten, extreme Wetterereignisse, ausgel\u00f6st durch die Klimakrise, steigende Energiepreise und die Corona-Pandemie dazu, dass die Preise f\u00fcr Nahrungsmittel steigen. Der Krieg in der Ukraine bringt nun weitere Ernteeinbussen und Handelsschwierigkeiten: Kriegszerst\u00f6rungen, fehlende Arbeitskr\u00e4fte und unterbrochene Handelsrouten. Auch der neue IPCC-Bericht zeigt, dass die Nachfrage nach verf\u00fcgbaren Ressourcen aufgrund der Klimakrise weiter unter Druck geraten wird. Kurz gesagt: Die Preise f\u00fcr Nahrungsmittel werden weiter steigen.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schweiz senkt die Einfuhrz\u00f6lle auf Futtergetreide<\/strong><\/h3>\n\n<p>Als Reaktion auf die steigenden Rohstoffpreise hat das Eidgen\u00f6ssische Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) per 15. M\u00e4rz 2022 die <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-87482.html\">Einfuhrz\u00f6lle f\u00fcr Futtergetreide gesenkt<\/a>, um die Erh\u00f6hung der Kosten f\u00fcr die Futtermittelimporte m\u00f6glichst gering zu halten. W\u00e4hrend die Schweiz die global h\u00f6herer Preise durch die Kostensenkung bei der Einfuhr ausgleichen kann, k\u00f6nnen weniger reiche L\u00e4nder in Zentralasien und Afrika die Preisschwankungen weniger gut ausgleichen. Dabei m\u00fcssen wir davon ausgehen, dass essentielle Grundnahrungsmittel nur noch f\u00fcr Menschen mit gen\u00fcgend Geld bezahlbar sein werden! Wer nicht gen\u00fcgend Geld hat oder unterst\u00fctzt wird, hungert.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Diese Ungleichheit zeigt: Wir m\u00fcssen uns international solidarisch verhalten. So, wie dies die L\u00e4nder des globalen S\u00fcdens, zum Beispiel an der COP26 in Glasgow, auch im Zusammenhang mit der Klimakrise fordern.&nbsp;<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>460\u2019000 Tonnen Getreide als Futtermittel importiert<\/strong><\/h3>\n\n<p>Die Massnahme des WBF verdeutlicht, wie stark die Schweizer Landwirtschaft von Futtermittelimporten abh\u00e4ngig ist und das die Politik bereit ist, zu Gunsten inl\u00e4ndischer Interessen Einfuhrkosten zu reduzieren, um den Status Quo der Produktion tierischer Nahrungsmittel zu erhalten. Nur dank ihrer privilegierten Situation kann es sich die Schweiz leisten, Preisschwankungen mit reduzierten Einfuhrkosten auszugleichen. Denn die Abh\u00e4ngigkeit von Importen ist beachtlich: 2020 importierte die Schweiz \u00fcber 460\u2019000 Tonnen Getreide als Futtermittel \u2013 zum Vergleich: F\u00fcr den menschlichen Verzehr wurden nur rund 245\u2019000 Tonnen Getreide importiert (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.swissgranum.ch\/documents\/741931\/6119168\/2021-08-10_Einfuhr_Getreide.pdf\/56f13e38-7411-3c9b-933d-5cb6aac4bb30\">Swiss granum<\/a>)<\/p>\n\n<p>Nebst Getreideprodukten importiert die Schweiz auch anderes Kraftfutter, ein betr\u00e4chtlicher Teil davon beispielsweise als Soja in Form von \u00d6lkuchen und Schrot. In 2021 kamen 41\u2019000 Tonnen dieses Sojaschrots aus Russland, das sind 16,4 Prozent aller Sojaschrot-Importe (Quelle: Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft BLW). 2018 stammten mehr als 20 Prozent der Soja\u00f6lkuchen, bzw. \u00fcber alle \u00d6lkuchen und -saaten \u00fcber 18 Prozent der \u00d6lsaaten f\u00fcr Futtermittel ebenfalls aus Russland.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"925\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/03\/7b495452-capture-de\u0301cran-2022-03-10-a\u0300-15.53.13-1024x925.