{"id":9771,"date":"2016-02-12T00:00:00","date_gmt":"2016-02-11T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9771\/der-krautkiller-aus-schaffhausen-erobert-die-welt\/"},"modified":"2019-05-30T10:13:14","modified_gmt":"2019-05-30T08:13:14","slug":"der-krautkiller-aus-schaffhausen-erobert-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9771\/der-krautkiller-aus-schaffhausen-erobert-die-welt\/","title":{"rendered":"Der Krautkiller aus Schaffhausen erobert die Welt"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00abW\u00e4r hett\u2019s erfunde?\u00bb Erstaunlicherweise heisst die Antwort auf diese Frage auch beim weltweit am meisten eingesetzte Herbizid Glyphosat: \u00abDie Schweizer habens erfunden!\u00bb<\/strong><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Es war Dr. Henri Martin, ein Forscher der Cilag in Schaffhausen, der Glyphosat 1950 zum ersten mal synthetisiert hat [1]. Die Wirksamkeit gegen\u00fcber Pflanzen hat er aber nicht erkannt und seine Entdeckung wurde weiterverkauft. Jahrelang wurde Glyphosat nur in kleinen Mengen als sogenannter Chelatbildner \u2013\u00a0ein Molek\u00fcl welches sich an Metalle bindet \u2013\u00a0eingesetzt, wof\u00fcr der Stauffer Chemical Company 1964 ein Patent gew\u00e4hrt wurde [2].<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Erst 1970 hat der Monsanto-Chemiker Dr. John Franz die Herbizidwirkung von Glyphosat entdeckt und den Grundstein f\u00fcr dessen Siegeszug gelegt. Monsanto hat Glyphosat als Herbizid sogleich patentieren lassen und 1974 unter dem Marknennamen \u00abRoundup\u00bb auf den Markt gebracht. Roundup wurde rasch zum Erfolg und der Einsatz in der US-Landwirtschaft stieg in den ersten 20 Jahren von 360 auf \u00fcber 12&#8217;000 Tonnen. Roundup\u2019s Erfolg basiert auf seiner Wirksamkeit \u2013\u00a0es t\u00f6tet rasch und zuverl\u00e4ssig jede Pflanze \u2013\u00a0und seiner im Vergleich zu \u00e4lteren Herbiziden wie Atrazin geringerer akuter Giftigkeit. Aber gerade die hohe Wirksamkeit von Glyphosat war aus Sicht von Monsanto ein Problem: Es unterscheidet nicht zwischen Unkraut und Kulturpflanze: Jede Pflanze, die mit dem Mittel in Kontakt kommt, wird zerst\u00f6rt. Deshalb konnte Roundup nur vor der Aussaat oder in Reihen zwischen Kulturen verwendet werden. Dies limitierte die Einsatzm\u00f6glichkeiten und somit den Umsatz.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Der Big Bang<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">1996 hat sich dies aber grundlegend ge\u00e4ndert: Monsanto brachte herbizidtolerante Soja-, Mais- und Baumwollpflanzen auf dem Markt, die so genannten Roundup-Ready Sorten. Diese Pflanzen wurden gentechnisch so ver\u00e4ndert, dass ihnen Glyphosat nichts anhaben kann. Nun konnten die Bauern Glyphosat direkt \u00fcber die Kulturpflanzen spritzen und das ganze Jahr \u00fcber einsetzen. Das von Monsanto aggressiv vermarktete Kombipaket von herbizidtoleranten Samen und Roundup hat sich zum Blockbuster entwickelt und der globale Glyphosat-Einsatz ist explodiert. So ist zwar Roundup seit \u00fcber 40 Jahren auf dem Markt, aber \u00fcber 70 % der jemals eingesetzten Menge wurde in den letzten 10 Jahren verspr\u00fcht. Es wird gesch\u00e4tzt, dass heute weltweit 30 % aller \u00c4cker mit Glyphosat behandelt werden.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><a class=\"custom-link btn btn-default btn-block btn-icon-left\" href=\"http:\/\/infogr.am\/interaktive_infografik8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interaktive Infografik<\/a><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Herbizidtolerante Pflanzen sind heute f\u00fcr \u00fcber 56 % des Glyphosat-Einsatzes verantwortlich. Neben Soja, Mais und Baumwolle gibt es heute auch Roundup-Ready-Raps, -Weizen, -Randen und -Luzerne (Alfaalfa).<\/span><\/p>\n<p><strong>Die Folgen<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Den Bauern wurden mit Roundup-Ready Saatgut gr\u00f6ssere Ertr\u00e4ge, ein effizienterer Anbau und Einsparungen bei Pestiziden versprochen. Mittlerweile ist deutlich, dass die Versprechen nicht eingehalten werden:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Der Ertrag gentechnisch ver\u00e4nderter Pflanzen ist nicht gr\u00f6sser als derjenige konventioneller Sorten [3]. Die Ertr\u00e4ge nehmen mit den Jahren zudem ab, weil die B\u00f6den ausgelaugt sind.<\/span><\/li>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Die eingesetzte Pestizidmenge nimmt im Verlauf der Anbaujahre zu, weil die Unkr\u00e4uter resistenter werden. Weltweit sind schon \u00fcber 30 Sorten an Superunkr\u00e4uter bekannt, die sich kaum mehr bek\u00e4mpfen lassen.<\/span><\/li>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Der Anbau ist zwar etwas einfacher, da die mechanische Unkrautbehandlung und das Pfl\u00fcgen entf\u00e4llt. Der Preis daf\u00fcr ist aber eine totale Abh\u00e4ngigkeit der Bauern von den Agrokonzernen.