{"id":9470,"date":"2016-10-17T00:00:00","date_gmt":"2016-10-16T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9470\/die-welt-kann-das-nicht-weiter-in-kauf-nehmen\/"},"modified":"2019-05-30T10:01:03","modified_gmt":"2019-05-30T08:01:03","slug":"die-welt-kann-das-nicht-weiter-in-kauf-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9470\/die-welt-kann-das-nicht-weiter-in-kauf-nehmen\/","title":{"rendered":"Die Welt kann das nicht weiter in Kauf nehmen"},"content":{"rendered":"<p><b>Der renommierte Schweizer Bio-Pionier und -Forscher Dr. Hans Rudolf Herren war einer der Initiatoren des Monsanto-Tribunals vom letzten Wochenende in Den Haag. Im Interview erkl\u00e4rt er, wie man die Welt \u00f6kologisch ern\u00e4hren kann.&nbsp;<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\"><a class=\"open-img EnlargeImage\" title=\"\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/776b6720-776b6720-hans_herren_02.jpg\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" style=\"border-width: 0px;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/776b6720-776b6720-hans_herren_02.jpg\" alt=\"\"><br \/>\n<\/a><span class=\"date\">Montag, 17. Oktober 2016&nbsp;<\/span>\u00a9 Biovision<\/div>\n<\/div>\n<p>RechtsexpertInnen und ZeugInnen aus aller Welt haben sich letztes Wochenende in Den Haag versammelt, um symbolisch \u00fcber Monsanto zu richten. Das von Greenpeace unterst\u00fctzte <a title=\"Monsanto Tribunal\" href=\"http:\/\/de.monsantotribunal.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Monsanto-Tribunal<\/a> wollte den US-Agrochemiekonzern f\u00fcr Verbrechen gegen Mensch und Umwelt zur Verantwortung ziehen.&nbsp;Die erhobenen Vorw\u00fcrfe wurden zusammengetragen und die verursachten Sch\u00e4den evaluiert. Das Tribunal st\u00fctzte sich auf die im Jahre 2011 verabschiedeten \u00abUNO-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte\u00bb. Im Gespr\u00e4ch mit Stefan Kerschbaumer erl\u00e4uterte der renommierte Schweizer Bio-Pionier und Gr\u00fcnder der Stiftung Biovision, Dr. Hans Rudolf Herren, das Gesch\u00e4ft des US-Agrochemiekonzerns Monsanto und erkl\u00e4rte, wie biologische Landwirtschaft die Welt ern\u00e4hren kann.<\/p>\n<p><strong>Dr. Herren, was hat Sie und andere Menschen aus der Zivilgesellschaft dazu bewogen, das Monsanto-Tribunal&nbsp;abgehalten?<\/strong><\/p>\n<p>Seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vermarktet Monsanto &nbsp;zahlreiche hochgiftige Produkte, die Krankheit oder Tod von tausenden von Menschen verursachten und die Umwelt dauerhaft sch\u00e4digten. Dazu geh\u00f6rt etwa RoundUp, das weltweit am meisten eingesetzte Unkrautvertilgungsmittel und Mittelpunkt des gr\u00f6ssten Gesundheits- und Umweltskandal der modernen Geschichte. Dieses hochgiftige Herbizid wird grossfl\u00e4chig in Kombination mit genmanipuliertem Saatgut &#8211; so genanntem \u00abRoundUp Ready\u00bb-Saatgut &#8211; verwendet, in erster Linie um Soja, Mais und Raps f\u00fcr Tierfutter und Agrotreibstoffe anzubauen. Weiter wird RoundUp auch auf Golfpl\u00e4tzen, entlang von Strassen, Bahngleisen, und unter Hochspannungsleitungen gespr\u00fcht. Das Produkt wird auch oft in Hausg\u00e4rten und auf Rasen gebraucht.<\/p>\n<p>Monsanto f\u00f6rdert ein Modell von Industrielandwirtschaft, das weltweit mindestens ein Drittel der anthropogenen Treibhausgasemissionen verursacht. Die industrielle und konventionelle Landwirtschaft ist zu einem grossen Teil verantwortlich f\u00fcr die Abnahme von Bodenfruchtbarkeit und Grundwasserreserven, f\u00fcr Biodiversit\u00e4tsverlust und Artensterben, sowie weltweit f\u00fcr die Verdr\u00e4ngung von Millionen von Kleinbauern. Weiter haben die Produkte der industriellen und auch der konventionellen Landwirtschaft Glyphosat-R\u00fcckst\u00e4nde, die die WHO also m\u00f6gliches Karzinogen eingestuft hat. Mit der Patentierung von Lebewesen und Saatgut bedroht dieses Modell die Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t von uns allen.<\/p>\n<p>Kritiker werfen Monsanto vor, durch eine systematische Verschleierungsstrategie die durch ihre Produkte verursachten Sch\u00e4den an Mensch und Umwelt zu leugnen und ihre verheerenden Aktivit\u00e4ten aufrecht zu erhalten. Zu diesen geh\u00f6rt: Lobbying bei den gesetzgebenden Agenturen und Regierungen, L\u00fcgen und Korruption, Finanzierung betr\u00fcgerischer wissenschaftlicher Studien, unter Druck setzen unabh\u00e4ngiger Wissenschaftler, Manipulation von Presseorganen, etc. Dieses unverantwortliche Verhalten muss beendet werden &#8211; die Welt kann nicht weiter diese Sch\u00e4den an Menschen, der Natur und schlussendlich auch der Wirtschaft in Kauf nehmen.