{"id":9679,"date":"2016-05-30T00:00:00","date_gmt":"2016-05-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9679\/pegasos-oder-der-mythos-von-der-erdbebensicherheit-der-schweizer-akw\/"},"modified":"2019-05-30T10:09:51","modified_gmt":"2019-05-30T08:09:51","slug":"pegasos-oder-der-mythos-von-der-erdbebensicherheit-der-schweizer-akw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9679\/pegasos-oder-der-mythos-von-der-erdbebensicherheit-der-schweizer-akw\/","title":{"rendered":"PEGASOS oder der Mythos von der Erdbebensicherheit der Schweizer AKW"},"content":{"rendered":"<p><b>Erdbeben sind eine riesige Gefahr f\u00fcr die Schweizer Atomkraftwerke \u2013 gr\u00f6sser noch, als bisher angenommen. Das anerkennt die Atomaufsichtsbeh\u00f6rde ENSI zwar. Sie vertraut aber, offenbar aus R\u00fccksicht auf die AKW-Betreiber, darauf, dass die Erde hierzulande nicht in den n\u00e4chsten zehn Jahren stark beben wird.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame reset-padding\"><a class=\"open-img EnlargeImage\" title=\"\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/9f456ddd-9f456ddd-pegasus_psf.png\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" style=\"border-width: 0px;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/9f456ddd-9f456ddd-pegasus_psf.png\" alt=\"\" \/><\/a>Schwere Erdbeben kommen in der Schweiz gl\u00fccklicherweise nur selten vor \u2013 zuletzt legte ein heftiger Erdstoss Mitte des 14. Jahrhunderts Basel in Tr\u00fcmmer. Der Schweizerische Erdbebendienst rechnet damit, dass ein so heftiges Beben wie damals etwa alle 1500 Jahre auftritt und auch heute noch gravierende Auswirkungen h\u00e4tte mit tausenden Todesopfern und zehntausenden Verletzten. Zu diesem Leid k\u00f6nnte ein weiteres Problem hinzukommen, dass noch auf Jahrzehnte hinaus Bestand h\u00e4tte: Schwere Sch\u00e4den an den Schweizer AKW, die zu einer Kernschmelze f\u00fchren k\u00f6nnten und weite Teile der Schweiz und des grenznahen Auslands verstrahlen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Um dieses Horror-Szenario abzuwenden wurde Ende des letzten Jahrhunderts die Schweizer Atomaufsichtsbeh\u00f6rde aktiv, die damals noch auf den Namen HSK h\u00f6rte und heute ENSI heisst. Besagte HSK startete 1999 ein Projekt mit dem klingenden Namen PEGASOS. Der mythisch anmutende Name steht f\u00fcr \u00abProbabilistische Erdbebengef\u00e4hrdungsanalyse f\u00fcr die KKW-Standorte in der Schweiz\u00bb. Das Projekt sollte aufzeigen, ob die Schweizer AKW einem schweren Erdbeben standhalten k\u00f6nnen oder nicht.<\/p>\n<p><strong>Erdbebengefahr nach Fukushima untersch\u00e4tzt<br \/>\n<\/strong>Heute, siebzehn Jahre sp\u00e4ter, ist das Projekt noch immer nicht abgeschlossen. Niemand weiss, ob die AKW einem schweren Erdbeben standhalten w\u00fcrden. Das wird auch noch eine Weile so bleiben. Und das obwohl das ENSI heute eingestanden hat, dass die Erdbebengefahr f\u00fcr die Schweizer AKW zuletzt \u2013 in einem Zwischenbericht nach Fukushima \u2013 untersch\u00e4tzt worden war. Statt aktiv zu werden und schnell Nachr\u00fcstungen einzufordern, schreibt das ENSI die unendliche Geschichte von PEGASOS fort: Die Betreiber erhalten nun bis ins Jahr 2020 Zeit, um zu zeigen, wie sicher ihre AKW sind, wenn tats\u00e4chlich ein schweres Erdbeben die Schweiz ersch\u00fcttern w\u00fcrde. Dann, also in vier Jahren, ist aber noch keine einzelne Schraube ausgetauscht: Bis die Betreiber ihre AKW tats\u00e4chlich nachger\u00fcstet haben, werden dann noch einmal viele Jahre ins Land ziehen \u2013 Jahre, in denen die Erde beben und Kerne schmelzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Nachr\u00fcstungen unerw\u00fcnscht<br \/>\n<\/strong>Dass die Geschichte von PEGASOS so unendlich ist, hat nat\u00fcrlich einen guten Grund: AKW-Betreiber scheuen Nachr\u00fcstungen wie der Teufel das Weihwasser \u2013 heutzutage mehr denn je. Denn die Atomkraftwerke sind wegen der tiefen Strompreise jetzt ein finanzielles Risiko f\u00fcr die Strombarone. Aus den Gewinn-Maschinen von einst sind Geld-Verdunster geworden. Da k\u00f6nnte jede zus\u00e4tzliche Investition in die Sicherheit das wirtschaftliche Aus f\u00fcr Beznau und Co. bedeuten.<\/p>\n<p>Wenn das ENSI den AKW-Betreibern nun diesen Freundschaftsdienst erweist und die Nachr\u00fcstungen auf die lange Bank schiebt, dann freut das zwar die Strombarone. Die Bev\u00f6lkerung der Schweiz und des grenznahen Auslands hingegen hat Grund zur Sorge. Der Schutz vor einem schweren AKW-Unfall bei einem Erdbeben bleibt auf l\u00e4ngere Zeit ein Mythos \u2013 ein Mythos wie das gefl\u00fcgelte Ross aus der griechischen Sage, der Pegasos.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erdbeben sind eine riesige Gefahr f\u00fcr die Schweizer Atomkraftwerke \u2013 gr\u00f6sser noch, als bisher angenommen. Das anerkennt die Atomaufsichtsbeh\u00f6rde ENSI zwar. 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