{"id":86346,"date":"2022-05-30T11:08:56","date_gmt":"2022-05-30T09:08:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=86346"},"modified":"2022-05-30T11:12:22","modified_gmt":"2022-05-30T09:12:22","slug":"nicht-mitten-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/86346\/nicht-mitten-in-deutschland\/","title":{"rendered":"\u00abNicht mitten in Deutschland\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vor etwas weniger als einem Jahr kam es in Deutschland zu einer der schlimmsten Flutkatastrophen in der Geschichte des Landes. Mehr als 180 Menschen starben. Nun steht die n\u00e4chste Hochwassersaison bevor. Was hat Deutschland aus 2021 gelernt? Viola Wohlgemuth und Karsten Smid, Campaigner:innen bei Greenpeace Deutschland, geben Antworten.<\/strong><\/p>\n\n<p><em>Viola, du warst bei der Hochwasserkatastrophe 2021 vor Ort und hast bei den Aufr\u00e4umarbeiten geholfen \u2013 was haben sich dir f\u00fcr Bilder geboten?<\/em><\/p>\n\n<p>Die ersten Eindr\u00fccke waren einfach surreal. Solche Bilder kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen, aus Krisenregionen irgendwo weit weg. Aber nicht aus Europa, nicht mitten in Deutschland. Strassen waren aufgebrochen, die H\u00e4user untersp\u00fclt, die Leitungen hingen wie Gerippe aus den B\u00f6den. Da war ein Haus beispielsweise v\u00f6llig zerst\u00f6rt durch die Schlammflut, alle Fenster offen, das gesamte Hab und Gut der \u00e4lteren Bewohnerin verklebt zu einer stinkenden, trocknenden Schlammkruste. Ihr war buchst\u00e4blich nichts geblieben als die Kleidung, die sie trug. Sie erz\u00e4hlte mir, dass ihr Mann vor einem Jahr gestorben sei und nun alle Erinnerungen, die sie noch an ihn hatte, verloren waren. Sie war v\u00f6llig allein und hatte keine Hoffnung, ihr Zuhause je wieder bewohnbar zu bekommen.<\/p>\n\n<p><em>Was war das f\u00fcr ein Gef\u00fchl, das Ausmass der Zerst\u00f6rung mit den eigenen Augen zu sehen und hautnah zu erleben?<\/em><\/p>\n\n<p>Ein Wechselbad der Gef\u00fchle. Ohnmacht vor dieser unglaublichen Naturgewalt. Wir als Menschen sind so klein und glauben, mit solchen Gewalten spielen zu k\u00f6nnen. Unglaubliches Mitleid mit den betroffenen Menschen. Und Besch\u00e4mung, dass ich am Abend in meinem eigenen Bett schlafen konnte. Vor allem aber Wut! Wut auf Konzerne und ignorante Politiker:innen, die seit Jahrzehnten mit Profitgier solche Katastrophen in Kauf nehmen und weiterhin nicht umdenken wollen.<\/p>\n\n<p><em>Karsten, inwiefern stehen diese Hochwasser in Zusammenhang mit der Klimakrise?<\/em><\/p>\n\n<p>Die Klimakrise erh\u00f6ht die Intensit\u00e4t der maximalen Niederschl\u00e4ge im Sommer. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Westeuropa zu sintflutartigen Starkregenf\u00e4llen kommt, hat sich um den Faktor 1,2 bis 9 erh\u00f6ht. Das ist eine dramatische Steigerung.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/23cebeed-ahrtalfebruar_04-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-86524\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/23cebeed-ahrtalfebruar_04-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/23cebeed-ahrtalfebruar_04-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/23cebeed-ahrtalfebruar_04-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/23cebeed-ahrtalfebruar_04-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/23cebeed-ahrtalfebruar_04-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/23cebeed-ahrtalfebruar_04-1821x1366.jpg 1821w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/23cebeed-ahrtalfebruar_04-453x340.jpg 453w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eine Aufnahme aus dem Ahrtal im Februar 2022. Zwischenzeitlich sind sieben Monate seit den \u00dcberschwemmungen vergangen. Noch immer sind viele H\u00e4user nicht bewohnbar, und die Region gleicht einem Tr\u00fcmmerfeld. \u00a9 DOCKS Collective<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><em>Welche Auswirkungen hatte das Hochwasser auf die Umwelt der Region?