{"id":9817,"date":"2016-03-02T00:00:00","date_gmt":"2016-03-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9817\/fataler-fischzug-unterwasserdrama-in-der-arktis\/"},"modified":"2019-05-30T10:15:14","modified_gmt":"2019-05-30T08:15:14","slug":"fataler-fischzug-unterwasserdrama-in-der-arktis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9817\/fataler-fischzug-unterwasserdrama-in-der-arktis\/","title":{"rendered":"Fataler Fischzug \u2013 Unterwasserdrama in der Arktis"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der norwegischen Arktis zieht sich die Eisdecke als Folge der Klimaerw\u00e4rmung zur\u00fcck. Jetzt wo sich viele \u00d6lkonzerne zur\u00fcckgezogen haben, kommen die\u00a0Industriefischer. Das hat fatale Folgen f\u00fcr das unerschlossene marine \u00d6kosystem. \u00a0<\/strong><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\"><a class=\"open-img EnlargeImage\" title=\"\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d32ef4bc-d32ef4bc-jellyfish_arctic.jpg\"> <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" style=\"border-width: 0px;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d32ef4bc-d32ef4bc-jellyfish_arctic.jpg\" alt=\"\" \/><br \/>\n<\/a><span class=\"date\">Mittwoch, 2. M\u00e4rz 2016\u00a0<\/span>Gelbhaar-Quelle \u00a9 Alexander Semenov<\/div>\n<\/div>\n<p>Die arktischen Gew\u00e4sser sind weniger gut erforscht als der Mond. Jahrtausendelang galt die Tiefsee als Hort von Ungeheuern, die ins Wasser gefallene Seefahrer verschlingen. Noch vor rund 150 Jahren behaupteten Biologen, unterhalb von 600 Metern existiere gar kein Leben im Meer. Heute sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler \u00fcberzeugt: Da unten leben unz\u00e4hlige unentdeckte Tierarten.<\/p>\n<p>Die n\u00f6rdliche Barentssee und die Gew\u00e4sser rund um Spitzbergen sind Heimat einer ausserordentlichen Biodiversit\u00e4t von globaler Bedeutung. Hier gibt es Kaltwasserkorallen, verschiedene Walarten wie Belugas, Finn- und Gr\u00f6nlandwale, Eisb\u00e4ren, Walr\u00f6sser und einige der weltweit gr\u00f6\u00dften Kolonien von Seev\u00f6geln wie etwa Papageitaucher und Lummen. Diese Meeresregionen beheimaten zudem ausgesprochen fortpflanzungsfreudige Fischbest\u00e4nde. In der Barentssee leben \u00fcber zweihundert Fischarten, von denen der Kabeljau die am weitaus bekannteste und wirtschaftlich wichtigste ist: Der Kabeljau-Bestand in der nord\u00f6stlichen Arktis ist der gr\u00f6sste der Welt. Da unten liegt wahrlich Magie in der Luft bzw. im Wasser: Narwale sind die Einh\u00f6rner der Meere, Wasserschnecken, auch Seeschmetterlinge genannt, gleiten mit zarten Fl\u00fcgeln wie Elfen durch das Wasser, und die langen Tentakel der Gelbhaar-Quallen erinnern an das M\u00e4rchen von Rapunzel.<\/p>\n<p><strong>Statt den \u00d6lkonzernen kommen jetzt die Industriefischer<\/strong><\/p>\n<p>Doch wie bei den Gebr\u00fcdern Grimm \u00fcblich, machen sich auch hier B\u00f6sewichte auf, die Idylle zu zerst\u00f6ren: Die Industriefischer r\u00fcsten auf. Mit ihren tonnenschweren und riesigen Netzen wollen sie die unber\u00fchrte Unterwasserwelt verw\u00fcsten. Sie sehen sich als Nutzniesser der Klimaerw\u00e4rmung. Denn wenn sich das Eis zur\u00fcckzieht haben ihre Monsterschiffe freie Bahn.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr die Fangunternehmen eine willkommene Gelegenheit. Die Industrie hat den\u00a0\u00abRun\u00bb\u00a0auf die Ressourcen \u2013 Rohstoffe, aber auch Tiere &#8211; der Arktis er\u00f6ffnet.