{"id":9607,"date":"2016-06-30T00:00:00","date_gmt":"2016-06-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9607\/agro-gentechnik-ist-keine-loesung\/"},"modified":"2020-01-13T09:34:37","modified_gmt":"2020-01-13T07:34:37","slug":"agro-gentechnik-ist-keine-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9607\/agro-gentechnik-ist-keine-loesung\/","title":{"rendered":"Agro-Gentechnik ist keine L\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00dcber 100 WissenschaftlerInnen fordern von Greenpeace, Gentech-Lebensmittel und insbesondere den Golden Rice als L\u00f6sung f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherheit und Hungerprobleme anzuerkennen. Sie irren. Agro-Gentechnik schafft nur neue Probleme.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\"><a class=\"open-img EnlargeImage\" title=\"\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/ff51400d-ff51400d-160630_goldenrice.jpg\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" style=\"border-width: 0px;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/ff51400d-ff51400d-160630_goldenrice.jpg\" alt=\"\" \/><br \/>\n<\/a><span class=\"date\">Donnerstag, 30. Juni 2016\u00a0<\/span>\u00a9 Greenpeace \/ Luis Liwanag<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p dir=\"ltr\">Das Wichtigste zuerst: Die WissenschaftlerInnen (von denen fast alle nichts mit Agrarwissenschaft zu tun haben) propagieren \u2013 an ihrer Medienkonferenz unterst\u00fctzt von Ex-Mitarbeitern des US-Agrochemiekonzerns Monsanto \u2013 eine L\u00f6sung, die es noch gar nicht gibt. Der Golden Rice wird nach \u00fcber 20 Jahren Entwicklung erst auf Versuchsfeldern angebaut und ist noch nicht marktreif. Dies sagt das <a title=\"IRRI zum Golden Rice\" href=\"http:\/\/irri.org\/blogs\/golden-rice-blog\/clarifying-recent-news-about-golden-rice\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">International Rice Research Institute (IRRI)<\/a>, welches massgeblich daran beteiligt ist.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><a title=\"Uni Washington zum Golden Rice\" href=\"https:\/\/source.wustl.edu\/2016\/06\/genetically-modified-golden-rice-falls-short-lifesaving-promises\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Eine k\u00fcrzliche Studie der Washington University<\/a> zeigt, dass die Anbauverz\u00f6gerung nicht an AktivistInnen oder GVO-GegnerInnen liegt, wie h\u00e4ufig von Bef\u00fcrwortern behauptet, sondern mehrheitlich an gesetzlichen Schranken und an der zu niedrigen Ertragsmenge. Der Bericht hinterfragt auch, ob der Reis tats\u00e4chlich den Vitamin-A-Mangel in armen Regionen beheben kann. Denn ob der Reis am Ende auch von den Betroffenen konsumiert wird und ob das Beta-Carotin zur Vitamin-A-Bildung \u00fcber die traditionellen Ern\u00e4hrungsweisen \u00fcberhaupt aufgenommen und verwertet werden kann, ist nicht gesichert.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Es ist also unklar, ob das im Gentech-Reis produzierte Beta-Carotin von einem mangelern\u00e4hrten Menschen tats\u00e4chlich in gen\u00fcgend Vitamin A umgewandelt werden kann. Diese Wissensl\u00fccke ist nach 20 Jahren Forschung erstaunlich. Wie stabil sich gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen unter wechselnden Umweltbedingungen entwickeln und wie hoch die Schwankung bei den Carotinoiden sein w\u00fcrde, ist nicht erforscht. In einen biochemischen Ablauf einer Pflanze einzugreifen, birgt das Risiko, dass unbeabsichtigt auch weitere Ver\u00e4nderungen wie beispielsweise erh\u00f6hte Krankheitsanf\u00e4lligkeit oder verminderte Toleranz gegen\u00fcber klimatischen Einfl\u00fcssen auftreten.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Der gentechnisch ver\u00e4nderte Golden Rice ist die falsche Antwort auf die in Asien und Afrika grassierende Armut und Mangelern\u00e4hrung. Einseitige Ern\u00e4hrung mit einseitiger Ern\u00e4hrung zu bek\u00e4mpfen, ist v\u00f6llig unsinnig und unlogisch. Das f\u00fchrt zu neuen Mangelerscheinungen und damit auch zu weiteren gesundheitlichen Problemen bei den \u00c4rmsten der Armen. Unter- und Mangelern\u00e4hrung kann nur mit einer besseren Verteilung, mit Diversit\u00e4t, Aufkl\u00e4rung, Schulungen und, wo n\u00f6tig, mit der Abgabe von Nahrungsmittelerg\u00e4nzungen angegangen werden. Dazu braucht es den politischen Willen, diesen Menschen zu helfen, und keine technokratischen Scheinl\u00f6sungen, die niemandem wirklich etwas bringen und die Probleme sogar noch versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong>Die leeren Versprechungen der Gentech-Bef\u00fcrworter<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Vor zwei Jahrzehnten waren auf US-Feldern die ersten Gentech-Pflanzen angebaut worden. Seither gaben Monsanto, Syngenta und Bayer in Bezug auf diese Technologie die schillerndsten Versprechen ab. <a title=\"Zwei Jahrzehnte des