{"id":9489,"date":"2016-10-27T00:00:00","date_gmt":"2016-10-26T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9489\/weltpark-antarktis-eine-chronik\/"},"modified":"2019-05-30T10:01:45","modified_gmt":"2019-05-30T08:01:45","slug":"weltpark-antarktis-eine-chronik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9489\/weltpark-antarktis-eine-chronik\/","title":{"rendered":"Weltpark Antarktis &#8211; eine Chronik"},"content":{"rendered":"<p><b>Wer kriegt wieviel? Das Ringen beginnt 1982: Die Antarktis-Vertragsstaaten ringen um die Aufteilung des weltweit letzten gro\u00dfen Rohstoffkuchens. In diesem Jahr f\u00fchren sie erste Verhandlungen \u00fcber die Ausbeutung der antarktischen Bodensch\u00e4tze: Vor allem sollen neue \u00d6lvorkommen erschlossen werden, was weitreichende Folgen f\u00fcr die internationale politische Stabilit\u00e4t sowie das \u00f6kologische Gleichgewicht der gesamten Biosph\u00e4re h\u00e4tte.<\/b><\/p>\n<div>\n<h4>1983: Weltpark Antarktis<\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: normal\">Greenpeace erkl\u00e4rt den Schutz der Antarktis zum zentralen Organisations-Anliegen. Das Greenpeace-Konzept des Weltparks Antarktis folgt vier Grundprinzipien:<\/span><\/p>\n<ol>\n<li>Die Urspr\u00fcnglichkeit der antarktischen Landschaft soll den h\u00f6chsten Stellenwert erhalten.<\/li>\n<li>Die Pflanzen und Tiere der Antarktis sowie ihre Umwelt sollen uneingeschr\u00e4nkt gesch\u00fctzt sein (Fisch- und Krillfang kann nur in begrenztem Umfang zugelassen werden).<\/li>\n<li>Die Antarktis soll eine Region eingeschr\u00e4nkter wissenschaftlicher Forschung sein, in der die Kooperation von Wissenschaftlern aller Nationen gef\u00f6rdert wird.<\/li>\n<li>Die Antarktis soll eine Friedenszone sein, frei von allen Nuklear- und anderen Waffen sowie frei von milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten.<\/li>\n<\/ol>\n<h4>1984: Umweltverbrechen in der Antarktis<span style=\"font-weight: normal\">\u00a0<\/span><\/h4>\n<p>Mit spektakul\u00e4ren Aktionen macht die Umweltorganisation auf drohende Sch\u00e4den im Falle einer Rohstoff-Ausbeutung aufmerksam. Verlauf und Ergebnisse der Vertragsstaaten-Verhandlungen, die wie erwartet hinter verschlossenen T\u00fcren stattfinden, werden ans Licht der \u00d6ffentlichkeit gebracht. Greenpeace-Mitarbeiter erarbeiten Alternativ-Vorschl\u00e4ge und betreiben weltweit intensive Lobbyarbeit f\u00fcr einen Weltpark Antarktis.<\/p>\n<h4>1985\/86: Bearing Witness<span style=\"font-weight: normal\">\u00a0<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: normal\">Im Dezember 1985 starten die Umweltsch\u00fctzer ihre erste Antarktis-Expedition von Sydney, Australien, aus, um bei den Stationen der Antarktis-Vertragsstaaten Umweltinspektionen durchzuf\u00fchren. Niemals zuvor hat es eine Organisation gewagt, den Antarktis-Vertragsstaaten und ihren Stationen im ewigen Eis auf die Finger zu schauen. Die Greenpeace-Expedition verl\u00e4uft erfolgreich: Aufgrund des starken Medieninteresses wird die Welt\u00f6ffentlichkeit auf die Bedrohung der Antarktis durch den geplanten Rohstoff-Abbau aufmerksam.