{"id":88034,"date":"2022-07-30T10:48:27","date_gmt":"2022-07-30T08:48:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=88034"},"modified":"2022-08-02T16:02:06","modified_gmt":"2022-08-02T14:02:06","slug":"seepferdchen-in-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/88034\/seepferdchen-in-not\/","title":{"rendered":"Seepferdchen in Not"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>An der S\u00fcdk\u00fcste Portugals steht die Seepferdchenpopulation vor dem Aus. Doch Forscher:innen und Polizei, Umweltorganisationen und Politik, Schulen und Fischer:innen wollen die Tiere retten. Eine Reportage aus der Ria Formosa. <\/strong><\/p>\n\n<p>Der Raum, in dem Jorge Palma und sein Team versuchen, die einst dichteste Seepferdchenpopulation der Welt zu retten, ist klein, k\u00fchl und dunkel. Neonr\u00f6hrenlicht. Salzwassergeruch. Brummende Wasserpumpen. Vor dem 53-j\u00e4hrigen Meeresbiologen stehen drei Aquarien, darin gut zwei Dutzend Seepferdchen. Wie Neugeborene, die nach den H\u00e4nden ihrer Eltern greifen, schlingen sie ihre filigranen Schw\u00e4nze um gr\u00fcne \u2013 und auch blaue \u2013 Seegrasb\u00fcschel, die sanft im Wasser hin- und herwabern.<\/p>\n\n<p>Dieses blaue Seegras ist der wom\u00f6glich aussichtslose Versuch des Menschen, das zu retten, was er seit Jahrzehnten mutwillig zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n<p>2001 fand die kanadische Forscherin Janelle Curtis heraus, dass in der Ria Formosa, einem weit verzweigten Lagunensystem an der S\u00fcdk\u00fcste Portugals, zwischen 1,5 und zwei Millionen Tiere des Kurzschn\u00e4uzigen&nbsp;und Langschn\u00e4uzigen Seepferdchens&nbsp;leben. Nirgendwo sonst auf der Welt wurde bislang eine gr\u00f6\u00dfere Population entdeckt. Heute stehen diese Best\u00e4nde vor dem Aus. Forscher:innen und Polizei, Umweltorganisationen und Politik, Schulen und Fischer:innen versuchen, die Tiere zu retten. Ihr Kampf gilt jahrhundertealten Traditionen, dem Opportunismus der eigenen Bev\u00f6lkerung, dem illegalen Wildtierhandel nach Asien sowie dem Personalmangel portugiesischer Beh\u00f6rden. Und Kritik aus den eigenen Reihen.<\/p>\n\n<p>Erstmals entdeckt wurde der massive R\u00fcckgang der beiden Populationen 2008. Innerhalb von nur sieben Jahren schrumpfte der Bestand des Kurzschn\u00e4uzigen Seepferdchens um 73 Prozent. Der des Langschn\u00e4uzigen sogar um 94 Prozent. Vielleicht nicht mehr als eine nat\u00fcrliche Fluktuation? Das vermuteten anfangs auch die Forscher:innen. Inzwischen ist klar: Nicht die Natur, sondern der Mensch bedroht die Seepferdchen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"611\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/769ffd9e-8-1024x611.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88043\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/769ffd9e-8-1024x611.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/769ffd9e-8-300x179.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/769ffd9e-8-768x458.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/769ffd9e-8-1536x916.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/769ffd9e-8-2048x1221.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/769ffd9e-8-510x304.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Ria Formosa an der portugiesischen S\u00fcdk\u00fcste. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Seepferdchen haben viele Feinde<\/h2>\n\n<p>Mit Gummistiefeln und Watthose watet Meeresbiologe Palma vorsichtig durchs einen der drei Teiche rund um die Universit\u00e4tsforschungsstation Ramalhete. Im 19. Jahrhundert als Anlaufstelle f\u00fcr die Thunfisch-Fischerei gebaut, wird hier seit 2006, mitten in der Lagune zwischen dem Flughafen von Faro und der Atlantikk\u00fcste, zu Seepferdchen geforscht. Palma ist seit \u00fcber 15 Jahren fast t\u00e4glich hier. Pr\u00fcft, koordiniert, analysiert. Weist Forscher:innen ein, schreibt Projektantr\u00e4ge. Und beteiligt sich an der praktischen Feldarbeit. Die \u00c4rmel seines dunklen Pullis hochgekrempelt, greift er immer wieder ins Wasser und erntet gut ein Dutzend Seegrasb\u00fcschel. Stets darauf bedacht, die feinen Wurzeln nicht zu besch\u00e4digen. Denn gleich bekommt das Gras eine neue Heimat.