{"id":90241,"date":"2022-09-29T07:00:00","date_gmt":"2022-09-29T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=90241"},"modified":"2022-09-28T17:37:12","modified_gmt":"2022-09-28T15:37:12","slug":"brasilien-steht-vor-der-wahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/90241\/brasilien-steht-vor-der-wahl\/","title":{"rendered":"Brasilien steht vor der Wahl"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Am 2. Oktober sind rund 160 Millionen Brasilianer:innen aufgerufen, einen Pr\u00e4sidenten zu w\u00e4hlen; au\u00dferdem einen neuen Kongress sowie neue L\u00e4nderparlamente und Gouverneure. Es ist das, was man als Richtungswahl bezeichnet. Mit Bolsonaro und Lula konkurrieren vollkommen verschiedene Vorstellungen von Brasilien miteinander. Sie betreffen auch und vor allem die Umweltpolitik, insbesondere den Umgang mit Brasiliens riesiger Amazonasregion und seinen indigenen V\u00f6lkern.<\/strong><\/p>\n\n<p>Glaubt man den Umfragen, dann liegt der ultrarechte Amtsinhaber Jair Bolsonaro im Rennen um die Pr\u00e4sidentschaft deutlich hinter seinem Herausforderer, Ex-Pr\u00e4sident Lula da Silva von der linken Arbeiterpartei (PT). Keiner der anderen Kandidaten spielt eine wesentliche Rolle. Sp\u00e4testens im zweiten Wahlgang Ende Oktober w\u00fcrde Lula zum neuen alten Pr\u00e4sidenten Brasiliens gew\u00e4hlt. Er regierte Brasilien bereits von 2003 bis 2011.<\/p>\n\n<p>Die Regierung Bolsonaros, ein ultrarechter Hauptmann der Reserve, w\u00e4re damit beendet. Doch er hinterl\u00e4sst ein toxisches Erbe f\u00fcr die Umwelt. Insbesondere f\u00fcr die Amazonasregion und Brasiliens indigene V\u00f6lker waren die vergangenen vier Jahre katastrophal.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wirtschaft vor Umweltschutz<\/h2>\n\n<p>Schon vor seinem Amtsantritt 2019 hatte Bolsonaro keinen Hehl aus seiner Verachtung f\u00fcr den Umweltschutz und Brasiliens Ureinwohner:innen gemacht. Seine Ablehnung betraf auch traditionelle l\u00e4ndliche Gemeinschaften wie Kleinbauern, Fischerinnen, Quilombolas (Nachkommen von Sklaven) und Extraktivistinnen (sie leben vom Sammeln der Fr\u00fcchte des Waldes).<\/p>\n\n<p>Die Haltung hat mit Bolsonaros antiquierter Vorstellung von \u00f6konomischem Fortschritt zu tun. F\u00fcr ihn sind Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung ein Widerspruch. Dort, wo Wald existiert, kann es keine Entwicklung geben und vice versa. Es ist ein Modell, das auf Wachstum durch r\u00fccksichtslose Ausbeutung der Natur beruht. Traditionelle Gemeinschaften, die nachhaltig und ressourcenschonend produzieren, kommen darin nicht vor, da sie als unproduktiv und somit \u00fcberfl\u00fcssig und hinderlich betrachtet werden.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"533\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/534a425d-gp1sw05o_-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-90276\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/534a425d-gp1sw05o_-1.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/534a425d-gp1sw05o_-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/534a425d-gp1sw05o_-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/534a425d-gp1sw05o_-1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Eine Projektion in New York im Vorfeld von Bolsonaros Besuch am UN Assembly. \u00a9 Ken Schles \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Bolsonaro-Regierung bevorzugte folglich in ihren Gesetzesvorhaben die f\u00fcr den Export produzierende Agrarwirtschaft sowie die Minenindustrie, welche die Bodensch\u00e4tze im Amazonasbecken ausbeuten will. Ihre Gesetzesprojekte zielten h\u00e4ufig