<\/span><\/p>\n<h4>1987: Erste Greenpeace-Antarktis-Station<span style=\"font-weight: normal\">\u00a0<\/span><\/h4>\n<p>Im Januar des Jahres er\u00f6ffnet Greenpeace die World Park Base in Home Beach, Cape Evans, McMurdo Sound. Aufgabe des ersten Greenpeace-Teams von vier \u00dcberwinterern ist es, das Umwelt-Management der beiden umliegenden &#8211; von denUSA und Neuseeland betriebenen &#8211; Stationen zu \u00fcberpr\u00fcfen und die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Umweltzerst\u00f6rung vor Ort zu informieren. Au\u00dferdem will Greenpeacezeigen, dass kleine Stationen umweltvertr\u00e4glich betrieben werden k\u00f6nnen und dennoch eine sinnvolle Forschung m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h4>1988: Umweltinspektionen<\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: normal\">Von Januar bis April 1988 f\u00fchrt Greenpeace bei 22 Stationen und Schutzh\u00fctten 13 verschiedener Antarktis-Vertragsstaaten Umwelt-Inspektionen durch. Die Bilder, die daraufhin um die Welt gehen, zeigen Erschreckendes: Abw\u00e4sser, die direkt und unbehandelt ins Meer flie\u00dfen; M\u00fcll, der unter offenem Himmel verbrannt wird; verlassene Stationen, in denen sich Robben und Pinguine an Glasscherben und rostigem Metall verletzen.<\/span><\/p>\n<p>Nach intensiven, sechsj\u00e4hrigen Verhandlungen &#8211; konsequent unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit und mit offenkundiger Eile gef\u00fchrt &#8211; unterzeichnen die Antarktis-Vertragsstaaten das Rohstoff-Abkommen, genannt Wellington-Abkommen bzw.CRAMRA (Convention of the Regulation of Antarctic Mineral Resource Activities). Damit werden die Institutionen und Genehmigungs-Verfahren geschaffen, die einen Abbau von Rohstoffen jeglicher Art in der Antarktis regulieren.<\/p>\n<h4>1989: Gewalt gegen Greenpeace<\/h4>\n<p>Bauarbeiter einer Flugzeug-Landebahn f\u00fcr die franz\u00f6sische Antarktis-Station Dumont D&#8217;Urville, die nun auch von schweren Flugzeugen ganzj\u00e4hrig angeflogen werden soll, greifen Greenpeace-Mitarbeiter an, um zu verhindern, dass Aufnahmen ihrer T\u00e4tigkeit, u.a. die Sprengung von Pinguin-Brutpl\u00e4tzen, an die \u00d6ffentlichkeit gelangen. Die Bilder der Arbeiter, die mit gr\u00f6\u00dfter Brutalit\u00e4t gegen die Umweltsch\u00fctzer vorgehen, sorgen f\u00fcr Aufsehen und Emp\u00f6rung, wodurch die Politiker der Antarktis-Vertragsstaaten unter Druck gesetzt werden.<\/p>\n<p>Nun beginnt sich das Blatt zu wenden: Das Europ\u00e4ische Parlament und wenig sp\u00e4ter auch die UN-Vollversammlung verabschieden eine Resolution gegen den Rohstoff-Abbau in der Antarktis.<\/p>\n<h4>1990: Drei gegen Weltpark-Antarktis<\/h4>\n<p>Die Antarktis-Vertragsstaaten Australien, Frankreich und Belgien blockieren das Inkrafttreten des Rohstoffabbau-Abkommens. Dennoch setzt sich zunehmend die Meinung durch, dass die Antarktis des umfassenden Schutzes der internationalen Staatengemeinschaft bedarf. Die Verhandlungen f\u00fcr ein Antarktisches Umweltschutz-Protokoll beginnen.