{"id":94790,"date":"2023-02-25T07:00:00","date_gmt":"2023-02-25T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=94790"},"modified":"2023-02-24T11:48:11","modified_gmt":"2023-02-24T10:48:11","slug":"kein-boden-auf-erden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/94790\/kein-boden-auf-erden\/","title":{"rendered":"Kein Boden auf Erden"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Es ist simpel: Die Humusschicht nimmt ab, und ohne Humus haben wir nichts zu essen. Ursache und Konsequenzen der Erosion sind zwar bekannt, doch genau gleich wie beim Klimawandel bleibt das Engagement dagegen bescheiden. L\u00f6schen wir uns aus?<\/strong> <strong>Ein Interview mit Agrar\u00f6konom David W\u00fcpper und B\u00e4uerin und Nationalr\u00e4tin Priska Wismer-Felder.<\/strong><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-94794\" width=\"182\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-966x1366.jpg 966w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-240x340.jpg 240w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/bf2d4916-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-2-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">David W\u00fcpper, ETH, Forschungsgebiet Agrar- und Umwelt\u00f6konomie \u00a9 J\u00f6rn Kaspuhl<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><strong>Herr W\u00fcpper, wir verlieren durch Erosion mehr Erde, als neue entsteht. Worauf l\u00e4uft das hinaus?<\/strong><\/p>\n\n<p>Wir verlieren sogar deutlich mehr Erde, als neue entsteht. Das ist besorgniserregend. Vor allem, weil die Erosion genau jene Bodenschicht betrifft, in der unsere Nahrung w\u00e4chst.<\/p>\n\n<p><strong>Eines Tages werden wir also nichts mehr zu essen haben?<\/strong><\/p>\n\n<p>Das ist erst einmal keine konkrete Sorge. Aber: Die Bodenerosion nimmt nicht ab, sondern zu. Arme Regionen haben dabei besonders hohe Erosionsraten. Klimawandel und eine nicht nachhaltige Landnutzung werden als Gr\u00fcnde immer wichtiger.<\/p>\n\n<p><strong>Sie zeigen in einer <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41893-019-0438-4.epdf?shared_access_token=WwPGYCaVBC3FinQ_SNOW0dRgN0jAjWel9jnR3ZoTv0PY5warveA5FcCmStrTBqTC_qEhTnwH0k2y3z2K39ZzsmCGxU0oL1I2vYWQJ7Hiox_GcEmmakZSbPdO5Ufm3gFqjH_Ynf7iH38rRJCWOjbdug%3D%3D\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">globalen Analyse<\/a>, dass das Ausmass der Erosion sehr unterschiedlich ist. Die einen L\u00e4nder scheinen ein Rezept zu haben, andere nicht. Was funktioniert?<\/strong><\/p>\n\n<p>Ein wichtiger Grund f\u00fcr Bodenerosion ist die fehlende Vegetation. Daher ist es wichtig, grossfl\u00e4chige Entwaldungen zu verhindern und \u2013 auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen \u2013 den Boden ganzj\u00e4hrig zu bedecken. Das zu erreichen, ist Sache der einzelnen Regierungen.<\/p>\n\n<p><strong>Gibt es Vorzeigel\u00e4nder?<\/strong><\/p>\n\n<p>Verschiedene L\u00e4nder haben bewiesen, dass die Erosion sich bek\u00e4mpfen l\u00e4sst. Vor allem China. Das Land hat schon 1999 das Programm \u00abGrain for Green\u00bb lanciert. Landwirt:innen erhalten Geld, wenn sie gef\u00e4hrdete H\u00e4nge nicht mehr weiter bewirtschaften und daf\u00fcr B\u00e4ume pflanzen.<\/p>\n\n<p><strong>Wir vergiften die Luft. Wir \u00fcberhitzen das Klima. Wir rauben uns den Boden unter den eigenen F\u00fcssen. L\u00f6schen wir uns selbst aus?<\/strong><\/p>\n\n<p>Tats\u00e4chlich leben wir in einer be\u00e4ngstigenden Zeit. Es gelingt uns nicht, diese Probleme zu l\u00f6sen \u2013 obwohl sie bekannt und dringend sind. Die L\u00f6sungen sind dabei grunds\u00e4tzlich nicht so kompliziert, weder naturwissenschaftlich noch \u00f6konomisch. Es fehlt aber an politischem Willen und gesellschaftlichem Druck, genug zu investieren.<\/p>\n\n<p><strong>Sie sind Forscher. Was tun Sie, damit Ihre Erkenntnisse nicht im Elfenbeinturm bleiben?<\/strong><\/p>\n\n<p>Ich bin in erster Linie Forscher und will gute Forschung machen. Aber ich engagiere mich daf\u00fcr, dass meine Erkenntnisse sich m\u00f6glichst weit verbreiten, etwa in Blogs, Interviews oder auch im direkten Kontakt mit der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno. Mein Ziel ist es, die Gesellschaft so gut wie m\u00f6glich zu informieren.<\/p>\n\n<p><strong>Gen\u00fcgt das, um ein weiteres Fortschreiten der Erosion zu verhindern?