darauf ab, die Indigenenreservate f\u00fcr die wirtschaftliche Ausbeutung zu \u00f6ffnen. Laut der Initiative \u00abMarco Temporal\u00bb sollen beispielsweise nur noch Gebiete als Reservate ausgewiesen werden, auf denen zum Zeitpunkt der Verk\u00fcndung der brasilianischen Verfassung am 5. Oktober 1988 Indigene lebten. Das Vorhaben wird derzeit vom Obersten Gerichtshof Brasiliens gepr\u00fcft. Es w\u00fcrde zahlreichen indigenen Gemeinschaften die M\u00f6glichkeit nehmen, das Land ihrer Vorfahren zu beanspruchen und so gut wie alle Prozesse zur Ausweisung neuer Reservate stoppen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Waldvernichtung kurz vor Wahl auf H\u00f6hepunkt<\/h2>\n\n<p>In Bolsonaros Amtszeit hat die Waldvernichtung jedes Jahr neue Rekordwerte erreicht \u2013 und sich nun kurz vor den Wahlen noch einmal erheblich beschleunigt. Offenbar wollen die Verbrecher:innen Fakten schaffen, bevor eine neue Regierung ins Amt kommt. <\/p>\n\n<p>Rund drei Monate vor dem Jahresende wurden bereits mehr Waldbr\u00e4nde festgestellt als im gesamten Jahr 2021. Brasiliens Weltraumagentur (Inpe) erfasste mit ihren Satelliten zwischen Januar und August 75 592 Br\u00e4nde, w\u00e4hrend es im gesamten Vorjahr \u00abnur\u00bb 70 090 Br\u00e4nde waren. Allein in der ersten Septemberwoche zeichnete die Inpe 18 400 Feuer auf \u2013 mehr als im gesamten September 2021 zusammengenommen. Die Br\u00e4nde entstehen meist als Folge der Abholzung: Wurden aus einem Gebiet die verwertbaren B\u00e4ume herausgeholt, beseitigt man die restliche Vegetation per Feuer. Die Br\u00e4nde fressen sich h\u00e4ufig unkontrolliert weiter in den Wald hinein.\u00a0<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"533\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/e787afce-gp1szpho_-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-90279\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/e787afce-gp1szpho_-1.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/e787afce-gp1szpho_-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/e787afce-gp1szpho_-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/e787afce-gp1szpho_-1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Im brasilianischen Porto Velho brennt es im Juli 2022 tagelang. \u00a9 Nilmar Lage \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"534\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/ad08885c-gp1svzx2_-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-90282\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/ad08885c-gp1svzx2_-1.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/ad08885c-gp1svzx2_-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/ad08885c-gp1svzx2_-1-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/ad08885c-gp1svzx2_-1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Die Feuer werden unter anderem gelegt, um Land f\u00fcr beispielsweise die Viehzucht freizulegen. \u00a9 Victor Moriyama \/ Amaz\u00f4nia em Chamas<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Waldfl\u00e4che, die insgesamt in vier Jahren Bolsonaro vernichtet wurde, betr\u00e4gt laut Institut f\u00fcr Mensch und Umwelt in Amazonien (Imazon) rund 25 000 Quadratkilometer, das entspricht mehr als der H\u00e4lfte der Schweiz. Damit ist die Abholzung zwar geringer als noch in den 1990er und fr\u00fchen 2000er-Jahren, als der Sojaanbau in Brasilien massiv ausgeweitet wurde. Aber es ist ein drastischer Anstieg im Vergleich zu den Jahren ab 2006, als die Abholzung immer weiter absank, ehe sie ab 2012 wieder leicht stieg und nach 2018 dann regelrecht explodierte.