{"id":9863,"date":"2016-02-05T00:00:00","date_gmt":"2016-02-04T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/9863\/fette-kasse-ein-satirischer-essay\/"},"modified":"2019-05-30T10:16:02","modified_gmt":"2019-05-30T08:16:02","slug":"fette-kasse-ein-satirischer-essay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/9863\/fette-kasse-ein-satirischer-essay\/","title":{"rendered":"Fette Kasse \u2013 ein satirischer Essay"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00abPro Juventute schl\u00e4gt Alarm. Jeder achte Kinderg\u00e4rtler ist zu dick!\u00bb \u2013 Das war die \u00abBlick\u00bb-Schlagzeile vom 17. M\u00e4rz 2015. Was in Nordamerika schon lange un\u00fcbersehbar geworden ist, tritt nun auch hierzulande zunehmend deutlich ans Licht: die \u00dcberfettung und -zuckerung der Gesellschaft, namentlich ihrer Kinder. Dies geschieht wesentlich deshalb, weil auch im Foodbusiness das Bereicherungsprinzip \u00abGewinne privatisieren, Kosten sozialisieren\u00bb gilt. Es wird sogar besonders dreist angewandt: Einige wenige verdienen daran, Kinder als Konsummaschinen zu missbrauchen, und Abertausende Eltern zahlen die Zeche. Und zwar doppelt: beim Kauf der Zucker- und Fettwaren und beim Begleichen der \u00abReparaturkosten\u00bb.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<p>Das Problem ist augenf\u00e4llig. Und eigentlich m\u00fcsste die Fastfood-, Chips- und Softdrink-Industrie verpflichtet werden, in einen McSchleck-Risikofonds einzuzahlen, aus dem steigende Gesundheits- oder Kurkosten abgefedert w\u00fcrden. Doch das wird in absehbarer Zeit nicht geschehen. Warum? Weil die Fettlobby grosse Abh\u00e4ngigkeiten geschaffen hat. Arbeitspl\u00e4tze! \u2013\u00a0so lautet auch in diesem Fall das Totschlagargument. Es trifft auf den ersten Blick zu: In der Tat wurden viele Jobs in Schweinem\u00e4stereien, Megametzgereien, Abf\u00fcllanlagen und in der Getr\u00e4nkeauslieferung geschaffen. Auf den zweiten Blick stimmt es immer noch: Auch in der Problembew\u00e4ltigung sind in Zukunftsbranchen wie Ern\u00e4hrungsberatung, Abmagerungskurbegleitung und zahn\u00e4rztliche Zusatzdienste zahlreiche Stellen geschaffen worden. Es ist nicht zu leugnen: Jedes neue Konsumgut kann nicht nur neue Krankheiten hervorrufen, sondern bringt auch neue Jobs hervor.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Auf wessen Kosten diese Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden, fragt sich indes sp\u00e4testens beim dritten Blick: Wer kommt an die Kasse? Die Haushaltskassen. \u00dcber diese wird sozialisiert, d.h. die gesellschaftlichen Kosten in Form zum Beispiel von h\u00f6heren Krankenkassenpr\u00e4mien bezahlt. Und wenn mehr aus den Kassen der Haushalte fliesst, aber nicht mehr in sie hinein, m\u00fcssen die Eltern folglich das Geld anderswo einsparen (und damit werden aber \u00fcberall \u00abdort\u00bb auch Arbeitspl\u00e4tze eingespart).<\/p>\n<p>Die Strategie der privaten Profiteure ist dabei ganz banal: Um m\u00f6glichst viel privaten Gewinn machen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die gesellschaftlichen Kosten m\u00f6glichst lange versteckt oder verschleiert werden. Wie macht man das? Oft eingesetzte Mittel sind Imagekampagnen und (Gegen-)Studien. Das erste \u2013 ins Image zu investieren \u2013 versteht sich von selbst. Das zweite weniger. (Gegen-)Studien sind aber eine probate Verz\u00f6gerungstaktik, wenn sie geschickt inszeniert (und finanziert) werden. Ihr Sound geht etwa so: \u00abEs ist noch nicht gesichert, dass &#8230; Also braucht noch weitere Forschung.