{"id":9719,"date":"2016-03-16T00:00:00","date_gmt":"2016-03-15T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9719\/trump-itis-solodorensis\/"},"modified":"2019-05-30T10:11:19","modified_gmt":"2019-05-30T08:11:19","slug":"trump-itis-solodorensis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9719\/trump-itis-solodorensis\/","title":{"rendered":"Trump-itis Solodorensis"},"content":{"rendered":"<p><b><br \/>\nSeit vergangenem Freitag ersetzt in unserem Garten eine neue, frische Atomkraft-Nein-Danke-Fahne die alte, zerfetzte. Neue Aufmerksamkeit sei ihr geg\u00f6nnt, denn nach den Entscheiden des Parlaments zur Energiewende wissen wir, dass unsere Politiker leider trotz mehrj\u00e4hriger Beratung in Sachen Atomausstieg gar nichts entwickelt haben.<\/b><\/p>\n<p>Nicht nur verantwortet die Schweiz das \u00e4lteste AKW der Welt im dicht besiedelten Schweizer Mittelland, auch verzichtet Helvetia f\u00fcr alle AKW grunds\u00e4tzlich auf irgendwelche Auflagen bez\u00fcglich Ausserbetriebnahme. Die Schweiz will die Reaktoren so lange laufen, bis ein Meiler nachweislich unsicher ist. Nachweislich \u2013 dummerweise kann man Nachweise immer nur r\u00fcckwirkend erbringen; das Parlament hat kein Problem damit, dass die Aufsichtsbeh\u00f6rde Ensi auch in Zukunft zuerst Beweise f\u00fcr eine Ausserbetriebnahme sammeln muss, bevor die Bev\u00f6lkerung gesch\u00fctzt werden kann! In keinem anderen Bereich w\u00fcrden wir uns eine solch grobe Fahrl\u00e4ssigkeit erlauben. Paradox: Der zweiten Gotthard-Tunnelr\u00f6hre verhalf das Sicherheitsargument zum Abstimmungserfolg. Bis 2030 erhalten wir also vermeintlich mehr Sicherheit auf der Strasse, doch die sechzig, vielleicht siebzig Jahre alten Atommeiler lassen wir ohne Bremsen voll Risiko blochen. Helvetia, das tut weh!<\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Seit vergangenem Freitag ersetzt in unserem Garten eine neue, frische Atomkraft-Nein-Danke-Fahne die alte, zerfetzte. Neue Aufmerksamkeit sei ihr geg\u00f6nnt, denn nach den Entscheiden des Parlaments zur Energiewende wissen wir, dass unsere Politiker leider trotz mehrj\u00e4hriger Beratung in Sachen Atomausstieg gar nichts entwickelt haben. Nicht nur verantwortet die Schweiz das \u00e4lteste AKW der Welt im dicht besiedelten Schweizer Mittelland, auch verzichtet Helvetia f\u00fcr alle AKW grunds\u00e4tzlich auf irgendwelche Auflagen bez\u00fcglich Ausserbetriebnahme. Die Schweiz will die Reaktoren so lange laufen, bis ein Meiler nachweislich unsicher ist. Nachweislich \u2013 dummerweise kann man Nachweise immer nur r\u00fcckwirkend erbringen; das Parlament hat kein Problem damit, dass die Aufsichtsbeh\u00f6rde Ensi auch in Zukunft zuerst Beweise f\u00fcr eine Ausserbetriebnahme sammeln muss, bevor die Bev\u00f6lkerung gesch\u00fctzt werden kann! In keinem anderen Bereich w\u00fcrden wir uns eine solch grobe Fahrl\u00e4ssigkeit erlauben. Paradox: Der zweiten Gotthard-Tunnelr\u00f6hre verhalf das Sicherheitsargument zum Abstimmungserfolg. Bis 2030 erhalten wir also vermeintlich mehr Sicherheit auf der Strasse, doch die sechzig, vielleicht siebzig Jahre alten Atommeiler lassen wir ohne Bremsen voll Risiko blochen. Helvetia, das tut weh!<\/p>\n<p>Bleibt die Hoffnung, dass die T\u00f6pfe sowieso bald runter gefahren werden. Noch bis vor kurzem warnte die Stromlobby vor der Stroml\u00fccke. Heute dr\u00fcckt eine Stromschwemme auf die Preise \u2013 jede produzierte Kilowattstunde Atomstrom ist ein Verlustgesch\u00e4ft. Und nun soll der Steuerzahler f\u00fcr die Denk- und Planungsl\u00fccke der Strombarone aufkommen! Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert \u2013 wir kennen das marktwirtschaftliche Prinzip bereits von den Banken. Der Axpo-CEO Andrew Walo verdiente im vergangenen Jahr laut Radio SRF 1,13 Millionen Franken \u2013 und das bei einem Betriebsergebnis mit einem Verlust von einer Milliarde Franken!<\/p>\n<p>Am Anfang aller Probleme in Umwelt und Gesellschaft steht der Eigennutz \u2013 das sagt Papst Franziskus in seiner Enzyklika \u00abLaudato Si\u00bb. Donald Trump spielt die eigenn\u00fctzige Karte offensichtlich. Im Kanton Solothurn haben wir Walter Wobmann: \u00abEs ist nicht erwiesen, dass fossile Produkte zur Erderw\u00e4rmung beitragen\u00bb, \u00e4ussert er sich zum Klimawandel. \u2013 Mit Verlaub: Solche Worte von einem gew\u00e4hlten Mitglied der nationalr\u00e4tlichen Umweltkommission? Eigennutz auch hier: Trump-itis Solodorensis!<\/p>\n<p>Lauschen wir dem p\u00e4pstlichen Wort, das weiter sagt: \u00abNiemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten.\u00bb \u2013 Papst Franziskus ruft auf: \u00abWir m\u00fcssen uns st\u00e4rker bewusst machen, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind. Es gibt keine politischen oder sozialen Grenzen und Barrieren, die uns erlauben, uns zu isolieren, und aus ebendiesem Grund auch keinen Raum f\u00fcr die Globalisierung der Gleichg\u00fcltigkeit.\u00bb Wenn das keine \u00f6sterliche Botschaft ist: Leute, achtet das Gemeingut! Die Sonne scheint f\u00fcr uns alle. Die Fahne in unserem Garten erinnert nun wieder jeden Tag daran.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-25700 alignleft\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Markus_Allemann-300x296.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"296\" \/><\/p>\n<div>\n<p>\u00abAm Gotthard soll die zweite R\u00f6hre mehr Sicherheit bringen. \u2013 Alte Atommeiler lassen wir ohne Bremsen voll Risiko blochen.\u00bb<\/p>\n<p><em>Quelle: Solothurner Zeitung \/\u00a0<\/em><em>Gastkolumne zu Energiepolitik, Eigennutz und p\u00e4pstlichen Worten<\/em><\/p>\n<div>\n<p><em>Markus Allemann, Co-Gesch\u00e4ftsleiter Greenpeace Schweiz, lebt mit seiner Familie in Solothurn.\u00a0<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit vergangenem Freitag ersetzt in unserem Garten eine neue, frische Atomkraft-Nein-Danke-Fahne die alte, zerfetzte. 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