<\/strong><\/p>\n\n<p>Wenn ich vom Ergebnis ausgehe: Nein. Ich habe in den letzten Jahren mehrere Studien ver\u00f6ffentlicht, die teils viel Aufmerksamkeit erhalten haben. Seitdem hat sich die globale Bodenerosion aber weiter erh\u00f6ht.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-94791\" width=\"203\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-966x1366.jpg 966w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-240x340.jpg 240w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/02\/29c82e11-illus-1-2-debatte-greenpeace-magazin-januar-2022-1-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Priska Wismer-Felder, B\u00e4uerin, Nationalr\u00e4tin Die Mitte \u00a9 J\u00f6rn Kaspuhl<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><strong>Frau Wismer-Felder, wie viel Land bewirtschaften Sie?<\/strong><\/p>\n\n<p>26 Hektaren, davon 5 Ackerland.<\/p>\n\n<p><strong>Pro Hektare Ackerland gehen jedes Jahr durchschnittlich zwei Tonnen Humus verloren, in Ihrem Fall also zehn Tonnen. F\u00fchlen Sie sich verantwortlich? <\/strong><\/p>\n\n<p>Zwei Tonnen sind ein durchschnittlicher Wert. Auf unserem Betrieb pfl\u00fcgen wir schon seit zehn Jahren nicht mehr. Anders gesagt: Wir haben kein brachliegendes Land, das vom Wind verfrachtet und vom Regen weggeschwemmt wird. Das tun wir sehr bewusst \u2013 um der Erosion vorzubeugen. \u00dcberhaupt gibt es immer weniger Betriebe, die noch pfl\u00fcgen.<\/p>\n\n<p><strong>Das Problem Erosion ist also gel\u00f6st?<\/strong><\/p>\n\n<p>Das Problem existiert. Es wird entsch\u00e4rft, indem wir die Fruchtfolge bewusst gestalten und eine schonende Bodenbearbeitung w\u00e4hlen. Die Landwirtschaft engagiert sich stark. Dass Ackerland \u00fcber den ganzen Winter brach liegt, sieht man heute kaum mehr.<\/p>\n\n<p><strong>Dennoch zeigt die Forschung, dass die Erosion weltweit zunimmt. Unter anderem eine Folge des Klimawandels. Unwetter h\u00e4ufen sich, immer mehr Boden wird weggeschwemmt.<\/strong><\/p>\n\n<p>Das ist leider richtig. Auch auf unserem Hof hatten wir im Sommer 2021 einen Murgang. So etwas habe ich noch nie erlebt.<\/p>\n\n<p><strong>Sie sind nicht nur B\u00e4uerin, sondern auch Nationalr\u00e4tin. Im Parlament \u00e4ussern Sie sich regelm\u00e4ssig zu Landwirtschaftsthemen \u2013 zur Erosion aber noch nie.<\/strong><\/p>\n\n<p>Ich engagiere mich grunds\u00e4tzlich f\u00fcr alles, was den Boden schont und ihm guttut. Etwa f\u00fcr eine aktive Verbesserung der Bodenstruktur durch Pflanzenkohle, was nicht nur f\u00fcr die Bodenlebewesen wichtig ist, sondern auch das beste Mittel, um CO\u2082 und Wasser zu speichern. Ich will, dass Pflanzenkohle f\u00fcr alle Bauern zug\u00e4nglich wird. Aktuell ist sie noch teuer und wenig verbreitet. Wir haben das Thema aber in der Kommission f\u00fcr Umwelt, Raumplanung und Energie bereits eingehend diskutiert.<\/p>\n\n<p><strong>Ist das ein gen\u00fcgend grosses Engagement, um ein weiteres Fortschreiten der Erosion zu verhindern?<\/strong><\/p>\n\n<p>Wichtig ist, dass in den landwirtschaftlichen Schulen auf die Problematik aufmerksam gemacht und bodenschonende Techniken gelehrt werden. Auch im Rahmen der Flurbegehungen, wie sie zwecks Weiterbildung durchgef\u00fchrt werden, m\u00fcssen die Landwirt:innen f\u00fcr das Thema sensibilisiert werden.<\/p>\n\n<p><strong>K\u00fcnftige Generationen m\u00fcssen sich also keine Sorgen wegen des Bodens machen? <\/strong><\/p>\n\n<p>Die Erosion muss sehr ernst genommen werden. Pers\u00f6nlich macht mir der Klimawandel jedoch weit mehr Sorgen.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p><strong>Autor<\/strong>: Christian Schmidt, Journalist, Texter f\u00fcr Non-Profit-Organisationen und Buchautor. Freischaffend aus \u00dcberzeugung. Diverse Auszeichnungen, u. a. Z\u00fcrcher Journalistenpreis.<\/p>\n\n<p>Weitere spannende Inhalte zum Thema Erosion findest du in\u00a0<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/84918\/greenpeace-magazin-02-22\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">dieser Ausgabe<\/a>\u00a0des Greenpeace-Magazins.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist simpel: Die Humusschicht nimmt ab, und ohne Humus haben wir nichts zu essen. Ursache und Konsequenzen der Erosion sind zwar bekannt, doch genau gleich wie beim Klimawandel bleibt das Engagement dagegen bescheiden. 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