<\/p>\n<p><strong>Ist die von Monsanto und anderen Konzernen vorangetriebene Form der Landwirtschaft tats\u00e4chlich ertragreicher als biologische Landwirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man sich die Produktion nur in Kg\/Ha anschaut, ja. Aber wir brauchen eben nicht mehr leere Kalorien, wir brauchen mehr gute und vielseitige Nahrung. Wir brauchen mehr Gesundheit, mehr N\u00e4hrstoffe und mehr Einkommen pro Hektar. In einer Welt, in der man heute etwa doppelt so viel Kalorien produziert, wie n\u00f6tig w\u00e4ren, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren, k\u00f6nnte man auch ein bisschen weniger, daf\u00fcr nachhaltiger, diverser produzieren.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen die Nahrungsmittelproduktion lokalisieren und kulturell anpassen, nicht mehr und mehr globalisieren. Agrar\u00f6kologie, Biolandbau, Regenerative Landwirtschaft und nat\u00fcrlich nachhaltige Nahrungssysteme m\u00fcssen die industrielle und konventionelle Landwirtschaft sofort ersetzen. Wir wissen wie, wo und wann\u2026 es geht jetzt darum, die Kr\u00e4fte, die immer dagegen steuern, mit der Ausrede wir m\u00fcssen mehr und billiger produzieren, zu neutralisieren, um der nachhaltigen Landwirtschaft eine Chance zur Entfaltung geben. Wir haben nicht mehr viel Zeit: der Klimawandel r\u00fcckt nach, und nur eine \u00f6kologische Landwirtschaft, in den oben genannten Formen, kann uns vor plus 2\u00ba Celsius retten.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kann biologische Landwirtschaft die Welt ern\u00e4hren?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ganz nat\u00fcrlich. Es geht, wie ich es selbst erforscht habe, mit der Push-Pull-Methode. In Afrika etwa kann man die Ertr\u00e4ge nachhaltig verdoppeln oder gar verdreifachen. Damit k\u00f6nnten sich auch die \u00e4rmsten L\u00e4nder gesund selbst ern\u00e4hren. Nordamerika und Europa m\u00fcssen aufh\u00f6ren, \u00dcbersch\u00fcsse zu produzieren, die sie dann nach Afrika exportieren, so dass die afrikanischen B\u00e4uerinnen und Bauern ihre Produkte auf den lokalen M\u00e4rkten verkaufen k\u00f6nnen, um Einkommen zu generieren statt gegen billige Importe k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. Die Stiftung Biovision zeigt seit Jahren, wie man mit Biolandbau und agrar\u00f6kologischen Methoden viel und gesund produzieren kann.<\/p>\n<p><strong>Was m\u00fcsste sich \u00e4ndern, dass wir in Zukunft biologische Landwirtschaft mit ausreichend Ertr\u00e4gen f\u00fcr die ganze Welt etablieren k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00fcssen Forschung und Umsetzung auf diese Landwirtschaft umgestellt werden. Die Subventionen, die heute die \u00abfalsche\u00bb Landwirtschaft unterst\u00fctzen, die ohne Zusch\u00fcsse bankrott w\u00e4re, m\u00fcssen f\u00fcr die Transformation auf allen Ebenen des Nahrungssystems eingesetzt werden, und dies in den Industriestaaten und den Entwicklungsl\u00e4ndern. Die Entwicklungsorganisationen, Stiftungen, Entwicklungsbanken und Regierungen m\u00fcssen ihre Mittel, die heute immer noch haupts\u00e4chlich in die veraltete \u00abgr\u00fcne Revolution\u00bb fliessen, in eine Transformation der Landwirtschaft und der Nahrungssysteme, basierend auf agrar\u00f6kologischen Prinzipien, fliessen lassen. Dies hat schon der <a title=\"Weltagrarbericht\" href=\"http:\/\/www.weltagrarbericht.de\/index.php?id=2138\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltagrarbericht<\/a>, der von 400 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt verfasst wurde, 2009 vorgeschlagen. Leider hatte dazumal eben auch schon die Agrarlobby die Verbreitung und die Umsetzung des Berichtes blockiert, mit der Aussage, dass man die Produktion verdoppeln m\u00fcsse, um eine Ern\u00e4hrungskrise zu vermeiden. &nbsp;<\/p>\n<p><a class=\"custom-link btn btn-default btn-block btn-icon-left\" href=\"http:\/\/de.monsantotribunal.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mehr Informationen zum Monsanto-Tribunal<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der renommierte Schweizer Bio-Pionier und -Forscher Dr. Hans Rudolf Herren war einer der Initiatoren des Monsanto-Tribunals vom letzten Wochenende in Den Haag. 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