<\/p>\n\n<p>Die Abholzung hat auch Folgen f\u00fcr Brasiliens Klimabilanz. Das Land ist heute der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Verursacher von Treibhausgasemissionen, wobei 80 Prozent dieser Emissionen auf ver\u00e4nderte Landnutzung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. \u00abDer gesamte s\u00fcdliche Amazonas steht kurz davor, ein v\u00f6llig degradiertes \u00d6kosystem zu werden\u00bb, sagt Carlos Nobre, einer der weltweit f\u00fchrenden Klimaforscher. \u00abBrasilien ist derzeit das Land mit den h\u00f6chsten\u00a0Abholzungszahlen\u00bb,\u00a0f\u00fcgt er an. \u00abEin gro\u00dfer Teil des s\u00fcdlichen Amazonasgebiets ist heute keine Kohlenstoffsenke mehr, sondern eine Quelle von Kohlenstoffemissionen.\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gewalt gegen Indigene keine Seltenheit<\/h2>\n\n<p>Parallel zur Waldzerst\u00f6rung haben unter Bolsonaro auch die Angriffe auf Brasiliens Indigenenreservate zugenommen. Goldgr\u00e4ber, Holzf\u00e4llerinnen, illegale J\u00e4ger und Fischerinnen, Viehz\u00fcchter und Getreideb\u00e4uerinnen sind immer ungenierter in die eigentlich streng gesch\u00fctzten Gebiete eingedrungen. Dabei kam es h\u00e4ufig zu Gewalt gegen Indigene, etwa in Parque Yanomami, einem der gr\u00f6\u00dften Reservate Brasiliens.<\/p>\n\n<p>Dort halten sich heute sch\u00e4tzungsweise 20 000 illegale Goldsucher:innen auf. Hinter ihnen stehen m\u00e4chtige Interessen, die die Arbeiter:innen mit Baggern, Pumpen und Propellermaschinen ausstatten. Besonders sch\u00e4dlich ist der Einsatz des hochgiftigen Schwermetalls Quecksilber bei der Goldw\u00e4scherei. Zahlreiche Amazonasfl\u00fcsse weisen heute besorgniserregende Quecksilberwerte auf. \u00dcber die Fische gelangen sie auch in den menschlichen Organismus, weswegen in zahlreichen Flussgemeinden in Amazonien kaum noch Fisch gegessen wird.<\/p>\n\n<p>Bolsonaro hat die Eindringlinge immer wieder verteidigt. Er behauptet, dass die Indigenen den Bergbau und die Agrarindustrie auf ihrem Land bef\u00fcrworteten, um notwendiges Einkommen zu schaffen. Doch die Yanomami beispielsweise haben dies immer wieder bestritten. Sie sagen, sie wollen selbst \u00fcber ihr Land bestimmen, \u2013 so wie man es eigentlich immer von den Indigenen h\u00f6rt. Sie beschuldigen Bolsonaro, die Kriminellen zu ermutigen. <\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"533\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/dfb0dfe5-gp1sxb24_-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-90285\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/dfb0dfe5-gp1sxb24_-1.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/dfb0dfe5-gp1sxb24_-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/dfb0dfe5-gp1sxb24_-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/dfb0dfe5-gp1sxb24_-1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Indigene Aktivist:innen protestieren 2022 gegen den illegalen Bergbau in ihren Reservaten. \u00a9 Tuane Fernandes \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"535\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a4b253c9-gp1sxb0g_-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-90288\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a4b253c9-gp1sxb0g_-1.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a4b253c9-gp1sxb0g_-1-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a4b253c9-gp1sxb0g_-1-768x514.