{"id":88127,"date":"2022-08-08T09:17:12","date_gmt":"2022-08-08T07:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=88127"},"modified":"2022-08-08T11:38:31","modified_gmt":"2022-08-08T09:38:31","slug":"massiv-erhoehte-strahlenwerte-in-tschernobyl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/88127\/massiv-erhoehte-strahlenwerte-in-tschernobyl\/","title":{"rendered":"Massiv erh\u00f6hte Strahlenwerte in Tschernobyl"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die internationale Atomenergiebeh\u00f6rde verharmlost die atomaren Risiken durch die russische Invasion um die Ruine des Kernkraftwerks von Tschernobyl in der Ukraine. Das zeigen Strahlenmessungen von Greenpeace vor Ort. Einmal mehr wird klar: Atomenergie hat keine Zukunft.<\/strong><\/p>\n\n<p>Der russische Angriffskrieg in der Ukraine lenkt den Blick auch auf die nukleare Katastrophe von Tschernobyl 1986. Damals explodierte Block 4 des Atomkraftwerks und verstrahlte 150\u2019000 Quadratkilometer Land. Noch immer ist die Sperrzone um die Atomruine unbewohnbar. Dessen ungeachtet hat die russische Armee im Fr\u00fchjahr rund um die havarierte Anlage Sch\u00fctzengr\u00e4ben ausgehoben und Unterst\u00e4nde gebaut.<\/p>\n\n<p>Ein f\u00fcnfk\u00f6pfiges Expertenteam unter der Leitung von Greenpeace Deutschland war in Tschernobyl unterwegs, um die Auswirkungen durch die milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten abzusch\u00e4tzen \u2013 und zu untersuchen, welchen Gefahren Mensch und Umwelt ausgesetzt waren und sind.<\/p>\n\n<p>Auf ihrer viert\u00e4gigen Messtour analysierte das Greenpeace-Team 19 Proben aus dem Areal, in dem russische Soldaten Sch\u00fctzengr\u00e4ben ausgehoben und so radioaktiv verstrahlte Erde freigelegt haben.<\/p>\n\n<p>Das Expertenteam mass Strahlenwerte, die \u00fcber drei Mal h\u00f6her sind als von der Internationalen Atomenergiebeh\u00f6rde (IAEO) angegeben. Die Messungen dokumentieren Radioaktivit\u00e4tswerte, die den internationalen Grenzwert f\u00fcr Atomm\u00fcll um bis das Vierfache \u00fcberschreiten.<\/p>\n\n<p>IAEO-Direktor Rafael Mariani Grossi hatte Ende April verk\u00fcndet, es seien zwar erh\u00f6hte Werte zu verzeichnen, diese seien aber keine grosse Gefahr f\u00fcr Mensch und Umwelt.<\/p>\n\n<p>Dazu kommt: Nach ukrainischen Angaben zerst\u00f6rten die russischen Besatzer eine Datenbank mit Informationen zu radioaktiv belasteten Fl\u00e4chen in der Region und pl\u00fcnderten ein Labor. Die wissenschaftliche Arbeit zum Umgang mit der Verstrahlung wurde um Jahrzehnte zur\u00fcckgeworfen.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00abWir wollten wissen, was vor Ort geschehen ist\u00bb<\/strong><\/h2>\n\n<p>Den meisten Schweizer Medien waren die Greenpeace-Messungen keine Nachricht wert. Dabei waren es die ersten unabh\u00e4ngigen Strahlenmessungen seit Beginn des Krieges von Russland gegen die Ukraine. Die ukrainische Regierung hatte die Recherche-Reise genehmigt. \u00abWir wollten wissen, war vor Ort geschehen ist\u00bb, sagt Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace Deutschland.<\/p>\n\n<p>Heute steht die Atomruine Tschernobyl wieder unter Kontrolle der Ukraine. Anders das weltgr\u00f6sste <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/international\/nuclear-power-plant-vulnerability-during-military-conflict-ukraine-technical-briefing\/\">Atomkraftwerk in Zaporizhzhia<\/a>, das dar\u00fcber hinaus in einer umk\u00e4mpften Region liegt. Seit M\u00e4rz h\u00e4lt die russische Armee Zaporizhzhia besetzt. Betrieben wird das Werk weiterhin vom ukrainischen Staatskonzern Energoatom. \u00abAtomanlagen k\u00f6nnen genauso wie Atomwaffenst\u00fctzpunkte Angriffsziele sein oder sogenannte Kollateralsch\u00e4den werden\u00bb, sagt Breuer. Genau das ist in den vergangenen Tagen geschehen. <a href=\"http:\/\/tagesschau.de\/ausland\/europa\/ukraine-krieg-russland-119.html\">Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig vor<\/a>, das Atomkraftwerk beschossen zu haben.<\/p>\n\n<p>Die Folgen eines m\u00f6glichen Atomunfalls w\u00e4ren laut Atomexperte Florian Kasser von Greenpeace Schweiz verheerend: \u00abIn erster Linie w\u00e4re die Bev\u00f6lkerung in der Umgebung rund um das AKW betroffen. Die Radioaktivit\u00e4t k\u00f6nnte jedoch bis nach Mitteleuropa kommen. Eine Rolle spielt hierbei der Wind.