Versagens\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/3372\/zwei-jahrzehnte-des-versagens-die-gebrochenen-versprechen-der-agro-gentechnik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nun, zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter, zeigt sich, dass die Gentechnik keine davon erf\u00fcllen kann. <\/a>Einige der im Labor demonstrierten Vorz\u00fcge liessen sich auf dem Feld nicht umsetzen, andere waren der Komplexit\u00e4t realer landwirtschaftlicher \u00d6kosysteme und den tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnissen von B\u00e4uerInnen nicht gewachsen. Die Gentechnik zementiert nur das gescheiterte Modell der industriellen Landwirtschaft \u2013 mit ihren Monokulturen und dem Grosseinsatz von Pestiziden, die zum Verlust der biologischen Vielfalt f\u00fchren, ihrer schlechten Kohlenstoffbilanz, dem grossen wirtschaftlichen Druck, den sie Kleinb\u00e4uerInnen auferlegt, und ihrer Unf\u00e4higkeit, sichere, gesunde und gehaltvolle Nahrungsmittel dort bereitzustellen, wo sie ben\u00f6tigt werden. Gentech-Lebensmittel zielen an den Bed\u00fcrfnissen der KonsumentInnen vorbei. Die aktuell angesagte Technik, die Cisgenese, ist genauso problematisch wie die Transgenese der ersten Generation gentechnisch ver\u00e4nderter Pflanzen. Die Gentechnik geh\u00f6rt eindeutig der agrarindustriellen Vergangenheit an und hat in einer \u00f6kologisch gepr\u00e4gten, fair gestalteten Zukunft keinen Platz.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong>Wissenschaftler mit Praxiserfahrung fordern Alternativen<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Es gibt eine sichere Alternative zu Gentechnik \u2013 eine, die zudem erfolgreicher ist:\u00a0<a title=\"Smart Breeding\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/smart-breeding-revolution-in-der-pflanzenzuch\/blog\/51117\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Smart Breeding oder MAS (Markergest\u00fctzte Selektion)<\/a>\u00a0ist eine Anwendung der Biotechnologie \u2013 ohne Gentechnik. Sie setzt auf den klassischen Z\u00fcchtungsansatz, funktioniert schnell und effektiv. Sie ist zwar kein Wundermittel, aber eine echte, allerdings bisher weitgehend unbemerkte Revolution in der Pflanzenzucht. MAS hat bereits bei einer breiten Palette an Nutzpflanzen mit n\u00fctzlichen Eigenschaften hervorgebracht. Beispielsweise wurden durch diese Art von Z\u00fcchtung bestimmte Sorten von Gerste, Bohnen, Chili, Salat, Hirse, Reis, Soja, Tomaten und Weizen gegen Pilzkrankheiten resistent. \u00a0Zu neueren MAS-Sorten z\u00e4hlen auch Kulturpflanzen, die eine erh\u00f6hte Widerstandsf\u00e4higkeit gegen D\u00fcrre oder \u00dcberschwemmungen haben oder in B\u00f6den mit hohem Salzgehalt gedeihen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wissenschafliche Experten mit Praxiswissen im Bereich der Landwirtschaft \u2013\u00a0der\u00a0<a class=\"zoom\" title=\"Weltagrarbericht\" href=\"http:\/\/www.weltagrarbericht.de\/index.php?id=2138\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltagrarrat<\/a>\u00a0sowie\u00a0<a class=\"pdf\" href=\"http:\/\/www.ipes-food.org\/images\/Reports\/UniformityToDiversity_FullReport.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Agrarexperten des International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (iPES)(engl.)<\/a>\u00a0\u2013\u00a0setzen auf \u00f6kologische L\u00f6sungen ohne Gentechnik.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die Konzerne, die der Welt versprechen, mit Gentechnik die Ern\u00e4hrungssicherheit zu gew\u00e4hrleisten, vernichten mit Gentechnik und Pestiziden in Wahrheit die Artenvielfalt und gef\u00e4hrden die Gesundheit von Mensch und Tier. Statt weiterhin in eine Intensiv-Landwirtschaft zu investieren, braucht es die F\u00f6rderung und Weiterentwicklung \u00f6kologischer, chemiefreier Anbaumethoden, also auch einen Forschungsschub im biologischen Landbau. Das Moratorium f\u00fcr den kommerziellen Anbau von Gentech-Pflanzen in der Schweiz l\u00e4uft Ende 2017 aus. Die KonsumentInnen wollen keine Gentech-Lebensmittel. Die Schweiz tut gut daran, weiterhin auf\u00a0<a title=\"Gentech-Moratorium Schweiz\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Uber-uns\/Kontakt\/Medienstelle\/Medienmitteilungen\/Gentechfreiheit-fuer-Schweizer-Landwirtschaft-ein-Standortvorteil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">den entscheidenden Qualit\u00e4tsvorteil der gentechfreien Landwirtschaft<\/a>\u00a0zu setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber 100 WissenschaftlerInnen fordern von Greenpeace, Gentech-Lebensmittel und insbesondere den Golden Rice als L\u00f6sung f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherheit und Hungerprobleme anzuerkennen. Sie irren. Agro-Gentechnik schafft nur neue Probleme. Donnerstag, 30. 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