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a4b253c9-gp1sxb0g_-1-508x340.jpg 508w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Die Aktivist:innen zeigen in ihren Protesten das Leiden auf, das durch illegalen Bergbau hervorgerufen wird. \u00a9 Tuane Fernandes \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Tats\u00e4chlich hatte Bolsonaro schon vor seinem Wahlsieg der Industrie versprochen, dass unter ihm kein einziges neues Reservat ausgewiesen werde. Daran hat er sich gehalten. Seine Begr\u00fcndung: Es gebe in Brasilien zu viel Land f\u00fcr wenig Indios.<\/p>\n\n<p>Die zunehmende Bedrohung von Brasiliens Ureinwohner:innen, ihrer Lebensweise und ihren Territorien geh\u00f6rt sicherlich zu den gr\u00f6\u00dften Trag\u00f6dien der vergangenen vier Jahre \u2013 auch f\u00fcr den Umweltschutz. Brasiliens\u00a0Indigenenreservate machen fast 14 Prozent der Landesfl\u00e4che aus, dort leben rund 650 000 der etwa eine Million erfassten Ureinwohner:innen. Nirgends ist die Natur heute intakter, nirgends das Wasser sauberer und die biologische Vielfalt gr\u00f6\u00dfer. W\u00e4hrend in den Reservaten seit 1985 nur 1,6 Prozent an Waldfl\u00e4che verloren ging, waren es in manchen Amazonas-Bundesstaaten zwischen 20 und 30 Prozent. Die Reservate sind also Bollwerke gegen die Umweltzerst\u00f6rung.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vier Jahre Umweltzerst\u00f6rung<\/h2>\n\n<p>Was auf Brasilien unter Bolsonaros zukommen w\u00fcrde, zeichnete sich bereits fr\u00fch ab. In Bolsonaros erstem Amtsjahr w\u00fcteten verheerende Feuer in der Amazonasregion. Die Holzf\u00e4ller, Viehz\u00fcchterinnen, Gro\u00dfbauern und die Landmafia (sie besetzt \u00f6ffentliches Land, rodet es und verkauft gef\u00e4lschte Landtitel),\u00a0die hinter den Feuern steckten, geh\u00f6ren zu Bolsonaros treuesten W\u00e4hler:innen. Sie betrachtete seinen Wahlsieg als Freibrief, um neue Fl\u00e4chen zu okkupieren.<\/p>\n\n<p>Damals nahm die Welt Notiz von den Br\u00e4nden, weil Aschewolken aus dem Amazonasbecken bis ins tausend Kilometer entfernte S\u00e3o Paulo getrieben\u00a0waren und dort den Himmel verdunkelten. Die Feuer trafen zudem mit der Fridays-for-Future-Bewegung zusammen, die den Klimawandel st\u00e4rker ins Bewusstsein der westlichen \u00d6ffentlichkeit r\u00fcckte.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"533\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/c680a5db-gp1szfu2_-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-90291\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/c680a5db-gp1szfu2_-1.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/c680a5db-gp1szfu2_-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/c680a5db-gp1szfu2_-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/c680a5db-gp1szfu2_-1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Br\u00e4nde im Gebiet rund um den Manicor\u00e9 Fluss. 2019 fielen dort \u00fcber 1900 Hektare Wald den Flammen zum Opfer. \u00a9 Christian Braga \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Jair Bolsonaro reagierte auf charakteristische Art. Er leugnete damals die Zerst\u00f6rung und behauptete, die Daten zur Erfassung der Feuer seien vom Forschungsinstitut Inpe manipuliert worden, um seinem Ruf zu schaden. Dann beschuldigte er Umwelt-NGOs, die Feuer gelegt zu haben. Sie w\u00fcrden von ausl\u00e4ndischen M\u00e4chten gesteuert, die ein Interesse daran h\u00e4tten, den Brasilianer:innenn ihr Amazonien wegzunehmen. Greenpeace beschimpfte er als \u00abDreck\u00bb. Schlie\u00dflich wurde das Milit\u00e4r in den Amazonas entsandt, das bei der Bek\u00e4mpfung von Umweltverbrechen \u00fcberhaupt keine Erfahrung hat.