Der Vertuschungsskandal um die kontaminierten Atommülltransporte ist nur das jüngste Beispiel für die Schlamperei von Industrie und Behörden. Schon seit längerem deckt die HSK manglende Sicherheitsvorkehrungen beim Transport von Atommüll: Die meisten in der Schweiz verwendeten Behälter sind offensichtlich nie richtig getestet worden. Trotzdem sehen die Behörden keinen Handlungsbedarf, wie ein Schreiben an Greenpeace belegt. Greenpeace fordert nun die Offenlegung aller Sicherheitsnachweise sämtlicher Behälter.

Zürich. Jahrelang wurden in der Schweiz fehlkonstruierte Atommüllbehälter des Typs NTL-11 per Bahn auf die Reise geschickt. Erst im März vergangenen Jahres stellten die französichen Sicherheitsbehörden fest, dass die Sicherheitsnachweise fehlten. Im Mai 97 forderten die Behörden vom britischen Behälterhersteller BNFL Nachweisdokumente. Die gewünschten Tests führte die BNFL jedoch erst nach neun Monaten durch. Mit erschreckenden Ergebnissen: Bei Falltests rissen die Stossdämpfer ab, ein weiterer Sturz und der vorgesehene Feuertest bei 800 Grad Celsius konnten gar nicht durchgeführt werden, „weil der NTL-11 die Feuerprobe nicht überstanden hätte“, so das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz. Dass der NTL-11 nie getestet worden ist, das wussten auch die Schweizer Behörden seit längerem. Gleichwohl wurden die Fehlkonstruktionen jahrelang auch in der Schweiz für Atommülltransporte in die britische Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield eingesetzt. Obwohl das Bundesamt für Energie dem Behälter NTL-11 die Bewilligung mittlerweile entzogen hat, verlässt es sich bei den anderen in der Schweiz gebräuchlichen Behältertypen immer noch blauäugig auf die Angaben der Hersteller und die Bewilligungsverfahren anderer Länder, wie dies das Bundesamt für Energie in einem Schreiben an Greenpeace bestätigte. Die Öffentlichkeit ist im Glauben, die Behälter seien getestet und würden strengen Sicherheitsanforderungen unterworfen. Dies wird von den Behörden und der Industrie u.A. mit Bildern von britischen Crashtests suggeriert. Die in diesen Tests gezeigten Behälter sind jedoch von der Form her anders konstruiert als jene Behälter, die in der Schweiz zum Einsatz gelangen. Selbst im Amtsbericht zuhanden des EVED (1992) gaukeln die Sicherheitsbehörden den eigenen vorgesetzten Stellen vor, dass die Behälter strenge Tests überstehen müssten, damit die Behälter für den Transport abgebrannter Brennelemente zugelassen würden.

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Wendel Hilti, Koordinator der Atomkampagne 01 / 447 41 41