<\/em><\/p>\n\n<p>Diese Hochwasserkatastrophe hat allein Sch\u00e4den in H\u00f6he von 30 Milliarden Euro hinterlassen. Durch das ganze Ahrtal zieht sich eine Spur der Verw\u00fcstung. Bis sich die Natur regeneriert, wird es noch Jahre dauern.<\/p>\n\n<p><em>Seit Dezember 2021 hat Deutschland nun eine neue Regierung \u2013 was bedeutet sie f\u00fcr das Thema Klimaschutz in Deutschland?<\/em><\/p>\n\n<p>Wir sehen aktuell einen Aufbruch bei Investitionen in Sonnen- und Windenergie. Das Wirtschaftsministerium macht hier richtig Tempo. Voraussichtlich werden wir aber das anvisierte Klimaziel f\u00fcr das Jahr 2022 wieder verfehlen. Das ist f\u00fcr uns inakzeptabel.<\/p>\n\n<p><em>Was fordert Greenpeace Deutschland also konkret von der Ampelkoalition aus SPD, Gr\u00fcnen und FDP?<\/em><\/p>\n\n<p>Wir brauchen einen Kohleausstieg bis sp\u00e4testens 2030, der jetzt eingeleitet werden muss. Schon jetzt k\u00f6nnen wir dreckige Braunkohlekraftwerke je nach Bedarfslage drosseln, damit die Treibhausgase in Deutschland endlich sinken. Auch m\u00fcssen wir in den n\u00e4chsten Jahren bereits den Neueinbau von \u00d6l- und Gasheizungen auslaufen lassen \u2013 wie es die skandinavischen L\u00e4nder vorgemacht haben. Und ein Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor bei neuen Autos ist bis 2030 unabdingbar. All das muss einhergehen mit einer Offensive f\u00fcr den Ausbau von sauberen erneuerbaren Energien.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/741c7141-the-flood-in-western-germany_docks_55-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-86521\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/741c7141-the-flood-in-western-germany_docks_55-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/741c7141-the-flood-in-western-germany_docks_55-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/741c7141-the-flood-in-western-germany_docks_55-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/741c7141-the-flood-in-western-germany_docks_55-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/741c7141-the-flood-in-western-germany_docks_55-1821x1366.jpg 1821w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/741c7141-the-flood-in-western-germany_docks_55-453x340.jpg 453w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/741c7141-the-flood-in-western-germany_docks_55.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Zwei Monate nach der Flut sitzt Iris Baumann in den Ahr-Thermen, ihrem ehemaligen Arbeitsort. Eine Wiederer\u00f6ffnung ist unwahrscheinlich. \u00a9 DOCKS Collective<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><em>Viola, bald ist es nun ein Jahr her, dass das Hochwasser ganze D\u00f6rfer zerst\u00f6rt hat \u2013 wie ist die Situation aktuell vor Ort?<\/em><\/p>\n\n<p>Das kommt auf den Ort an, einige Strassen mit kleineren Sch\u00e4den sind wiederhergestellt worden. An anderen Orten, gerade im Ahrtal, sind mehrere zerst\u00f6rte H\u00e4user einfach abgerissen worden. An einigen Orten d\u00fcrfen die H\u00e4user gar nicht erst wieder aufgebaut werden, da zuk\u00fcnftig wieder solche katastrophalen Regenf\u00e4lle erwartet werden.<\/p>\n\n<p><em>Bef\u00fcrchtet ihr also, dieselben Bilder auch im Sommer 2022 nochmals sehen zu m\u00fcssen? Oder hat Deutschland und vor allem die Regierung aus der Katastrophe gelernt?<\/em><\/p>\n\n<p>Karsten: Wir werden zuk\u00fcnftige Hochwasserereignisse nicht verhindern k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen unsere gesamte Infrastruktur auf neue, nie da gewesene Extremereignisse anpassen. Eine gigantische Aufgabe. Denn die Macht und die Zerst\u00f6rungskraft dieser klimabedingten, unerwarteten Ereignisse werden eklatant untersch\u00e4tzt. Das f\u00fchrte bisher ja erst zu den Katastrophen.