<\/p>\n\n<p>Die umweltfeindliche Gesinnung der Bolsonaro-Regierung wurde noch klarer, als ausgerechnet Umweltminister Ricardo Salles w\u00e4hrend eines Kabinettstreffens 2020 vorschlug, die Aufmerksamkeit, die die Corona-Pandemie auf sich zog, auszunutzen, um die Umweltgesetze zu flexibilisieren. Er sagte, man k\u00f6nne jetzt \u00abdie Viehherde vorbei treiben\u00bb. Salles verlie\u00df 2021 seinen Posten, weil er sich daf\u00fcr stark gemacht hatte, eine riesige Ladung Baumst\u00e4mme freizugeben, die wegen des Verdachts auf illegale Abholzung beschlagnahmt worden war.<\/p>\n\n<p>Pr\u00e4gend f\u00fcr Bolsonaros Anti-Umweltpolitik war die gezielte Schw\u00e4chung von Brasiliens Umweltbeh\u00f6rden Ibama und ICMBio sowie der Indioschutzbeh\u00f6rde Funai. Ihre Arbeit f\u00fchrte in den Nullerjahren zum langsamen, aber stetigen R\u00fcckgang der Waldvernichtung. Bolsonaro strich ihnen nun die Kompetenzen und besetzte Schl\u00fcsselpositionen mit Milit\u00e4rs ohne Qualifikation. Im Feld wurde hingegen Personal abgebaut.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"533\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a357ee21-gp0strjk0_-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-90294\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a357ee21-gp0strjk0_-1.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a357ee21-gp0strjk0_-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a357ee21-gp0strjk0_-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/09\/a357ee21-gp0strjk0_-1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Unter Bolsonaro wurden Mitarbeiter:innen der Ibama angegriffen und mussten die Umweltschutzbeh\u00f6rde ihrer eigenen Sicherheit wegen verlassen. \u00a9 Marizilda Cruppe \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Schw\u00e4chung der Umweltschutzbeh\u00f6rden ist eine der schwerwiegendsten Hinterlassenschaften Bolsonaros. Sie f\u00fchrte auch dazu, dass Mitarbeiter:innen dieser Beh\u00f6rden von Umweltverbrecher:innen angegriffen wurden. Viele engagierte Beamt:innen verlie\u00dfen Ibama und Funai, um ihre Arbeit auf eigene Faust fortzusetzen. Zu ihnen geh\u00f6rte Bruno Pereira von der Funai, der mit den Indigenen des Reservats Vale do Javari eine Indigenenwacht leitete, um das Territorium vor Eindringlingen zu sch\u00fctzen. So geriet er ins Visier einer Umweltmafia, die in dem Reservat illegal fischte und jagte. Im Juni wurde Pereira gemeinsam mit dem britischen Journalisten Dom Phillips erschossen. Die M\u00f6rder dachten, dass sie im Brasilien von Jair Bolsonaro davonk\u00e4men. Ihr Kalk\u00fcl w\u00e4re wahrscheinlich aufgegangen, w\u00e4re nicht der ausl\u00e4ndische Reporter Phillips dabei gewesen.<\/p>\n\n<p>Brutal ist auch die Bilanz, wenn es um die Freigabe von\u00a0Agrargiften\u00a0unter Bolsonaro geht. Seit 2019 wurden fast 1 800 Pestizide neu zugelassen (durchschnittlich 40,4 pro Monat). Darunter sind zahlreiche Produkte, die extrem sch\u00e4dlich f\u00fcr Bienen sind oder als so risikoreich f\u00fcr die menschliche Gesundheit eingestuft werden, dass sie beispielsweise in Europa oder den USA nicht zugelassen sind. In keinem anderen Land der Welt werden so viele Pestizide pro Kopf\u00a0ausgebracht wie\u00a0in Brasilien. Die meisten Agrargifte stammen von chinesischen und europ\u00e4ischen (haupts\u00e4chlich deutschen) Unternehmen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vorsichtiger Optimismus<\/h2>\n\n<p>Sollte am 1. Januar 2023 Lula da Silva als neuer Pr\u00e4sident Brasiliens vereidigt werden, d\u00fcrfte sich die Umweltpolitik \u00e4ndern. Lula hat bereits angek\u00fcndigt, die Umweltbeh\u00f6rden wieder zu st\u00e4rken und neue Indigenenreservate auszuweisen. Er wolle die Biodiversit\u00e4t Amazoniens nutzbar machen, um nachhaltiges Wachstum zu schaffen. Und er wolle mit der Mehrheit der verantwortlichen Agrarproduzent:innen zusammenarbeiten, um die unverantwortlichen Gro\u00dfbauern und -b\u00e4uerinnen, die den Wald zerst\u00f6rten, in ihre Schranken zu weisen. Brasiliens Agrarexport h\u00e4nge heute ma\u00dfgeblich vom Image ab. Die Produktion m\u00fcsse umweltfreundlicher werden.