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Der massive Glyphosat-Einsatz hat grosse Auswirkungen auf die Umwelt: Glyphosat sch\u00e4digt die Bodenfauna wie Mikroorganismen und Regenw\u00fcrmer, wirkt negativ auf die Gew\u00e4sserorganismen und Amphibien und dezimiert Insekten wie Best\u00e4uber und Schmetterlinge, da sie weniger Nahrung finden. Aber auch auf den Tellern landet immer mehr Glyphosat. So haben die US-Beh\u00f6rden die Toleranzmengen f\u00fcr Glyphosat in Nahrungsmitteln auf Wunsch der Industrie mehrfach angepasst:<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><a class=\"custom-link btn btn-default btn-block btn-icon-left\" href=\"https:\/\/infogr.am\/interaktive_infografik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interaktive Infografik<\/a><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Eine stetig wachsende Anzahl an Studien bringt Glyphosat mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung. So ist belegt, dass sich Glyphosat in Nieren und Leber akkumulieren und zu Organsch\u00e4den f\u00fchren kann. Glyphosat steht im Verdacht fruchtsch\u00e4digend zu wirken und krebserzeugend zu sein.<\/span><\/p>\n<p><strong>Wie Weiter?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Der heutige massive Glyphosat-Einsatz stellt ein nicht verantwortbares Risiko f\u00fcr Mensch und Umwelt dar und muss gestoppt werden. Sowohl die EU wie auch die Schweizer Beh\u00f6rden werden demn\u00e4chst \u00fcber eine Verl\u00e4ngerung der Zulassung entscheiden. In der Schweiz haben wir den Parlamentsdiensten am 4. Februar 2016 zusammen mit den \u00c4rztinnen und \u00c4rzten f\u00fcr Umweltschutz (AefU) sowie der Stiftung f\u00fcr Konsumentenschutz (SKS) eine Petition mit \u00fcber 25&#8217;000 Unterschriften \u00fcbergeben, die ein Glyphosat-Verbot fordert. Wichtig ist allerdings, dass Glyphosat nicht einfach durch andere Herbizide ersetzt wird. Denn diese sind zum Teil noch toxischer als Glyphosat. Gerade bei der Unkrautbek\u00e4mpfung gibt es viele M\u00f6glichkeiten, die ohne Herbizide funktionieren:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Mechanische Methoden (Hacken, J\u00e4ten)<\/span><\/li>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Abbrennen mit Gas<\/span><\/li>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Einsatz von Mulch<\/span><\/li>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">High-Tech Roboter, die Unkr\u00e4uter selektiv bek\u00e4mpfen<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"embedded-image-gallery promo general-form\">\n<h2>25&#8217;340 Unterschriften gegen gef\u00e4hrliches Totalherbizid<\/h2>\n<\/div>\n\n<div class=\"embedded-image-gallery promo general-form\">\n<div class=\"text\">\n<p class=\"copyright\">\u00a9 Greenpeace \/Ex-Press\/Miriam Kuenzli<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Wir brauchen einen grunds\u00e4tzlichen Wandel in der Landwirtschaft und eine Abkehr von der rein industriellen Logik. Denn das Ziel der Landwirtschaft sollte es ja sein, gesunde Lebensmittel zu produzieren und dabei die Fruchtbarkeit der B\u00f6den zu erhalten \u2013\u00a0und nicht die Kassen weniger globaler Agrokonzerne zu f\u00fcllen.<\/span><\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n<p>[1] Trends in glyphosate herbicide use un the United States and globally (<a href=\"http:\/\/enveurope.springeropen.com\/articles\/10.1186\/s12302-016-0070-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/enveurope.springeropen.com\/articles\/10.1186\/s12302-016-0070-0<\/a>)<\/p>\n<p>[2] US-Patent Glyphosat als Chelatbildner (<a href=\"http:\/\/pdfpiw.uspto.gov\/.piw?Docid=03160632&amp;homeurl=http:\/\/patft.uspto.gov\/netacgi\/nph-Parser?Sect1=PTO2%26Sect2=HITOFF%26p=1%26u=%252Fnetahtml%252FPTO%252Fsearch-bool.html%26r=1%26f=G%26l=50%26co1=AND%26d=PALL%26s1=%25223160632%2B%2522.PN.%26OS=PN\/%26RS=&amp;PageNum=&amp;Rtype=&amp;SectionNum=&amp;idkey=NONE&amp;Input=View+first+page\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/pdfpiw.uspto.gov\/.piw?Docid=03160632&amp;homeurl=http:\/\/patft.uspto.gov\/netacgi\/nph-Parser?Sect1=PTO2%26Sect2=HITOFF%26p=1%26u=%252Fnetahtml%252FPTO%252Fsearch-bool.html%26r=1%26f=G%26l=50%26co1=AND%26d=PALL%26s1=%25223160632%2B%2522.PN.%26OS=PN\/%26RS=&amp;PageNum=&amp;Rtype=&amp;SectionNum=&amp;idkey=NONE&amp;Input=View+first+page<\/a><\/p>\n<p>[3] Zwei Jahrzehnte des Versagens (<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Publikationen\/Landwirtschaft\/Zwei-Jahrzehnte-des-Versagens\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Publikationen\/Landwirtschaft\/Zwei-Jahrzehnte-des-Versagens\/<\/a>)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abW\u00e4r hett\u2019s erfunde?\u00bb Erstaunlicherweise heisst die Antwort auf diese Frage auch beim weltweit am meisten eingesetzte Herbizid Glyphosat: \u00abDie Schweizer habens erfunden!\u00bb Es war Dr. Henri Martin, ein Forscher der&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":9777,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[33],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-9771","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-ernaehrung","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9771"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9771\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9771"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=9771"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=9771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}