<\/p>\n\n<p>Das Forscherteam experimentiert derzeit mit verschiedenen Habitaten f\u00fcr die Seepferdchen. Mal viel, mal wenig Seegras, an denen sich die Knochenfische festhalten k\u00f6nnen. Ein Aquarium wird mit der frischen Ernte aus dem Teich best\u00fcckt. In den anderen Aquarien sind auch blaue B\u00fcschel angebracht. Kein echtes Seegras, sondern d\u00fcnne Nylonseile. \u00abDer Verlust der Seepferdchen in der Ria Formosa hat viele Gr\u00fcnde: Klimawandel, Tourismus, L\u00e4rmbel\u00e4stigung, die gezielte Jagd auf die Tiere. Den weitaus gr\u00f6\u00dften Einfluss aber hat die Zerst\u00f6rung des Lebensraums. Wir wollen herausfinden, wie wir diesen Lebensraum \u2013 allen voran die Seegraswiesen \u2013 m\u00f6glichst schnell und naturgetreu wiederherstellen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n\n<p>Die Versuche zeigen, dass Seepferdchen auch k\u00fcnstliche Habitate akzeptieren. Bislang wurden 100 Quadratmeter aus umweltvertr\u00e4glichem \u00abSisal-Seegras\u00bb in einem der beiden Meeresschutzgebiete installiert. 2022 soll diese Fl\u00e4che verdoppelt werden, um langfristig ein m\u00f6glichst gro\u00dfes Cluster aus \u00abmarinen Kinderstuben\u00bb zu schaffen, in denen sich Organismen aller Art gefahrlos entwickeln k\u00f6nnen, sagt Palma.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"651\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/36ebcbb7-casal.1-1024x651.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88049\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/36ebcbb7-casal.1-1024x651.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/36ebcbb7-casal.1-300x191.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/36ebcbb7-casal.1-768x488.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/36ebcbb7-casal.1-1536x976.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/36ebcbb7-casal.1-2048x1301.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/36ebcbb7-casal.1-510x324.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Seepferdchen halten sich in freier Natur gerne an Seegr\u00e4sern fest. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c4891a6f-jorgepalma2-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88046\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c4891a6f-jorgepalma2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c4891a6f-jorgepalma2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c4891a6f-jorgepalma2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c4891a6f-jorgepalma2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c4891a6f-jorgepalma2-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c4891a6f-jorgepalma2-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Jorge Palma und sein Team versuchen, die Seepferdchenpopulation zu retten. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Vergangenen November wurden 60 in Aquarien gez\u00fcchtete Seepferdchen in die Lagune ausgewildert. Ein Novum in der Geschichte Portugals. F\u00fcr Miguel Correia ist das jedoch der falsche Fokus. Correia arbeitete 15 Jahre gemeinsam mit Palma am Seepferdchenprojekt. 2021 wechselte er zum Forschungs- und Innovationszentrum Mare in Lissabon, verfolgt die Geschehnisse an der Algarve jedoch weiter. \u00abSeepferdchen zu z\u00fcchten ist extrem aufw\u00e4ndig, teuer und nur unter Optimalbedingungen erfolgversprechend. Das sollte das letzte Mittel der Wahl sein. Welchen Unterschied machen au\u00dferdem 60 Tiere in einer Population von knapp 100 000\u00bb, fragt Correia. Er h\u00e4tte es zielf\u00fchrender gefunden, das ohnehin knappe Forschungsgeld in die L\u00f6sung des dringendsten Problems zu investieren: die Bek\u00e4mpfung der Fischerei mit Grundschleppnetzen in der Lagune. Au\u00dferdem solle man endlich Informationstafeln und \u00dcberwachungssysteme an den Meeresschutzgebieten installieren.