{"id":9595,"date":"2016-07-21T00:00:00","date_gmt":"2016-07-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9595\/greenpeace-misst-strahlung-in-fukushima-werte-an-fluessen-hoeher-als-im-pazifik\/"},"modified":"2019-08-09T10:10:08","modified_gmt":"2019-08-09T08:10:08","slug":"greenpeace-misst-strahlung-in-fukushima-werte-an-fluessen-hoeher-als-im-pazifik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9595\/greenpeace-misst-strahlung-in-fukushima-werte-an-fluessen-hoeher-als-im-pazifik\/","title":{"rendered":"Greenpeace misst Strahlung in Fukushima: Werte an Fl\u00fcssen h\u00f6her als im Pazifik"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Im M\u00e4rz 2011 gingen vor dem AKW Fukushima gewaltige radioaktive Wolken auf den Pazifik nieder. Greenpeace-Messungen zeigen: Das Meer hat die Strahlung weitgehend verd\u00fcnnt. Doch W\u00e4lder und Fl\u00fcsse sind stark verseucht.&nbsp;<\/b><\/p>\n\n<p>Es ist nur ein schwacher Trost f\u00fcr das heimgesuchte Land: Als im M\u00e4rz 2011 gleich drei Reaktoren des AKW Fukushima Daiichi explodierten, war es einzig der Wind, der noch schlimmeres Unheil verhinderte. Er wehte den gr\u00f6ssten Teil der Strahlung aufs offene Meer hinaus. Kaum auszudenken, wie es heute in Japan auss\u00e4he, w\u00e4ren die Radionuklide weitr\u00e4umig \u00fcber das Land verteilt worden.<\/p>\n\n<p>Wie viel Radioaktivit\u00e4t bei dem dreifachen Super-GAU auf einen Schlag ins Meer gelangte, ist unbekannt. Klar ist nur, es ist eine riesige Menge: Die meisten Sch\u00e4tzungen gehen von ungef\u00e4hr 30 Petabecquerel aus. Ein Petabecquerel sind eine Billiarde Becquerel \u2013 eine Zahl mit 15 Nullen. \u00abFukushima hat als Einzelereignis weltweit die bisher gr\u00f6sste radioaktive Belastung des Meeres verursacht\u00bb, sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Greenpeace-Experte f\u00fcr Atomkraft. \u00abNur den riesigen Ausmassen des Pazifiks ist zu verdanken, dass die Kontamination des Ozeans nicht deutlich h\u00f6her ist.\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im grossen Mixer<\/h2>\n\n<p><strong> <\/strong>Vor der japanischen K\u00fcste treffen gewaltige Str\u00f6mungen aufeinander. Der Oyashio-Strom bringt kaltes Wasser aus dem Norden, der Japan-Strom warmes aus dem S\u00fcden. Dieser gigantische Mixer zusammen mit den Wassermassen des Pazifiks hat die aufgenommene Strahlung inzwischen stark verd\u00fcnnt. Die Greenpeace-Messungen vom Februar und M\u00e4rz 2016 weisen am Meeresboden 52 bis 120 Becquerel pro Kilogramm aus. Das ist rund 200mal mehr als vor dem Super-GAU.<\/p>\n\n<p>Entwarnung bedeutet das allerdings nicht. Bisherige Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf Meeressediment und bestimmte Meerestiere. Wie sich das \u00d6kosystem Meer und die Arten insgesamt unter der Belastung weiter entwickeln werden, ist v\u00f6llig ungewiss. Zumal die Einleitungen noch lange andauern werden. Die Radioaktivit\u00e4t kann sich in Fisch und anderen Meereslebewesen anreichern.<\/p>\n\n<p>\u00abObwohl hier keine unmittelbare Gefahr f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ausgeht, zeigen diese Ergebnisse, dass die Folgen von Fukushima noch sehr pr\u00e4sent sind. Welche gesundheitlichen Auswirkungen diese dauerhafte Belastung f\u00fcr die Menschen vor Ort hat, wird sich erst in der Zukunft zeigen\u00bb, so Smital.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Stark verseuchte W\u00e4lder und B\u00f6den<\/h2>\n\n<p>In den W\u00e4ldern und B\u00f6den von Fukushima sind grosse Mengen an radioaktivem C\u00e4sium gebunden. Wind und Wetter setzen permanent Radioaktivit\u00e4t frei, der Regen sp\u00fclt sie in die Fl\u00fcsse. Vor allem im grossen Einzugsgebiet der Fl\u00fcsse Abukuma, Ukedo und Niida mit ihren Nebenfl\u00fcssen sind die B\u00f6den stark belastet. An der M\u00fcndung des Abukuma-Flusses mass das Greenpeace-Team eine Belastung von bis zu 5500 Becquerel pro Kilogramm. Am Ufer der Fl\u00fcsse Niida und Ota war es bis zu dreimal so viel. Die Belastung ist also um ein Vielfaches h\u00f6her als am Meeresgrund. Aus den verzweigten Flusssystemen wird noch viele Jahrzehnte lang radioaktives C\u00e4sium-137 in den Pazifik gelangen. C\u00e4sium-137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Das heisst, in 30 Jahren ist die Strahlung um die H\u00e4lfte verringert.<\/p>\n\n<p>\u00abF\u00fcr die Menschen in Fukushima gibt es auch mehr als f\u00fcnf Jahre nach dem Atomdesaster keine Normalit\u00e4t\u00bb sagt Atom-Experte Smital. \u00abDie Katastrophe dauert an. Die japanische Regierung ist weit davon entfernt, Fukushima unter Kontrolle zu haben.\u00bb<\/p>\n\n<p><a class=\"custom-link btn btn-default btn-block btn-icon-left\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/sites\/www.greenpeace.de\/files\/publications\/fukushima_atomicdepths_21072016.pdf\" target=\"_blank\">Die Messresultate im Detail (engl.)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im M\u00e4rz 2011 gingen vor dem AKW Fukushima gewaltige radioaktive Wolken auf den Pazifik nieder. Greenpeace-Messungen zeigen: Das Meer hat die Strahlung weitgehend verd\u00fcnnt. 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