{"id":9732,"date":"2016-04-07T00:00:00","date_gmt":"2016-04-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9732\/pestizide-oekonomischer-unsinn\/"},"modified":"2019-05-30T10:11:42","modified_gmt":"2019-05-30T08:11:42","slug":"pestizide-oekonomischer-unsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9732\/pestizide-oekonomischer-unsinn\/","title":{"rendered":"Pestizide: \u00f6konomischer Unsinn"},"content":{"rendered":"<p><b>Die externen Kosten von Pestiziden \u00fcberwiegen deren Nutzen. Zu diesem Schluss kommen franz\u00f6sische Wissenschaftler. Besonders auff\u00e4llig: Der Einsatz der chemisch synthetischen Substanzen verursacht hohe Krankheitskosten.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\"><a class=\"open-img EnlargeImage\" title=\"\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/22f56898-22f56898-pestizidspritzer.jpg\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" style=\"border-width: 0px;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/22f56898-22f56898-pestizidspritzer.jpg\" alt=\"\"><br \/>\n<\/a>Pestizid-Einsatz kommt teuer zu stehen. \u00a9 Greenpeace \/ \u00c1ngel Garcia<\/div>\n<\/div>\n<p>Pestizide k\u00f6nnen <a title=\"Pestizide und Krankheiten\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Publikationen\/Landwirtschaft\/Pestizide-und-unsere-Gesundheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">schwere Krankheiten<\/a> ausl\u00f6sen. Ihr Einsatz f\u00fchrt zu einem Verlust der Artenvielfalt. Bei V\u00f6geln, Amphibien, Reptilien, Insekten \u2014 auch bei Best\u00e4ubern wie den <a title=\"Bienensterben\" href=\"http:\/\/bienensterben.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Haus- und Wildbienen<\/a>, die f\u00fcr die Lebensmittelvielfalt eine wichtige, unersetzbare Rolle spielen.&nbsp;Eine Bewertung des \u00f6konomischen Nutzens von Pestiziden ist eine wichtige Grundlage f\u00fcr die Diskussion \u00fcber Sinn und Unsinn des Chemieeinsatzes.<\/p>\n<p>Franz\u00f6sische Wissenschaftler haben nun die externen Kosten berechnet, die durch Pestizide entstehen \u2014 etwa durch Regulierung, Krankheiten und Umweltsch\u00e4den.&nbsp;Daf\u00fcr haben sie 61 Studien analysiert. In ihrer&nbsp;f\u00fcr das franz\u00f6sische Institut f\u00fcr Landwirtschaftsforschung (INRA) erstellten <a title=\"Kosten-Studie Pestizide\" href=\"http:\/\/www.euractiv.fr\/section\/agriculture-alimentation\/news\/les-pesticides-un-fardeau-economique\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie (franz.)<\/a> kommen sie zum Schluss: Die durch Pestizide verursachten externen Kosten sind h\u00f6her als der Nutzen des Chemieeinsatzes \u2014 vielleicht sogar um ein Vielfaches!<\/p>\n<p><strong>Gesundheitskosten explodieren<\/strong><\/p>\n<p>Die erste Beobachtung der Forscher: Die externen Kosten werden wahrscheinlich deutlich untersch\u00e4tzt. Auff\u00e4llig hoch sind die Zahlen, welche die menschliche Gesundheit betreffen. Bisher wurden Kosten, die durch t\u00f6dliche Folgekrankheiten wie Krebs entstehen, in wirtschaftlichen Pestizid-Studien nicht einbezogen. Die Wissenschaftler sch\u00e4tzen jetzt, dass der Einbezug dieser Zahlen die Gesundheitskosten explodieren l\u00e4sst. Sie reden von einer Verzehnfachung: 2005 sind die durch Pestizide verursachten Krankheitskosten in den USA alleine von 1,5 Milliarden auf bis zu 15 Milliarden US-Dollar (rund gleich viel in Franken) gestiegen. Die Sch\u00e4den an Tieren, Pflanzen und mikrobiellen Lebensformen im Boden sind schwer zu quantifizieren und daher nie richtig bewertet worden. Eine US-Studie von 1992 bezifferte diese in einer konserativen Sch\u00e4tzung auf fast 9 Milliarden Franken.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kosten m\u00fcssen in Rechnung gestellt werden<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Die volkswirtschaftlichen Kosten des Pestizideinsatzes sind riesig. Wenn f\u00fcr jeden Franken, der f\u00fcr Pestizide ausgegeben wird, mindestens nochmals die H\u00e4lfte an Folgekosten f\u00fcr Sch\u00e4den an Umwelt und Gesundheit sowie f\u00fcr die Regulierung dazu kommen, ist das inakzeptabel. Das kommt einem Marktversagen gleich. Preise m\u00fcssen die wahren Kosten spiegeln.&nbsp;Wer Pestizide herstellt oder anwendet, muss auch die gesellschaftlichen und \u00f6kologischen Folgekosten \u00fcbernehmen und konsequenterweise seinen Kunden in Rechnung stellen. Eine Internalisierung von externen Kosten ist in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion n\u00f6tig. Eine Pestizidabgabe, die f\u00fcr Kostenausgleich sorgt und Innovationsanreize f\u00fcr den biologischen Pflanzenschutz, der ohne chemisch-synthetische Stoffe auskommt, ist eine diskussionsw\u00fcrdige L\u00f6sung.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paradigmenwechsel n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Der hohe Pestizideinsatz der industriellen Landwirtschaft reduziert die Biodiversit\u00e4t, gef\u00e4hrdet unsere Gesundheit und hinterl\u00e4sst einen Chemie-Cocktail in unseren Lebensmitteln. Es ist h\u00f6chste Zeit an einem Pestizid-Ausstiegsplan zu arbeiten und den KonsumentInnen nachhaltig produzierte, gesunde Lebensmittel anzubieten. Die Schweizer Agrarwirtschaft muss vom Paradigma der chemieintensiven Landwirtschaft wegkommen. Insbesondere muss der Einsatz von synthetischen Pestiziden schrittweise reduziert werden. Dies erfordert eine Abkehr von industriellen Agrarsystemen und die Einf\u00fchrung \u00f6kologischer landwirtschaftlicher Praktiken. Nur so k\u00f6nnen die \u00f6kologischen und wirtschaftlichen Probleme, mit denen die Landwirtschaft derzeit zu k\u00e4mpfen hat, effektiv und ganzheitlich gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p class=\"p1\">Konkret heisst dies: Verbesserung der Bodenbewirtschaftung, Anwendung biologischer Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung, Auswahl resistenter, den \u00f6rtlichen Bedingungen angepasster Sorten, Gestaltung pflanzenbaulich optimaler Fruchtfolgen und Erh\u00f6hung der Vielfalt landwirtschaftlicher Systeme. Greenpeace fordert die Superm\u00e4rkte auf, die Bauern beim Umstieg auf eine nachhaltige Landwirtschaft zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die externen Kosten von Pestiziden \u00fcberwiegen deren Nutzen. Zu diesem Schluss kommen franz\u00f6sische Wissenschaftler. Besonders auff\u00e4llig: Der Einsatz der chemisch synthetischen Substanzen verursacht hohe Krankheitskosten. 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