{"id":9485,"date":"2016-10-28T00:00:00","date_gmt":"2016-10-27T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9485\/die-blackbox-beznau-bleibt-verschlossen\/"},"modified":"2019-05-30T10:01:34","modified_gmt":"2019-05-30T08:01:34","slug":"die-blackbox-beznau-bleibt-verschlossen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9485\/die-blackbox-beznau-bleibt-verschlossen\/","title":{"rendered":"Die Blackbox Beznau bleibt verschlossen"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Axpo bleibt der Bev\u00f6lkerung die Antworten auf die wichtigsten Fragen weiter schuldig. Am gestrigen Hearing gab\u2019s von Seiten der Beznau-Betreiberin keine neuen Einblicke in den tats\u00e4chlichen Zustand des \u00e4ltesten AKW der Welt. Klar wurde den zahlreichen BesucherInnen des Anlasses hingegen die Uneinigkeit der Fachwelt in zentralen Sicherheitsfragen bei einer Hochrisikotechnologie.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<p><img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" style=\"border-width: 0px;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/9fdf663c-9fdf663c-foj3721.jpg\" alt=\"\" \/><br \/>\n<span class=\"date\">\u00dcber 100 Personen haben das Beznau-Hearing in Baden besucht (\u00a9 Greenpeace \/ Nicolas Foijtu)<\/span><\/p>\n<p>Als sich die T\u00fcren der Halle 36-3 des Trafo Baden in der Halbzeit der Veranstaltung wieder \u00f6ffneten, d\u00fcrfte vielen der \u00fcber 100 BesucherInnen der Kopf etwas gebrummt haben. Die vergangene Stunde war angef\u00fcllt mit nicht gerade leicht verdaulichen Fachbegriffen aus der Welt der Atomtechnologie \u2013 da trifft komplexe Nuklearphysik auf nicht weniger komplexe Werkstoffmechanik. Es war ein Eintauchen in eine fremde, ebenso verwirrende wie faszinierende Welt, von der einem am Schluss vor allem ein Eindruck h\u00e4ngen blieb: Die Meinungen der Experten, sie gehen weit auseinander. Sehr weit.<\/p>\n<p><strong>Erhebliche Zweifel \u2026<br \/>\n<\/strong>Auf der einen Seite sassen zwei Expertinnen, die massive Zweifel \u00e4usserten an der von der Betreiberin Axpo stets postulierten Sicherheit des \u00e4ltesten AKW der Welt. Von einer \u00aberheblichen Unsicherheit\u00bb sprach Reaktorsicherheits-Spezialistin Simone Mohr, als sie \u00fcber die Nachbildung eines Anlageteils von Beznau redete, mit dessen Hilfe die Axpo nachweisen will, dass Beznau 1 den Belastungen des Betriebs noch stand h\u00e4lt. Und Ilse Tweer, die sich ebenfalls intensiv mit der Thematik besch\u00e4ftigt hat, zeigte sich verwundert, dass die fast 1000 Schwachstellen im Herzst\u00fcck des AKW erst letztes Jahr entdeckt worden sind.<\/p>\n<p><strong>\u2026 und gl\u00fchendes Vertrauen<br \/>\n<\/strong>Auf der anderen Seite des Podiums sassen zwei M\u00e4nner, die ein gl\u00fchendes Vertrauen in die Atomtechnologie, die Ingenieurskunst und die Aufsichtsbeh\u00f6rden an den Tag legten. Das Aluminiumoxid, das im Stahl des Herzst\u00fccks von Beznau gefunden worden ist, sei nichts Ungew\u00f6hnliches und auch kein Grund zur Besorgnis, sagte Ulf Ilg, der lange im deutschen AKW Philippsburg gearbeitet hatte und am Hearing profundes Fachwissen \u00fcber Schmiedetechnik zur Schau stellte. Horst-Michael Prasser, Professor f\u00fcr Kernenergiesysteme an der ETH Z\u00fcrich, pflichtete ihm bei, hielt aber auch noch einmal fest, warum die Thematik \u00fcberhaupt so wichtig ist. \u00abDer Reaktordruckbeh\u00e4lter darf nicht versagen.\u00bb Dies war der einzige Punkt, in dem sich die Expertinnen und Experten einigen konnten: Geht das Herzst\u00fcck von Beznau 1 kaputt, ist der GAU Tatsache.<\/p>\n<p><strong>Zentrale Frage bleibt offen<br \/>\n<\/strong>Die zentrale Frage, wie es tats\u00e4chlich steht um Beznau, das alte AKW mit dem kranken Herzen, sie blieb damit unbeantwortet. Denn die eigentliche Hauptdarstellerin dieses Abends, die Beznau-Betreiberin Axpo, sie fehlte am Experten-Hearing. Der einzige Axpo-Vertreter im Saal, Kommunikations-Chef Rainer Meier, outete sich vor der Pause gleich selbst als Nicht-Experte. Immerhin stellte er sich an der Seite von SVP-Grossrat Martin Keller der anschliessenden Podiumsdiskussion mit Bastien Girod von den Gr\u00fcnen und Nils Epprecht von der Schweizerischen Energiestiftung.<\/p>\n<p>Diese Podiumsdiskussion war geeignet dazu, den von \u00abSeigerungen\u00bb, \u00abNeutronenfluenz\u00bb und \u00abSpr\u00f6dbruchreferenztemperaturen\u00bb noch immer leicht schwindeligen Kopf zur\u00fcck in die politische Realit\u00e4t zu holen. Die Debatte bewegte sich schnell weg vom Zankapfel Beznau hin zur Initiative f\u00fcr den geordneten Atomausstieg, die am 27. November zur Abstimmung kommt. Wenig \u00fcberraschend, dass auch hier die Positionen weit auseinander gingen.<\/p>\n<p><strong>Im Zweifel f\u00fcr den Zweifel<br \/>\n<\/strong>Die Blackbox Beznau, sie blieb auch an diesem Hearing dicht. Damit hat die Axpo das Vertrauen in ihr uraltes Atomkraftwerk nicht st\u00e4rken k\u00f6nnen. Und auch den atomfreundlichen Experten ist es nicht gelungen, die grundlegenden Zweifel auszur\u00e4umen: Der Entscheid, ein AKW vom Netz zu nehmen, d\u00fcrfe nur technisch motiviert sein und nicht politisch, begr\u00fcndete ETH-Professor Prasser seine Ablehnung f\u00fcr die Atomausstiegsinitiative. Doch wenn sich die Fachwelt so uneins ist, wie sie es an diesem Abend demonstriert hat, dann gibt es nur einen vern\u00fcnftigen Weg: Sich im Zweifel f\u00fcr den Zweifel in die Atomtechnologie zu entscheiden und sich geordnet von dieser zu verabschieden. Mit einem Ja am 27. November.<br \/>\n<strong>Das Beznau-Hearing kann hier nachgeschaut werden:<\/strong><\/p>\n<p><a class=\"custom-link btn btn-default btn-block btn-icon-left\" href=\"http:\/\/bit.ly\/2efiCYG\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Experten-Panel<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Axpo bleibt der Bev\u00f6lkerung die Antworten auf die wichtigsten Fragen weiter schuldig. 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