\u00bb Wie das Prinzip Gegenstudie funktioniert, zeigt die Erd\u00f6llobby anschaulich. Sie schaffte es, mit einer einzigen, raffiniert verbreiteten klimaskeptischen Gegenstudie hundert klimawarnende Studien in Frage zu stellen und wirklich steuernde CO2-Abgaben bisher zu verhindern.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re demnach nicht \u00fcberraschend, g\u00e4be es bald Studien, die zeigten, dass nicht mit absoluter Sicherheit nachgewiesen werden kann, dass drei Burger oder f\u00fcnf Bulls pro Tag einen negativen Einfluss auf das Breitenwachstum kindlicher K\u00f6rper haben. Illustrativ daf\u00fcr ist ein k\u00fcrzlich aufgeflogener Skandal: Der Coca-Cola-Konzern versuchte drei Professoren zu kaufen, die attestieren sollten, dass \u00abder Konsum von S\u00fcssgetr\u00e4nken und die epidemische Zunahme von \u00fcbergewichtigen und diabeteskranken Menschen keinen direkten Zusammenhang\u00bb h\u00e4tten (siehe TA vom 26.11.15).<\/p>\n<p>Eigentlich ist nicht einsichtig, warum bei der Ern\u00e4hrung schlecht sein sollte, was bei AKW recht ist. Bekanntlich m\u00fcssen AKW-Betreiber f\u00fcr ihre effektiven und potenziellen Sch\u00e4den R\u00fcckbaufonds- und Risikoversicherungspr\u00e4mien zahlen und berappen so einen Teil der sozialen Kosten selber. Viel zu wenig, aber immerhin. Und w\u00fcrden Kalorienbomben ebenfalls als gesellschaftliche Zeitbomben betrachtet und mit einer Abgabe belastet, st\u00fcnden Gelder zur Milderung der Sch\u00e4den, f\u00fcr Fettr\u00fcckbau oder Pr\u00e4vention zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Sollte dereinst dennoch ein solcher McSchleck-Fonds eingerichtet werden, ist allerdings das Problem vorauszusehen, dass man sich \u00fcber den Einsatz der Fondsgelder einigen muss. Wirtschaftsfreundliche Kreise w\u00fcrden in Sport- und Abmagerungskurse f\u00fcr \u00fcbergewichtige Kinder investieren wollen, weil Kurse Arbeitspl\u00e4tze schaffen. Denn w\u00fcrde das Geld mehrheitlich in die Pr\u00e4vention investiert, w\u00fcrden Stellen abgebaut. Und zwar beidseits der Wertsch\u00f6pfungskette \u00abfettleibiges Kind\u00bb, das sowohl beim Zunehmen wie auch beim Abnehmen Arbeit schafft.<\/p>\n<p>Derweil sieht McDo weitere Marktchancen: \u00abDie Fast-Food-Kette z\u00e4hlt zu ihren acht weltweiten Wachstumsm\u00e4rkten auch die Schweiz dazu. Der neue McDonald\u2019s Chef Steve Easterbrook hat vor Investoren seinen Schlachtplan [&#8230;] vorgestellt.\u00bb (20Minuten, 12.11.15).<\/p>\n<p>Wie auch immer: Aus Kindern werden unabh\u00e4ngig der Leibesf\u00fclle Erwachsene; allerdings liegt die Lebenserwartung Nichtschlanker tiefer. Was im einzelnen Fr\u00fchsterbefall f\u00fcrs direkte Umfeld schmerzhaft ist, f\u00fchrt \u00fcbers Ganze gesehen zu einem Arbeitsplatz-Plus, sofern kein Geld f\u00fcr die Pr\u00e4vention verschleudert wird. Denn von \u00dcbergewichtigen besetzte Arbeitspl\u00e4tze werden tendenziell fr\u00fcher frei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abPro Juventute schl\u00e4gt Alarm. Jeder achte Kinderg\u00e4rtler ist zu dick!\u00bb \u2013 Das war die \u00abBlick\u00bb-Schlagzeile vom 17. M\u00e4rz 2015. 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