<\/p>\n\n<p>\u00dcber Kameras habe Palma nachgedacht. \u00abDoch wer soll die permanent beobachten und vor Diebstahl und Vandalismus sch\u00fctzen? Das ist keine Aufgabe der Forscher:innen und der Polizei fehlt das Personal.\u00bb Das Zuchtprogramm verteidigt er. Sagt, man m\u00fcsse wissen, ob sich die ausgesetzten Tiere in der Lagune ansiedeln. Dennoch will auch er den Fokus k\u00fcnftig st\u00e4rker auf den Schutz und Erhalt des Habitats richten. Eigentlich auch eine Aufgabe der portugiesischen Umwelt- und Naturschutzbeh\u00f6rde ICNF. Von deren Algarve-Beauftragtem, Castel\u00e3o Rodrigues, wollten wir wissen, was der ICNF zum Schutz der Seepferdchen unternimmt. Bis heute blieben unsere Anfragen unbeantwortet.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Polizei wird permanent beobachtet<\/h2>\n\n<p>Dunst h\u00e4ngt \u00fcber der Lagune wie ein schweres, feuchtes Tuch. Es ist kurz vor Mitternacht. Andr\u00e9 Morais kneift die Augen zusammen, beugt sich ein St\u00fcck nach vorn. \u00abWas ist das?\u00bb, fragt der Kommandant der Marinepolizei seine Kolleg:innen. Er wartet keine Antwort ab. \u00abSchaltet die Lichter aus.\u00bb Die Silhouette, die der 45-J\u00e4hrige knapp 100 Meter vor sich sieht, ist in fast v\u00f6lliger Dunkelheit und gegen das Mondlicht kaum auszumachen. Ein kurzes Handzeichen von Morais, schon steuert sein Skipper n\u00e4her an das Zielobjekt heran. Einzig das sonore Grollen der Motoren und seichtes Wellenpl\u00e4tschern durchbrechen die angespannte Stille.<\/p>\n\n<p>Im schwarzen Wasser direkt vor dem Boot beginnt eines von zwei Meeresschutzgebieten vor der S\u00fcdk\u00fcste Portugals. 2020 in der Ria Formosa geschaffen, um die lokale Seepferdchen-Population vor dem Aussterben zu bewahren. Au\u00dfer Umweltsch\u00fctzer:innen, der Polizei sowie Forscher:innen der Universit\u00e4t der Algarve darf sich niemand in diesen Sperrzonen aufhalten. Geschweige denn dort fischen. Trotzdem werden hier immer wieder Netze und Fallen ausgeworfen. Und mit ihnen die Hoffnung, von Morais und seinen Kollegen unentdeckt zu bleiben. Ansonsten drohen, je nach Vergehen, bis zu 37 500 Euro Strafe. Oder f\u00fcnf Jahre Haft.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"991\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/7c90cb4c-h.hippocampus.codium-1024x991.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88052\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/7c90cb4c-h.hippocampus.codium-1024x991.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/7c90cb4c-h.hippocampus.codium-300x290.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/7c90cb4c-h.hippocampus.codium-768x743.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/7c90cb4c-h.hippocampus.codium-1536x1486.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/7c90cb4c-h.hippocampus.codium-2048x1981.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/7c90cb4c-h.hippocampus.codium-1412x1366.jpg 1412w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/7c90cb4c-h.hippocampus.codium-351x340.jpg 351w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>W\u00e4hrend der Nacht k\u00f6nnen die Seepferdchen in der Ria Formosa nicht ruhen, denn dann wird illegal gefischt. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Mit Taschenlampen versuchen die Beamten zu erkennen, was vor ihnen auf der Wasseroberfl\u00e4che treibt. Nach wenigen Augenblicken ist klar: keine Fischer, nur eine Boje. Die beiden Polizeiboote drehen ab. Die Beamten setzen ihre Patrouille in einem anderen Teil der Lagune fort. Aussichtslos, wie jede seiner Fahrten. Morais wei\u00df das. Sogenannte Spotter:innen beobachten alle Bewegungen rund um das Polizeihauptquartier und z\u00fccken ihre Handys, sobald die Beamten ausr\u00fccken. T\u00e4uschungsman\u00f6ver, etwa mit zivilen statt Polizeifahrzeugen, bringen selten Erfolg. \u00abWir haben zu wenig Personal, um dauerhaft effektiv zu patrouillieren. Dennoch ist es wichtig, dass wir \u00fcberhaupt rausfahren. Allein unsere Pr\u00e4senz schreckt viele ab\u00bb, sagt Morais, dessen kleine, muskul\u00f6se Statur sich in einer dicken Allwetterjacke vor der K\u00e4lte der Nacht zu sch\u00fctzen versucht.