<\/p>\n\n<p>Viola: Was mir aber wirklich Hoffnung macht, sind die Menschen, die aufstehen und etwas ver\u00e4ndern, auch direkt vor Ort. Wie die Initiative \u00abAus Ahrtal wird Solahrtal\u00bb, die sich aufgemacht hat, die Politiker:innen in der Region und im Bundesland zu \u00fcberzeugen, keinen Cent der Aufbaugelder in alte Technologien zu stecken wie Gasleitungen. Sondern gleich in eine klimaneutrale, zukunftsf\u00e4higere Region zu investieren. 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 f\u00fcr ihre Region fordern sie deswegen in ihrer Initiative. Das ist die Zukunft.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/ef40d285-ahrtalfebruar_01-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-86527\" width=\"736\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/ef40d285-ahrtalfebruar_01-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/ef40d285-ahrtalfebruar_01-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/ef40d285-ahrtalfebruar_01-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/ef40d285-ahrtalfebruar_01-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/ef40d285-ahrtalfebruar_01-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/ef40d285-ahrtalfebruar_01-1821x1366.jpg 1821w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/05\/ef40d285-ahrtalfebruar_01-453x340.jpg 453w\" sizes=\"auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px\" \/><figcaption>Der Alltag kehrt ins Ahrtal zur\u00fcck: Kinder nehmen in einer provisorisch aufgebauten Halle den Kampfsportunterricht wieder auf. \u00a9 DOCKS Collective<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><strong>Bilder:<\/strong> DOCKS ist ein Kollektiv von f\u00fcnf Dokumentarfotograf:innen aus Dortmund, das 2018 gegr\u00fcndet wurde. F\u00fcr die Gruppe ist die kollaborative Arbeit eine Methode, die es ihnen erm\u00f6glicht, die klassische egozentrische Perspektive der Dokumentarfotografie auszusetzen und zu hinterfragen. Das Kollektiv steht f\u00fcr vielf\u00e4ltige und zeitgen\u00f6ssische Ans\u00e4tze basierend auf humanistischen Werten.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<p><strong>Ein schneller Solarausbau ist im Wettlauf gegen die Klimakrise entscheidend. Doch auch in der Schweiz steht Bundesbern bei der Energiewende noch immer auf der Bremse. Gemeinsam mit dir und Menschen aus der ganzen Schweiz wollen wir das jetzt \u00e4ndern.<\/strong><\/p>\n<div class=\"EmptyMessage\">Block content is empty. Check the block&#8217;s settings or remove it.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor etwas weniger als einem Jahr kam es in Deutschland zu einer der schlimmsten Flutkatastrophen in der Geschichte des Landes. Mehr als 180 Menschen starben. Nun steht die n\u00e4chste Hochwassersaison bevor. Was hat Deutschland aus 2021 gelernt? Viola Wohlgemuth und Karsten Smid, Campaigner:innen bei Greenpeace Deutschland, geben Antworten.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":86347,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[50],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[198],"class_list":["post-86346","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-klima","p4-page-type-hintergrund","gpch-article-type-interview"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86346","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86346"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86346\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/86347"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86346"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=86346"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=86346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}