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-82614\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/03\/7b495452-capture-de\u0301cran-2022-03-10-a\u0300-15.53.13-1024x925.png 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/03\/7b495452-capture-de\u0301cran-2022-03-10-a\u0300-15.53.13-300x271.png 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/03\/7b495452-capture-de\u0301cran-2022-03-10-a\u0300-15.53.13-768x694.png 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/03\/7b495452-capture-de\u0301cran-2022-03-10-a\u0300-15.53.13-376x340.png 376w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/03\/7b495452-capture-de\u0301cran-2022-03-10-a\u0300-15.53.13.png 1308w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n<p>Doch warum m\u00fcssen wir Getreide importieren? Da wir in der Schweiz rund die H\u00e4lfte der Ackerfl\u00e4chen f\u00fcr die Futtermittelproduktion brauchen, sind wir auch auf Getreideimporte f\u00fcr den direkten menschlichen Verzehr angewiesen u.a. auch\u00a0 aus der Ukraine. Konkret importierten wir 2021 f\u00fcr den menschlichen Verzehr 2\u2019459 Tonnen Weichweizen, knapp 66 Tonnen Roggen, rund 109 Tonnen Gerste und ca. 197 Tonnen Hafer aus der Ukraine (Quelle: Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft BLW).<\/p>\n\n<p>Auf den inl\u00e4ndischen Fl\u00e4chen k\u00f6nnten wir aber mehr Nahrungsmittel f\u00fcr die direkte menschliche Ern\u00e4hrung anbauen und die inl\u00e4ndische Resilienz des Ern\u00e4hrungssystems verbessern.&nbsp;<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Versorgung mit Grundnahrungsmitteln im globalen S\u00fcden bedroht&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n<p>W\u00e4hrend sich die drohende Rohstoffknappheit als Folge des Krieges in der Ukraine bei uns insbesondere auf die Verf\u00fcgbarkeit von Futtermitteln auswirkt, sind die Getreideexporte aus der Ukraine und Russland in Zentralasien und Afrika vielerorts wichtig f\u00fcr die Versorgung der Bev\u00f6lkerung. Die Ukraine exportierte im Jahr 2020 landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar auf den afrikanischen Kontinent. Etwa 48 Prozent davon waren Weizen, 31 Prozent&nbsp; Mais und der Rest Sonnenblumen\u00f6l, Gerste und Sojabohnen. Aus Russlandimportierten die afrikanischen L\u00e4nder im Jahr 2020 landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 4 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen etwa 90 Prozent&nbsp; auf Weizen und 6 Prozent&nbsp; auf Sonnenblumen\u00f6l (Quelle: <a href=\"https:\/\/theconversation.com\/how-russia-ukraine-conflict-could-influence-africas-food-supplies-177843#:~:text=SimilarlyProzent\">The Conversation<\/a>). In einigen L\u00e4ndern wie \u00c4gypten k\u00f6nnten steigende Getreidepreise \u2013 und der damit drohende Hunger \u2013 die politische Stabilit\u00e4t beeinflussen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n<p>Wir verf\u00fcttern in der Schweiz Weizen, Hafer, Soja und \u00e4hnliches an unsere Nutztiere, um sie nachher zu essen, w\u00e4hrend anderswo Leute hungern, weil sich sich genau diese Nahrungsmittel nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Was bereits geschieht, versch\u00e4rft sich mit dem Krieg in der Ukraine \u2013 und zuk\u00fcnftig aufgrund der Klimakrise. Die <a href=\"https:\/\/massentierhaltung.ch\/\">Initiative gegen Massentierhaltung<\/a>, welche auch die Standards f\u00fcr Importprodukte festlegt, k\u00f6nnte einen wichtigen Schritt zu einem besseren Umgang mit den verf\u00fcgbaren Ressourcen erm\u00f6glichen. L\u00f6sen wir uns endlich aus der Abh\u00e4ngigkeit von Futtermittelimporten und den damit verbundenen Umweltzerst\u00f6rungen \u2013 zugunsten einer <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20884\/die-landwirtschaft-die-wir-wollen\/\">standortangepassten, fairen und zukunftsgerichteten Landwirtschaft<\/a> und mehr globaler Gerechtigkeit.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Krieg in der Ukraine beschleunigt den Preisanstieg f\u00fcr Nahrungsmittel und andere Rohstoffe. Die Schweiz reagiert darauf, indem sie die Einfuhrz\u00f6lle f\u00fcr Futtermittel senkt. 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