<\/p>\n\n<p>F\u00fcr den Kommandant ist jede vergebliche Suche auch eine erfolgreiche Suche.<\/p>\n\n<p>Kurz vor zwei Uhr nachts, zur\u00fcck im Hafen der K\u00fcstenstadt Olh\u00e3o. Bis auf einige kleine Vergehen blieb es heute ruhig. Trotzdem wei\u00df Morais, wie jeder hier in der Region, dass es sie gibt: Fischer:innen, die in der Lagune illegal nach Seezungen und Tintenfischen jagen. Nach Grundeln, Brassen und Aalen. Mit Grundschleppnetzen pfl\u00fcgen sie den Meeresboden wie Landwirt:innen ihre Felder. T\u00f6ten dabei Seepferdchen, zerst\u00f6ren deren Lebensraum \u2013 und damit langfristig ganze \u00d6kosysteme.<\/p>\n\n<p>Entscheidend f\u00fcr deren Schutz sind die beiden 0,6 Quadratkilometer gro\u00dfen Meeresschutzgebiete in der Lagune. Es sind die ersten in ganz Portugal. Bei den Gespr\u00e4chen \u00fcber das Wo und Wie sa\u00dfen auch zwei Vertreter der lokalen Fischergemeinde am runden Tisch. Ein Novum, denn bislang wurde die vor allem als Teil des Problems gesehen. Nicht als Teil der L\u00f6sung.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ver\u00e4rgerte Fischer:innen<\/h2>\n\n<p>\u00abWir sind froh und stolz, dass wir in die Entscheidungsfindung involviert wurden. Schlie\u00dflich kennt niemand die Ria Formosa und ihre Kan\u00e4le so gut wie wir\u00bb, sagt Rui Concei\u00e7\u00e3o, w\u00e4hrend er in der Nachmittagssonne seine Netze repariert. Der 62-j\u00e4hrige arbeitet seit 47 Jahren als Fischer und z\u00e4hlt zu den angesehensten Pers\u00f6nlichkeiten auf Culatra, einer der Lagune vorgelagerten Insel. Mit seinem Freund und Kollegen V\u00edtor Silvestre vertrat er die Interessen der Inselgemeinschaft. Es sei nicht einfach gewesen, hier alle von der Notwendigkeit der Schutzgebiete zu \u00fcberzeugen, sagen beide. Schlie\u00dflich lebten fast alle 1000 Einwohner:innen direkt oder indirekt vom Fischfang und m\u00fcssten sehen, wie sie \u00fcberleben k\u00f6nnten. Jede Sperrzone verringere das m\u00f6gliche Einkommen \u2013 und vergr\u00f6\u00dfere die Konkurrenz in den anderen Gebieten. Dennoch stehe Culatra nun geschlossen hinter der Entscheidung.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/48b03156-fishermen6-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88055\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/48b03156-fishermen6-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/48b03156-fishermen6-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/48b03156-fishermen6-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/48b03156-fishermen6-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/48b03156-fishermen6-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/48b03156-fishermen6-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Rui Concei\u00e7\u00e3o und seine Fischerkolleg:innen haben M\u00fche mit der Beh\u00e4bigkeit der portugiesischen B\u00fcrokratie. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/57635276-silvia1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88058\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/57635276-silvia1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/57635276-silvia1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/57635276-silvia1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/57635276-silvia1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/57635276-silvia1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/57635276-silvia1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Und S\u00edlvia Padinha sorgt sich \u00fcber die vielen Touristenboote. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Umso ver\u00e4rgerter sind Concei\u00e7\u00e3o und Silvestre \u00fcber die beh\u00e4bige portugiesische B\u00fcrokratie. \u00abEs kann nicht sein, dass die Schutzgebiete nach zwei Jahren noch nicht durch Bojen markiert sind\u00bb, sagt Silvestre. Der Blick in seinem faltigen, sonnengegerbten Gesicht verh\u00e4rtet sich. Die muskul\u00f6sen H\u00e4nde gestikulieren vehement. Die Berufsfischer:innen w\u00fcrden sich an das Fangverbot halten. Doch immer wieder werde es von Hobbyfischer:innen ignoriert, die sich etwas dazuverdienen oder ihre Familie ern\u00e4hren wollen. \u00abWenn wir diese Leute auf die Sperrzone hinweisen, sagen die nur: <em>Tut uns leid, das wussten wir nicht. Hier sind ja keine Bojen.<\/em> Das bestraft uns doppelt: Wir Berufsfischer d\u00fcrfen nicht fischen und wer das Verbot ignoriert, findet nun viel bessere Fischgr\u00fcnde vor\u00bb, sagt Silvestre. Das Risiko, von der Polizei kontrolliert zu werden, sei gering: \u00abDie haben viel zu wenig Leute. Aber wenn dort nicht bald Bojen installiert werden, \u00fcbernehmen wir das selbst.\u00bb<\/p>\n\n<p>Auf Nachfrage versichert Meeresbiologe Jorge Palma, die Signalbojen w\u00fcrden innerhalb der n\u00e4chsten Monate installiert. Bislang habe sich die Finanzierung, auch durch Covid-19, mehrfach verz\u00f6gert.<\/p>\n\n<p>Neben den illegalen Grundschleppnetzen versch\u00e4rfen auch Tourist:innen die Lage f\u00fcr die Seepferdchen. Dutzende Boote und Yachten ankern gerade in den Sommermonaten t\u00e4glich vor Culatra. Durch Str\u00f6mung und Gezeiten pfl\u00fcgen die eisernen Ankerketten \u00e4hnlich zerst\u00f6rerisch \u00fcber den Meeresgrund wie die verbotenen Netze. Wenn die Boote ablegen, hinterlassen sie kreisrunde Felder der Verw\u00fcstung ohne jegliches Leben. \u00abDas Hauptproblem ist, dass es keine festen Ankerpl\u00e4tze gibt. Die Leute ankern, wo sie wollen und so entstehen unz\u00e4hlige dieser toten Zonen. Doch das werden wir dieses Jahr \u00e4ndern\u00bb, sagt S\u00edlvia Padinha. Die 56-J\u00e4hrige&nbsp;ist die B\u00fcrgermeisterin der Inselgemeinschaft. In einem kleinen Hafencaf\u00e9 \u2013 wei\u00dfe Plastikst\u00fchle, eisgek\u00fchlte Limonade und schrilles M\u00f6wengeschrei\u2013 erz\u00e4hlt sie von den Pl\u00e4nen. 57 feste Ankerpl\u00e4tze, deren Bojen wom\u00f6glich aus Austernschalen bestehen, sollen bis Jahresende entstehen. Man m\u00fcsse sich im Hafen anmelden und f\u00fcr das Anlegen bezahlen. Das Geld finanziert die energetische Sanierung viele Geb\u00e4ude auf Culatra. Solarmodule und eine bessere Isolierung statt Asbestd\u00e4cher und Einfachverglasung. Bis 2030 will Culatra die erste klimaneutrale Insel Europas werden.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnen Schulprojekte mehr erreichen als die Regierung?<\/h2>\n\n<p>Die Fischergemeinde von Culatra spielte nicht nur bei der Gr\u00fcndung der Meeresschutzgebiete eine Rolle. Mitte 2016 h\u00f6ren die beiden Wissenschaftler Palma und Correia, dass in Caf\u00e9s und Bars \u00fcber eine neue Einnahmequelle gesprochen wird: getrocknete Seepferdchen, die \u00fcber Mittelsm\u00e4nner illegal nach Asien gelangen. \u00abBeweisen k\u00f6nnen wir das nicht, aber \u00fcber diverse Ecken haben wir von diesen Verk\u00e4ufen geh\u00f6rt\u00bb, sagt Correia. Mehrere Fischer seien von M\u00e4nnern mit regelrechten Bestelllisten f\u00fcr gef\u00e4hrdete oder gesch\u00fctzte Arten kontaktiert worden. \u00dcber Nacht entstand f\u00fcr Seepferdchen und Seegurken ein lukrativer Markt. Mit wenig Aufwand lie\u00df sich ein kleines Verm\u00f6gen machen. Das Resultat: W\u00e4hrend Fischer:innen die Seepferdchen, die sich in ihren Netzen verfangen hatten, bislang ignorierten oder zur\u00fcck ins Wasser setzten, wurden sie nun aktiv gejagt und nachts heimlich zu Hunderten gesammelt. \u00abNiemand gab es offen zu und es waren auch nur wenige Leute involviert, aber f\u00fcr die Population war das fatal\u00bb, sagt Correia. <\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"694\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/04fd6451-trio-1024x694.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88061\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/04fd6451-trio-1024x694.