<\/p>\n\n<p>Als erstes wird Lula aber beweisen m\u00fcssen, dass seine Versprechen mehr als sch\u00f6ne Worte sind. Denn unter ihm und seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff wurde einst der extrem umweltsch\u00e4dliche und umstrittene Riesenstaudamm Belo Monte mitten im Amazonaswald konstruiert. Lula sagt heute, dass er ihn wieder bauen w\u00fcrde.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p><strong>Philipp Lichterbeck<\/strong>, Jahrgang 1972, lebt seit 2012 in Rio de Janeiro. Der freie Korrespondent und Reporter berichtet f\u00fcr deutsche, schweizerische und \u00f6sterreichische Medien \u00fcber Brasilien und den Rest Lateinamerikas. 2013 erschien sein Buch \u00abDas verlorene Paradies. Eine Reise durch Haiti und die Dominikanische Republik\u00bb.<\/p>\n\t\t\t<section\n\t\t\tclass=\"boxout  \"\n\t\t\t\n\t\t>\n\t\t\t<a\n\t\t\t\tdata-ga-category=\"Take Action Boxout\"\n\t\t\t\tdata-ga-action=\"Image\"\n\t\t\t\tdata-ga-label=\"n\/a\"\n\t\t\t\tclass=\"cover-card-overlay\"\n\t\t\t\thref=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/unsere-waelder-brennen\/\" \n\t\t\t><\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<img\n\t\t\t\t\t\tsrc=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/08\/4013bbbb-header-appel-1024x683.png\"\n\t\t\t\t\t\tsrcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/08\/4013bbbb-header-appel-300x200.png 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/08\/4013bbbb-header-appel-1024x683.png 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/08\/4013bbbb-header-appel-768x513.png 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/08\/4013bbbb-header-appel-510x340.png 510w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2022\/08\/4013bbbb-header-appel.png 1536w\"\n\t\t\t\t\t\tsizes=\"(min-width: 1000px) 358px, (min-width: 780px) 313px, 88px\"\n\t\t\t\t\t\talt=\"\" title=\"\"\n\t\t\t\t\/>\n            \t\t\t<div class=\"boxout-content\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a\n\t\t\t\t\t\tclass=\"boxout-heading medium\"\n\t\t\t\t\t\tdata-ga-category=\"Take Action Boxout\"\n\t\t\t\t\t\tdata-ga-action=\"Title\"\n\t\t\t\t\t\tdata-ga-label=\"n\/a\"\n\t\t\t\t\t\thref=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/unsere-waelder-brennen\/\"\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t>\n\t\t\t\t\t\tUnsere W\u00e4lder brennen\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p class=\"boxout-excerpt\">Jede Spende im Kampf gegen die Flammen z\u00e4hlt. Unterst\u00fctze jetzt die L\u00f6schteams!<\/p>\n\t\t\t\t                                    <a\n                        class=\"btn btn-primary\"\n                        data-ga-category=\"Take Action Boxout\"\n                        data-ga-action=\"Call to Action\"\n                        data-ga-label=\"n\/a\"\n                        href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/unsere-waelder-brennen\/\"\n                        \n                    >\n                        Spenden\n                    <\/a>\n                \t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/section>\n\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2. Oktober sind rund 160 Millionen Brasilianer:innen aufgerufen, einen Pr\u00e4sidenten zu w\u00e4hlen. 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