\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>FDP fordert Investitionen in Schweizer AKW<\/strong><\/h2>\n\n<p>Klar ist, Tschornobyl und Zaporizhzhia mahnen, dass die Schweiz am Atomausstieg festhalten muss \u2013 je schneller desto sicherer. Daran \u00e4nderen auch die Forderungen von FDP-Pr\u00e4sident Thierry Burkart in einem <a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/politik\/thierry-burkart-ueber-das-drohende-lichterloeschen-in-der-schweiz-fdp-chef-will-akw-laenger-laufen-lassen-id17687340.html\">Blick-Interview<\/a> nichts. Burkart pl\u00e4diert f\u00fcr den Weiterbetrieb der \u00abbestehenden Kraftwerke\u00bb sowie \u00abregulatorische Rahmenbedingungen\u00bb, damit \u00abdie notwendigen Investitionen in die Sicherheit dieser Anlagen f\u00fcr die Betreiber wirtschaftlich sind\u00bb. Sprich: Der und die Steuerzahler:in sollen einmal mehr in eine veraltete und risikoreiche Energieform investieren.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>AKW Beznau l\u00e4uft mit Ausnahmegenehmigung<\/strong><\/h2>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.nau.ch\/politik\/bundeshaus\/greenpeace-hitzewelle-zeigt-dass-akws-nicht-zuverlassig-sind-66226247\">Atomkraftwerke sind zudem klimakrisen-untauglich<\/a>. J\u00fcngster Beweis ist das AKW Beznau (AG). Seit rund zwei Wochen l\u00e4uft es nur mit gedrosselter Leistung und <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/angst-um-versorgungssicherheit-akw-beznau-darf-trotz-zu-hoher-wassertemperatur-weiterlaufen\">mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamtes f\u00fcr Energie<\/a>. <\/p>\n\n<p>Damit es nicht zu einem Massenfischsterben kommt, darf die Aare nach Einleiten des K\u00fchlwassers nicht w\u00e4rmer als 25 Grad sein. Bei h\u00f6heren Temperaturen sind Fische wie Forellen und \u00c4schen akut gef\u00e4hrdet.<\/p>\n\n<p>Ist die Marke von 25 Grad \u00fcberschritten, muss die Leistung der Reaktoren reduziert werden. Sind die Temperatur l\u00e4nger als drei Tage \u00fcber dieser Marke, m\u00fcssen die Reaktoren ganz heruntergefahren werden. Das war bereits vor Tagen der Fall. Doch aus Gr\u00fcnden der Versorgungssicherheit l\u00e4sst das Bundesamt den Betrieb reduziert weiterlaufen. Das geht aus einer Feststellungsverf\u00fcgung vom 23. Juli 2022 des Bundesamtes zuhanden der Axpo hervor. Darin steht, dass die Axpo das Kernkraftwerk Beznau <a href=\"https:\/\/www.bfe.admin.ch\/bfe\/de\/home\/news-und-medien\/medienmitteilungen\/mm-test.msg-id-75721.html\">gem\u00e4ss Zwischenverf\u00fcgung vom 4. Juli 2019<\/a> weiter betreiben kann.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Schweiz braucht einen Solar-Sprint<\/strong><\/h2>\n\n<p>Der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen ist ohne Kernenergie m\u00f6glich. Die L\u00f6sungen liegen vor. Das zeigt das <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/85166\/themenschwerpunkt-atom-und-klima\/\">Energieszenario von Greenpeace Schweiz<\/a>. Die CO2-Emissionen des Energiesektors lassen sich in den n\u00e4chsten zehn Jahren komplett eliminieren. Das entspricht rund 75 Prozent aller Treibhausgasemissionen. Der Aus- und Umstieg ist machbar, ohne die Biodiversit\u00e4t und nat\u00fcrliche Landschaften weiter zu zerst\u00f6ren. Grundlage sind die bestehenden Wasserkraftwerke, eine verst\u00e4rkte Energieeffizienz und <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/85192\/solar-for-peace-solarenergie-ist-die-beste-loesung-fuer-die-energieunabhaengigkeit-der-schweiz-und-fuer-das-klima\/\">ein sprintm\u00e4ssiger Ausbau der Solarenergie<\/a>.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Dokumentation<\/strong><\/h2>\n\n<p>Greenpeace Deutschland hat in der Ukraine Strahlenmessungen vorgenommen, um die Auswirkungen des russischen Angriffs zu dokumentieren. Ergebnisse und Hintergr\u00fcnde findest du in der englischsprachigen <a href=\"https:\/\/storymaps.arcgis.com\/stories\/1afeaa6ad822495fb94787f158fe815d\">Dokumentation<\/a> und in der <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/international\/press-release\/54762\/greenpeace-investigation-challenges-nuclear-agency-on-chornobyl-radiation-levels\/\">internationalen Medienmitteilung<\/a>.<\/p>\n\n<p> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die internationale Atomenergiebeh\u00f6rde verharmlost die atomaren Risiken durch die russische Invasion um die AKW-Ruine von Tschernobyl . 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