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/04fd6451-trio-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/04fd6451-trio-768x521.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/04fd6451-trio-1536x1042.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/04fd6451-trio-2048x1389.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/04fd6451-trio-2014x1366.jpg 2014w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/04fd6451-trio-501x340.jpg 501w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Auch illegale Verk\u00e4ufe nach Asien gef\u00e4hrden die Population der Seepferdchen. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Erwischt wurde in Portugal noch niemand. Zu einfach lassen sich selbst hunderte der kleinen Knochenfische an den Kontrollen der Beh\u00f6rden vorbeischmuggeln. Eine Plastikt\u00fcte, die unter den Rumpf des Bootes geklebt wird, findet kein Polizist. Einzig im Hafen von Marbella wurde 2017 ein Schmuggelfall aufgedeckt. 2133 getrocknete Seepferdchen \u2013 7,12 Kilo mit einem Marktwert von knapp 10 000 Euro \u2013 sollte nach Asien verkauft werden. Von einem P\u00e4rchen aus Olh\u00e3o. \u00abGl\u00fccklicherweise hatten wir es hier nie mit der gro\u00dfen organisierten Kriminalit\u00e4t zu tun. Seit zwei, drei Jahren h\u00f6ren wir auch nichts mehr vom Schmuggel. Vermutlich sind die Best\u00e4nde so stark zur\u00fcckgegangen und die Strafen derart hoch, dass sich das Risiko nicht mehr lohnt\u00bb, sagt Palma. Dass keine Seepferdchen mehr gesammelt und getrocknet werden, will der Forscher indes auch nicht glauben.<\/p>\n\n<p>Gro\u00dfe Hoffnungen lasten auch auf der portugiesischen Regierung. Mit Ricardo Santos leitet erstmals ein Marinebiologe das Ministerium f\u00fcr Meeresangelegenheiten. Der 67-j\u00e4hrige reist Anfang M\u00e4rz extra aus Lissabon an, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. \u00abEs ist schwer, alle illegalen Aktivit\u00e4ten in der Lagune zu kontrollieren. Doch aus Medienberichten sehen wir, dass die Beh\u00f6rden sehr aktiv sind. Das Problem ist zwar noch langen nicht gel\u00f6st, aber die Situation verbessert sich\u00bb, sagt er vor seinem Tauchgang in einem der beiden Meeresschutzgebiete der Lagune. <\/p>\n\n<p>Im Gespr\u00e4ch wirkt Santos m\u00fcde. Sein Gesicht und der Dreitagebart sind so fahl und ausgeblichen wie das graubraun karierte Sakko, das \u00fcber seinen Schultern h\u00e4ngt. Santos ist engagiert, aber unkonzentriert. Verwechselt mehrfach Seepferdchen und Seegurken. Sein B\u00fcroleiter korrigiert ihn. Und Fragen nach konkreten Ma\u00dfnahmen der Regierung weicht Santos aus. Inwieweit er das Kabinett tats\u00e4chlich f\u00fcr den Erhalt der \u00d6kosysteme gewinnen h\u00e4tte k\u00f6nnen, werden wir nie wissen. Denn ein paar Monate sp\u00e4ter erfahren wir, dass Santos Ende M\u00e4rz zur\u00fcckgetreten ist \u2013 bzw. wurde sein Aufgabenbereich unter der neuen Regierung, die im Januar gew\u00e4hlt worden war, aufgel\u00f6st. Die \u00abmaritimen Angelegenheiten\u00bb fallen fortan wieder unter die Zust\u00e4ndigkeit des Wirtschaftsministeriums. Alles andere als ein gutes Zeichen f\u00fcr den Meeres- bzw. Umweltschutz.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/32335f7e-minister-1024x751.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88064\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/32335f7e-minister-1024x751.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/32335f7e-minister-300x220.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/32335f7e-minister-768x563.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/32335f7e-minister-1536x1127.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/32335f7e-minister-2048x1503.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/32335f7e-minister-1862x1366.jpg 1862w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/32335f7e-minister-463x340.jpg 463w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Ricardo Santos, ehemaliger Leiter des Ministeriums f\u00fcr Meeresangelegenheiten, konnte in seiner kurzen Amtszeit den Seepferdchen nicht helfen. