{"id":87327,"date":"2022-06-30T13:03:00","date_gmt":"2022-06-30T11:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=87327"},"modified":"2022-07-02T13:07:44","modified_gmt":"2022-07-02T11:07:44","slug":"die-waldretterinnen-von-sao-paulo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/87327\/die-waldretterinnen-von-sao-paulo\/","title":{"rendered":"Die Waldretter:innen von S\u00e3o Paulo"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>In Brasilien forstet ein Schwesternpaar die Mata Atl\u00e2ntica wieder auf, den stark dezimierten atlantischen Regenwald. Einst erstreckte er sich \u00fcber eine riesige Region entlang der Atlantikk\u00fcste, die von Nordostbrasilien bis nach Argentinien und Paraguay reichte. Im Lauf der Geschichte wurde er jedoch durch die Holzwirtschaft, den Zuckerrohranbau, die Viehhaltung und die Kaffeeproduktion immer kleiner.<\/strong><\/p>\n\n<p>Fl\u00e1via Balderi blickt hin\u00fcber zum Nachbargrundst\u00fcck: h\u00fcgeliges Land ohne einen einzigen Baum, bewachsen von Capim, einem Gras, das f\u00fcr die Rinderzucht gepflanzt wird. Balderi, eine schlanke Frau von 40 Jahren mit langen dunklen Haaren, sportlich gekleidet in Polo-Shirt, Jeans und Trekking-Schuhen, sagt, dass man auch dieses Land \u00fcbernehmen und renaturieren k\u00f6nne, wenn die Besitzer es wollten. \u00d6kologisch gesehen sei Weideland n\u00e4mlich ziemlich tot.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Den Unterschied sieht man auf Balderis Seite. Umstanden von B\u00e4umen befindet sich hier im Hinterland des brasilianischen Bundesstaats S\u00e3o Paulo das Hauptquartier von Copa\u00edba. Es ist die NGO, die Balderi vor 25 Jahren mit ihrer Schwester Ana Paula gegr\u00fcndet hat, die beiden waren damals noch Teenager. Ihre Idee: B\u00e4ume in der fast kahlen, von der Vieh- und Kaffeewirtschaft gepr\u00e4gten Region pflanzen. \u00abDamals hielten uns viele f\u00fcr verr\u00fcckt\u00bb, erinnert sich Fl\u00e1via Balderi. \u00abEs widersprach der Denkweise der Bauern und B\u00e4uerinnen. W\u00e4lder sind f\u00fcr sie unproduktiv.\u00bb Es ist die Mentalit\u00e4t, die auf dem Land in Brasilien bis heute vorherrscht.\u00a0<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0029-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87335\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0029-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0029-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0029-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0029-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0029-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0029-510x287.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Rechts ein von der NRO Copaiba wiederhergestelltes Gebiet, links eine Maisplantage eines benachbarten Bauern. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der kleine Bruder des Amazonaswald<\/h2>\n\n<p>Die Balderi-Schwestern forsten mit Copaiba die Mata Atl\u00e2ntica wieder auf, den stark dezimierten atlantischen Regenwald. Er ist in Europa weitaus weniger bekannt als beispielsweise der Amazonaswald, aber als \u00d6kosystem ebenso wichtig. Einst erstreckte er sich \u00fcber eine riesige Region entlang der Atlantikk\u00fcste, die von Nordostbrasilien bis nach Argentinien und Paraguay reichte. Er war \u2013 nach dem Amazonaswald \u2013 das zweitgr\u00f6\u00dfte Biotop S\u00fcdamerikas. Im Lauf der Geschichte wurde er jedoch durch die Besiedlung der K\u00fcstenregionen stark dezimiert. Besonders die Holzwirtschaft, der Zuckerrohranbau, die Viehhaltung und die Kaffeeproduktion trugen zur Zerst\u00f6rung bei, sodass heute in Brasilien nur noch rund 15 Prozent der urspr\u00fcnglichen Waldfl\u00e4che erhalten ist.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Umso erstaunlicher ist es, dass die Mata Atl\u00e2ntica immer noch eins der artenreichsten Biotope der Welt geblieben ist, mit mehr als 200 teils gro\u00dfen S\u00e4ugetierarten, Hunderten Vogelarten, Reptilien und Amphibien. Er bietet rund 20 000 Pflanzen eine Heimat.<\/p>\n\n<p>Wurde die Zerst\u00f6rung des Waldes \u00fcber Jahrhunderte hinweg als notwendig f\u00fcr den wirtschaftlichen Fortschritt betrachtet, so hat in den vergangenen Jahren ein zartes Umdenken begonnen \u2013 auch im Brasilien Jair Bolsonaros, dem ultra-rechten Pr\u00e4sidenten, in dessen Amtszeit neue Rekordfl\u00e4chen abgeholzt wurden. Nicht nur der Amazonaswald hat unter ihm stark gelitten, sondern auch der Atlantikwald, wie neue Daten belegen. So wurden zwischen 2020 und 2021 fast 22 000 Hektar atlantischen Waldes abgeholzt, ein Anstieg um 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zerst\u00f6rung hat einen enorm hohen Preis: Wassermangel!&nbsp;<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07877-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87338\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07877-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07877-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07877-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07877-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07877-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07877-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eine Mitarbeiterin der NGO w\u00e4scht die Pflanzen in der Aussaatg\u00e4rtnerei im Hauptsitz in Socorro, S\u00e3o Paulo, Brasilien. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0027-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87341\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0027-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0027-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0027-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0027-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0027-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DJI_0027-510x287.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eine Fl\u00e4che neben der Copaiba, die f\u00fcr die Viehzucht genutzt wird. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>72 Prozent der Brasilianer leben in oder rund um die Mata Atl\u00e2ntica, 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden hier erwirtschaftet. Die Bedingung daf\u00fcr: Wasser sowohl f\u00fcr den privaten Verbrauch wie f\u00fcr die Industrie, die Landwirtschaft und die Energieerzeugung. Regnet es zu wenig, gehen in Brasilien wortw\u00f6rtlich die Lichter aus. \u00ab2014 war so ein Jahr\u00bb, erinnert sich Fl\u00e1via Balderi. Monatelang regnete es zu wenig, und in den K\u00fcstenregionen musste der Wasserkonsum rationiert werden. In S\u00e3o Paulo drohte damals der Notstand, weil die Wasserreservoirs fast leer waren und den Hydrokraftwerken wegen sinkender Wasserspiegel der \u00abTreibstoff\u00bb fehlte. Die Beh\u00f6rden bef\u00fcrchteten Unruhen.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein paar idealistische Teenager<\/h2>\n\n<p>Fl\u00e1via und Ana Paulo Balderi waren weitsichtig, als sie 1999 in ihrem Heimatort, der Kleinstadt Socorro, Freunde zusammenriefen, um 100 Setzlinge entlang des Rio do Peixe zu pflanzen, einem Fluss, der immerzu schmutzig braun gewesen sei. Von den Fischen, die der Fluss im Namen tr\u00e4gt, sei jedenfalls nichts zu sehen gewesen, sagt Fl\u00e1via Balderi. Der Grund: fehlende B\u00e4ume um die Ufer zu sichern. Bei Regen wurde deswegen immer mehr Erde von den kahlen Rinderweiden in den Strom gesp\u00fclt.<\/p>\n\n<p> \u00abDamals fragten sich viele, was wir da eigentlich machten. Die Region ist sehr konservativ\u00bb, erinnert sich Fl\u00e1via. \u00abWir waren ja nur ein kleiner Trupp idealistischer Teenager.\u00bb Heute, mehr als 20 Jahre sp\u00e4ter, h\u00e4ngen zahlreiche Preise und Urkunden im B\u00fcro von Copa\u00edba, die sich nach dem brasilianischen Copa\u00edba-Baum benannt hat. Die Schwestern haben es geschafft, ihre Region nachhaltig zu ver\u00e4ndern. Dass die beiden Frauen sind, macht ihren Erfolg im Macho-Land Brasilien umso bemerkenswerter. \u00abAm wichtigsten ist der Bewusstseinswandel, der durch uns in Gang gekommen ist\u00bb, sagt Fl\u00e1via Baderi.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08059-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87347\" width=\"736\" height=\"490\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08059-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08059-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08059-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08059-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08059-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08059-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px\" \/><figcaption>Fl\u00e1via (l.) und Ana Paula Balderi , die Gr\u00fcnderinnen der NRO Copaiba. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Rund eine Million Setzlinge 130 verschiedener Baumarten hat die NGO bislang gepflanzt, die allermeisten in der Serra Mantiqueira, der Heimatregion der Balderi-Schwestern. Noch vor 100 Jahren war sie komplett kahl, weil hier Kaffee angebaut und Vieh gez\u00fcchtet wurde. Auch heute sto\u00dfe man noch auf Ignoranz, sagt Fl\u00e1via Balderi, die Copa\u00edba derzeit alleine managt, weil ihre Schwester ein Kind bekommen hat. \u00abManchmal lassen Viehz\u00fcchter ihre Rinder einfach auf aufgeforstetem Land weiden.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n<p>Rund 500 Hektar und mehr als 200 L\u00e4ndereien haben die Schwestern Balderi, die heute 16 Angestellte besch\u00e4ftigen, aufgeforstet. In den neuen W\u00e4ldern sprudelten wieder Hunderte Quellen, sagt Fl\u00e1via Balderi. \u00abViele \u00e4ltere Landbesitzer, die den Erfolg sehen, kommen nun zu uns, weil ihnen das Wasser ausgeht. Sie haben verstanden, dass die Abholzung zu versiegenden Quellen f\u00fchrt.\u00bb Finanziert wird die Arbeit von Copa\u00edba \u00fcber Spenden und Partnerschaften mit Unternehmen. Das Pflanzen und die Pflege eines Setzlings kostet umgerechnet vier Euro. Au\u00dferdem beteiligt sich Copa\u00edba an \u00f6ffentlichen Ausschreibungen.\u00a0<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07801-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87353\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07801-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07801-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07801-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07801-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07801-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07801-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eine Mitarbeiterin pflanzt Samen der urspr\u00fcnglichen B\u00e4ume der Mata <strong>Atl\u00e2ntica<\/strong>. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07946-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87350\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07946-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07946-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07946-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07946-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07946-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC07946-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Samen der Fruta do Lobo (Solanum lycocarpum). \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Schwestern sind nicht alleine<\/h2>\n\n<p>Fl\u00e1via Balderi f\u00fchrt \u00fcber den Sitz von Copa\u00edba auf einem H\u00fcgel in der kleinen Gemeinde Monte Alegre do Sul. Das Herzst\u00fcck ist ein gro\u00dfes Gew\u00e4chshaus, in dem Copa\u00edba bis heute 3,5 Millionen Setzlinge hochgezogen hat. Auf rund der H\u00e4lfte des sechs Hektar gro\u00dfen Grundst\u00fccks wurde \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 ein Wald gepflanzt. Er dient dazu, Sch\u00fcler:innen die Natur nahe zu bringen. \u00abWir haben schon 30 000 Kinder und Jugendliche hier empfangen\u00bb, sagt die f\u00fcr das Erziehungsprogramm zust\u00e4ndige Tatiana Terasin, eine ausgebildete Lehrerin. \u00abBrasiliens Schulen sind furchtbar theoretisch und abstrakt\u00bb, sagt sie, \u00abbei uns kommen die Sch\u00fcler:innen in Kontakt mit der Natur. Die Arbeit von Copa\u00edba w\u00e4re ja f\u00fcr die Katz, wenn sie von zuk\u00fcnftigen Generationen nicht fortgef\u00fchrt w\u00fcrde.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n<p>So denkt auch Marcos Massukado. Der Anwalt aus S\u00e3o Paulo kaufte eine ehemalige Kaffee-Fazenda als Landsitz f\u00fcr sich und seine Familie und wandte sich an Copa\u00edba. \u00abIch denke, dass der Planet Hilfe braucht! Es ist notwendig, zu handeln\u00bb, schreibt Massukado per E-Mail, weil er am Tag des Besuchs in S\u00e3o Paulo ist. Von den rund 160 Hektar Land, die er besitzt, m\u00f6chte er die H\u00e4lfte bewalden und auf dem Rest weiterhin Kaffee anbauen. Die Wiederaufforstung wird von Copa\u00edba umgesetzt, finanziert wird sie von der Hamburger Firma Jungheinrich, die unter anderem Gabelstapler baut.<\/p>\n\n<p>\u00abDie Wiederaufforstung l\u00e4uft in mehreren Phasen ab\u00bb, erkl\u00e4rt \u00c1lvaro Guerreiro, einer der Wiederbewaldungsspezialisten von Copa\u00edba. Zun\u00e4chst werde der Boden aufbereitet, etwa das Weidegras entfernt und versucht, die Blattschneideameisen zu dezimieren, die junge B\u00e4ume in wenigen Stunden kahl fressen k\u00f6nnen. Dann suche man passende Baumarten und grabe kleine L\u00f6cher, die mit Hydrogel, einem D\u00fcnger, gef\u00fcllt w\u00fcrden, bevor der Setzling hineink\u00e4me. Nach 30, 60 und 90 Tagen w\u00fcrde dann kontrolliert, wie sich die Pflanzen entwickelten.&nbsp;<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08042-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87375\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08042-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08042-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08042-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08042-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08042-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220503-DSC08042-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Fl\u00e1via Balderi, die Gr\u00fcnderin der NRO Copaiba, betrachtet einen Setzling des Algodoeiro (Heliocarpus popayenensis). \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wandel in den K\u00f6pfen<\/h2>\n\n<p>Heute sind vier Mann des kleinen Unternehmens auf dem Grundst\u00fcck, das von Copa\u00edba mit dem Pflanzen beauftragt wurde. Maurilio Rodrigues hat fr\u00fcher mit Pferden und auf Kaffeeplantagen gearbeitet. Dann erkannte der 32-J\u00e4hrige, dass in der Region nicht nur mit Landwirtschaft Geld zu verdienen ist. Sein Unternehmen hat er \u00abRodrigues Planeta Verde\u00bb genannt. Er sagt, \u00abwir helfen dem Planeten\u00bb. Drei Angestellte hat Murilio, sie stapfen gerade in Gummistiefeln \u00fcber den aufzuforstenden Hang, entfernen da nachgewachsene Weidegras und d\u00fcngen rund um die Setzlinge. Murilio und seine junge Firma sind ein Beispiel f\u00fcr den Wandel, den Copa\u00edba in der Region bewirkt hat. Er findet nicht nur in der Natur statt, sondern auch in den K\u00f6pfen.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Allerdings zeigt das Beispiel von Marcos Massukado auch, dass es vor allem die neuen Landbesitzer:innen sind, die einen anderen Blick auf die Umwelt mitbringen. Dabei spielt auch der Tourismus eine wichtige Rolle, wenn beispielsweise alte Fazendas in Hotels umgewandelt werden. Tourist:innen wollen B\u00e4ume sehen, V\u00f6gel und andere Wildtiere und keine kahlen H\u00fcgel.