\u00a0Doch bereits \u00d6lkonzerne wie Shell, die glaubten, zur Erschliessung neuer Vorkommen weiter in die Arktis vordringen zu k\u00f6nnen,\u00a0<a title=\"Shell legt Arktis-Pl\u00e4ne auf Eis\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/shell-gibt-auf\/blog\/54232\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">scheiterten<\/a>. Es handelt sich um ein riesiges Gebiet, das in den vergangenen Jahren abgetaut ist und nun von Schiffen befahren werden kann: Zwischen 1998 und 2008 hat die Eisausdehnung in der Barentssee um 50 Prozent abgenommen.<\/p>\n<p><a title=\"Industriefischer in der Arktis\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/Global\/international\/publications\/climate\/2016\/This-Far-No-Further.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Eine neue Greenpeace-Untersuchung (engl.)<\/a>\u00a0zeigt, dass industrielle Fischereiflotten mit Grundschleppnetzen immer weiter in abgelegene\u00a0Gebiete der n\u00f6rdlichen Barentssee im norwegischen Teil der Arktis vordringen. Dort, wo zuvor dickes Eis der Ausbeutung der Meere im Weg stand, k\u00f6nnen Fischtrawler inzwischen weit in bislang unerschlossenes Gebiet vordringen. Greenpeace hat rund 18 Millionen Schiffs-Positionssignale der Fischereiindustrie analysiert. Die Ergebnisse zeigen: Mehr als 100 der insgesamt 189 Trawler mit Lizenzen f\u00fcr den norwegischen Sektor der Barentssee fischten bis auf Breitengrad 78 und n\u00f6rdlicher \u2013 also in genau jenen Gegenden, die sonst f\u00fcr den Grossteil des Jahres zugefroren waren.<\/p>\n<p>Die drei Fangunternehmen, die den Fischfang in der norwegischen Barentssee dominieren, haben alle schon in den hohen, bislang unzug\u00e4nglichen Breitengraden nach Kabeljau gefischt. \u00dcber ein Netzwerk von H\u00e4ndlern und Fischverarbeitern beliefern sie Abnehmer in Europa, Asien und Nordamerika. Nicht zuletzt der britische Imbissklassiker \u00abFish and Chips\u00bb sorgt f\u00fcr stete Nachfrage nach Kabeljau aus der Barentssee.<\/p>\n<p><strong>Was muss sich \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem ist, dass es in Norwegen keine Gesetzgebung gibt, welche die zum grossen Teil unentdeckten und empfindlichen Meeresgebiete der n\u00f6rdlichen Barentssee ad\u00e4quat unter Schutz stellt. Die Fischereiunternehmen und der Fischhandel haben bislang keine Unternehmensrichtlinien, die die Fischerei in diesen Gew\u00e4ssern oder die Abnahme der Fische verhindern. Dementsprechend ist das Gebiet schutzlos der industriellen Fischerei mit ihren zerst\u00f6rerischen Praktiken ausgeliefert.<\/p>\n<p>Das muss sich \u00e4ndern. Greenpeace fordert die norwegische Regierung auf, in der n\u00f6rdlichen Barentssee und rund um Spitzbergen ein Meeresschutzgebiet einzurichten, in dem jegliche industrielle Nutzung untersagt ist. Von den Fischereiunternehmen und ihren Abnehmern verlangen wir, dort nicht zu fischen. Dieser Teil des Meeres ist von immenser Bedeutung f\u00fcr die Artenvielfalt des Planeten: Er darf nicht kommerziellen Interessen zum Opfer fallen.<\/p>\n<p>Unterzeichnen Sie unsere <a title=\"Save the Arctic\" href=\"https:\/\/www.savethearctic.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Petition zum Schutz der Arktis<\/a>.<\/p>\n<div class=\"embedded-image-gallery promo general-form\">\n<h2>Arktische Tierwelt<\/h2>\n\n<div class=\"text\">\n<p class=\"description\">Fantastische Bilder der arktischen Tierwelt. Die m\u00e4rchenhafte Unterwasserwelt des hohen Nordens ist weniger gut erforscht als der Mond. Doch jetzt kommen die Industriefischer.<\/p>\n<p class=\"copyright\">\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der norwegischen Arktis zieht sich die Eisdecke als Folge der Klimaerw\u00e4rmung zur\u00fcck. Jetzt wo sich viele \u00d6lkonzerne zur\u00fcckgezogen haben, kommen die\u00a0Industriefischer. 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