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-88067\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-911x1366.jpg 911w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-227x340.jpg 227w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/07\/c3eeaa14-professor4-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Vielleicht kommt die Rettung aber in Form von Schulklassen, die sich mit dem Schutz der Seepferdchen auseinandersetzen. \u00a9 <strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Wom\u00f6glich kommt die Rettung f\u00fcr die Seepferdchen aber sowieso nicht von Schreibtischen aus Lissabon \u2013 sondern aus den Klassenr\u00e4umen der Algarve. Seit 2017 l\u00e4uft dort das Projekt \u00abEscola-Azul\u00bb, die blaue Schule. \u00abWir wollen Kindern und Jugendlichen so viel wie m\u00f6glich \u00fcber den Ozean beibringen, sie \u00fcber die Probleme aufkl\u00e4ren und ihnen zeigen, wie sie Seepferdchen und andere Meerestiere sch\u00fctzen k\u00f6nnen\u00bb, sagt Patr\u00edcia Gra\u00e7a. Die 51-J\u00e4hrige unterrichtet an einer Grundschule in Olh\u00e3o. Durch Exkursionen in die Lagune, Vortr\u00e4ge von Wissenschaftler:innen und auch kleine Experimente, etwa zur Nahrungsaufnahme von Seepferdchen, sollen Kinder f\u00fcr die bedrohliche Situation aufmerksam gemacht werden \u2013 und diese Informationen an ihre Eltern tragen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bewusstsein f\u00fcr Meeresschutz w\u00e4chst \u2013 aber die Gefahr auch<\/h2>\n\n<p>Vor einigen Jahren noch war auch f\u00fcr Portugiesen selbstverst\u00e4ndlich, beim Schwimmen oder Schnorcheln Seepferdchen zu ber\u00fchren. Auch Meeresminister Santos kann sich erinnern, wie zu seiner Jugendzeit Souvenirs mit getrockneten Seepferdchen am Strand verkauft wurden. Szenen, die es heute in Portugal so kaum mehr gibt. Insbesondere an der Algarve ist das Bewusstsein f\u00fcr den Schutz des marinen \u00d6kosystems in vielen Teilen der Gesellschaft angekommen. Es scheint, als w\u00fcrden die verschiedenen Ma\u00dfnahmen \u2013 Meeresschutzgebiete, h\u00f6here Strafen durch Beh\u00f6rden, Forschungsprogramme und Informationskampagnen in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 tats\u00e4chlich helfen.<\/p>\n\n<p>Wie viele Tiere aktuell in der Ria Formosa leben, ist ungewiss. Manche Sch\u00e4tzungen sprechen von 100 000, andere von 150 000 Tieren. Noch immer nur ein Bruchteil der urspr\u00fcnglichen Best\u00e4nde. Palma jedoch glaubt, die Population sei derzeit stabil.<\/p>\n\n<p>Die n\u00e4chste Herausforderung wartet allerdings. Die Gr\u00fcnalge Caulerpa, eine invasive Art, die vermutlich durch Boote aus dem Mittelmeer an die Algarve gebracht wurde und die sich hier ohne nat\u00fcrliche Feinde rasant verbreitet. Wo sie w\u00e4chst, lassen sich kaum Seepferdchen nieder. Und die, die es versuchen, finden nur wenig N\u00e4hrstoffe. Eine weitere H\u00fcrde, die es f\u00fcr die kleinen Gesch\u00f6pfe zu \u00fcberwinden gilt. <\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p><strong>Florian Sturm<\/strong> arbeitet als als freier Journalist f\u00fcr diverse Magazine und Zeitungen im In- und Ausland und besch\u00e4ftigt sich vor allem mit den Themen Fotografie, Reise und Wissenschaft. F\u00fcr seine Reportagen ist er gerne mit Hund und Notizbuch in seinem Van unterwegs. <\/p>\n\n<p><strong>Jo\u00e3o Rodrigues<\/strong> ist Fotojournalist, Schriftsteller, Filmemacher und Meeresbiologe mit den Schwerpunkten Naturgeschichte und Naturschutz. In seiner beruflichen Laufbahn hat er von den eisigen Gew\u00e4ssern der nordischen Meere bis zu den Korallenriffen der Tropen getaucht.<\/p>\n<div class=\"EmptyMessage\">Block content is empty. Check the block&#8217;s settings or remove it.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2001 lebten an der S\u00fcdk\u00fcste Portugals noch zwischen 1,5 und zwei Millionen Seepferchen. Heute stehen diese Best\u00e4nde vor dem Aus. 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