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08202-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87362\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08202-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08202-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08202-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08202-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08202-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08202-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Mitarbeiter helfen bei der Pflanzung von einheimischen B\u00e4umen. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08185-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87365\" width=\"736\" height=\"490\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08185-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08185-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08185-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08185-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08185-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08185-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px\" \/><figcaption>Maurilio Rodrigues beim Auss\u00e4en. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>In dem pittoresken \u00d6rtchen Monte Alegre do Sul liegt die Kaffee-Fazenda von Luis Gonzaga aus dem 19. Jahrhundert. Wenn es etwas gibt, das der 64-j\u00e4hrige ehemalige Ingenieur \u00fcber alles liebt, dann sind es V\u00f6gel. Und so hat der Enkel italienischer Einwanderer einen Teil seiner Fazenda mithilfe von Copa\u00edba wiederbewaldet. Nun bietet er Vogelbeobachtungen an und es kommen Bird Watcher aus aller Welt zu ihm, weil sie hier seltene Eulen und 18 verschiedene Kolibriarten beobachten k\u00f6nnen, von denen drei nur in der Mata Atl\u00e2ntica vorkommen.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Aber nicht nur die V\u00f6gel sind dank der Wiederbewaldung zur\u00fcckgekehrt. Gonzaga hat in einem Waldst\u00fcck Kamerafallen angebracht und es sind ihm dabei schon seltene M\u00e4hnenw\u00f6lfe, ein Puma und gro\u00dfe Wildkatzen vor die Linse gelaufen. \u00abIch mache das alles aus Liebe zur Natur und zum Wasser\u00bb, sagt Gonzaga. \u00abIch m\u00f6chte, dass meine Kinder in einer intakten Umwelt Mata Atl\u00e2ntica und tue hier gemeinsam mit Copa\u00edba meinen Teil dazu.\u00bb<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08342-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87359\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08342-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08342-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08342-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08342-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08342-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/20220504-DSC08342-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Luis Gonzaga Truzzi, ein lokaler Landwirt, pflanz W\u00e4lder f\u00fcr die Zukunft seiner Kinder. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<p><strong>Philipp Lichterbeck<\/strong>, Jahrgang 1972, lebt seit 2012 in Rio de Janeiro. Der freie Korrespondent und Reporter berichtet f\u00fcr deutsche, schweizerische und \u00f6sterreichische Medien \u00fcber Brasilien und den Rest Lateinamerikas. 2013 erschien sein Buch \u00abDas verlorene Paradies. Eine Reise durch Haiti und die Dominikanische Republik\u00bb.<\/p>\n\n<p><strong>Ian Cheibub<\/strong>&nbsp;(geb. 1999) ist ein visueller Geschichtenerz\u00e4hler, der in Rio de Janeiro lebt und an der Universidade Federal Fluminense studiert. Er arbeitet zudem als Fotograf f\u00fcr Reuters und berichtet f\u00fcr andere Medien \u00fcber Geschichten in Brasilien. In seiner Arbeit versucht er zu verstehen, welche Mechanismen die Menschen aus dem Globalen S\u00fcden entwickeln, um zu \u00fcberleben.<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/api.whatsapp.com\/send?text=https%3A%2F%2Fact.gp%2F2V0GwSe\" target=\"_blank\"><\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/api.whatsapp.com\/send?text=https%3A%2F%2Fact.gp%2F3q8pD5r\" target=\"_blank\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Brasilien forstet ein Schwesternpaar die Mata Atl\u00e2ntica wieder auf, den stark dezimierten atlantischen Regenwald. Einst erstreckte er sich \u00fcber eine riesige Region entlang der Atlantikk\u00fcste. Im Lauf der Geschichte wurde er jedoch immer kleiner.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":87372,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[40],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[196],"class_list":["post-87327","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-wald","p4-page-type-hintergrund","gpch-article-type-reportage"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87327"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87327\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/87372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87327"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=87327"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=87327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}