<\/p>\n<h4>1991: Greenpeace baut eigene Antarktis-Station ab<\/h4>\n<p>Ab Januar wird alles Material, inklusive Windrad und Solar-Paneelen, zur\u00fcck nach Neuseeland transportiert; das vierte Team von \u00dcberwinterern verl\u00e4sst die Antarktis.<\/p>\n<p>Von den 42 stimmberechtigten und nicht stimmberechtigten Antarktis-Vertragsstaaten wird das Umweltschutz-Abkommen zum Antarktis-Vertrag endverhandelt. Nach seinem Entstehungsort Madrid wird das Zusatzabkommen Madrid-Protokoll genannt. Es erkl\u00e4rt die Antarktis zu einem dem Frieden und der Wissenschaft gewidmeten Natur-Reservat. Der Weltpark Antarktis ist in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Das Protokoll verbietet jeglichen kommerziellen Rohstoff-Abbau f\u00fcr zumindest 50 Jahre, wof\u00fcr ein spezieller Ausschuss f\u00fcr Umweltschutz eingerichtet wird. Au\u00dferdem enth\u00e4lt das Protokoll rechtlich bindende Ma\u00dfnahmen, um folgendes zu gew\u00e4hrleisten: die M\u00fcllbeseitigung, die Vermeidung von Meeresverschmutzung, den Erhalt der heimischen Flora und Fauna, die strenge Durchf\u00fchrung von Umweltvertr\u00e4glichkeits-Pr\u00fcfungen und ein umfassendes System von Schutzgebieten. Im Protokoll nicht geregelt ist dagegen die finanzielle und rechtliche Haftung von Umweltsch\u00e4digern sowie ein effizientes Inspektions-System.<\/p>\n<h4>1996: Ratifizieren f\u00fcr Weltpark-Antarktis<\/h4>\n<p>Damit das Umweltschutz-Protokoll in Kraft treten kann, mu\u00df es von den 26 stimmberechtigten Antarktis-Vertragsstaaten ratifiziert werden. Bis Ende 1996 haben dies erst zwanzig getan. Noch nicht ratifiziert haben Japan, Russland, USA, Indien, Finnland und Belgien. Die gr\u00f6\u00dften Unsicherheits-Faktoren sind dabei Russland und Japan, wo der Ratifizierungs-Prozess nicht vorangeht. Das bedeutet, dass die Antarktis noch immer gef\u00e4hrdet ist, weil das Abkommen bis dato nicht rechtlich bindend ist.<\/p>\n<h4>1997: Endlich von allen ratifiziert<\/h4>\n<p>Am 16. Dezember unterzeichnet Japan als letzter Staat. Sechs Jahre hat es gedauert, bis alle 26 Vertragsstaaten das Protokoll ratifiziert hatten. Das Umweltschutzabkommen tritt somit ab 14. Januar 1998 in Kraft. Ein Meilenstein f\u00fcr den globalen Umweltschutz!<\/p>\n<h4>2016: Gr\u00f6sstes Meeresschutzgebiet der Erde<\/h4>\n<p>Die Staatengemeinschaft hat sich in Australien darauf geeinigt, im \u00f6kologisch bedeutsamen antarktischen Rossmeer das gr\u00f6sste Meeresschutzgebiet der Erde zu schaffen, so gross wie Deutschland, Frankreich und Grossbritannien zusammen! Damit verbunden ist ein Fischereiverbot \u00fcber mindestens 35 Jahre.<\/p>\n<h4>2018: Verzicht auf Krillfischerei<\/h4>\n<p>Der Branchenverband der Krill-Industrie verpflichtet sich, in grossen Gebieten rund um die antarktische Halbinsel auf Fischerei zu verzichten. Die Fischerei-Unternehmen unterst\u00fctzen zudem ausdr\u00fccklich die Forderung nach einem Schutzgebiet im Weddellmeer sowie nach einem ganzen Netzwerk von Schutzgebieten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer kriegt wieviel? Das Ringen beginnt 1982: Die Antarktis-Vertragsstaaten ringen um die Aufteilung des weltweit letzten gro\u00dfen Rohstoffkuchens. 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