{"id":9717,"date":"2016-05-04T00:00:00","date_gmt":"2016-05-03T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9717\/entlernen-einfach-aber-nicht-leicht\/"},"modified":"2019-05-30T10:11:08","modified_gmt":"2019-05-30T08:11:08","slug":"entlernen-einfach-aber-nicht-leicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9717\/entlernen-einfach-aber-nicht-leicht\/","title":{"rendered":"Entlernen \u2013 einfach aber nicht leicht"},"content":{"rendered":"<p><b>Lernen heisst ganz grunds\u00e4tzlich, dass eine F\u00e4higkeit oder Fertigkeit angeeignet wird, die einem \u2013 vereinfacht gesprochen \u2013 von einem Zustand A in den Zustand B bringt.\u00a0Dabei ist zu unterscheiden zwischen unbewusstem Lernen (eine Gewohnheit annehmen), aufgezwungenem Lernen (jemand will, dass ich etwas anders mache), selbst bestimmtem Lernen (ich will etwas k\u00f6nnen) und institutionellem Lernen (wie zum Beispiel in der Schule). Mal abgesehen von den Gewohnheiten, lernt man vor allem das gut, was man lernen will: Interesse, also \u00abWollen\u00bb ist ein besserer Lernmotor als \u00abSollen\u00bb. So wollen beispielsweise Kinder lernen, die neuen Medien zu bedienen &#8211; und k\u00f6nnen das bald auch. Diese massenhafte Aneignung von Smartphone-Bedienungsfertigkeiten ist Beispiel daf\u00fcr, wie die meisten Menschen lernen: Learning-by-doing, oder auch Learning-by-trying. Das gilt f\u00fcr willentliches wie f\u00fcr unwillentliches Lernen. Das heisst sowohl f\u00fcrs K\u00f6nnen wie auch f\u00fcr Gewohnheiten (die kann man ja auch ganz gut) trifft der Lernsatz \u00ab\u00dcbung macht den Meister bzw. die Meisterin\u00bb zu, \u2013 im Guten wie im Schlechten.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Lernen heisst ganz grunds\u00e4tzlich, dass eine F\u00e4higkeit oder Fertigkeit angeeignet wird, die einem \u2013 vereinfacht gesprochen \u2013 von einem Zustand A in den Zustand B bringt.\u00a0Dabei ist zu unterscheiden zwischen unbewusstem Lernen (eine Gewohnheit annehmen), aufgezwungenem Lernen (jemand will, dass ich etwas anders mache), selbst bestimmtem Lernen (ich will etwas k\u00f6nnen) und institutionellem Lernen (wie zum Beispiel in der Schule). Mal abgesehen von den Gewohnheiten, lernt man vor allem das gut, was man lernen will: Interesse, also \u00abWollen\u00bb ist ein besserer Lernmotor als \u00abSollen\u00bb. So wollen beispielsweise Kinder lernen, die neuen Medien zu bedienen &#8211; und k\u00f6nnen das bald auch. Diese massenhafte Aneignung von Smartphone-Bedienungsfertigkeiten ist Beispiel daf\u00fcr, wie die meisten Menschen lernen: Learning-by-doing, oder auch Learning-by-trying. Das gilt f\u00fcr willentliches wie f\u00fcr unwillentliches Lernen. Das heisst sowohl f\u00fcrs K\u00f6nnen wie auch f\u00fcr Gewohnheiten (die kann man ja auch ganz gut) trifft der Lernsatz \u00ab\u00dcbung macht den Meister bzw. die Meisterin\u00bb zu, \u2013 im Guten wie im Schlechten.<\/p>\n<p>Gewohnheiten sind dabei zuallererst n\u00fctzlich beziehungsweise notwendig f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung des Alltags. Allerdings gibt es viele schlechte Gewohnheiten, zum Beispiel weil sie der eigenen Gesundheit schaden. Und es gibt solche, die massenhaft ausge\u00fcbt zu Umweltsch\u00e4den f\u00fchren. Umweltschutz bedeutet somit gar nicht so sehr das Ein\u00fcben neuer, sondern vielmehr das Entlernen alter Verhaltensweisen. Solches Ent- oder besser Umlernen ist weitgehend unspektakul\u00e4r, aber f\u00fcr den \u00abReal Change\u00bb notwendig (siehe dazu auch die Kolumne <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/Kunos-Kolumne\/endlich-oeko-selbstverstaendlichisierung\/blog\/55941\/\">\u00d6ko-Selbstverst\u00e4ndlichisierung<\/a>).<\/p>\n<p>Ein unliebsames Verhalten wieder zu entlernen ist allerdings fast nicht zu schaffen: \u00abOld habits die hard\u00bb, wie es treffend heisst. Dass solches \u00abVerhaltens\u00e4nderungs-Lernen\u00bb trotzdem gehen kann, zeigen Dan und Chip Heath in ihrem Buch \u00abSWITCH\u00bb*. Sie haben f\u00fcnfzig F\u00e4lle <strong>realer<\/strong> Ver\u00e4nderungen in zwanzig L\u00e4ndern untersucht und daraus einen Drei-Elemente-Mechanismus abgeleitet, der solchen (Um)Lernprozessen stets unterliegt:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>The Rider<\/strong> (das analytische Selbst, die Kognition): Dieser braucht Vorgaben und ein Ziel.<\/li>\n<li><strong>The Elephant <\/strong>(das emotionale Selbst, der biographische Rucksack): Tr\u00e4gheit, symbolisiert mit dem Elefanten, verhindert jede \u00c4nderung ausser man zeigt ihr\/ihm einen Weg, der bew\u00e4ltigbar scheint. Der Elefant ist tr\u00e4ge, aber einmal auf den Pfad gebracht, r\u00fcckt er darum nicht wieder davon ab.<\/li>\n<li><strong>The Path<\/strong> (der Weg zum Ziel): Weil jede Gewohnheits\u00e4nderung viel Tr\u00e4gheit zu \u00fcberwinden hat, muss der lange Weg in kleine Schritte unterteilt werden, mit welchen sich Ver\u00e4nderung vollzieht.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Fazit<\/strong>: Der L\u00f6sungsweg muss dem Reiter einleuchten und f\u00fcr den Elefanten in machbare Schritte f\u00fcr den Weg zum Ziel unterteilt werden.<\/p>\n<p>Veranschaulicht am einfachen Beispiel \u00abWohnung aufr\u00e4umen wollen und das nie schaffen\u00bb sieht das Modell so aus: Das Ziel ist klar und leuchtet ein, weil es dem eigenen Bed\u00fcrfnis entspricht, also stellt sich die Frage, wie man seinen \u00abAntiputz-Elefanten\u00bb in Bewegung bringt: Den lang scheinenden Weg in machbare Schritte zerlegen, das heisst, man macht mit sich ab, jeden Tag f\u00fcnf Minuten aufzur\u00e4umen. Und nicht mehr! Diese quantit\u00e9 n\u00e9gligeable macht den Elefant glauben, das zu schaffen \u2013 und er macht\u2019s. Und freut sich mit der Zeit, dem Ziel n\u00e4her zu kommen (so dass auch die Dosis erh\u00f6ht werden kann). Diese Methode kann auf andere Gebiete \u00fcbertragen werden und ist bekannt als \u00ab<a href=\"http:\/\/www.janellepublications.com\/1106.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">5-Minutes Therapy<\/a>\u00bb.<\/p>\n<p>Zweites Beispiel: Ein Entwicklungshelfer hatte den Auftrag herauszufinden, warum in einer Region in Vietnam 95% der Kinder an einer Krankheit litten und wie sie geheilt werden k\u00f6nnen. Statt wie \u00fcblich das \u00dcbel zu analysieren, wandte er sich den wenigen gesunden Kinder zu, und fragte sich, was deren Familien anders machen als jene mit kranken Kindern. Er fand heraus, dass der Unterschied in einer anderen Art Vorbehandlung des Reis\u2019 bestand. Statt wie \u00fcblich, die M\u00fctter mit den falschen Gewohnheiten (also mit kranken Kindern) mit Kursen zu einem besseren Kochverhalten umzuschulen, engagierte er M\u00fctter von gesunden Kindern als Kochlehrerinnen. Damit wurde dem Elefanten der ungut kochenden M\u00fctter mit dem machbaren Schritt \u00abwas meinesgleichen kann, kann ich auch\u00bb der Weg geebnet. Binnen Monaten war die Krankheit ausradiert.<\/p>\n<p>Und noch ein drittes Beispiel aus \u00abSwitch\u00bb: Eine Forscherin untersuchte, wie es Dompteure schaffen, Affen dazu zu bringen, die ihnen nicht gegebene F\u00e4higkeit \u00abSkateboardfahren\u00bb zu lernen. Resultat: Mittels konsequenter Belohnungsstrategie, das heisst, jeder Schritt in die richtige Richtung wurde mit einer Mango belohnt, falsches Tun einfach ignoriert. Die Forscherin testete diese Erkenntnis bei ihrem Mann: Statt ihn zu kritisieren und zu belehren, lobte sie ihn nur noch f\u00fcr jedes Anzeichen guten Verhaltens. Nach kurzer Zeit war der jahrelange Kampf beigelegt, der Mann bekam sein Sockenmanagement in den Griff.<\/p>\n<p>Bei aller Vorsicht, aus tierischem Verhalten Schl\u00fcsse f\u00fcr Menschen zu ziehen, gehen modernes Coaching und Leadership in eben diese Richtung: Ressourcenf\u00f6rderung statt Problemorientierung. Also, statt Untergebene bei Fehlverhalten tadeln, sie bei guten Taten \u00abertappen\u00bb und sie darin best\u00e4rken.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr den Umweltschutz w\u00e4ren Wege zu wagen, bei welchen Leute aus der Zielgruppe bef\u00e4higt werden, mit ihren \u00abPeers\u00bb L\u00f6sungen umzusetzen. Oder gaaanz mutig: F\u00fcr einmal eine Beh\u00f6rden nicht kritisieren, f\u00fcr einen positiven Schritte einfach nur loben. \u00abAber wir m\u00fcssen doch noch zu unserer Meinung stehen\u00bb ist ein oft geh\u00f6rtes Mantra. Klar, aber es muss nicht st\u00e4ndig wiederholt werden.<\/p>\n<p><em>* Chip und Dan Heath: \u201e<\/em><em>Switch: Ver\u00e4nderungen wagen und dadurch gewinnen!\u201c, Scherz Verlag (2011), <\/em><em>siehe Besprechung <\/em><a href=\"http:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/275485\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>hier<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lernen heisst ganz grunds\u00e4tzlich, dass eine F\u00e4higkeit oder Fertigkeit angeeignet wird, die einem \u2013 vereinfacht gesprochen \u2013 von einem Zustand A in den Zustand B bringt.\u00a0Dabei ist zu unterscheiden zwischen&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-9717","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unkategorisiert","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9717"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9717\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9717"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=9717"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=9717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}